Die Begriffe ´Medium´ und ´Quelle´ werden oft – fälschlicherweise – synonym verwendet. ´Medium´ ist der breitere Begriff, der alles enthält, was primäre und sekundäre Aussagen über Geschichte beinhaltet. Quellen sind dagegen nur solche Medien, die in der Vergangenheit entstanden sind und uns heute vorliegen. Ihr Kennzeichen ist eine signifikante zeitliche Differenz zwischen ihrer Entstehungszeit und der gegenwärtigen Nutzung. Zudem lassen sich Quellen in Überreste (= absichtslose Überlieferungen) und Tradition (= beabsichtigte Überlieferungen) bzw. in Dokumente und Monumente unterscheiden.
Jede Quelle ist ein Medium historischen Lernens, aber nicht jedes Medium ist darum schon eine Quelle. Entsprechend wir auch in den Schulbüchern vor den verschiedenen Medien vermerkt, was als Quelle und was als Material oder Darstellung zu gelten hat. Medien haben in erster Linie die Aufgabe, Informationen zu übermitteln. Sie sind Informationsträger und Kommunikationsmittel, ohne die Lehr- und Lernprozesse nicht durchgeführt werden können.
Bei der Unterrichtsplanung nimmt die Entscheidung, welche Medien eingesetzt werden sollen, in der Regel eine nachgeordnete Stellung ein. Die Auswahl der Medien erfolgt häufig erst, wenn Intention, Thema und Verfahren der Unterrichtstunde feststehen. Nichtsdestotrotz sind alle Entscheidungsfelder eng miteinander verknüpft (> Interdependenz). Die Festlegung in einem der Entscheidungsfelder hat Auswirkungen auf die anderen Entscheidungsfelder. Bei Einsatz eines Films z.B. sind die Intentionen weitgehend durch diesen bzw. dessen „Machern“ bestimmt. Dies gilt in besonderem Maße auch für die Themen/Inhalte: der Lehrer muss das, was der Film zeigt, berücksichtigen. Genauso ergeben sich die methodischen Alternativen, zumindest teil- und zeitweise, aus der Festlegung für ein bestimmtes Medium.
Auf dem intentionalen Sektor sind Medien zur Erreichung kognitiver (Denken), affektiver (Erlebnis) und pragmatischer Ziele (Übung) einsetzbar und lassen in der Regel mehrere Verwendungszwecke zu.
Inhaltsverzeichnis
1. Medien im Geschichtsunterricht
1.1 Zum Begriff ´Medium´
1.2 Aufgaben von Medien im (Geschichts-)Unterricht
1.3 Typologie der wichtigsten Medien im Geschichtsunterricht
2. Der Film im Geschichtsunterricht
2.1 Filmgattungen
2.1.1 Das Filmdokument
2.1.2 Der Dokumentarfilm
2.1.3 Der Spielfilm
2.1.4 Der Unterrichtsfilm
2.2 Der Film als Lernmedium (Lernvorteile)
2.3 Unterrichtspraktische Aspekte
2.3.1 Filmauswahl und Zeitpunkt des Filmeinsatzes
2.3.2 Filmanalyse und Filminterpretation
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Stellenwert und die didaktische Einsetzbarkeit des Mediums Film im Geschichtsunterricht. Ziel ist es, die pädagogischen Potenziale von Filmen – von der Motivationssteigerung bis zur Förderung eines medienkritischen Bewusstseins – aufzuzeigen und methodische Ansätze für eine fundierte Filmanalyse und Filminterpretation im Unterrichtskontext darzulegen.
- Grundlagen der Mediendidaktik im Geschichtsunterricht
- Differenzierung der Filmgattungen und ihrer historischen Aussagekraft
- Lernvorteile durch den Einsatz audiovisueller Medien
- Kriterien für die Filmauswahl und den Zeitpunkt des Filmeinsatzes
- Methodik der strukturierten Filmanalyse
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das Filmdokument
Das Quellenmaterial des Filmdokumentes ist durch den höchst möglichen Authentizitätsgrad gekennzeichnet. Bilder von Personen, Gegenständen und Ereignissen müssen original und dürfen nicht nachträglich, durch zusätzlichen Ton, gesprochenen Text etc. und schon gar nicht durch Montage kommentiert sein. Grundsätzlich aber kann das Filmdokument, wie auch alle übrigen Gattungen, keinen Anspruch auf absolute Objektivität und Unmittelbarkeit erheben. Das Filmmaterial/jedes einzelne Bild ist durch die Filmapparatur (> Perspektive, Wahl des Objektives etc.) und durch bestimmte Einstellungen mehr oder weniger geformt. Selbst anerkannte Filmdokumente beinhalten ein gewisses Maß an Inszenierung. Sie sind somit kein Abbild der Realität, sondern können allenfalls die Frage nach der Faktizität eines Ereignisses beantworten. Vertreter dieser Kategorie sind z.B. gefilmte Interviews.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Medien im Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel erläutert die begrifflichen Grundlagen, die spezifischen Aufgaben von Medien im historischen Lernen sowie eine Systematik zur Typologisierung von Unterrichtsmedien.
2. Der Film im Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutung des Films als Lernmedium, klassifiziert verschiedene Filmgattungen wie Dokumentar- und Spielfilme und erörtert unterrichtspraktische Aspekte zur Analyse und Interpretation.
Schlüsselwörter
Geschichtsunterricht, Medienkompetenz, Filmanalyse, Filmdokument, Dokumentarfilm, Spielfilm, Lernvorteile, Historisches Bewusstsein, Medienkritik, Unterrichtsplanung, Geschichtsdidaktik, Quellenarbeit, Filminterpretation, Mediendidaktik, Authentizitätsgrad.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und dem pädagogischen Mehrwert von Filmen als Medium im Geschichtsunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Definition von Filmgattungen, die didaktische Rechtfertigung für den Filmeinsatz und die methodische Anleitung zur Analyse historischer Filme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer durch einen gezielten Medieneinsatz das historische Lernen intensivieren und bei Schülern ein medienkritisches Bewusstsein fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer geschichtsdidaktischen Literaturanalyse, die theoretische Konzepte zur Mediennutzung mit unterrichtspraktischen Überlegungen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine medientheoretische Einordnung im Geschichtsunterricht und eine vertiefende Analyse des Films als Lernmedium, ergänzt um Kriterien für die Unterrichtspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Geschichtsdidaktik, Filmanalyse, Medienkompetenz und historisches Lernen.
Warum wird im Dokument zwischen Filmdokument, Dokumentarfilm und Spielfilm unterschieden?
Die Unterscheidung ist für den Geschichtsunterricht essenziell, da jede Gattung einen unterschiedlichen Anspruch auf Authentizität erhebt und somit unterschiedliche Anforderungen an die Analyse durch die Lernenden stellt.
Welche Rolle spielt die „Filmsprache“ im Unterricht?
Das Verständnis der Filmsprache ist die Voraussetzung dafür, dass Schüler die mediale Konstruktion von Geschichte durchschauen und die Manipulationsmöglichkeiten des Mediums kritisch hinterfragen können.
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- Gunnar Norda (Author), 2008, Medien und Filme im Geschichtsunterricht. Schwerpunkt Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117231