Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Geschlechtstypische Sozialisationsprozesse in
Schule und Umfeld“ unter der Leitung von Uni.-Prof. Dr. Popp Ulrike bekam ich die
Gelegenheit mich mit dem Forschungsfeld der Frauen- und Geschlechterforschung
näher auseinanderzusetzen.
Zu Beginn des Semesters gab es eine Einführung in das Thema. Begriffe wie
Geschlechterdifferenzen, Geschlecht als soziale Konstruktion und die Bedeutung von
„Gender“ wurden geklärt. Die nächsten großen Themenfelder betrafen die
Geschlechtersozialisation an Schulen und im außerschulischen Umfeld. Der letzte
Themenkomplex befasste sich mit den praktischen Ansätzen einer genderbewussten
Pädagogik. Während des gesamten Semesters wurden oben genannte
Themen immer wieder gemeinsam diskutiert und in Gruppen erarbeitet.
Vier Arbeitsgruppen erstellten außerdem Referate, welche folgende Themen zum
Inhalt hatten: „Die Sicht der Schülerinnen und Schüler auf die koedukative Praxis“,
„Gewalt an Schulen und die Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit“,
„Mädchen und Jungen – männliche und weibliche Jugendliche in der Familie“,
„Geschlechtersensibilisierung und geschlechterbewusste pädagogische Arbeit“.
Das Thema „Gewalt an Schulen und die Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit“
hat mich besonders bewegt, daher möchte ich in meiner Seminararbeit näher darauf
eingehen.
Gewalt an Schulen wurde zu Beginn der 90iger Jahre durch diverse Presseberichte
thematisiert. Man hörte immer öfter von Schülern, die zu Amokläufern an
amerikanischen Schulen wurden. Aber auch in Europa häuften sich die Fälle. Die
Medien berichten seit diesem Zeitpunkt immer öfter über die Gewalttätigkeit von
Schülern. Besonders erschreckend ist für mich die Tatsache, dass die
Gewaltausübung immer roher und brutaler wird und die Hemmschwelle zur
Gewaltbereitschaft sinkt.
In folgender Arbeit werde ich zu Beginn den Gewaltbegriff näher erläutern und auf
die Dimensionen von Gewalt genauer eingehen. Weiters behandle ich das Thema
der Gewalt an Schulen unter dem Geschichtspunkt der Geschlechterdifferenz.
Abschließend gehe ich noch kurz auf die Gewaltprävention ein.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition Gewalt
3. Dimensionen von Gewalt
3.1 Personale Gewalt
3.1.1 Physische Gewalt
3.1.2 Psychische Gewalt
3.1.3 Mobbing / Bullying
3.2. Strukturelle Gewalt
4. Gewalt und Schule
4.1 Erkenntnisse der erziehungswissenschaftlichen Forschung
4.2 Ursachen für Gewaltverhalten
4.2.1. Familie
4.2.2. Peer group
4.2.3. Medienbereich
4.3. Schulformen
4.4. Einfluss der Schul- und Klassengröße
4.5. Internationale Vergleiche
5. Gewalt unter Jungen und Mädchen
5.1 Gewaltopfer
5.2 Gewalttäter/innen
5.3. Ergebnisse aus diversen Studien zur Geschlechtsspezifischen Gewalt an Schulen
6. Gewaltprävention
6.1. Praxisbeispiel: Gewaltprävention
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Gewalt an Schulen unter besonderer Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Differenzen sowie der zugrunde liegenden Sozialisationsprozesse.
- Definition und Dimensionen von Gewalt in Theorie und Praxis.
- Analyse der Ursachen für Gewaltverhalten im schulischen und außerschulischen Umfeld.
- Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Gewaltopfern und Gewalttätern.
- Präventionsansätze und praktische Interventionsmöglichkeiten an Schulen.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Psychische Gewalt
„Die Erscheinungsformen psychischer Gewaltanwendung und ihrer Folgen sind nicht nur sehr verschiedenartig, sondern auch sehr subtil; entsprechend schwierig ist ihre Wahrnehmung.“ (Theunert 1996, 90)
Täter und Opfer der psychischen Gewalt sind immer eine oder mehrere Personen. Diese Form der psychischen Gewalt gibt es ausschließlich unter Menschen, sie umfasst alle Ausprägungen von Gewalttätigkeit, die sich schädigend auf die Psyche einer Person auswirkt. Die hervorgerufenen Schädigungen können sehr vielfältig und verschiedenartig sein. Um nur einige Beispiele zu nennen: Konzentrationsschwäche, Unfähigkeit zur Meinungsäußerung, Angst, Verzweiflung, Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühle, Depressivität, usw.
