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Sozialfiguren der Coronavirus-Krise. Phasen des Erlassens und Lockerns von Corona- Schutzverordnungen

Titel: Sozialfiguren der Coronavirus-Krise. Phasen des Erlassens und Lockerns von Corona- Schutzverordnungen

Masterarbeit , 2021 , 99 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Jonas Partenheimer (Autor:in)

Soziologie - Medien, Kunst, Musik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die These der Arbeit ist, dass die Phasen des Erlassens und Lockerns von Corona- Schutzverordnungen im Zusammenspiel mit weiteren Schlüsselmomenten der Pandemie, das Auftreten stetig neuer Sozialfiguren bedingen.

Zur Umsetzung des Forschungsvorhabens und der Beantwortung der Forschungsfrage wird zunächst im Kapitel 1 theoretisches Hintergrundwissen zum gesellschaftlichen Umgang mit der Coronakrise ausgearbeitet. Darin erfolgt eine historische und gesellschaftspolitische Einordnung der Coronakrise. Kapitel 2 setzt sich mit dem theoretischen Konzept der Sozialfiguren auseinander. Im Fokus stehen dabei die Eigenschaften, die Genese und die Erforschung von Sozialfiguren.

Im Rahmen einer vergleichenden Analyse wird außerdem untermauert, weshalb es sich beim Sozialfigurenkonzept um eine eigenständige Theorie handelt. Das in der Arbeit zur Anwendung kommende methodische Vorgehen wird in Kapitel 3 vorgestellt. Darin werden im ersten Teil weitere Forschungsfragen formuliert, die an die Untersuchung von Sozialfiguren anknüpfen.

Im zweiten Teil von Kapitel 3 wird die zur Anwendung kommende Methode der kritischen Diskursanalyse vorgestellt und in einem dritten Teil auf die methodischen Voraussetzungen für die Erstellung der Figurentableaus eingegangen. Daran anschließend werden im Kapitel 4 die Sozialfiguren im Rahmen der Diskursanalyse untersucht. In Kapitel 5 werden mithilfe der Ergebnisse aus der Diskursanalyse in einem ersten Schritt ein zeitliches Figurentableau und in einem zweiten Schritt ein Figurenkonfigurationstableau erstellt und ausgewertet. Abschließend werden in Kapitel 6 im Fazit die Erkenntnisse aus der sozialfigurativen Erforschung der Coronavirus-Krise zusammengetragen und überlegt, wie die ausgearbeitete Methode für die Untersuchung zukünftiger gesellschaftlicher Krisen genutzt werden kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gesellschaft in der Coronakrise

2.1 Historische Einordnung

2.2 Risikopolitik

3. Das Sozialfigurenkonzept

3.1 Zu den Eigenschaften und der Genese von Sozialfiguren

3.2 Sozialfiguren im theoretischen Vergleich

3.3 Erforschung von Sozialfiguren

4. Forschungsdesign

4.1 Kritische Diskursanalyse

4.2 Ein Leitfaden zur Erforschung von Sozialfiguren

4.3 Figurentableaus

5. Sozialfiguren der Coronavirus-Krise

5.1 Patient 0

5.2 Der Hamsterkäufer

5.3 Die Systemrelevanten

5.4 Der Virologe

5.5 Der Krisenmanager

5.6 Die Geimpfte

5.7 Der Querdenker

6. Figurentableaus

6.1 Zeitliches Figurentableau

6.2 Figurenkonstellationstableau

7. Fazit und Ausblick

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht, welche gesellschaftlichen Erfahrungen und Problemstellungen während der Coronavirus-Krise durch die Kommunikation über sogenannte Sozialfiguren zum Ausdruck gebracht wurden. Dabei liegt der Fokus auf der Identifizierung charakteristischer Merkmale dieser Figuren und der Einordnung ihrer Entwicklung in ein sich fortlaufend wandelndes Krisennarrativ, um ein kohärentes Gesamtbild der Kollektiverfahrungen zu zeichnen.

