Zahlen des statistischen Bundesamtes belegen, dass alleine im Jahr 2000 von 194.410 geschiedenen Ehen, ca. 148.190 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen waren. Es werden unaufhaltsam mehr. Obgleich heutzutage jede 3. Ehe in Deutschland scheitert, wird dies und somit alternative Familienformen gesellschaftlich noch immer als Manko verspürt und verurteilt. Besonders die Kinder leiden darunter.
Besonderes Augenmerk der Arbeit fällt auf, wie der Titel schon aussagt, die Kinder, ihren Umgang mit Scheidung, Reaktionen hierauf und Auswirkungen des Erlebnisses auf ihre Persönlichkeitsentwicklung und ihre Zukunft. Hierauf wird im zweiten Teil eingegangen.
Doch zunächst wird verdeutlicht, wie wichtig die Familienbindungen für einzelne psychologische Entwicklungsstufen der Kinder sind.
Verschiedene Hilfe- und Interventionsformen, die unter anderem im sozialpädagogischen Bereich angeboten sind, werden zum Schluss benannt. Diese Hilfs- bzw. Unterstützungsangebote richten sich jedoch hauptsächlich an die Eltern. Verständlich aber, wenn man bedenkt, dass diese in erster Linie für das Wohl ihrer Kinder Sorge tragen und dass allein ihr Einfühlungsvermögen und Verständnis schon große Erleichterung für die Kinder darstellen können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.0 Die Importanz von Beziehungen einer Familie in der Entwicklung der Kinder
1.1 Die Entwicklung von Beziehungserfahrungen im Kleinkindalter
1.1.1 Die zunehmende Bedeutung des Vaters
1.1.2 Das familiäre Beziehungsdreieck
1.2 Die ödipale Phase
1.3 Die Latenzzeit und Adoleszenz
2.0 Die Bedeutung der Trennung und Scheidung für die Kinder
2.1 Die Familienbeziehung in der Trennung
2.2 Drei Stadien der Reaktionen
2.3 Reaktionsbedingende Faktoren
2.4 Die Ambivalenzphase
2.4.1 Das Kind zwischen den Fronten
2.5 Die Zeit der Trennung und Scheidung selbst
2.5.1 Alterstypische Reaktionen
2.5.2 Geschlechtspezifische Scheidungsreaktionen
2.6 Die Nachscheidungsphase
2.6.1. Die Familienkonstellation nach der Scheidung
2.6.2 Die Nachscheidungskrise
2.7 Symptome als Sprache
2.7.1 Wie Eltern dem Kind gegenüber agieren sollten
2.8 Langzeitfolgen der Scheidung
3.0 Maßnahmen professioneller Hilfe
3.1 Trennungs- und Scheidungsmediation
3.2 Trennungs- und Scheidungsberatung
3.3 Kindergruppenarbeit
Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die tiefgreifenden psychologischen Auswirkungen, die eine elterliche Trennung oder Scheidung auf die Entwicklung von Kindern hat, und beleuchtet dabei sowohl kurzfristige Erlebnisreaktionen als auch langfristige Folgen für die Persönlichkeitsstruktur und spätere Beziehungsfähigkeit. Ein zentrales Anliegen ist es, das Verständnis für kindliche Symptome als eine Form der Kommunikation zu schärfen und Eltern wie Fachkräften wirksame Interventions- und Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen.
- Psychische Entwicklungsstufen von Kindern und deren Abhängigkeit von stabilen Familienbindungen.
- Die Phasen des Trennungsprozesses und die daraus resultierenden Loyalitäts- und Identitätskonflikte.
- Alters- und geschlechtsspezifische Reaktionen sowie Abwehrmechanismen von Kindern.
- Professionelle Interventionsformen wie Mediation, Erziehungsberatung und pädagogische Kindergruppenarbeit.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Das Kind zwischen den Fronten
Ein Beispiel hierfür wäre der Wegfall der Möglichkeit der „gesunden“ Triangulierung, die am Anfang bereits beschrieben steht. Damit diese „funktioniert“ ist wie gesagt eine positive Verbindung zwischen den Partnern von Nöten, die jedoch im Falle der Ehe- bzw. Scheidungskrise meist nicht mehr gegeben ist, der Vater oft auch auszieht. Das Kind jedenfalls empfände nun, durch die gegenseitige Abwertung der Eltern untereinander, ein Zuwenden zu einem Elternteil als „Verrat“ am anderen und kommt dadurch in Loyalitätskonflikte. Eltern versuchen Kinder in konfliktbelasteten Zeiten häufig als Verbündete auf die eigene Seite zu ziehen und sie sozusagen als Spione gegen den anderen einsetzen oder missbilligen ihre Zuneigung zum anderen Elternteil.
