Künstliche Intelligenz in der digitalen Welt. Ethische Auswirkungen auf die Gesellschaft


Bachelorarbeit, 2021

88 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Abstract

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Glossar

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Künstliche Intelligenz
2.1.1 Entwicklung
2.1.2 Schwache und starke KI
2.1.3 Möglichkeiten und Limits
2.2 Digitale Ethik und Maschinenethik
2.2.1 Mensch und Maschine
2.2.2 Maschine und Ethik
2.2.3 Diskriminierung und Verantwortung

3 Der Untergang des Homo sapiens?
3.1 Menschliche Entwicklung
3.2 Wer sind wir heute?
3.2.1 Werte, Wünsche und Sinngebungen
3.2.2 Menschliche Intelligenz
3.2.3 Bewusstsein und freier Wille

4 Anwendungen der KI in der digitalen Welt
4.1 Autonomes Fahren
4.1.1 Datenschutz
4.1.2 Ethische Probleme autonomer Fahrzeuge
4.1.3 Dilemmata
4.2 Gesundheitswesen
4.2.1 Innovationen
4.2.1.1 IBM Watson
4.2.1.2 Internet der Dinge
4.2.2 Ethische Grundprinzipien
4.2.3 Ethische Konflikte
4.2.4 KI und COVID-19
4.3 Digitale Bildung
4.3.1 Einsatzgebiete
4.3.1.1 Learning Analytics
4.3.1.2 Chatbots
4.3.1.3 Intelligente Tutorensysteme
4.3.2 Herausforderungen und Gefahren
4.3.3 Ethische Perspektiven

5 Zukunft
5.1 Dataismus
5.2 Post- und Transhumanismus
5.3 Singularität und Superintelligenz
5.4 Szenarien
5.5 Umfrage zur gesellschaftlichen Zukunft mit KI
5.5.1 Umfrage zu COVID-19

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abstract

In dieser Bachelorarbeit geht es um das voranschreitende und hochaktuelle Thema der künstlichen Intelligenz und die damit verbundenen ethischen Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Zusammenhänge. Das Ziel ist es herauszufinden, wie die künstliche Intelligenz die Gesellschaft auf ethische Weise beeinflusst - welche Effekte hierbei entstehen und wie sich diese in der Zukunft auswirken. Vor allem geht es um die Frage, warum der Mensch nach immer intelligenterer Technik strebt und welche Werte der Mensch vertritt. Der Fokus liegt vor allem darin, anhand drei digitaler Anwendungsbeispiele der künstlichen Intelligenz wie folgt gezielt herauszufinden: Die Probleme mittels der Ethik darzustellen, welche Perspektiven und Herausforderungen dabei entstehen und sowohl die Chancen als auch die Auswirkungen transparent zu beschreiben.

Die Theorie des Zukunftsthemas behandelt hauptsächlich Themen wie Dataismus, Post- und Transhumanismus, sowie Singularität und Superintelligenz. Dabei werden verschiedene Szenarien aufgezeigt, wie sich die Gesellschaft künftig in Verbindung mit künstlicher Intelligenz entfalten wird. Einschätzungen und Prognosen der Experten werden mittels verschiedener Thesen aufgezeigt und ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die künstliche Intelligenz stetig weiterentwickeln wird und ethische Überlegungen immer mehr in den Vordergrund rücken.

Für die fernere Zukunft wäre es wünschenswert, dass die globale Digitalisierung mit klaren Zielvorgaben, ethischen Grundwerten, zukunftsfähigen Visionen und gesetzlichen Rahmenbedingungen grenzüberschreitend zum Wohle aller Menschen gestaltet wird und dadurch keine Ausgrenzungen und Abhängigkeiten von den Technologien entstehen.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Der Turing-Test

Abbildung 2: Die Maslowsche Bedürfnispyramide für die digitale Welt

Abbildung 3: Detaillierte Version des autonomen Fahrens im Jahr 1956

Abbildung 4: Die 5 Stufen zum autonomen Fahren

Abbildung 5: Die zwei moralischen Dilemmata

Abbildung 6: Herausforderungen und Schwierigkeiten in der digitalen Lehre

Abbildung 7: Alltägliche Nutzung der KI-Systeme

Abbildung 8: Auswirkungen durch alltägliche Nutzung der KI-Systeme

Abbildung 9: Bedrohung von KI-Technologien

Abbildung 10: Auswirkungen durch Bedrohung von KI-Technologien

Abbildung 11: Interkulturelle Konflikte durch nicht vertretbare KI-Systeme

Abbildung 12: Auswirkungen durch nicht vertretbare KI-Systeme

Abbildung 13: Verlust auf Recht der personenbezogenen Daten

Abbildung 14: Auswirkungen durch Verlust der personenbezogenen Daten

Abbildung 15: Auswirkungen durch Einführung von int. anerkannten Regeln

Abbildung 16: Auswirkungen durch Verwendung von Echtzeitdaten

Abbildung 17: Auswirkungen durch Auflösung des Datenschutzes

Abbildung 18: Auswirkungen durch Verlust der Privatsphäre durch KI-Systeme

Abbildung 19: Auswirkungen durch unterschiedlichen Zugang zu Bildung

Abbildung 20: Auswirkungen durch Veränderung der menschlichen Fähigkeiten

Abbildung 21: Auswirkung der Corona-Pandemie auf KI-Technologien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im Laufe der Zeit, in der die Technik und die Digitalisierung immer weiter fortschreitet, rücken die ethischen, moralischen und gesellschaftlichen Werte immer weiter in den Vordergrund. Die digitale Welt wird für die Menschen sehr großgeschrieben und erhält einen immer höheren Stellenwert. Begriffe, wie Big Data, Internet der Dinge oder Industrie 4.0 sind heutzutage in aller Munde. Besonders der Ausbruch der Corona-Pandemie hat bisher gezeigt, wie stark die unterschiedlichsten Lebensbereiche der Gesellschaft und der Wirtschaft auf die Digitalisierung angewiesen waren. Die digitale Revolution ist in vollem Gange. Unmengen an Daten werden tagtäglich über Plattformen wie Facebook, Google oder Amazon generiert, die den Menschen immer gläserner machen. Durch automatisches Generieren der Daten, wie durch Suchanfragen oder soziale Netzwerke rückt ein diffuses Gefühl des Verlustes der eigenen Privatsphäre stetig in den Vordergrund der Gesellschaft. Nicht nur die ganze Welt wird vernetzter und smarter, sondern auch Gegenstände werden mittels technologischer Systeme miteinander verknüpft. Eine immer intelligentere und neue, digitale Welt entsteht.