  • Analyse von sieben zentralen Sozialfiguren der Corona-Pandemie (u.a. Patient 0, Hamsterkäufer, Virologe).
  • Untersuchung der zeitlichen Konfiguration und Defiguration von Sozialfiguren in Krisenzeiten.
  • Erstellung von Figurentableaus zur Visualisierung normativer Potenziale und sozialer Positionierungen.
  • Anwendung der kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger.
  • Verknüpfung historischer Präfigurationen mit aktuellen krisenhaften Erfahrungen.

Auszug aus dem Buch

5.1 Patient 0

Die Konfiguration der Sozialfigur des Patienten 0 erfolgt vordergründig in dem Zeitfenster vom 16. Februar 2020 bis zum 23. Mai 2020. Zu diesem Zeitpunkt war das relative Suchinteresse in Deutschland für den Begriff „Patient 0“ am höchsten.

Der im epidemiologischen Sinne als ‚Indexpatient’ zu bezeichnende Patient 0 steht am Anfang einer Infektionswelle. Seine Identifizierung ist für die Rekonstruktion von Infektionswegen und dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn von tragender Bedeutung (Antwerpes 2020). Über die Sozialfigur des Patienten 0 werden substanzielle Fragen und Probleme im Umgang mit der Coronakrise kommuniziert. Diese Problemlagen werden im Folgenden konturiert. Patient 0 ist eine der ersten Sozialfiguren, die sich im Zusammenhang mit der Coronavirus-Krise konfigurieren. Am Anfang der Auseinandersetzung mit Patient 0 steht die Suche nach dem Ursprung des Virus. Erschwert wird diese durch die, in vielen Fällen symptomfreie Übertragung des Coronavirus. Es sind bestimmte Städte und Gemeinden, die medial in den Vordergrund rücken, weil sich dort Indexpatient*innen lokalisieren lassen.

Im Zentrum der Spekulationen darüber, wo das Virus erstmals von einem Tier auf den Menschen übertragen wurde, steht der Huanan-Fischmarkt der chinesischen Metropolregion Wuhan. Unklar bleibt, ob sich Patient 0 wirklich dort infiziert hat. Wie der Spiegel am 18. Februar 2020 berichtet, spielt der Fischmarkt für die weitere Ausbreitung eine entscheidende Rolle (Köppe 2020). In der Titelgeschichte des Magazins vom 9. Mai 2020 wird die Schuldfrage gestellt: „Was geschah in Wuhan und wer hat Schuld an der Pandemie?“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die globale Krise durch COVID-19 und führt die wissenschaftliche Relevanz der Sozialfiguren als seismographische Indikatoren für gesellschaftliche Umbrüche ein.

2. Die Gesellschaft in der Coronakrise: Dieses Kapitel verortet die Pandemie in einen historischen Kontext und führt Andreas Reckwitz’ Konzept der Risikopolitik als analytischen Rahmen ein.

3. Das Sozialfigurenkonzept: Es wird die Theorie der Sozialfiguren als soziologisches Instrument zur Krisendiagnose dargelegt, in Vergleich zu anderen Konzepten gesetzt und methodisch verortet.

4. Forschungsdesign: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, insbesondere die kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger und die Konstruktion der analytischen Figurentableaus.

5. Sozialfiguren der Coronavirus-Krise: In diesem Hauptteil werden die sieben ausgewählten Sozialfiguren – Patient 0, Hamsterkäufer, Systemrelevante, Virologe, Krisenmanager, Geimpfte und Querdenker – detailliert analysiert.

6. Figurentableaus: Hier werden die Ergebnisse aus der Diskursanalyse in einem zeitlichen Verlauf und einer Figurenkonfigurationsmatrix zusammengeführt und ausgewertet.

