Unterrichtsstörungen. Unterschiede bei der Verhaltensbeobachtung von Schülern und Schülerinnen am Vor- und Nachmittag


Studienarbeit, 2022

25 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand
2.1 Definition von Unterrichtsstörung
2.2 Arten von Unterrichtsstörungen
2.2.1 Unterrichtsstörungen durch Schüler*innen
2.2.2 Unterrichtsstörungen durch Lehrkräfte
2.3 Häufigkeiten und Ursachen von Unterrichtsstörungen
2.4 Forschungsstand

3 Methode
3.1 Forschungsfrage des Forschungsprojektes
3.2 Design und Instrumente
3.3 Teilnehmer*innen
3.4 Durchführung
3.5 Auswertung der Daten
3.6 Gütekriterien von Beobachtungs- und Beurteilungsverfahren

4 Ergebnisdarstellung

5 Diskussion
5.1 Grenzen
5.2 Ausblick
5.3 Reflexion

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

Anhänge
Anhang Strichliste leer
Anhang Strichliste ausgefüllt

1 Einleitung

Beim Hospitieren während des Schulpraxissemesters fällt auf, dass Unterrichtsstörungen den Alltag einer Lehrkraft prägen. Gerade am Nachmittag, bei denen die Schüler*innen anderes als Schule im Kopf haben, kommt es vor, dass der Unterricht allgemein unkonzentrierter und mit mehr Unterbrechungen im Lernprozess abläuft. Allgemeiner gesagt kann man aus Erfahrungen behaupten, dass in den späteren Unterrichtsstunden am Schultag häufiger Unterrichtsstörungen auftreten, als an den Stunden am Vormittag. In diesem Forschungsprojekt soll durch eine Verhaltensbeobachtung einer 7. Klasse und der unterrichtenden Lehrkraft im Wirtschaftsunterricht die Fragestellung untersucht werden, ob an den Nachmittagsstunden häufiger Unterrichtsstörungen auftreten, als an den Stunden am Vormittag. Im Theorieteil des Forschungsprojektes wird zunächst auf die verschiedenen Arten von Unterrichtsstörungen eingegangen. Dabei wird in der Literatur allgemein zwischen Schüler*innen verursachten und durch Lehrkräfte verursachten Störungen unterschieden. Die durch Schüler*innen verursachten Störungen lassen sich noch einmal in aggressive (direkt und indirekt) und nicht-aggressive (passive und aktive) gliedern (Wettstein, Scherzinger, & Wyler, 2018, S. 390).

Anschließend soll auf die allgemeine Häufigkeit und Ursachen von Unterrichtsstörungen im Unterricht eingegangen werden. Für die Untersuchung der Häufigkeiten sollen verschiedene Literaturnachweise und Studien untersucht werden. Hierbei fällt auf, dass im deutschsprachigen Raum kaum Ergebnisse zu Unterrichtsstörungen vorliegen, was gleichzeitig auch die Bedeutsamkeit des Forschungsprojektes wiederspiegelt. Im Methodenteil wird schließlich die oben angeführte Fragestellung untersucht. Dafür soll die Klasse in insgesamt 6 Unterrichtsstunden hospitiert und beobachtet werden. Anhand einer vorgefertigten Strichliste, welche die im Theorieteil beschriebenen Arten von Unterrichtsstörungen beinhaltet, wird die Häufigkeit dieser Störungen durch eine systematische Verhaltensbeobachtung gesammelt. Die Auswertung der Strichliste wird anschließend auf die Fragestellung bezogen. Ziel des Forschungsprojektes ist es, am Ende Aussagen zu den Häufigkeiten von Störungen am Nachmittag sowie am Vormittag treffen zu können und diese dann anschließend miteinander zu vergleichen. So soll die Fragestellung beantwortet und ein Ausblick gegeben werden, Unterrichtsstörungen vorzubeugen bzw. zu vermindern.