Gerade im heutigen Zeitalter der Digitalisierung wird oft über das Thema der KI gesprochen und diskutiert. Schon längst hat die KI gewisse Bereiche in unserem Leben unter Kontrolle und greift unbewusst in den Alltag der Gesellschaft ein. KI-gesteuerte Systeme, wie persönliche Sprachassistenten, automatisiertes Fahren oder ein virtueller Tutor stehen für den Großteil der Bevölkerung schon an der Tagesordnung. Der Einfluss von KI auf unser Leben wird sich auch weiterhin als schleichender Prozess stetig vergrößern und hat das Potenzial, extreme Veränderungen in jeglichen Hinsichten zu bewirken. Auch weitere technologische Entwicklungen, wie intelligente Pflegeroboter in der Medizin, werden schon bald für die Menschen als Selbstverständlichkeit angesehen. Ethische Fragen sind deshalb gerade in dieser Zeit unumgänglich und müssen stets diskutiert und aufgegriffen werden. Die Werte eines Menschen in einer digital geprägten Gesellschaft verschieben sich und es ist unabdingbar, diese neu zu definieren und anzupassen (vgl. Wahl 2019, S. 4).

1.1 Problemstellung

Durch rasante Entwicklungen neuer Technologien werden zurzeit Dinge ermöglicht, die wir uns vor einigen Jahren noch nicht vorstellen konnten. Vergangenheit und Gegenwart beweisen uns, wie blitzartig der technologische Fortschritt in unsere Lebensbereiche mit einfließt. Durch die Digitalisierung entstehen neue Wege, die die Welt drastisch beeinflussen werden. Beispielsweise können soziale Interaktionen nicht nur in der analogen Welt kreiert werden, sondern seit einigen Jahren genauso digital stattfinden. Immer mehr Menschen gestalten dadurch ihr Leben vermehrt in der digitalen Welt. Sie werden heutzutage mit immer intelligenteren Möglichkeiten durch beispielsweise Sprachassistenten, wie Siri oder Cortana auf ihrem Smartphone konfrontiert. Solche Arten von KI-Systemen werden daher immer öfters in digitale Wege implementiert. Hierdurch ergeben sich neue Chancen, aber auch vielerlei Herausforderungen, die die Welt drastisch verändern werden. Die KI nimmt infolgedessen immer häufiger Platz in unsere Lebens- und Wirtschaftsbereiche ein und ist ein sehr breitgefächertes Thema, das viele Menschen noch nicht vollständig begreifen und richtig einschätzen können.

KI-Technologien greifen immer tiefer in unsere gesellschaftlichen Zusammenhänge ein, wodurch sich das Interesse an der Ethik im Zusammenhang mit der KI enorm verstärkt. Doch manchmal werden ethische Aspekte für neuartige Technologien nicht genügend moralisch wertgeschätzt und technologische Fortschritte an erster Stelle gesetzt. Inwieweit die ethischen Grenzen zu definieren sind, ist heute noch eine entscheidende Herausforderung. Wenn sich technologische Systeme so verändern, dass sie sich selbst weiter entwickeln können, umso drängender sind Antworten auf eine Reihe von Fragen zu finden, welche Auswirkungen die KI auf die Gesellschaft aus ethischer Sicht hat und wie sich die Lebenswelten dadurch verändern werden (vgl. Wittpahl 2019, S. 244). Im Hinblick auf weitere Entwicklungen gehen moralische Dilemmata einiger gesellschaftsrelevanten KI-Anwendungen einher. Darüber hinaus ist es von existenzieller Bedeutung, was dem Menschen künftig noch übrig bleibt, wenn Maschinen mehr und mehr berufliche Tätigkeiten übernehmen werden, in welchem Ausmaß die Gesellschaft die Risiken eingeht und wo deren Grenzen sind. Die zentrale Frage besteht also darin, inwieweit KI-Systeme das Leben jedes einzelnen Menschen beeinflusst oder besser gesagt, welche Befürchtungen dabei entstehen, wenn durch die KI die Autonomie und Freiheit des Menschen in Gefahr sind (vgl. Gläß und Leukert 2016, S. 4–5)?

1.2 Zielsetzung

In dieser Arbeit wird untersucht, welche Konsequenzen die KI in Bezug auf die digitale Welt in unserer Bevölkerung haben wird. Der Fokus beruht vor allem darauf, herauszufinden, wie sich die ethischen Effekte der KI auf die Gesellschaft auswirken wird und wie sich diese in Zukunft entwickeln werden.

In erster Linie werden wichtige philosophische Fragen über den Menschen erörtert und Prognosen erstellt, wie sich das Individuum in naher und ferner Zukunft entfaltet. In diesem Zusammenhang ist es auch bedeutsam, welche vergangenen Ereignisse den Menschen so formte, wie er heute ist. Anhand von drei Anwendungsgebiete werden die Auswirkungen auf die Gesellschaft und Wirtschaft aus ethischer Sicht gründlich analysiert. Unter anderem werden Lösungsansätze dargestellt, wie der Mensch optimalerweise unter Berücksichtigung zahlreicher Aspekte mit KI das Leben ethisch vertretbarer gestalten kann.

Auch wenn die KI sehr viele Vorteile aufweist, stellt sich dennoch die Frage, ob Teile der Gesellschaft überhaupt bereit sind, sich mit der KI auseinanderzusetzen. Müssen sich diese Menschen anpassen oder haben sie überhaupt keine andere Wahl mehr?

