Gewalt an Schulen und die Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit


Seminararbeit, 2007

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition Gewalt

3. Dimensionen von Gewalt
3.1 Personale Gewalt
3.1.1 Physische Gewalt
3.1.2 Psychische Gewalt
3.1.3 Mobbing / Bullying
3.2. Strukturelle Gewalt

4. Gewalt und Schule
4.1 Erkenntnisse der erziehungswissenschaftlichen Forschung
4.2 Ursachen für Gewaltverhalten
4.2.1. Familie
4.2.2. Peer group
4.2.3. Medienbereich
4.3. Schulformen
4.4. Einfluss der Schul- und Klassengröße
4.5. Internationale Vergleiche

5. Gewalt unter Jungen und Mädchen
5.1 Gewaltopfer
5.2 Gewalttäter/innen
5.3. Ergebnisse aus diversen Studien zur Geschlechtsspezifischen Gewalt an Schulen

6. Gewaltprävention
6.1. Praxisbeispiel: Gewaltprävention

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Geschlechtstypische Sozialisationsprozesse in Schule und Umfeld“ unter der Leitung von Uni.-Prof. Dr. Popp Ulrike bekam ich die Gelegenheit mich mit dem Forschungsfeld der Frauen- und Geschlechterforschung näher auseinanderzusetzen.

Zu Beginn des Semesters gab es eine Einführung in das Thema. Begriffe wie Geschlechterdifferenzen, Geschlecht als soziale Konstruktion und die Bedeutung von „Gender“ wurden geklärt. Die nächsten großen Themenfelder betrafen die Geschlechtersozialisation an Schulen und im außerschulischen Umfeld. Der letzte Themenkomplex befasste sich mit den praktischen Ansätzen einer gender-bewussten Pädagogik. Während des gesamten Semesters wurden oben genannte Themen immer wieder gemeinsam diskutiert und in Gruppen erarbeitet.

Vier Arbeitsgruppen erstellten außerdem Referate, welche folgende Themen zum Inhalt hatten: „Die Sicht der Schülerinnen und Schüler auf die koedukative Praxis“,

„Gewalt an Schulen und die Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit“,

„Mädchen und Jungen – männliche und weibliche Jugendliche in der Familie“, „Geschlechtersensibilisierung und geschlechterbewusste pädagogische Arbeit“.

Das Thema „Gewalt an Schulen und die Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit“ hat mich besonders bewegt, daher möchte ich in meiner Seminararbeit näher darauf eingehen.

Gewalt an Schulen wurde zu Beginn der 90iger Jahre durch diverse Presseberichte thematisiert. Man hörte immer öfter von Schülern, die zu Amokläufern an amerikanischen Schulen wurden. Aber auch in Europa häuften sich die Fälle. Die Medien berichten seit diesem Zeitpunkt immer öfter über die Gewalttätigkeit von Schülern. Besonders erschreckend ist für mich die Tatsache, dass die Gewaltausübung immer roher und brutaler wird und die Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft sinkt.

In folgender Arbeit werde ich zu Beginn den Gewaltbegriff näher erläutern und auf die Dimensionen von Gewalt genauer eingehen. Weiters behandle ich das Thema der Gewalt an Schulen unter dem Geschichtspunkt der Geschlechterdifferenz. Abschließend gehe ich noch kurz auf die Gewaltprävention ein.

2. Begriffsdefinition Gewalt

Das Verständnis von Gewalt ist oft sehr unterschiedlich. Was für die eine Person schon eine Form Gewalt ist, fasst eine andere Person noch nicht als Gewalttätigkeit auf. Der Gewaltbegriff ist somit sehr umfassend und unterliegt oft dem subjektiven Empfinden. In zahlreichen Studien wird der Gewaltbegriff unterschiedlich definiert und ist sehr oft ungenau und zweideutig. Bis heute konnten sich die Wissenschaft und die Gesellschaft noch nicht auf eine gemeinsame Begriffsdefinition von Gewalt einigen. Auch in der Pädagogik gibt es noch keine einheitliche Definition, daher ist es bei empirischen Studien immer notwendig den Gewaltbegriff zu präzisieren, um zu validen Forschungsergebnissen zu kommen.

