Es wird wieder mehr und häufiger mit Gruppen von Kindern gesungen. (Stichwort: Cantooder
Felix-Kindergärten, Musikschullehrkräfte in der verlässlichen Halbtagsgrundschule,
Musikgarten, u. Ä.) Dies ist eine sehr schöne Aufgabe, stellt aber an den Unterrichtsstil, die
Fertigkeiten und die Kontrollmechanismen der Erziehenden einige Anforderungen.
Während Gesanglehrende im direkten Gegenüber spezielle Stimmprobleme sofort hören und
diese dann durch Übungen angehen können, bleibt die Hörkontrolle in einer Gruppe oder bei
chorischer Stimmbildung stets auf den Gesamtklang beschränkt. Insbesondere die
Überforderung durch zu hohes oder zu tiefes Singen oder zu starkes Forcieren muss auch an
der Haltung erkannt werden oder von vornherein durch geeignete Tonlagen der Lieder und
entsprechende Stimmbildung ausgeschlossen bleiben.
Wir alle wissen, wie stark ständige stimmliche Überforderung die Gesundheit der Stimme
schädigen kann, und sollten daher gerade den Kindern, die ihre Liebe zum Gesang erst
ausprobieren und entdecken wollen, durch geeignete Tonlagen beim Singen von Liedern
entgegenkommen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. STIMMUMFÄNGE IN DER FORSCHUNG
3. STIMMGESUNDHEIT WICHTIGER ALS GESANGSTIL
4. PRAKTISCHES VORGEHEN
5. STIMMLICHE BILDUNG FÜR ERZIEHENDE
6. NUR VORBILD SEIN REICHT NICHT
7. DIE GEEIGNETE TONLAGE FINDEN
8. BEISPIELE FÜR DIE PRAXIS
9. SINGEN SOLL SPAß MACHEN
10. LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die stimmphysiologischen Anforderungen beim gemeinsamen Singen in Kindergarten und Grundschule mit dem Ziel, gesundheitsschädigende Überforderungen durch ungeeignete Tonlagen zu vermeiden. Sie entwickelt methodische Ansätze zur Bestimmung geeigneter Singlagen und betont die Notwendigkeit einer fachlichen Stimmbildung für pädagogische Fachkräfte.
- Analyse aktueller Stimmumfänge bei Kindern unter Berücksichtigung physiologischer Faktoren
- Kritische Auseinandersetzung mit der Vorbildfunktion und dem Einfluss populärer Musik
- Praktische Methoden zur Bestimmung der Tessitur und geeigneter Transpositionen
- Empfehlungen für die stimmliche Qualifikation von Erziehenden
Auszug aus dem Buch
Stimmumfänge in der Forschung
Viel und zum Teil auch Widersprüchliches ist über die verfügbaren Umfänge der Kinderstimme gesprochen und geschrieben worden. Von einer ersten Untersuchung von über 1300 Kindern in Karlsruhe durch Hartlieb im Jahre 1957 bis zu neuesten Veröffentlichungen. Zuletzt zwei etwa zeitgleiche Untersuchungen in Wien und in Marburg.
Ich möchte hier nur auf den zum gemeinsamen Singen von Liedern in Kindergruppen oder Schulklassen möglichen Bereich eingehen und zeigen, warum aus meiner Erfahrung und meinen Forschungsergebnissen heute eher etwas tiefer gesungen werden kann, als es vielleicht vor 50 Jahren üblich und möglich war. Dies hat verschiedene Gründe (siehe Tab. 1).
Zusammenfassung der Kapitel
VORWORT: Einleitende Reflexion über die zunehmende Bedeutung des Singens in Kindergruppen und die damit verbundenen Anforderungen an die stimmliche Kontrolle durch Erziehende.
STIMMUMFÄNGE IN DER FORSCHUNG: Übersicht über wissenschaftliche Untersuchungen zur Kinderstimme und Begründung, warum moderne Stimmumfänge eine tiefere Lage nahelegen.
STIMMGESUNDHEIT WICHTIGER ALS GESANGSTIL: Fokus auf gesunde Verhaltensweisen gegenüber starren ästhetischen Vorstellungen und Problematik der Sprechstimmlage.
PRAKTISCHES VORGEHEN: Vorstellung von Übungsmethoden zur Entwicklung der Kopfstimme und spielerischer Vermittlung von Tonumfangserweiterungen.
STIMMLICHE BILDUNG FÜR ERZIEHENDE: Plädoyer für eine stimmliche Selbstschulung der pädagogischen Kräfte als Voraussetzung für eine gesunde Anleitung der Kinder.
NUR VORBILD SEIN REICHT NICHT: Kritische Analyse der Wirksamkeit von Gesangsvorbildern und Notwendigkeit regelmäßigen Trainings.
DIE GEEIGNETE TONLAGE FINDEN: Einführung in die methodische Bestimmung der Tessitur zur Vermeidung stimmlicher Überforderung.
BEISPIELE FÜR DIE PRAXIS: Konkrete Anwendungsvorschläge für Lieder und deren Transposition in verschiedene Tonlagen.
SINGEN SOLL SPAß MACHEN: Zusammenfassung der Bedeutung der Freude am Singen als langfristige Investition in Bildung und Gesundheit.
LITERATUR: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Kinderstimme, Stimmumfang, Stimmgesundheit, Gesangspädagogik, Tessitur, Sprechstimmlage, Stimmbildung, Musikpädagogik, Kopfstimme, Bruststimme, Singen in der Grundschule, Chorische Stimmbildung, Stimmhygiene, Tonartwahl, Sprachförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Publikation grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den stimmphysiologischen Aspekten des Singens in Kindergärten und Grundschulen und dem Ziel, durch wissenschaftlich fundierte Methoden gesundheitsschädigende Überforderungen zu verhindern.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Zentrale Themen sind die Forschung zu Stimmumfängen, die Bedeutung der Tessitur für die Tonartwahl, die stimmliche Bildung von Erziehenden sowie praktische Ansätze für den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass heutige Kinderstimmen oft andere Anforderungen stellen als früher, und Anleitungen zur Wahl gesunder Singlagen zu geben, um langfristige stimmliche Überbelastungen zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse aktueller Forschungsergebnisse und der Anwendung eines von ihm entwickelten „Durchschnittswerts“ (DW) zur Bestimmung der Tessitur von Liedern.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil liefert konkrete Anleitungen für Erziehende, wie sie durch Atemübungen, Glissandi und die richtige Wahl der Tonart (unter Beachtung der Tessitur) eine gesunde Singkultur etablieren können.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Stimmgesundheit, Tessitur, Mittenfrequenz, Kopfstimme und die pädagogische Verantwortung bei der Anleitung von Kindergruppen.
Warum reicht es laut Adelmann nicht aus, den Kindern einfach als Vorbild vorzusingen?
Der Autor weist anhand von Beobachtungen nach, dass Kinder dazu neigen, Lieder in ihrer eigenen Sprechstimmlage zu intonieren, selbst wenn sie ein höher singendes Vorbild hören, weshalb gezieltes Training notwendig ist.
Welche Rolle spielt die „Tessitur“ bei der Auswahl von Liedern für den Unterricht?
Die Tessitur ist entscheidend, da nicht der bloße Stimmumfang, sondern die Verteilung und Dauer der Töne in der oberen oder unteren Lage bestimmt, ob ein Lied für die Kinder stimmlich anstrengend oder gesund zu singen ist.
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- Prof. Dr. Winfried Adelmann (Author), 2008, Richtige Tonlagen für das Singen in Kindergarten und Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117229