Die Hausarbeit untersucht, welche kontraktualistischen Konsequenzen direkt dem Bosman-Urteil zuzuschreiben sind, welche Veränderungen sich hierdurch einstellten und wie sich die damit einhergehende Globalisierung und befeuerte Monetarisierung des Spielermarktes auf die Jugendausbildung der deutschen Profivereine auswirkt.
Dafür werden einzelne Auffälligkeiten in der Entwicklung der Profikader deutscher Fußballvereine betrachtet und es wird geschaut, welche Relevanz die hiernach beschlossenen Regulierungen des Deutschen Fußball Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) besitzen. Außerdem wird auf die Bedeutung und die Wirksamkeit von Veränderungen am Regelwerk nationaler Institutionen wie der DFL oder internationaler Gremien wie der Federation Internationale de Football Association (FIFA) und der Union of European Football Associations (UEFA) eingegangen.
Die Schlussbetrachtung der Arbeit soll kritisch reflektieren, wie die Ausbildungspraxis im Nachwuchsfußball vor der historischen Einordnung in bereits ansatzweise ausgeführte politische, juristische und sportliche Zwänge zu bewerten ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Bosman-Urteil
2.1 Die Situation vor dem Bosman-Urteil
2.2 Der Hintergrund
2.3 Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs
3. Regelanpassung der Verbände
3.1 Ausländerbeschränkung
3.2 Transferentschädigung
4. Auswirkungen aufgrund veränderter Rahmenbedingungen
4.1 Gestiegener Ausländeranteil
4.2 Fehlender Ausbildungsanreiz
4.3 Sportlicher Tiefpunkt im Jahr 2000
5. Maßnahmen zur Nachwuchsförderung
5.1 Umdenken beim DFB
5.2 Regeländerungen
5.3 Local-Player-Regel
6. Stellenwert der Nachwuchsförderung in der Gegenwart
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kontraktualistischen Konsequenzen des Bosman-Urteils von 1995 und analysiert, wie sich die damit verbundene Globalisierung sowie die verstärkte Monetarisierung des Spielermarktes auf die Jugendausbildung in deutschen Profifußballvereinen ausgewirkt haben.
- Analyse des Bosman-Urteils als historischer Wendepunkt für den europäischen Spielermarkt.
- Untersuchung der Auswirkungen auf die Kaderstruktur deutscher Profivereine und den Ausländeranteil.
- Evaluation der Effektivität von DFB-Regelungen wie der "Local-Player-Regel" zur Förderung des Nachwuchses.
- Kritische Reflexion über das Modell des "Ausbildungsvereins" im Kontext des globalisierten Profifußballs.
Auszug aus dem Buch
Die Situation vor dem Bosman-Urteil
Die in den 1950er Jahren beginnende Entwicklung hin zu einer europäischen Einheit, mit den Zielen der Freizügigkeit der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital, zieht auch Folgen für den Sport nach sich. Die Organisationsstruktur des Profifußballs wird somit auch vom EU-Recht beeinflusst. Deutlich wird dies erstmals 1973, als der Europäische Gerichtshof (EuGH) entscheidet, dass die Ausübung eines Sports dem EU-Recht unterliegt, soweit die Ausübung eine wirtschaftliche Tätigkeit darstellt. Die zunehmende Professionalisierung des Fußballs und die gesteigerte Popularität in der Bevölkerung zu Beginn der 1990er Jahre, lassen den Profisport zu einem bedeutsamen Wirtschaftszweig wachsen und sorgen so dafür, dass er unter das EU-Recht fällt.
Dennoch unterscheiden bis 1995 die Regelungen des DFB und dessen Unterverbände (bspw. Landes- und Kreisverbände) bei Transfers von Profifußballer*innen nicht zwischen Spieler*innen mit laufenden und auslaufenden Verträgen. Der kaufende Verein muss stets eine sogenannte Ausbildungsentschädigung an den abgebenden Verein zahlen. Diese Transferentschädigung soll die Kosten für Ausbildungsleistungen und sonstige Aufwendungen im Zusammenhang mit der Ausbildung des Spielers decken. Die Summe dieser Entschädigungen ist frei zwischen den beiden Vereinen zu verhandeln, was dem abgebenden Verein jederzeit die Möglichkeit gibt, den Spieler*innen einen Wechsel zu untersagen. Der Verein muss die verhandelte Summe nur hoch genug ansetzen, um den/die betroffene(n) Spieler*in an sich zu binden und auf diese Weise seine Verhandlungsposition zu schwächen. Darüber hinaus sieht das Regelwerk des Verbandes vor, dass lediglich drei Spieler*innen pro Mannschaft ausländischer Herkunft sein dürfen.