1.3 Aufbau der Arbeit

Die Bachelorarbeit gliedert sich in sechs thematische Bereiche ein. In der Einleitung werden die Problematik und die Zielsetzung der KI und Ethik kurz beschrieben. Im ersten Teil werden theoretische Grundkenntnisse der KI und Ethik ausführlich dargestellt. Der zweite Teil hat das Ziel näherzubringen, warum und wodurch sich der Mensch zu dem entwickelt hat, was und wer er heute ist – welche Werte, Wünsche und Sinngebungen er hat und was die menschliche Intelligenz auszeichnet. Darüber hinaus werden weitere ethische und psychologische Bereiche des Menschen beschrieben und wie die weitere Entwicklung des Homo sapiens voranschreitet. Des Weiteren wird aufgearbeitet, ob eine KI ein Bewusstsein sowie auch einen freien Willen entwickeln kann. Im weiteren Verlauf wird deutlich aufgezeigt, inwieweit sich die Effekte der KI in der digitalen Welt und deren Folgen auswirken. Auf die Konsequenzen durch die KI in unserem Gesellschaftssystem wird explizit auf die moralische Seite der KI eingegangen und die daraus resultierenden ethischen Herausforderungen exakt beschrieben. Um einen Einblick in die Zukunft zu gewinnen, wird im vorletzten Kapitel anhand einer Zukunftsumfrage diese ausgearbeitet und bewertet, wie sich die Menschen eine Zukunft mit der KI vorstellen. Im abschließenden Kapitel folgen eine Zusammenfassung und ein Ausblick, inwieweit sich die KI auf die Gesellschaft aus ethischer Sicht zukünftig auswirkt. Des Weiteren werden selbstständig erarbeitete Problemlösungs-Ansätze vom Autor dieser Arbeit herausgearbeitet, um sogenannte ethische Konflikte hinsichtlich der KI für die Zukunft zu optimieren.

2 Theoretische Grundlagen

Für die Mehrheit der Menschen ist die Digitalisierung mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Fremdwort mehr. Die digitale Welt ist inzwischen schon zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden. Im Grunde genommen ist die Digitalisierung nichts anderes als eine binäre Abbildung von Texten, Bildern, Büchern oder materiellen Objekten in einer gewissen Abfolge von 0 und 1. Diese Daten werden beispielsweise von Computern mit einer hohen Geschwindigkeit digital verarbeitet. In seinen früheren Forschungen hat der amerikanische Ingenieur Gordon Moore schon im Jahre 1965 ein exponentieller Anstieg komplexer und leistungsfähiger digitaler Rechner vorhergesagt. Das sogenannte mooresche Gesetz besagt, dass die Menge an Transistoren, die in einen festgelegten Schaltkreis passen, sich ungefähr alle 18 Monate duplizieren (vgl. Neugebauer 2017, S. 9).

Der Begriff Digitalisierung wird im technischen Hinblick als eine Sammlung von Daten verstanden, die von einem analogen System zum Digitalen verarbeitet und gesammelt werden. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass mit mobilen Geräten von überall in der Welt Informationen abgerufen werden können. Grundlegende Abläufe werden von nun an über die digitale Plattform durchgeführt. Die Digitalisierung wird im erweiterten Sinne auch als ein gesamter Verwandlungsprozess verstanden, der mittels der fortlaufenden technologischen Errungenschaften alle Lebenswelten mit einbeziehen kann. Die verstärkte Vernetzung von Mensch und Technik erlaubt es den Menschen ortsunabhängig miteinander zu kommunizieren (vgl. Winners 2020, S. 2).

Inzwischen ist die Nachfrage nach digitalen Systemen dadurch so unermesslich hoch, da sie eine Menge an signifikanten Ressourcen einsparen und damit effektive Optimierungen vornehmen können. Die rasante Entwicklung der Digitalisierung ist neuerdings so breit gefächert, dass sie auch als eine digitale Revolution bezeichnet wird (vgl. Neugebauer 2017, S. 2).

2.1 Künstliche Intelligenz

Auch wenn sich die Wissenschaft mit der KI schon einige Jahrzehnte intensiv befasst hat, gibt es in der Lehre bis zum heutigen Zeitpunkt immer noch keine ausgewiesene, einheitlich akzeptierte Definition. Hierfür muss zunächst der Begriff Intelligenz eindeutig konkretisiert werden, was aber sehr schwierig ist, da der Intellekt viele neuronale Facetten aufweist. Dennoch versuchen Forscher die KI deutlicher einzugrenzen und somit das breitgefächerte Gebiet der KI klarer herauszuarbeiten. Diese Interpretationen stehen primär für den hohen Stellenwert der KI. Ein bedeutender KI-Wissenschaftler John McCarthy, auch Gründungsvater der KI genannt, definiert KI im Jahre 1955 so:

„Ziel der KI ist es, Maschinen zu entwickeln, die sich verhalten, als verfügten sie über Intelligenz“ (Ertel 2016, S. 1).

Der Ausdruck künstlich kann in diesem Zusammenhang auch manche Menschen aufschrecken, die durch Gedankenverknüpfungen an eine Science-Fiction-Lektüre mit Horrorszenen erinnert werden. In diesem Zusammenhang ist zu hinterfragen, inwieweit die Wissenschaft bereit ist, das Denkvermögen eines Menschen in eine Maschine zu implementieren. Aber im Gegensatz dazu ist für den Informatiker die Suche eines Lösungsansatzes nach der genialen Maschine, die sich wie ein Mensch benimmt und schlaues Auftreten signalisiert, von primärer Bedeutung (vgl. Ertel 2016, S. 1). Aus diesen Gründen charakterisiert 1991 die Encyclopedia Britannica die KI wie folgt:

„KI ist die Fähigkeit digitaler Computer oder computergesteuerter Roboter, Aufgaben zu lösen, die normalerweise mit den höheren intellektuellen Verarbeitungsfähigkeiten von Menschen in Verbindung gebracht werden“ (Ertel 2016, S. 2).