7. Fazit und Ausblick: Das Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und reflektiert, wie die Methode der sozialfigurativen Analyse zukünftig auf andere Krisen, wie die Klimakrise, angewendet werden kann.

Schlüsselwörter

Coronavirus-Krise, Sozialfiguren, Kritische Diskursanalyse, Risikopolitik, Patient 0, Hamsterkäufer, Systemrelevanz, Virologe, Krisenmanager, Geimpfte, Querdenker, Figurentableau, Soziologie, Krisennarrativ, Normativer Konflikt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Coronavirus-Pandemie aus medienkulturwissenschaftlicher Perspektive, indem sie untersucht, wie gesellschaftliche Krisenerfahrungen durch sogenannte Sozialfiguren kommuniziert und strukturiert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Wahrnehmung von Risiken in der modernen Gesellschaft, das soziale Verhalten in Krisenzeiten, die Bedeutung medialer Kommunikation sowie die normativen Konflikte, die durch die Pandemie aufgedeckt wurden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Charakteristika spezifischer Sozialfiguren herauszuarbeiten und zu zeigen, wie diese Figuren helfen, das komplexe Krisennarrativ der Pandemie zu konturieren und zeitlich einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger sowie das Konzept der Sozialfiguren von Moser und Schlechtriemen, ergänzt durch die Erstellung von Figurentableaus zur Visualisierung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil erfolgt eine tiefgehende Analyse von sieben Sozialfiguren (Patient 0, Hamsterkäufer, Systemrelevante, Virologe, Krisenmanager, Geimpfte, Querdenker) hinsichtlich ihrer Konfiguration, Defiguration und Refiguration.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sozialfiguren, Coronavirus-Krise, Risikopolitik, Krisennarrativ, Diskursanalyse und normative Merkmalsoppositionen.

Wie unterscheidet sich der Virologe von klassischen wissenschaftlichen Figuren?

Anders als der nerdige oder "Mad Scientist"-Typus aus der Popkultur tritt der Virologe in der Coronakrise als zentraler, öffentlichkeitswirksamer Akteur auf, der seine Expertise direkt in den Dienst der Krisenbewältigung stellt.

Was verdeutlicht die Sozialfigur des Hamsterkäufers hinsichtlich sozialer Normen?

Sie offenbart den tiefgreifenden Konflikt zwischen individueller Angstreaktion und kollektiver Solidarität sowie die Diskrepanz zwischen injuktiven Normen (was man tun sollte) und sozialen Normen (was tatsächlich getan wird).

Warum ist das "Figurentableau" für die Analyse so wichtig?

Das Tableau ermöglicht es, das normative Potenzial und die sozialen Beziehungen der Figuren untereinander zu visualisieren und ihre Bedeutung im Krisengeschehen systematisch zu gewichten.

Welche Rolle spielt die Politik bei der Konfiguration dieser Figuren?

Politische Akteure nutzen diese Figuren teils als Ankerpunkte für ihre Krisenkommunikation (z.B. Helden-Narrative), während sie gleichzeitig durch eigenes Handeln (z.B. Maßnahmen) die Konfiguration neuer Figuren maßgeblich beeinflussen.

Ende der Leseprobe aus 99 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sozialfiguren der Coronavirus-Krise. Phasen des Erlassens und Lockerns von Corona- Schutzverordnungen
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Autor
Jonas Partenheimer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
99
Katalognummer
V1172204
ISBN (PDF)
9783346589507
ISBN (Buch)
9783346589514
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Corona Medien Soziologie Covid19 Sozialfigurenkonzept Coronakrise Diskursanalyse Querdenker Geimpfte Virologen Hamsterkäufer Gesellschaft Sozialfiguren Risikopolitik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jonas Partenheimer (Autor:in), 2021, Sozialfiguren der Coronavirus-Krise. Phasen des Erlassens und Lockerns von Corona- Schutzverordnungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1172204
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Leseprobe aus  99  Seiten
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