Die Schlacht bei Königgrätz und ihr unmittelbaren Folgen für die politische Entwicklung von Preußen und Österreich


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Zur Situation im Deutschen Bund um 1866

3. Das Ende des preußisch-österreichischen Dualismus
3.1. Königgrätz und das Ende des preußisch - deutschen Krieges
3.2. Der Friedensvertrag von Prag und seine territorialen Auswirkungen auf Mitteleuropa für Preußen
3.3. „Schmerzhafte Niederlage oder Anstoß zum Neuanfang?“ Österreichs politische Neuorientierung nach dem deutschen Krieg

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Eigenständigkeitserklärung

1. Einleitung

Betrachtet man ein Geschichtsbuch mit den wichtigsten historischen Ereignissen der deutschen Geschichte im 19. Jahrhundert, so begegnen einem viele Geschehnisse. Angefangen mit den Befreiungskriegen gegen Napoleon, dem Wiener Kongress 1815, den Revolutionsbewegungen 1848 und als Höhepunkt der Deutsch - Französische Krieg 1870 mit der Kaiserkrönung 1871. Eventuell kann man den Krimkrieg 1853 - 1856 und den Sardinischen Krieg 1859 mit hinzuzählen, da Österreich als Bundesmitglied mit involviert war. Das Jahr 1866 ist hingegen für die Geschichtsschreibung eher unbedeutend. Jedoch nicht für den Verlauf der deutschen Geschichte. Der epochale Umbruch bildete die Vorraussetzung für die Gründung des ersten Deutschen Kaiserreiches.

Schließlich war es die literarische Ausgangssituation, welche mich motivierte, sich mit diesen Ereignissen von 1866 zu beschäftigen. Der Deutsche Krieg und vor allem die Schlacht bei Königgrätz wird in vielen Büchern ausführlich wiedergegeben. Oftmals werden aber nur der Verlauf bzw. die militärischen Operationen beschrieben. Doch welche Folgen hatte der Krieg? Wie entwickeln sich zwei Staaten, die über tausend Jahre miteinander verbunden waren? Was nach dem Zusammenbruch des Deutschen Bundes mit den deutschen Mittel- und Kleinstaaten geschah und wie sie sich auf Grund der Begebenheiten der kommenden Jahre orientierten, ist heute eher nebensächlich.

Ziel meiner Arbeit soll es sein, dem Leser ein Bild davon zu geben, welche Folgen die Schlacht bei Königgrätz für die beiden Großmächte Preußen und Österreich hatte und welche innen- und außenpolitischen Entwicklungen sich nach dem Ende des Dualismus ergaben.

Weiterführend könnte man sich auch mit den Reaktionen befassen, wie die Monarchen der anderen europäischen Großmächte in Frankreich, Russland oder England die Situation bewerteten und über den Zusammenbruch des zentraleuropäischen Staatenbundes dachten. Jedoch wäre dies für diese Arbeit zu umfangreich.

Aufgebaut ist mein Text eher deduktiv. Anfangs erhält man einen Überblick über die Ereignisse im Deutschen Bund im Jahr 1866. Vor allem, wie die einzelnen Staaten politisch und wirtschaftlich entwickelt waren und in welchem Verhältnis sie zu den Führungsstaaten des Bundes standen. Da der Preußisch – Deutsche Krieg nur indirekt zu meinem Thema gehört, beschränke ich mich auf die Endscheidungsschlacht und den Ausgang der Auseinandersetzung. Wichtiger war es mir, auf die Folgen des Prager Friedens einzugehen und zu zeigen, wie diese sich auf Österreich und Preußen auswirkten. Auf Grund von inhaltlichen und zeitlichen Parallelen bot sich für mich das Buch von Frank Zimmer „Bismarcks Kampf gegen Kaiser Franz Joseph“ an.
2. Zur Situation im Deutschen Bund um 1866

„Zu Beginn des Jahres 1866 war Deutschland kein Staat, sondern eine Idee.“1) Mit dieser Aussage bezieht sich der Historiker Frank Zimmer vor allem auf die Idee eines Mannes: Otto von Bismarck.

Es war der Gedanke, aus einem unüberschaubaren und in 36 Einzelstaaten zersplitterten „Flickenteppich“ einen Nationalstaat zu schaffen, der militärisch, politisch und vor allem auch wirtschaftlich den anderen europäischen Großmächten Paroli bieten konnte, bzw. sie sogar zu übertreffen. Ein Projekt, das seine Schwierigkeiten darin hatte, dass es zwischen den Staaten des Deutschen Bundes ein zu großes politisches und ökonomisches Ungleichgewicht gab. Aus diesen Differenzen ergaben sich auch die Fürsprecher und Verfechter der Nationalstaatsidee.