Dieses Reglement ließ vermuten, dass gegen höherrangiges EU-Recht verstoßen wird, da es die Arbeitnehmerfreizügigkeit, genauer die der Berufsfußballer*innen, einschränkt. Gäbe man dieser Vermutung statt, wären die Bestimmungen der Fußballverbände unwirksam.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den Stellenwert des Fußballs als Volkssport und die Entwicklung der Nachwuchsförderung in Deutschland nach dem sportlichen Misserfolg bei der EM 2000.
Das Bosman-Urteil: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Hintergründe des wegweisenden Urteils des Europäischen Gerichtshofs von 1995 und dessen Auswirkungen auf die Freizügigkeit im Spielermarkt.
Regelanpassung der Verbände: Hier werden die unmittelbaren Konsequenzen des Urteils für das Transfersystem, insbesondere die Abschaffung von Ausländerbeschränkungen und Transferentschädigungen, analysiert.
Auswirkungen aufgrund veränderter Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel beschreibt den Anstieg ausländischer Spieler in der Bundesliga, die Konsequenzen für die Kosten-Nutzen-Rechnung der Vereine und das resultierende Problem des fehlenden Ausbildungsanreizes.
Maßnahmen zur Nachwuchsförderung: Es wird der Prozess des Umdenkens beim DFB nach 2000 beschrieben, der in der Gründung von Leistungszentren, neuen Ligen und der Implementierung der Local-Player-Regel mündete.
Stellenwert der Nachwuchsförderung in der Gegenwart: Die wirtschaftliche und sportliche Relevanz der modernen Nachwuchsförderung wird anhand der Professionalisierung der Ausbildung und deren Erfolgen reflektiert.
Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel diskutiert kritisch, ob die Globalisierung des Spielermarktes ein Hindernis oder eine Chance für die Jugendarbeit in Deutschland darstellt.
Schlüsselwörter
Bosman-Urteil, Nachwuchsförderung, Bundesliga, DFB, DFL, Leistungszentren, Local-Player-Regel, Transfermarkt, Globalisierung, Ausbildungsverein, Europäischer Gerichtshof, Profifußball, Jugendschutz, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Kaderstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Bosman-Urteils von 1995 auf den deutschen Profifußball, insbesondere mit Blick auf die Jugendausbildung und die wirtschaftlichen Strukturen der Vereine.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Liberalisierung des Spielermarktes, die Folgen der Aufhebung von Ausländerbeschränkungen und die Strategien der Verbände zur Förderung des deutschen Nachwuchses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, welche kontraktualistischen Konsequenzen das Bosman-Urteil hatte und wie sich die Globalisierung und Monetarisierung auf die Ausbildung deutscher Nachwuchsspieler auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus historischer Einordnung, juristischer Betrachtung der Verbandsregeln und statistischer Auswertung von Kennzahlen zur Entwicklung der Kaderstrukturen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Ausgangslage vor 1995, die Folgen der Marktöffnung, das Scheitern bei der EM 2000 als Impulsgeber sowie die Einführung von Gegenmaßnahmen wie Leistungszentren und der Local-Player-Regel.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Bosman-Urteil, Nachwuchsförderung, Bundesliga-Leistungszentren, Globalisierung und das Modell des Ausbildungsvereins charakterisiert.
Wie effektiv bewertet die Arbeit die Local-Player-Regel?
Die Arbeit bewertet die Regel auf nationaler Ebene als teilweise wirkungslos, da finanzstarke Vereine sie durch Kaderaufstockung umgehen können, während sie für finanzschwächere Vereine eine größere Herausforderung darstellt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der globalen Transferpraktiken?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass trotz der wirtschaftlichen Chancen der Globalisierung für Talente, der Jugendschutz verstärkt werden muss, um zu verhindern, dass Minderjährige Opfer globalisierter Wettkampf-Praktiken werden.
- Arbeit zitieren
- Nicolai Rettenmaier (Autor:in), 2020, Folgen des Bosman-Urteils. Behindert die Globalisierung des Spielermarktes die Ausbildung von Jugendspielern in deutschen Vereinen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1172532