Aber auch diese Aussage weist noch Schwachstellen auf. Wenn ein Computer ein langer Textabschnitt speichert und zu jeder Zeit wieder hervorholen kann, werden diesem schon fähige Kompetenzen zugesprochen, denn das Wiederholen bedeutet schon eine hohe belesene Verarbeitungsfähigkeit. Dies hat die logische Folge, dass jeder Computer in eine KI-Struktur passt. Dieser Widerspruch zwischen Realität und Machbarkeit wird 1983 mit der folgenden Definition durch die Informatikerin Elaine Rich aufgehoben:

„Artificial Intelligence is the study of how to make computers do things at which, at the moment, people are better“ (Desouza 2002, S. 29).

In einem kurzen, aber sehr aussagekräftigen Satz spricht Rich das aus, was die KI-Wissenschaftler seit circa 50 Jahren praktizieren. Diese Aussage wird vermutlich auch noch in 30 Jahren auf dem neuesten Stand sein.

Digitale Computer sind beim Lösen komplizierter Rechenoperationen oder im Speichern komplexer Datenmengen sehr schnell und daher dem Menschen in der Leistung weit überlegen. Im Gegensatz dazu hat der Mensch in vielen anderen Fachgebieten im Vergleich zur Maschine einen deutlichen Vorsprung. Da der Mensch den Computern in Form der eigenen Wissensaneignung noch weit überlegen ist, wird das maschinelle Lernen als ein Teilbereich der KI als Hauptfunktion zugeteilt. Bei der Erforschung intelligenter Arbeitsvorgänge hinsichtlich eines besseren Verständnisses des menschlichen Gehirns wird explizit versucht, die daraus gewonnenen Erkenntnisse auf den Computer zu projizieren (vgl. Ertel 2016, S. 3).

2.1.1 Entwicklung

Die britische Mathematikerin Ada Lovelace befasst sich bereits im Jahr 1820 mit wissenschaftlichen Studien und entwickelt die erste Programmiersprache Ada Lovelace – die Utopie bzw. das Zustandekommen einer zukünftigen KI ist somit geboren.

Kurt Gödel, Alonso Church und Alan Turing legten in den 1930er-Jahren den Grundstein für Logik und theoretische Informatik. In dieser Epoche der Forschung kann ein Nachahmen menschlicher Intelligenz noch nicht stattfinden, da die Rechenmaschinen in dieser Zeit noch nicht effizient arbeiten können. Alan Turing, ein international anerkannter englischer Wissenschaftler wurde durch seine Konkretisierung einer genialen Maschine in den 1950er-Jahren bekannt. Er entwickelt den Turing-Test, in dem herauszufinden war, ob die Intelligenz einer Maschine mit dem eines Menschen zu vergleichen ist. Turing war der Ansicht, dass man eine künstliche Intelligenz nur dann so nennen konnte, wenn ein Betrachter nicht mehr zwischen einem Menschen und einem Computer unterscheiden kann. Dieser wird mit zwei Probanden Alice und Bob und zwei Computerendgeräte durchgeführt. Das eine Datenendgerät hängt an einer Maschine, das zweite ist mit dem Probanden Bob verbunden. Alice gibt nun an beiden Terminals Fragen ein mit der Anweisung, nach fünf Minuten zu erkennen, an welchem Datenendgerät die Maschine zurückschreibt. Die Maschine hat die Prüfung bestanden, wenn sie Alice in 30 Prozent der Ereignisse auf die falsche Fährte führen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Turing-Test (vgl. Barth 2013, S. 147)

Für die Philosophie ist dieser Vorgang außerordentlich aufschlussreich, während dieses Experiment auf die KI mit ihren praktikablen Problemlösungen wenig Einfluss ausübt (vgl. Ertel 2016, S. 4-6).

Der Informatiker John McCarthy stellt im September 1955 mit drei anderen Forschern einen Antrag bei der Rockefeller-Stiftung zum Aufbau eines extravaganten Projekts. Das erklärte Ziel: Den Maschinen nahezubringen, eine Sprache zu gebrauchen, Vorstellungen zu definieren, schwierige Aufgaben zu meistern und sich gleichzeitig stetig weiterzuentwickeln - diese Herausforderungen zu entschlüsseln war bisher nur den Menschen vorenthalten. John McCarthy gibt diesem Vorhaben den Namen Künstliche Intelligenz. Die Dartmouth-Konferenz im Jahre 1956 wird heutzutage als Auftakt der KI-Forschung gewertet. Wissenschaftler, die in dieser Zeit bei den umfangreichen Studien dabei waren, gehören nach heutigem Stand der Lehre zu den Auslösern der KI (vgl. Lenzen 2018, S. 22).

Joseph Weizenbaum, ein deutsch-US-amerikanischer Informatiker, erfindet 1966 das Computer-Programm ELIZA. Dieses wird als ein wichtiges Ereignis in der Historie der KI weltweit berühmt. ELIZA kann wie ein Psychologe einen Dialog mit einem Probanden führen und auf Fragen antworten. Anfang der 1970er-Jahre entwickelt der französische Informatiker Alain Colmerauer die Programmiersprache PROLOG, das europäische Gegenstück von LISP. Beide Programmiersprachen haben die Effizienz, ein deklaratives Programmieren zu ermöglichen. Ab den 1990er-Jahren etabliert sich das DATA MINING als eines der aktuellen Fachgebiete der KI mit dem Ziel, aus beachtlichen Datenmengen breite Fachkompetenzen, zum Beispiel für große Warenhäuser, herauszufiltern und zu bearbeiten. Das System NetTALK kann nach einem vorgegebenen Text das Sprechen trainieren – ein neuer Themenbereich in der KI mit der Bezeichnung Konnektionismus war geboren. Auch dieses System kommt schnell an seine Grenzen, weil die Mischung der neuronalen Netze mit systematischen Gesetzmäßigkeiten Komplikationen hervorrufen kann. Ein Ansatz, diese Probleme zu lösen, war, die Leistungsfähigkeit der Logik mit dem Wissensstand eingehend darzustellen und mit den neuronalen Netzen zu kombinieren. Positiver Effekt der Bayes-Netze ist die einfache Übersichtlichkeit einer sauberen Linguistik unter bestimmten Voraussetzungen möglicher Ergebnisse eines Zufallsexperiments. Das Beeinträchtigung dieses Netzes, das lediglich mit zwei Wahrheitswerten arbeitet, wird durch die FUZZY-Logik aufgelöst. Ein weiterer Pfad führt zur produktiven Verbindung von Logik und neuronalen Netzen mit dem sogenannten Hybrid-System (vgl. Ertel 2016, S. 6–9).