2 Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand

2.1 Definition von Unterrichtsstörung

Unterrichtliches Handeln unterliegt bestimmten Bedingungen. Die dabei ablaufenden Prozesse sind sehr anfällig auf Störungen (Hillenbrand, 2011, S. 37). Unterrichtsstörungen werden definiert als Prozesse, welche den Unterricht allgemein, aber vor allem den Unterrichtsfluss, also den Lehr-Lern-Prozess, stören. Voraussetzungen für eine Unterrichtsstörungen können durch äußere, zum Beispiel Baulärm von draußen, innere, zum Beispiel andere Lehrkraft klopft an der Tür, Einflüsse oder psychische sowie physische Handlungen von Personen, die am Unterricht beteiligt sind, auftreten (Lohmann, 2003, S. 14). Die Unterrichtsstörung kann dabei von Schüler*innen, oder von der Lehrkraft selbst ausgelöst werden. Eine genauere Auslegung der verschiedenen Unterrichtsstörungen befindet sich im Abschnitt „Arten von Unterrichtsstörungen“. Zu Unterrichtsstörungen kommt es immer dann, wenn vorher abgesprochene, bzw. für den Schulalltag selbstverständliche Regeln und Normen nicht eingehalten werden. Die Abweichungen der Regeln gelten als unausweichlich und sind normal im Laufe einer Stunde. Je weiter dabei das Verhalten von den jeweiligen Normen auseinander gehen, umso größer ist das Konfliktpotenzial (Lohmann, 2003, S. 14). Mit Störungen ist also ein Verhalten gemeint, welches widersprüchlich dem eigentlichen Unterrichtsverlauf steht. Unterrichtsstörungen gehören für jede Lehrkraft und jeder/m Schüler*innen zum schulischen Alltag, an manchen Tagen treten sie sehr häufig auf, an anderen Tagen dagegen eher weniger. An anderen Tagen sind sie so dramatisch, dass die Unterrichtsführung kaum noch möglich ist.

Meistens werden Unterrichtsstörungen als unangebrachtes Verhalten der Schüler*innen festgestellt. Die Ursache des störenden Faktors wird also weniger im unterrichtlichen Bezugsrahmen gesucht, sondern eher beim einzelnen Individuum. Bei dieser Betrachtungsweise blickt man zu einseitig auf das Problem, denn Unterrichtsstörungen sind ein interaktionales Problem und im Klassenkontext zu sehen. Somit stehen nicht die einzelnen Individuen im Mittelpunkt, sondern die Interaktion zwischen den Individuen und in welchem Umfeld diese stattfindet. Nach einer kurzen allgemeinen Definition von Unterrichtsstörungen soll nun explizit auf die verschiedenen Arten eingegangen werden.

2.2 Arten von Unterrichtsstörungen

2.2.1 Unterrichtsstörungen durch Schüler*innen

Es gibt viele Arten, wie Schüler*innen den Unterricht stören können. Dabei unterscheidet man im Allgemeinen zwischen aggressivem und nicht-aggressivem Verhalten. Letzteres kann man wiederum noch einmal in aktive und passive Formen untergliedern. Bei nicht-aggressiven, passiven Störungen wird der Lehr- und Lernprozess nicht direkt gestört oder beeinflusst. Allerdings wirken sich diese Störungen misslich auf die individuellen Lernfortschritte der Schüler*innen aus. Hierzu gehören beispielsweise das Tagträumen, unauffällige Beschäftigung mit anderen Dingen, oder generell geistige Abwesenheit. Wenn Schüler*innen dazwischenreden, sich mit dem Banknachbarn unterhalten oder im Klassenzimmer unaufgefordert umherlaufen, spricht man von einer nicht aggressiven, aktiven Form der Unterrichtsstörung. Diese führt wahrscheinlicher zur Unterbrechung des Unterrichtsverlaufes, als passive Störungen (Wettstein, Scherzinger, & Wyler, 2018, S. 23/24).

Wenn es beim Stören des Unterrichts zu persönlicher Schädigung oder zur Demolierung von Eigentum kommt, spricht man von aggressiven Unterrichtsstörungen. Dabei kann ebenfalls zwei Formen unterschieden, die direkte und die indirekte Form. Bei den direkten, aggressiven Störungen sind alle Beteiligten für einen Außenstehenden deutlich erkennbar. Hierzu gehört bspw. einseitiges oder gegenseitiges beschimpfen, bloßstellen, schlagen oder anderweitiges körperliches verletzen. Bei der indirekten Form aggressiven Verhaltens wird von Schüler*innen mithilfe von verdeckten Handlungen versucht, dem anderen zu schaden. Hier werden bspw. Gegenstände entwendet und geklaut oder falsche Gerüchte verbreitet. Diese Form von Störungen ist unter Schüler*innen sehr beliebt, da sie von Lehrkräften schwierig zu entdecken sind und Schüler*innen ihr Ziel oft unbestraft erreichen (Wettstein, Scherzinger, & Wyler, 2018, S. 390).