Folgend möchte ich drei Definitionen von Gewalt näher beschreiben:

„Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist. (...) Negative Handlungen können mit Worten (verbal) begangen werden, zum Beispiel durch Drohen, Spotten, Hänseln und Beschimpfen. Eine negative Handlung besteht auch, wenn jemand einen anderen durch Körperkontakt schlägt, tritt, stößt, kneift oder festhält. Es ist auch möglich, eine negative Handlung ohne den Gebrauch von Worten oder Körperkontakt zu begehen, zum Beispiel durch Fratzenschneiden oder schmutzige Gesten oder indem man jemanden von einer Gruppe ausschließt oder sich weigert, den Wünschen eines anderen entgegenzukommen. (...) Wenn der Begriff Gewalt verwendet wird, muss ein Ungleichgewicht der Kräfte vorliegen (ein asymmetrisches Kräfteverhältnis). (...) Es ist nützlich, zwischen unmittelbarer Gewalt – mit verhältnismäßig offenen Angriffen gegen das Opfer – und mittelbarer Gewalt in Form gesellschaftlicher Ausgrenzung und absichtlichem Ausschluss zu unterscheiden. Es ist wichtig, auch auf die zweite, weniger sichtbare Form der Gewalt zu achten.“ (Olweus 1996, 22-23)

Dan Olweus bezieht in seine Definition sowohl personale als auch strukturelle Gewalt mit ein. Er berücksichtigt physische, psychische und verbale Gewalthandlungen. Gewalt gegen Sachen schließt er allerdings nicht mit ein. Weiters wichtig für ihn ist, dass die Gewalthandlungen über einen längeren Zeitraum erfolgen, sowie das Herrschen eines Ungleichgewichts zwischen Täter und Opfer.

In Helga Theunerts Werk: „Gewalt in den Medien – Gewalt in der Realität“, 2. Auflage, KoPäd Verlag 1996 wird Gewalt auf der Seite 59 wie folgt definiert:

„Die Manifestation von Macht und/oder Herrschaft, mit der Folge und/oder dem Ziel der Schädigung von einzelnen oder Gruppen von Menschen.“

Nach dieser Begriffsdefinition müssen zwei Faktoren vorhanden sein, um von Gewalt sprechen zu können. Einerseits muss eine Schädigung des/der Betroffenen vorliegen, andererseits muss ein ungleiches Macht und Herrschaftsverhältnis vorherrschen. Theunert bezieht sich in ihrer Begriffsdefinition von Gewalt auf den Ansatz von Galtung Johan (1971), welcher zwischen personaler und struktureller Gewalt differenziert.

Winfried Böhm definiert im Wörterbuch der Pädagogik Gewalt wie folgt:

„Aufgrund auseinanderdriftender römisch-rechtl. u. dt.-umgangsprachl. Tradition ist der Begriff doppeldeutig u. meint sowohl die auf Recht beruhende u. rechtl. begrenzte, also rationale Amts- und Staatsg. (lat. potestas) als auch die unrechtmäßige und (oft) irrationale Verletzung oder Zerstörung (sog. >>rohe G.<<) von Personen u. Sachen (lat.violentia); als eine dritte Bedeutung ist in letzter Zeit die Gleichsetzung von G. und Zwang hinzugekommen (vgl. H. Marcuses Rede von der >>G. des Bestehenden<< oder J. Galtungs Theorie von der >>strukturellen G.<<) und hat den G.- Begriff übermäßig ausgedehnt (G. in allen Gesellschaften, die nicht die volle Entwicklung aller Anlagen jedes Menschen uneingeschränkt zulassen). Ob G. in der Geschichte (wie die → Aufklärung hoffte) abgenommen hat oder angewachsen ist, erscheint fraglich; gewiß aber ist die Sensibilität gegenüber G. gestiegen. Die Vorstellung von einer (vollkommen) von G. freien Gesellschaft bleibt eine →Utopie.

In Schule u. Erziehung wird neuerdings eine Zunahme von G. zwischen Kindern u. Schülern beobachtet, bei der sich die Deutung nahe legt, sie spiegele die in der Gesellschaft gesteigerte irrationale G. wider u. diene der psychischen Entladung angesichts einer erhöhten Leistungs- u. Wettbewerbssituation (sog. kathartische Funktion der G.). → Aggression, → Autorität.“ (Böhm 2000, 214)

Böhm spricht in seiner Definition die Vielfältigkeit des Gewaltbegriffes an. Er unterscheidet zwischen personaler und struktureller Gewalt. Besonders hebt er hervor, dass die Sensibilität gegenüber Gewalt zugenommen hat. Auch den Anstieg von Gewalt unter Schüler und Schülerinnen schließt er mit ein.

3. Dimensionen von Gewalt

Die zentralen Bestimmungen für die Existenz von Gewalt sind, das Vorhandensein von Macht und die erkennbare Schädigung des Subjektes.