Die KI ist eine Wissenschaft, die fachübergreifend agiert. Sie bedient sich aus den Forschungsergebnissen der verschiedensten Wissenschaftsgebieten wie Logik, Statistik, Regelungstechnik, Linguistik, Philosophie, Operations-Research, Bildverarbeitung, Psychologie und Neurobiologie. Die KI-Maßnahmen produktiv zu erforschen, ist bestimmt nicht immer unproblematisch, aber immerhin ausgesprochen spannungsgeladen (vgl. Ertel 2016, S. 10).

Die Forschung und Entwicklung selbstlernender Maschinen geht von nun an in einem rasanten Tempo weiter. Im Jahr 2016 schlägt die AlphaGo Maschine in einem Brettspiel den Weltmeister. Im darauffolgenden Jahr wird sie von der AlphaGo Zero Maschine besiegt. Sie spielte so lange gegen sich selbst, bis sie einige Strategien entwickelt hat, um den Spieler zu schlagen. Sie konstruierte Spielzüge, die davor niemand anders generiert hatte (vgl. Henning 2019, S. 28).

Diese Entwicklungen haben uns zu dem gebracht, wo wir jetzt stehen. Die KI ist im vollen Gange und die Frage bleibt, wie wird es weiter gehen?

2.1.2 Schwache und starke KI

Die KI-Systeme sind in der Wissenschaft in starker und schwacher KI eingruppiert. In der schwachen KI sind konstruktive, technische Abläufe generiert, um eine geeignete Methode zu bewerkstelligen. Hier ist nicht die Vorgehensweise entscheidend, sondern das Resultat. Inwieweit ein System einer schwachen KI zugeordnet werden kann, wird durch den beschriebenen Turing-Test ermittelt. Dieser ist dann erfolgreich, wenn der menschliche Proband nicht ermitteln kann, inwieweit das KI-System oder ein Mensch auf gestellte Fragen eigenständig antwortet. Im philosophischen Kontext gehören schwache KI-Systeme auch zu Systemen, die nur im Äußeren intelligent wirken. Systeme mit einer schwachen KI sind zum Beispiel bei der Wissensvermittlung und beim Erwerb von Fertigkeiten in vielen möglichen Facetten flexibel einsetzbar. Des Weiteren wird die schwache KI auch in der Zeichen-/Text-/Sprach-/Bilderkennung, Navigationssystemen und automatisierten Übersetzungen erfolgreich eingesetzt (vgl. Buck et al. 2020, S. 219).

Die starke KI charakterisiert die Arbeitsweise mit dem Versuch, möglichst kompetent zu gestalten, so wie Menschen handeln. Ein KI-System, das Sprache begreift, hat folglich die Berechtigung, unmittelbar am menschlichen Denkmuster zu sein oder konträr; es kann hilfreich sein, ein Entwurf für das Sprachverständnis beim Menschen zu konstruieren (vgl. Barthelmeß und Furbach 2019, S. 23).

Weiterhin hat eine starke KI das Ziel, Maschinen mit einem Intellekt zu entwerfen (vgl. Buck et al. 2020, S. 203). Dazu muss das System folglich einige Besonderheiten erfüllen:

- Weisheit;
- dem Menschen ureigene Gefühlseigenschaften wie Emotionen;
- die Eignung, zielbewusst tätig zu sein; und
- Bewusstsein.

Diese aufgezählten Attribute zählen zu den wesentlichen menschlichen Eigenschaften. Dabei ist zu hinterfragen, inwieweit eine starke KI diese genannten Punkte einhalten kann. Es gibt dadurch gravierende Abstufungen innerhalb der KI-Systeme, die eine menschliche Eignung wie Einfühlungsvermögen und Toleranz nur vorspielen (vgl. Buck et al. 2020, S. 215).

2.1.3 Möglichkeiten und Limits

Die Möglichkeiten der KI können aus verschiedenartigen Blickwinkeln betrachtet werden. Ein System ist an diesem Punkt selbstständig, wenn es ohne menschliche Einwirkungen und ohne differenzierte Implementierung für eine Gegebenheit eine vereinbarte Vision autonom bewerkstelligen kann. Selbstständige Systeme haben außerdem die Befähigung, selbstverantwortliche Entschlüsse zu fassen, auch ohne spezielle Codierung.

Autonome Systeme besitzen Fähigkeiten, die unter anderem Entscheidungswege drastisch verringern, um die vorhandenen Produktionsmittel bestmöglich anzuwenden. Einfache und stupide Arbeiten mit eingegrenztem Verantwortungsbereich werden im Handumdrehen von autonomen Systemen übernommen (vgl. Hirsch-Kreinsen und Karacic 2019, S. 30). Neben dem ökonomischen Aspekt wird dem sparsamen Einsatz der Produktionsmittel innerhalb der autonomen Systeme große Bedeutung zukommen.