2.2.2 Unterrichtsstörungen durch Lehrkräfte

Wie bereits zum Anfang des Kapitels erwähnt, kann der Unterrichtsfluss auch durch die Lehrkraft selbst gestört werden. Da Lehrkräfte allerdings im Normalfall immer die Intention haben, ihren Schüler*innen so viel wie möglich beizubringen, passiert dies meist unbeabsichtigt. Eine Klasse zu unterrichten ist sehr komplex, wodurch es schnell zu ungewollten Störungen des Lehr- und Lernprozesses kommen kann.

Auch hier kann wieder zwischen aggressiven und nicht-aggressiven Unterrichtsstörungen unterschieden werden. Zu den nicht-aggressiven Störungen gehören bspw. unzureichende Ausarbeitung des Unterrichtsmaterials, das Stören der Schüler*innen bei konzentrierten Arbeitsphasen oder die Bestrafung einer/s falschen Schüler*innen bei Konflikten. Letzteres führt dann meist sogar zur Erweiterung oder Eskalation der Unterrichtsstörung (Wettstein, Scherzinger, & Wyler, 2018, S. 25). Die Störung bzw. der gesamte Prozess kann so in einer unerwünschten Weise eine Eigendynamik entwickeln (Hillenbrand, 2011, S. 37). Vereinzelt verhalten sich Lehrkräfte auch aggressiv gegenüber Schüler*innen. Meistens geschieht dies, wenn die Lehrkraft das Gefühl hat, ihre Autorität oder hierarchische Position zu verlieren. Schüler*innen werden folglich herabgesetzt, vor der Klasse bloßgestellt oder persönlich angegriffen. In der Forschung liegen hierzu allerdings kaum Ergebnisse vor (Wettstein, Scherzinger, & Wyler, 2018, S. 391). Arten der Unterrichtsstörung werden in der Literatur unterschiedlich gegliedert. Würde man alle Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen auflisten wollen, würde eine nahezu endlose Liste entstehen. Da dies Formen der Unterrichtsstörungen als greifbar erscheinen, wurden diese vier für den vorliegenden Forschungsbericht ausgewählt.

2.3 Häufigkeiten und Ursachen von Unterrichtsstörungen

Ausschlaggebend für Häufigkeiten und Ursachen von Unterrichtsstörungen kann vieles sprechen. An weiterführenden Schulen steht dabei an oberster Stelle die Pubertät. Die Schüler*innen durchleben in den Klassenstufen 5-12 einen seelischen und biologischen Wandel. Dieser kennzeichnet sich durch Schwierigkeiten in der Akzeptanz in Freundeskreisen, Hinterfragung von Moralphilosophien der Eltern und durch den Rückgang der Leistungsbereitschaft. Letzteres ist einer der Hauptgründe warum es zu Unterrichtsstörungen kommt. Die Schüler*innen möchten in diesem Alter liebe Dinge erleben und ihren Alltag mit Unternehmungen gestalten, die ihnen Spaß machen. Schularbeiten treten dabei meist in den Hintergrund, was zu Konflikten mit Lehrkräften führen kann (Keller, 2010, S. 30). Neben der Pubertät gibt es weitere Gründe für das Aufkommen von Unterrichtsstörungen, etwa durch aktuelle Familienprobleme, genetisch bedingte Störungen der Aufmerksamkeit (ADS) oder familiäre Erziehungsfehler wie eine verwöhnte oder inkonsequente Erziehung (Keller, 2010, S. 30ff.). Um Unterrichtsstörungen zu vermeiden, sollten günstige situative Bedingungen geschaffen werden. So gelingt eine sozial koordinierte und lernzielbezogene Aufmerksamkeitszuwendung (Ophardt & Thiel, 2015, S. 173). Die Aufmerksamkeit von Schüler*innen im Unterricht spielt eine wichtige Rolle hinsichtlich Unterrichtsstörungen.