Die Grundvoraussetzungen für Gewaltanwendung sind entweder situativ ungleiche Machtverhältnisse zwischen konkreten Personen (Täter-Opfer) oder generell ungleichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen in der Gesellschaft. Somit ergeben sich zwei zentrale Dimensionen von Gewalt einerseits, die personale Gewalt / direkte Gewalt, andererseits die strukturelle Gewalt / indirekte Gewalt.

Personale Gewalt ist gekennzeichnet durch die Gewaltausübung von Personen. Bei der strukturellen Gewalt geht die Gewalt von den Strukturen eines Gesellschaftssystems aus. (vgl. Theunert 1996, 60-61)

Folgende Abbildung zeigt die Dimensionen von Gewalt und deren Beziehungen auf welche ich im Anschluss näher eingehen werde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Theunert 1996, 61)

3.1 Personale Gewalt

Die personale Gewalt ist gekennzeichnet durch eine genau erkennbare Subjekt-Objekt-Beziehung zwischen Ausübenden und Betroffenen. Diese Täter-Opfer Beziehung ist als Gewalthandlung oder gewalttätiges Verhalten (Aktion) sichtbar.

Die Folge der Gewaltanwendung ist die Schädigung des/der Betroffenen, welche man physisch und/oder psychisch feststellen kann. (vgl. Theunert 1996, 86)

„Das Ziel der Gewaltanwendung hingegen kann, muß jedoch nicht direkt beobachtbar sein; es ist meist über die Hintergründe und den Entstehungskontext des Gewaltverhältnisses zu erschliessen.“ (vgl. Theunert 1996, 86)

Gewaltanwendungen entstehen nicht immer nur aus persönlichen Konflikten, oft stecken die strukturellen Gewaltverhältnisse dahinter. Der Ausübende sieht keine Lösung mehr und greift zu Gewalt.

Personale Gewalt hat zwei Erscheinungsformen: physische und psychische Gewalt.

3.1.1 Physische Gewalt

Die Dimension der physischen Gewalt fasst alle Formen der Gewalttätigkeit, die beim Opfer körperliche Schädigungen hervorrufen. Es können Menschen, Tiere und Sachen von physischer Gewalt betroffen sein.

Bei direkter Gewalt gegen Tiere (Tierquälerei) ist das Tier selbst betroffen. Es kann aber auch vorkommen, dass Gewalt gegen Tiere ausgeübt wird, um einen Menschen zu schädigen. Beispiel: Person A vergiftet den geliebten Hund von Person B, um sie somit zu verletzen / ihr Schaden zuzufügen. Tiere können auch als Gewaltmittel eingesetzt werden Beispiel: Eine Person gibt ihrem Hund den Befehl, eine andere Person anzugreifen.

Auch bei Gewalt gegen Sachen gibt es eine Differenzierung, grundsätzlich unterscheidet man zwischen Gewalt die sich direkt gegen Sachen richtet und Gewalt gegen Sachen, mit dem Ziel der Schädigung eines Menschen. (vgl. Theunert 1996, 86-87)

„Gewalt gegen Sachen ist insbesondere bedeutsam, wenn sie schädigende Folgen für den Menschen hat.“ (Theunert 1996, 87)

Ein historisches Beispiel für diese Art der Gewaltanwendung ist die Bücherverbrennung im Nationalsozialismus. Es wurden Bücher verbrannt, um die Menschen unter Druck zu setzen und psychisch zu schädigen. Die Vernichtung von Büchern war gleichzusetzen mit der Zerstörung von Menschen. (vgl. Theunert 1996, 87)

Zu den Mitteln der physischen Gewaltanwendung zählen körperliche Kraft, Waffen, aber auch Freiheitsentzug und das Entziehen essentieller Dinge, welche man zu Leben braucht, wie Luft, Wasser, Nahrung.

Gewaltausübende und –betroffene können einzelne oder mehrere Personen sein. Zu den Folgen physischer Gewalt zählen die körperliche Zerstörung, Verletzung und Beschränkung. Beim Menschen können noch zusätzlich psychische Beeinträchtigungen infolge der Gewaltattacke auftreten. (vgl. Theunert 1996, 88-89)

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Gewalt an Schulen und die Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Institut für Erziehungswissenschaften und Bildungsforschung)
Veranstaltung
„Geschlechtstypische Sozialisationsprozesse in Schule und Umfeld“
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V117208
ISBN (eBook)
9783640195701
ISBN (Buch)
9783640195824
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt, Schulen, Bedeutung, Geschlechtszugehörigkeit, Sozialisationsprozesse, Schule, Umfeld“
Arbeit zitieren
Silvia Traby (Autor), 2007, Gewalt an Schulen und die Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117208

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