Außer der ökonomischen Leistungsfähigkeit besitzen autonome Systeme in der Tat spezifisch öffentliche Kompetenzbereiche wie unter anderem bei der Urbanisierung (vgl. Hirsch-Kreinsen und Karacic 2019, S. 32). Viele Menschen zieht es magisch in die größeren Städte, da hier das Versorgungsnetz mit öffentlichen Transportmöglichkeiten und dem Angebot an Arbeitsplätzen weitaus umfangreicher ist als im dörflichen Bereich. Autonome Systeme sind hier in der Lage, den extremen Kontrast zwischen einer größeren Kommune und einer ländlichen Struktur besser anzupassen. Nach Jahren der Stagnation ist die KI aktuell wieder in aller Munde. Viele Unternehmen haben Angst, ohne die KI global den Anschluss zu verlieren. Da nun mal wirtschaftliche Giganten wie Amazon, Google und Facebook die Vorreiter einer internationalen digitalen Welt sind, werden aktuell mittlere und kleinere Unternehmen in vielen Branchen in graduellen Schritten nachziehen (vgl. Stadelmann et al. 2020, 81).

Zurzeit scheint die erste Phase der Digitalisierung beendet zu sein. Der erste Schritt war, hauptsächlich in den letzten Jahren Zahlen zusammenzutragen, abzuspeichern und weiterzuverarbeiten. In der zweiten Phase werden digitale Daten anhand Algorithmen erklärt, kultiviert und tatkräftig einem finanziellen Nutzen zugeführt, denn Daten gelten in unserem Jahrhundert als hochwertigste Ressource. Vor nicht so allzu langer Zeit haben Unternehmen existentielle Entscheidungen intuitiv gefällt mit den unterschiedlichsten ökonomischen Ergebnissen. Diese fallen nicht so wellenförmig aus, wenn kontinuierlich mit internen wie auch mit externen Daten gearbeitet wird.

Die beiden Wörter künstlich und Intelligenz bilden zueinander eine Gegensätzlichkeit. Unsere menschliche Intelligenz beruht auf vielen geistigen und emotionalen Fähigkeiten. Kann dann ein Computer schon intelligent genannt werden, wenn er die vielen kognitiven wie auch affektiven Fähigkeiten vermissen lässt? Aus diesen Fakten heraus kann die Bezeichnung künstliche Intelligenz bei vielen Menschen zu Irritationen führen. Seit der Entwicklung der KI in den 1950er-Jahren werden Widersprüchlichkeiten der Gegner wie auch der Befürworter der KI in die Welt gesetzt. Die einen sehen durch die KI die Apokalypse auf sich zukommen, während die anderen die Erlösung der Erdbevölkerung durch sie erwarten. Der Aufbau einer starken KI wird an weltanschaulichen Streitfragen fehlschlagen, während in der schwachen KI beachtliche Entwicklungen zu beobachten sind. Gerade in der schwachen KI mit den genialen Maschinen ist es doch in Wirklichkeit so, dass sie ausschließlich ihre Codierung abarbeiten und gleichzeitig autonom weiter vervollständigen. Trainierte Systeme funktionieren als Arbeitshilfen des Menschen und können ihn konstruktiv entlasten. Die Mehrheit der Experten sind der Auffassung, dass Gefühlsregungen in der KI – auch in der Zukunft – nicht stattfinden können. Die Menschheit verweilt zurzeit in einer unvergleichlichen Wende. Schon vorhandene KI-Programme wie Alexa und Siri haben nicht den Ruf, die allerbeste Intelligenz zu besitzen und bei individualisierten Kundendaten im Internet tauchen bei Werbeangeboten erhebliche Abweichungen in der Effizienz auf. Aber diese Aussagen werden sich in Zukunft rasch ändern. Ein fester Bereich der KI ist die Weiterentwicklung der Prognose-Möglichkeiten. Herkömmliche CRM suchen nach Optionen, wie Kundenwünsche am besten erfüllt werden können. Je leistungsstärker die KI ist, umso exakter ist die Trefferquote bei der Prognose (vgl. Stadelmann et al. 2020, S. 82–85).

2.2 Digitale Ethik und Maschinenethik

Die Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie und beschäftigt sich mit den moralischen Grundlagen menschlichen Handelns. Außerdem werden die Begriffe Ethik und Moral aufgeteilt. Die Ethik beschäftigt sich mit der Theorie der Moral, hingegen die Moral die praktische Anwendung der Ethik ist. Sehr viele wissenschaftliche Befunde beweisen, dass die Moral eines Menschen auf biologische Wurzeln zurückzuführen ist (vgl. Klose und Oehler 2008, S. 263).

Die digitale Ethik, auch Algorithmen-Ethik genannt, befasst sich so gut wie mit allen digitalisierten Lebensbereichen und definiert Grundprinzipien, wie damit am besten umgegangen werden kann. Des Weiteren beschäftigt sie sich mit moralischen Fragen rund um den digitalen Wandel und betrachtet auf kritische Weise die Veränderungen der Automatisierung. Die zentrale Frage der digitalen Ethik ist, wie ein gelingendes Leben unter den Grundvoraussetzungen der Digitalisierung zu gestalten ist. Ziel ist es, die digitale Welt für die Bevölkerung so positiv wie möglich zu kreieren und dabei die gesellschaftlichen Werte nicht außer Acht zu lassen. Die Fragen, die in der digitalen Ethik vorkommen, sind im Prinzip nicht neu erfunden und unterscheiden sich kaum von der allgemeinen Ethik (vgl. Müller und Anderson 2017, S. 2). Dabei geht es hier nicht um die klassische Moral, sondern es ermöglicht dem Menschen, die Welt der Werte wieder zeitgemäß zu umschreiben und zu erforschen (vgl. Spiekermann 2019, S. 29).