Sind diese nicht gegeben, kommt es bei Schüler*innen, aber auch bei der Lehrkraft, zum Abschweifen vom Thema, zu Aufmerksamkeitsdefiziten und damit zu Unterrichtsstörungen. Aufmerksamkeit wird als kognitive Aktivität verstanden, welche eine bewusste Willensanstrengung auf einen bestimmten Sachverhalt einbindet (Leschnik, 2020, S. 3). Im Methodenteil soll die Häufigkeit von Unterrichtsstörungen am Vormittag mit der Häufigkeit am Nachmittag miteinander verglichen werden. Dabei sollte man bedenken, dass an einer allgemeinbildenden Schule die Tagesgestaltung üblicherweise in zwei Teile aufgeteilt ist: der Unterricht am Vormittag, ca. 4-5 Stunden, und der Unterricht am Nachmittag, ca. 2-3 Stunden. Diese zwei Teile werden durch eine größere Mittagspause getrennt. Der Umfang dieser beiden Teile bestimmt maßgeblich die Lern- und Lebensqualität der Schüler*innen (Wunder, 2006, S. 132). Die zeitliche Aufteilung dieser beiden Tagesabschnitte ist nicht willkürlich gewählt.

Im Hinblick auf die Konzentration der Schüler*innen können Jugendliche 4 Stunden Arbeiten zugemutet werden (Wunder, 2006, S. 133). Nach einer längeren Mittagspause können dann noch einmal 2 Stunden Konzentration abverlangt werden. Um die Konzentration im Unterricht aufrecht zu erhalten, benötigen junge Schüler*innen dabei mehr Abwechslung, als ältere Schüler*innen (Wunder, 2006, S. 133). Wird dieses Konzept der Schule durchbrochen, können allein durch die Institution Schule Störungen auftreten. Dabei sind die grundlegenden Konflikte durch die Eigenschaften der Schule, wie bspw. zu kurze Pausenzeiten, bedingt und können durch die Lehrkraft im Unterricht nicht vermieden werden (Nolting, 2016, S. 17).

2.4 Forschungsstand

Bekannte Studien zum Vergleich dieses Forschungsprojektes sind im deutschsprachigen Raum, abgesehen von Wettsteiner, Scherzinger & Wyler, nur vereinzelt zu finden. Viele Studien beschäftigen sich mit Störungen im Unterrichtsprozess, dabei werden aber andere Schwerpunkte in der Fragen- und Hypothesenuntersuchung gesetzt. Eine Studie nach Wicki & Kappeler (2007) hat ergeben, dass in insgesamt 10 Unterrichtsstunden von erfahrenen Lehrpersonen an Grund- und Sekundarschulen der Lehrprozess 30 Mal gestört wurde (Wicki & Kappeler, 2007). Dabei wurden die Unterrichtsstörungen nach anderen Beobachtungskriterien und auch nicht zu unterschiedlichen Tageszeiten untersucht. Somit ist ein Vergleich mit den Beobachtungen dieses Forschungsprojektes kompliziert. Aus einer Untersuchung (Krause, 2004) ereignen sich in Deutschland im Durchschnitt pro Unterrichtsstunde mehr als 20 Unterrichtsstörungen. Dabei gelten diese als häufigster Belastungsfaktor bei Lehrkräften.

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Details

Titel
Unterrichtsstörungen. Unterschiede bei der Verhaltensbeobachtung von Schülern und Schülerinnen am Vor- und Nachmittag
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
1,9
Autor
Jahr
2022
Seiten
25
Katalognummer
V1172513
ISBN (Buch)
9783346596284
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterrichtsstörungen, unterschiede, verhaltensbeobachtung, schülern, schülerinnen, vor-, nachmittag
Arbeit zitieren
Phillip Wisotzky (Autor:in), 2022, Unterrichtsstörungen. Unterschiede bei der Verhaltensbeobachtung von Schülern und Schülerinnen am Vor- und Nachmittag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1172513

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