Die häufigste Erscheinungsform psychischer Gewaltanwendung ist die verbale Attacke, welche sich u.a. durch Beschimpfung, Beleidigung, Drohung, Erpressung, Diskriminierung und Manipulation äußert.
Es gibt noch zwei weitere Formen der psychischen Gewaltausübung. Einerseits Gewaltakte gegen Sachen, um Menschen zu verletzen und andererseits Handlungen / Verhaltensweisen, welche den Menschen psychisch verletzen bzw. beschränken. Hierzu zählen u.a. Unterdrückung, Vorenthalten sozialer Kontakte, Missachtung, Abhängigmachen. (vgl. Theunert 1996, 89-90)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserin führt in den Themenkomplex der Geschlechtersozialisation und Gewalt an Schulen ein und erläutert ihre persönliche Motivation für die Themenwahl.
2. Begriffsdefinition Gewalt: Es werden verschiedene wissenschaftliche Definitionen von Gewalt diskutiert, um die Komplexität und Subjektivität des Begriffs zu verdeutlichen.
3. Dimensionen von Gewalt: Das Kapitel differenziert zwischen personaler Gewalt, unterteilt in physische und psychische Formen sowie Mobbing, und struktureller Gewalt.
4. Gewalt und Schule: Dieser Abschnitt beleuchtet Ursachen, internationale Vergleiche und Forschungsergebnisse zum Gewaltverhalten im schulischen Kontext.
5. Gewalt unter Jungen und Mädchen: Hier werden Geschlechterrollen bei Tätern und Opfern untersucht und mit empirischen Studienergebnissen untermauert.
6. Gewaltprävention: Das Kapitel stellt die drei Stufen der Prävention dar und illustriert diese anhand eines Praxisbeispiels aus Klagenfurt.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen zur Erstellung dieser Arbeit.
Schlüsselwörter
Gewalt, Schule, Geschlechterforschung, Sozialisation, Aggression, Mobbing, Prävention, Schulformen, Physische Gewalt, Psychische Gewalt, Täter-Opfer-Beziehung, Geschlechterdifferenz, Jugendgewalt, Konfliktlösung, Institutionelle Gewalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Phänomen der Gewalt an Schulen und untersucht, inwiefern die Geschlechtszugehörigkeit bei der Ausübung und dem Erleiden von Gewalt eine Rolle spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Gewalt, die Unterscheidung zwischen personaler und struktureller Gewalt, die Ursachenforschung in Familie und Umfeld sowie konkrete Präventionsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Mechanismen hinter schulischer Gewalt zu entwickeln und geschlechtstypische Sozialisationsmuster aufzuzeigen, die Gewaltverhalten beeinflussen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf einer Literaturanalyse verschiedener erziehungswissenschaftlicher Studien und Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Gewaltbegriffs, die Analyse von Gewalt in der Schule unter Einbeziehung internationaler Vergleiche sowie die Darstellung geschlechtsspezifischer Gewaltmuster und Präventionskonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gewaltprävention, Geschlechtersozialisation, Mobbing, Täter-Opfer-Dynamik und schulische Gewalt geprägt.
Wie unterscheidet sich Gewalt bei Jungen und Mädchen laut der Arbeit?
Jungen neigen laut den angeführten Studien eher zu physischer Gewalt, während Mädchen häufiger mittelbare oder psychische Gewaltformen anwenden.
Welche Rolle spielt die strukturelle Gewalt in der Schule?
Strukturelle Gewalt bezieht sich auf das institutionelle Gefüge, wie etwa Notendruck oder Versetzungsentscheidungen, bei denen Gewalt entpersonalisiert auftritt.
Was ist der Kern der im Praxisbeispiel beschriebenen Gewaltprävention?
Der Kern liegt in der Förderung sozialer Kompetenzen und alternativer Handlungsmöglichkeiten sowie in der Stärkung des Selbstwertgefühls der Schüler durch kreative Methoden.
Welche Bedeutung haben die internationalen Vergleiche?
Sie zeigen, dass Gewalt als schulisches Problem kulturell unterschiedlich bewertet und wahrgenommen wird, wobei die Gewaltbereitschaft in fernöstlichen Ländern etwa anders gelagert ist als in Europa oder den USA.
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- Silvia Traby (Author), 2007, Gewalt an Schulen und die Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117208