Das Kind liebt in den meisten Fällen jedoch beide, hat jetzt aber das Gefühl das nicht mehr tun zu dürfen. Gerade Kinder die sich in der egozentrischen Phase befinden denken nun in der Begrenztheit ihrer kognitiven Fähigkeiten, wegen begangenem „Verrat“ durch Vergeltung, Beziehungsabbruch oder dadurch den „Betrogenen“ sehr verletzt zu haben bestraft zu werden. Hieraus resultieren enorme Ängste vor Liebesverlust und Heimzahlung. Zudem kommt noch, dass sie sich in sehr vielen Fällen schuldig fühlen. Laut den Schätzungen, unter anderem auch denen der Psychologen Wallerstein und Kelly sind es je nach Alter und Untersuchung 50 % jener Kinder, die sich für die Trennung ihrer Eltern und die damit einhergehenden Konflikte, verantwortlich sehen. Dieses Gefühl resultiert unter anderem daraus, dass es in jenen Krisen sehr oft auch um Erziehungsfragen geht. Das wiederum veranlasst das Kind zu denken, der Streit sei nur aufgrund seiner Existenz entstanden. Oder aber man fühlt sich deshalb schuldig an der Trennung da Wiederversöhnungsversuche, die auch ältere Kinder herbeiführen möchten, gescheitert sind und man somit also versagt hat. Der Loyalitätskonflikt schürt demnach Schuldgefühle und Ängste. Außerdem belastet er das Selbstwertgefühl, das ohnehin schon durch ebenjenen Irrglauben einen Verrat zu begehen, der für das Kind in dem Moment natürlich keiner ist, schwer beeinträchtigt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein und thematisiert die hohe Zahl betroffener Kinder sowie das gesellschaftliche Stigma von Scheidungen, während gleichzeitig die zentrale Forschungsfrage nach dem kindgerechten Umgang mit der Trennung formuliert wird.
1.0 Die Importanz von Beziehungen einer Familie in der Entwicklung der Kinder: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Grundlagen der kindlichen Entwicklung, insbesondere die Bedeutung von Bindungen und Triangulierungsprozessen in den ersten Lebensjahren.
2.0 Die Bedeutung der Trennung und Scheidung für die Kinder: Hier werden die verschiedenen Phasen und Faktoren analysiert, die den Trennungsprozess beeinflussen, sowie die vielfältigen altersspezifischen Reaktionsweisen und Symptome, die Kinder in dieser Krisenzeit entwickeln können.
3.0 Maßnahmen professioneller Hilfe: Dieses Kapitel beschreibt verschiedene Unterstützungsformen für Familien in der Trennungs- und Nachscheidungsphase, wobei ein besonderer Fokus auf die Mediation, die fachliche Beratung und die pädagogische Gruppenarbeit mit betroffenen Kindern gelegt wird.
Schluss: Das letzte Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die in der Einleitung aufgeworfenen Fragen zur Bedeutung des Zeitpunkts einer Trennung sowie zu den langfristigen Auswirkungen auf die künftige Beziehungsfähigkeit der Kinder.
Schlüsselwörter
Scheidung, Trennung, kindliche Entwicklung, Loyalitätskonflikt, psychologische Symptome, Familienbeziehung, Mediation, Erziehungsberatung, Kindergruppenarbeit, Bindungstheorie, Triangulierung, Bewältigungsstrategien, Adoleszenz, Eltern-Kind-Beziehung, Identitätsverlust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern, deren Eltern sich trennen oder scheiden lassen. Dabei stehen die psychische Befindlichkeit der Kinder, ihre Bewältigungsmechanismen sowie die Rolle der Eltern in diesem Prozess im Zentrum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Bedeutung von Familienbeziehungen für die kindliche Individuation, die verschiedenen Phasen des Scheidungsprozesses, typische altersspezifische Reaktionen von Kindern sowie konkrete Unterstützungsmöglichkeiten durch professionelle Beratungs- und Interventionsangebote.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie Eltern und Fachkräfte das Wohl des Kindes während und nach einer Trennung sichern können. Die Autorin möchte verdeutlichen, dass das kindliche Verhalten in dieser Situation oft als "Sprache" zu verstehen ist, auf die einfühlsam und fachlich fundiert reagiert werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgreifenden Literaturanalyse psychologischer und sozialpädagogischer Fachliteratur (unter anderem von H. Figdor) sowie der Einbeziehung von Praxisbeispielen aus Erziehungsberatungsstellen, um die theoretischen Konzepte mit der Realität zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die psychische Struktur des Kindes, die Phasen der Ambivalenz und der Nachscheidungskrise sowie die Auswirkungen von Loyalitätskonflikten. Zudem wird erläutert, welche Symptome (z. B. Regression, Psychosomatik) Kinder entwickeln und wie professionelle Hilfsangebote wie Mediation und Gruppenarbeit hier unterstützen können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Scheidung, Loyalitätskonflikt, kindliche Entwicklung, familiäres Beziehungsdreieck, Mediation, Bewältigungsstrategien und psychische Gesundheit charakterisieren.
Warum empfinden Kinder bei einer Trennung oft massive Schuldgefühle?
Aufgrund ihrer egozentrischen Phase und begrenzten kognitiven Fähigkeiten neigen Kinder dazu, Geschehnisse auf sich selbst zu beziehen. Sie interpretieren den elterlichen Streit häufig als Folge ihrer eigenen Existenz oder ihres Verhaltens, was zu einem schwerwiegenden Loyalitätskonflikt führt.
Welche Rolle spielt die Geschlechtsidentität bei Scheidungskindern?
Der Wegfall eines Elternteils als Identifikationsfigur kann insbesondere bei Söhnen oder Töchtern zu einer narzisstischen Kränkung führen. Das Kind sucht die Schuld für das Fehlen des Elternteils oft in sich selbst oder seinem Geschlecht, was die gesunde Identitätsentwicklung langfristig belasten kann.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Partner- und Elternebene so entscheidend?
Das Kind benötigt für seine gesunde Entwicklung beide Elternteile als Bezugspersonen. Gelingt es den Eltern, den partnerschaftlichen Konflikt von der elterlichen Verantwortung zu trennen, bleibt dem Kind das für die Triangulierung notwendige stabile Beziehungsdreieck erhalten.
- Quote paper
- Nicole Bork (Author), 2002, Scheidungskinder: Wie Kinder mit der Trennung ihrer Eltern umgehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11721