In unserem digitalen Zeitalter genügen die aktuell gängigen Aussagen für das moralische Handeln und Verhalten nicht mehr. Denn diese beiden Attribute beziehen sich gegenwärtig nicht nur auf die menschliche Natur, sondern insbesondere darauf, bei der Implementierung in die Maschinen innovative Lösungen zur Ethik zu kreieren. Dabei sind die erzielten Ergebnisse in die Maschinenethik zu integrieren, die ein Teil der digitalen Ethik ist (vgl. Klenk et al. 2020, S. 4). Eine Maschine wird als ein zielgerichtetes technologisches Gerät beschrieben, das es in unterschiedlichsten Arten und Größen gibt. Außerdem ist eine Maschine mit beweglichen Teilen ausgestattet und dient dem Zweck, menschliche Arbeiten zu entlasten (vgl. Oser 2018, S. 1). Die Maschinenethik simuliert eine Art menschliche Intelligenz in Verbindung mit menschlicher Moral. Die Werte und Regeln, die die Menschen für sehr wichtig empfinden, können theoretisch in die Maschine einprogrammiert werden. Somit besteht die Möglichkeit, menschliche Moral nachzuahmen. Dennoch ist dies in der wissenschaftlichen Praxis nicht einfach umzusetzen, da ein freier Wille, Bewusstsein oder Mitgefühl in der Realität schwierig in die Maschinenethik zu programmieren ist. Eine Maschine kann dem Menschen gegenüber nur so tun, als empfinde sie zum Beispiel Mitgefühl - deshalb kann die maschinelle Moral generell nicht mit der menschlichen gleichgesetzt werden (vgl. Bendel 2019, S. 15).

Doch wie können die Grundwerte des Menschen je in eine Maschine implementiert werden, wenn in ferner Zukunft jede ethische Programmierung die Würde und Autonomie eines jeden Menschen berücksichtigen muss? Ist solch eine ethische Programmierung überhaupt vorstellbar (vgl. Precht 2020, S. 149)?

Besonders wichtig ist, unter anderem auch die menschlichen Grundwerte für die Digitalisierung herauszufiltern. Dies geschieht mithilfe der Maslowschen Bedürfnispyramide. Mit dieser können Werte definiert werden, die speziell für die menschliche Selbstentfaltung von hoher Bedeutung sind. Grundsätzlich sind alle dargestellten Werte in der Pyramide in etwa gleichgewichtig. Außerdem werden dort eher die innerlichen Werte, die über alle Kulturen hinweg für die menschliche Entwicklung fundamental sind, dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Maslowsche Bedürfnispyramide für die digitale Welt (eigene Darstellung in Anlehnung an Spiekermann 2019, S. 174).

Eine Internetplattform kann beispielsweise völlig verschiedenartig aussehen. Dabei kommt es auf Werte an wie Ehrgeiz, Achtsamkeit oder Wertschätzung, die jedes Unternehmen in einer anderen Weise praktiziert. Deshalb haben insbesondere Startuppers, Innovationsmanager, Ingenieure, Softwareentwickler und IT-Investoren eine starke Kraft unsere Gesellschaft zu steuern und wie sie sich letztendlich entfalten wird. Nutzer, Kunden usw. haben eher weniger Einfluss, wie die technische Infrastruktur aussehen wird (vgl. Spiekermann 2019, S. 52).

2.2.1 Mensch und Maschine

Gerade in der heutigen Zeit wird in öffentlichen Debatten diskutiert, dass Maschinen einen festen Platz in der Bevölkerung einnehmen und dadurch zukünftig viele Arbeitsplätze gefährdet werden und die Gesellschaft sich spaltet. Welchen Wert hat die menschliche Arbeitsleistung noch, wenn immer weiter Arbeitsplätze vernichtet werden? Gegenwärtig erleben wir nicht nur eine rasante Geschwindigkeit der Technologie, sondern auch einen Paradigmenwechsel. Der Mensch wird bald für die Tätigkeiten, die er üblicherweise ausübt, nicht mehr benötigt. Maschinen sind in der Lage, aus Informationen zu lernen, können Texte, Bilder oder Filme modellieren und aus digitalisierten Büchern mithilfe einer Trainingsdatenbank menschliche Kreativität weiterentwickeln. Das Hauptziel ist nicht, dass Menschen dadurch die Möglichkeit haben auf Wissen zuzugreifen, sondern dass die Informationen und die Kompetenzen der Menschen die Maschinen schlauer machen. Zentrale Wertesysteme verschieben sich, wenn die Maschinen nicht mehr als Gegenstand oder Gerät bezeichnet werden. Deshalb werden die Maschinenethik und die digitale Werteordnung immer bedeutsamer. Technologische Fortschritte führen zu neuem Denken und Handeln. Doch was passiert, wenn geistige Tätigkeiten und Aufgaben nur noch von Robotern ausgeführt werden und die Programmierer der Maschinen sich zurückziehen? Erhebliche Auswirkungen sind dann auf der gesamten Struktur des Sozialsystems zu spüren. Außerdem wird die Macht von Wirtschaft und Gesellschaft deutlich größer werden, sodass es für uns Menschen eine der großen Herausforderungen wird, diese Entwicklungen zukünftiger Generationen schon heute mitzugestalten (vgl. Thimm und Bächle 2019, S. 35–37).

2.2.2 Maschine und Ethik

Immer häufiger überlassen Menschen Entscheidungen den Maschinen. Letztendlich soll jedoch der Mensch im Fokus der Digitalisierung stehen und nicht die Maschine. Die Erwartung besteht künftig, Computer moralische Entscheidungen treffen zu lassen. Wenn Maschinen auch lernen, Emotionen zu lesen, was spricht in diesem Fall gegen eine ethische Programmierung? Für viele Politiker, Manager, Journalisten und Wissenschaftlern wäre ein moralisch agierender Roboter mit menschlichen Werten unbedingt wünschenswert. Doch was die Menschen in einer ethischen Programmierung erwarten, steht im Widerspruch: Auf der einen Seite soll die Maschine ethisch einwandfrei sein und auf der anderen Seite soll sie fehlerfrei laufen wie ein Zahnrad. Je mehr Realität oder Illusion miteinfließt, desto deutlicher wird, dass diese Anforderungen unerfüllbar sind (vgl. Precht 2020, S. 146–147). Auch der schottische Philosoph David Hume behauptet: „Unser Gefühl geht unserem Verstand voraus“, das von einem Psychologen auch belegt wurde“ (Hume 2013, S. 419).

