Verbale Ironie ist ein gängiges Element der Alltagssprache und dem Großteil der Menschen ein Begriff. Der allgemeine Konsens außerhalb der Wissenschaft ist, dass eine ironische Aussage das Gegenteil davon meint, was der eigentliche propositionale Gehalt der Aussage ist. Pragmatisch gesehen ist verbale Ironie also eine Form des nicht-wörtlichen Sprechens. Die zentralen Problemstellungen für die Pragmatik sind zum einen die Frage nach der Definition von Ironie sowie die Prozesse der Konzeption und Rezeption von ironischen Äußerungen. Drei besonders prägende Theorien, die diese Fragen erstmalig zu begründen zu versuchten, sollen in dieser Arbeit vorgestellt werden.
Paul Grice vertritt einen klassischen Ansatz und sieht die Ironie als gemeintes Gegenteil, das durch das Verletzen der Konversationsmaximen und durch konversationelle Implikaturen hervorgerufen wird. Wilson & Sperber bauen ihre Theorie zwar auf den von Grice etablierten Grundlagen auf, sahen ihre Konzeption von Ironie als Echo jedoch als eine wesentlich zielführendere Theorie an, da sie behaupten, Fragen zu beantworten, die zuvor bei Grice offen geblieben waren. Die Theorie von Clark & Gerrig hingegen definiert Ironie als eine Art „Pretence“, also „Vortäuschung“, und stellt eine konkurrierende Ansicht zur Echo-Theorie dar, obwohl die beiden ebenso viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Auf die Erklärung der wesentlichen Merkmale der jeweiligen Theorien wird ein Überblick über die Vorteile des jeweiligen Ansatzes sowie eine Sammlung der gängigsten Aspekte der Kritik folgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsabgrenzung: Was ist verbale Ironie?
3. Ironie als konversationelle Implikatur nach Grice
3.1 Vorteile der Theorie von Grice
3.2 Kritik
4. Ironie als Echo nach Wilson & Sperber
4.1 Vorteile der Echo-Theorie
4.2 Kritik
5. Echo als Pretence nach Clark & Gerrig
5.1. Vorteile der Pretence-Theorie
5.2 Kritik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der pragmatischen Analyse verbaler Ironie und untersucht drei der einflussreichsten theoretischen Ansätze, um die komplexen Prozesse der Konzeption und Rezeption ironischer Äußerungen zu erhellen.
- Klassische Definition und Abgrenzung verbaler Ironie
- Paul Grices Ansatz der konversationellen Implikaturen
- Wilsons und Sperbers Echo-Theorie im Rahmen der Relevanztheorie
- Clarks und Gerrigs Pretence-Theorie als Weiterentwicklung und Alternative
- Kritische Gegenüberstellung der theoretischen Erklärungsmodelle
Auszug aus dem Buch
3. Ironie als konversationelle Implikatur nach Grice
Paul Grice ist nicht nur ein Pionier im Bereich der Pragmatik, sondern in unserem Kontext vor allem ein Vertreter der Theorie, dass Ironie das Gegenteil einer Aussage kommunizieren soll. Er schließt sich also der klassischen Auffassung von Ironie an, welche durch ihn „its first pragmatic reconstruction“ erfuhr (Garmendia 2012: 18). Da Paul Grice seine allgemeine pragmatische Arbeit auf die Diskrepanz zwischen dem, was ein Sprecher sagt und dem, was ein Sprecher damit meint, fokussiert hat, macht dies ihn und seine Arbeit prädestiniert für einen pragmatischen Annäherungsversuch an das sprachliche Phänomen der Ironie. Grice definiert die Grundlage für kommunikatives Handeln als intentional und formuliert die Voraussetzung, dass die Absicht des Sprechers durch den Hörer rekonstruiert werden können muss, da sich nur so eine zufällige Übermittlung von bewusster Kommunikation unterscheiden ließe (Vgl. Lapp 1992: 59). Dies trifft weitgehend auf ironische Äußerungen zu, da sie im Idealfall durch den Hörer als solche identifiziert werden können und so erfolgreich vollzogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, dass Ironie in der Pragmatik schwer präzise zu definieren ist, und stellt die drei untersuchten Theorien kurz vor.
2. Begriffsabgrenzung: Was ist verbale Ironie?: Hier wird Ironie von verwandten Phänomenen wie Spott, Sarkasmus und Satire abgegrenzt, wobei die Sprecherintention als entscheidendes Kriterium hervorgehoben wird.
3. Ironie als konversationelle Implikatur nach Grice: Das Kapitel erläutert den klassischen Ansatz, bei dem Ironie als offenkundige Verletzung der Maxime der Qualität verstanden und durch konversationelle Implikaturen aufgelöst wird.
4. Ironie als Echo nach Wilson & Sperber: Dieser Abschnitt beschreibt die Echo-Theorie, welche Ironie nicht als Gegenteil, sondern als Redeerwähnung mit negativer Sprechereinstellung konzipiert.
5. Echo als Pretence nach Clark & Gerrig: Hier wird die Pretence-Theorie vorgestellt, die Ironie als eine Form des Rollenspiels bzw. Vortäuschens betrachtet und den „common ground“ zwischen den Kommunikationspartnern in den Fokus rückt.
6. Fazit: Das Kapitel vergleicht die Stärken und Schwächen der drei Theorien und hebt hervor, dass moderne Ansätze zwar die Sprechereinstellung betonen, aber oft an mangelnder Konkretion leiden.
Schlüsselwörter
Verbale Ironie, Pragmatik, Paul Grice, Relevanztheorie, Echo-Theorie, Pretence-Theorie, Sprecherintention, Konversationelle Implikatur, Kooperationsprinzip, Kommunikation, Sprechereinstellung, Common ground, Sprachwissenschaft, Ironieanalyse, Bedeutungstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den pragmatischen Grundlagen der verbalen Ironie und vergleicht drei maßgebliche theoretische Modelle, die das Verständnis dieses Phänomens maßgeblich geprägt haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Ironie, die Unterscheidung zwischen wörtlichem und intendiertem Sinn, die Rolle der Sprecherintention sowie die Einbettung von Ironie in Konversationsmaximen und den sozialen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen fundierten Überblick über die drei populärsten Ironietheorien zu geben, ihre jeweiligen Vorzüge herauszuarbeiten und die Kritikpunkte an diesen Ansätzen detailliert darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, bei der die Konzepte von Grice, Wilson & Sperber sowie Clark & Gerrig hinsichtlich ihrer pragmatischen Aussagekraft untersucht und miteinander verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der drei genannten Theorien inklusive der jeweiligen Vorteile und einer kritischen Würdigung sowie eine vorangestellte begriffliche Abgrenzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Verbale Ironie, Pragmatik, Echo-Theorie, Pretence-Theorie und Konversationelle Implikatur charakterisiert.
Inwiefern unterscheidet sich die Echo-Theorie von der Theorie von Grice?
Während Grice Ironie als zweistufigen Prozess des Gegenteils interpretiert, betrachten Wilson und Sperber Ironie als eine einstufige Form der "Redeerwähnung", bei der der Sprecher seine negative Einstellung gegenüber der erwähnten Proposition ausdrückt.
Welche Rolle spielt der „common ground“ in der Pretence-Theorie?
Der „common ground“ definiert das gegenseitige Wissen und die Annahmen zwischen Sprecher und Hörer; er ist laut Clark und Gerrig essenziell, damit der Hörer die Verstellung bzw. das Rollenspiel des Sprechers als ironisch identifizieren kann.
- Quote paper
- Katharina Spreier (Author), 2020, Ironie aus pragmatischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1172377