Besonders im Norden des Bundes war dies zu erkennen. In Preußen breitete sich die Industrialisierung von seinen Ballungsgebieten an Rhein, Ruhr und Saar bis nach Osten immer weiter aus. Die Infrastruktur, vor allem im Eisenbahn-, Kanal- und Straßennetz entwickelte sich rasant und auch die Städteentwicklung zeigte Fortschritte. Eine Reise hingegen in das benachbarte Mecklenburg war wie eine „Zeitreise ins Spätmittelalter“.2) Die Landbevölkerung in dem Feudalstaat hätte sich nichts sehnlicher gewünscht als einen einheitlichen Nationalstaat. Die kleinen Stadtstaaten Lübeck, Hamburg und Bremen waren hingegen anders organisiert. Hier regierte kein Monarch oder das Volk, sondern nur die Bevölkerungsschicht, die Geld besaß und Tradition aufweisen konnte. Die Hansestädte waren weltweit anerkannt. Dementsprechend war der Patriotismus der Bevölkerung ausgeprägt und kein Hamburger zum Beispiel hätte sich vorstellen können, Teil eines gesamtdeutschen Einheitsstaates zu sein. Ein langjähriger Konkurrent Preußens war das Königreich Hannover. Es war in Norddeutschland der einzige Mittelstaat, der politisch und militärisch dem übermächtigen Nachbarn einigermaßen gewachsen war. Wirtschaftlich hatte die über hundertjährige Personalunion mit England wenig Einfluss auf die Welfenmonarchie. Außerhalb der Stadt Hannover galt das Land als rückständig und nach Industrialisierung suchte man vergebens. Unter der Regierung des schon frühzeitig erblindeten Königs Georg V.3) wurden alle liberalen und demokratischen Strömungen unterdrückt, die eine Annäherung an das Königreich der Hohenzollern hätten vorstellbar machen können.

1) zitiert nach: Zimmer, Frank: Bismarcks Kampf gegen Kaiser Franz Joseph, Graz 1996, S. 9.
2) zitiert nach: Zimmer, a. a. O., S. 10.
3) König Georg V. war seit seinem 14. Lebensjahr vollständig erblindet, versuchte es aber immer zu

verbergen. Als letzter König von Hannover regierte er von 1851 bis 1866, bevor es von Preußen

annektiert wurde.

Die übrigen Länder der norddeutschen Tiefebene waren unbedeutende Kleinstaaten. Ihre Souveränität existierte nicht selten nur auf dem Papier. Oftmals standen sie in Personalunion mit einer europäischen Großmacht.

Zog man weiter nach Süden, so erreichte man zwei Gebiete, welche nicht unterschiedlicher hätten sein können: Thüringen und Sachsen.

Anders als in großen Teilen im Westens des Bundes blieb Thüringen von der napoleonischen Flurbereinigung relativ unberührt. In diesem „kleinstaatlichen Biotop“4) drängten sich viele Staaten auf engem Raum. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Kleinstadt Kranichfeld, die sich zwei Monarchen teilten. Das Fürstentum Schwarzburg - Rudolstadt war sogar so sehr zersplittert, dass es sich aus neun zusammenhangslosen Gebietsteilen zusammen setzte. Wirtschaftlich war die gesamte Region unterentwickelt. Vor allem die Bevölkerung im Thüringer Wald war besonders arm. Bäuerlicher Wohlstand existierte nur in den Randgebieten. Ganz anders sah es im benachbarten Königreich Sachsen aus. Ein reines Industrieland, wo die Landwirtschaft schon längst an Bedeutung verloren hatte. Vor allem die Textilindustrie im Raum Chemnitz und der Handel um die Messestadt Leipzig haben dazu beigetragen. Kulturell und politisch wurde der Mittelstaat durch seine Residenzstadt Dresden repräsentiert. Diesen Einfluss hatte Sachsen auch seinem intelligenten und gebildeten König Johann von Sachsen zu verdanken. Der komplette Gegensatz zu diesem war sein Ministerpräsident und Bismarcks größter Konkurrent, Friedrich Ferdinand Frhr. von Beust. Er versuchte, durch die Unterstützung Österreichs, die Gegensätze zwischen den beiden deutschen Großmächten auszunutzen, um selbst einen größtmöglichsten Vorteil zu erlangen und mit allen Mitteln den Führungsanspruch Preußens im Deutschen Bund zu bekämpfen. Auf Grund dieser Politik hasste ihn sein preußischer Kollege bis aufs Äußerste.

Doch Beust war kein Einzelfall. Auch der hessische Ministerpräsident Reinhard Frhr. von Dalwigk war ein stetiger Gegner des „weißen Revolutionärs“. Anders als in anderen Staaten war der wirtschaftliche Aufschwung in Hessen nicht das Ergebnis der Förderung durch den Monarchen. Die großteils konservative Regierung unter Dalwigk sah in dem ökonomischen Wachstum und der daraus sich ergebenden Selbstständigkeit der Bevölkerung eine Bedrohung für den monarchischen Obrigkeitsstaat. So existierte schon seit mehreren Jahren ein Konflikt zwischen Parlament und Regierung bzw. zwischen Monarchie und Volk.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Schlacht bei Königgrätz und ihr unmittelbaren Folgen für die politische Entwicklung von Preußen und Österreich
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V117239
ISBN (eBook)
9783640196388
ISBN (Buch)
9783640196432
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schlacht, Königgrätz, Preußen, Kleindeutsche Lösung, Großdeutsche Lösung, Österreich, Friedensvertrag von Prag, Dualismus, Deutscher Bund, 1866
Arbeit zitieren
André Blaschke (Autor), 2008, Die Schlacht bei Königgrätz und ihr unmittelbaren Folgen für die politische Entwicklung von Preußen und Österreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117239

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