Laut dem amerikanischen Philosophen, George Herbert Mead, werden moralische Entscheidungen selten getroffen. Bei der Moral geht es in erster Linie um das eigene Empfinden bzw. die Lust auszuleben. Mead ist davon überzeugt, dass Menschen sich nicht wie Maschinen verhalten. Sie reagieren immer auf ihre eigenen sozialen Erfahrungen und beschäftigen sich mit ihrem eigenen Selbst. Was uns Menschen ausmacht liegt daran, wie wir mit unserer Umwelt kommunizieren. Die menschliche Moral ist also demzufolge irrational, situativ, abhängig vom Umfeld und ist mit unserem Selbstwertgefühl und Selbstbild eng verbunden (vgl. Kenngott 2012, S. 61).

Die Idee ist nicht, eine zu Menschen oder Roboter passende Moral zu erfinden. Doch vor genau dieser Herausforderung stehen mittlerweile einige Philosophen, Theologen und Gesellschaftswissenschaftler, die in Ethik-Kommissionen oder -Räten sitzen und über die ethische Programmierung von KI diskutieren. Eines der größten Probleme der Ethik-Kommissionen zur KI ist, dass es dort meistens nicht um Probleme geht, sondern sie versuchen, die komplexe, menschliche Moral zu technisieren und zu vereinheitlichen (vgl. Precht 2020, S. 159). In der Moral geht es grundlegend um die Autonomie. Doch können KI-Systeme Autonomie laut Immanuel Kant besitzen? Der deutsche Philosoph Richard Precht schlussfolgert daraus: „Was, anders als der Mensch, zielgerecht programmiert wird, kann niemals Autonomie besitzen. Der Begriff ethische Programmierung sei also ein Widerspruch“ (Precht 2020, S. 161).

Laut dem schwedischen Philosophen Nick Bostrom ist eine ethische Programmierung zielgerecht geplant, aber sie kann niemals menschlich sein. Außerdem ist die freie Entscheidung gerade ein Indiz, die die menschliche Autonomie und Freiheit ausmachen. Der weißrussische Autor Evgeny Morozov geht stark davon aus, wenn wir unsere Eigenverantwortung immer mehr aus der Hand geben, steuern wir auf eine neue intelligente Welt ohne Freiheit zu (vgl. Precht 2020, S. 174).

2.2.3 Diskriminierung und Verantwortung

Diskriminierung oder Herabwürdigung sind ein gesellschaftliches Phänomen, das demokratischen Grundregeln widerspricht. Für Maschinen, die auf Anweisung Befehle ausführen, wird Diskriminierung nicht zugesprochen. Doch bei autonomen Systemen kann es durchaus passieren, dass Prozesse undurchsichtiger werden und getroffene Entscheidungen im Nachhinein nicht mehr zu erklären sind. Neben ethischen Fragen und der moralischen Verantwortung von KI-Entscheidungen ergibt sich eine bedeutende ethische Herausforderung in Hinsicht auf KI-geprägter Diskriminierung. Diese deutet darauf hin, dass KI-Technologien ein herabsetzendes Handeln oder Einstellung übernehmen und vermehrt übertragen können (vgl. Oswald und Borucki 2020, S. 221). Diskriminierung kann sowohl durch den Programmierer als auch ohne jegliche Absicht umgesetzt werden. Sie kann aber auch durch fehlende Daten hervorgerufen werden, die für manche Menschen nicht vorgesehen waren. Andererseits ist es bedenklicher, wenn Normen eines Menschen so definiert und kategorisiert werden, dass jegliche Individualität nicht mehr berücksichtigt wird (vgl. Precht 2020, S. 216).

Durch den Aufschwung der sozialen Medien verstärkt sich die Herabwürdigung in öffentlichen und geschlossenen Räumen. Einige Chatbots, wie beispielsweise das Pilotenprojekt Tay, haben von sich aus auf diskriminierende Beiträge reagiert und diese offengelegt. Der von Microsoft entwickelte Chatbot hat ein eigenes Twitter-Profil. Dabei lernt er selbstständig, wie junge Leute auf Plattformen wie Facebook sich austauschen und kommunizieren. Im Laufe von wenigen Sekunden kann sich Tay in einen judenfeindlichen, sexistischen und rassistischen Chatbot verändern.

Wenn von Diskriminierung die Rede ist, werden dabei zwei Arten unterschieden: Die direkte Diskriminierung drückt eine Benachteiligung in Form von beispielsweise Religion oder Geschlecht aus, die schon heute durch KI-Anwendungen auftreten. Als Beispiel zeigt ein Bewerbermanagement-Algorithmus bei Amazon, dass ein Roboter den weiblichen Bewerbern keine hochbezahlte Jobs anbietet. Die indirekte Diskriminierung hingegen betrifft ungerechte Behandlung, die negative Effekte auf eine bestimmte Gesellschaftsschicht hat. Dies könnte eintreten, wenn Algorithmen beispielsweise Preise durch Kundenmerkmale willkürlich festsetzen und damit eine bestimmte Gruppe ungleich behandeln (vgl. Oswald und Borucki 2020, S. 219).

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Ende der Leseprobe aus 88 Seiten

Details

Titel
Künstliche Intelligenz in der digitalen Welt. Ethische Auswirkungen auf die Gesellschaft
Hochschule
Hochschule Furtwangen
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
88
Katalognummer
V1172301
ISBN (eBook)
9783346585134
ISBN (eBook)
9783346585134
ISBN (eBook)
9783346585134
ISBN (Buch)
9783346585141
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
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Schlagworte
Künstliche Intelligenz, digitale Welt, Ethik, autonomes Fahren, KI, AI, Artificial Intelligence, Digitalisierung, Gesundheitswesen, Bildung, Schulbildung, Schulwesen
Arbeit zitieren
Sarah Pfister (Autor:in), 2021, Künstliche Intelligenz in der digitalen Welt. Ethische Auswirkungen auf die Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1172301

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