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Der freie Wille in der Reformation

Nicolaus Gallus und die reformatorische Religionspolitik der frühen Neuzeit

Title: Der freie Wille in der Reformation

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Mathias Seeling (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Gegenstand dieser Arbeit, die Diskussion über den freien Willen im reformatorischen Kontext, ist
keine theologische Debatte, die sich in einer Aktualität des Umbruchs in Kirche und Religion der
frühen Neuzeit entwickelte. Der freie Wille war schon in der Antike Mittelpunkt zahlreicher
Philosophien – auch und vor allem mit religiösem Hintergrund. Mit der Confessio Augustana (CA)
wurde sozusagen vertraglich festgesetzt, wie ein Theologe in seinem jeweiligen Amt zu lehren und
zu handeln hatte. Mit seiner Unterschrift bezeugte er seine Treue zu ihr und identifizierte sich mit
ihren Inhalten. Mit der Einführung des Augsburger Interim, als Übergangslösung bis zu einem
endgültigen Übereinkommen aufgrund der konfessionellen Kirchenspaltung, beginnt der Diskurs
um den Begriff des freien Willens in dieser Arbeit. Im Mittelpunkt stehen hierbei der Text Nikolaus
Gallus' „Erklerung vund Consens vieler christlicher Kirchen / der Auspurgischen Confession / auff
die newe verfelschung der lehre vom freyen willen / wie die aus dem INTERIM von etlichen noch
gefürt und verteidigt wird.“, rückblickend die CA und natürlich vergleichend das Interim von 1548.
Hierbei kann man den Diskurs nicht als um bloßes "Theologengezänk" verstehen. Vielmehr ging es
um Fragen, für die es keine Lösung mehr unter einem Rückgriff auf die Bibel und Bekenntnisse
oder über die Einholung von Stellungnahmen und Gutachten seitens der Reformatoren gab. Luther
war bereits 1546 gestorben und konnte daher keine Lösungsansätze mehr vorbringen. Die Kirche
gab zu damaliger Zeit mit ihren Schriften und Bekenntnissen, Gesetze für den Alltag eines Christen
vor. So kann man also von einem pädagogischen Gebrauch dieser Gesetze ausgehen, die der
christlichen Gesellschaft Normen und Werte vermittelten, die sich an ihnen orientiere. In diesem
Zusammenhang nahm die Debatte um die Willensfreiheit eine große Rolle ein und führte zu
weitgreifenden Kontroversen durch unterschiedlichste Auslegungen und Denkweisen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 „lehre vom freyen willen“ - konfessionelle Einordnung Gallus' Schrift

1.1 „Von der weise durch welche der Mensch die rechtfertigkeit bekumpt“

1.2 Die Beweggründe Gallus' Schrift gegen das Interim

2 Gesellschaftsgeschichtliche Konsequenzen

2.1 Bedeutung für die sozialen Verhältnisse in den Gemeinschaften

2.2 Theologie der Kontroversen statt Krieg

2.3 Adiaphora und der freie Wille im evangelischen Glaubensarten

Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die Debatte um den freien Willen im reformatorischen Kontext, wobei der Fokus auf der Schrift „Erklerung vund Consens vieler christlicher Kirchen“ von Nikolaus Gallus liegt. Es wird untersucht, wie dieser theologische Diskurs, insbesondere in Abgrenzung zum Augsburger Interim von 1548, als Mittel zur konfessionellen Identitätsstiftung und als Reaktion auf die Bedrohung der lutherischen Lehre durch politische und kirchliche Kompromissversuche fungierte.

  • Die Theologie des freien Willens in der frühen Neuzeit
  • Konfessionelle Auseinandersetzung mit dem Augsburger Interim
  • Soziale und machtpolitische Dimensionen der Reformation
  • Die Rolle der Confessio Augustana in Krisenzeiten
  • Adiaphora und ihre Bedeutung für die kirchliche Identität

Auszug aus dem Buch

1.1 „Von der weise durch welche der Mensch die rechtfertigkeit bekumpt“

In diesem neuen Abschnitt geht Gallus auf eine „erste annemung Göttlicher Gnade mit freyem willen“ ein. Er geht davon aus, dass die Gnade und Seligkeit von Gott angebotene Güter wären und er Mensch habe lediglich eine Art freien Willen, sie anzunehmen, „wen er zu guter vernunfft oder verstandt kompt /“ oder nicht. „Das aber in des Menschen verstandt und freyen willen sölte stehen / das Evangelion mit seiner gnad anzunemen / ist falsch vnnd unrecht“13. Dennoch räumt er einen sehr knapp bemessenen freien Willen insofern ein, als das er „[...] durch den Geist Gottes bewegt werde / das der böse unwillige wille / gut vnd willig werde / höre Gottes wort / gleube vnd folge dem / vnd werde also Gottes wille und sein wille ein wille“.

Der Wille ist also frei bei der Wahl des Bösen oder um dem Guten zu widerstreben. Hat man sich jedoch für eine Seite entschieden, bewirkt der Wille nichts mehr, um sich von dieser Entscheidung wieder abwenden zu können. An dieser Stelle sei ebenso das Wort Gottes hervorgehoben, welches dem evangelischen Christen durch die Predigt vermittelt wird und somit einen hohen Stellenwert einnimmt. Selbst der Glaube an sich sei ohne die Gnade Gottes nicht denkbar14.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Situation der Reformation ein und umreißt die zentrale Fragestellung der Schrift von Nikolaus Gallus zur Willensfreiheit im Kontext des Interims.

1 „lehre vom freyen willen“ - konfessionelle Einordnung Gallus' Schrift: Dieses Kapitel verortet Gallus konfessionell im Luthertum und analysiert seinen scharfen Einspruch gegen die theologischen Zugeständnisse im Augsburger Interim.

1.1 „Von der weise durch welche der Mensch die rechtfertigkeit bekumpt“: Hier wird detailliert dargelegt, warum der Mensch aus Sicht von Gallus unfähig ist, aus eigenem Willen zur Gnade zu gelangen, und warum nur das Wirken Gottes den Willen zum Guten wandeln kann.

1.2 Die Beweggründe Gallus' Schrift gegen das Interim: Dieses Unterkapitel beleuchtet die persönlichen und theologischen Motive des Autors, die ihn dazu bewogen, die Bestimmungen des Interims als Bedrohung der evangelischen Existenz zu kritisieren.

2 Gesellschaftsgeschichtliche Konsequenzen: Das zweite Hauptkapitel untersucht die Auswirkungen der religiösen Umbrüche auf den Alltag und die Machtverhältnisse zwischen Obrigkeit und Untertanen in der frühen Neuzeit.

2.1 Bedeutung für die sozialen Verhältnisse in den Gemeinschaften: Es wird analysiert, wie die politische Forderung nach konfessioneller Einheit die sozialen Strukturen in den Gemeinden und Städten durch Abwanderung und kirchliche Neuausrichtung veränderte.

2.2 Theologie der Kontroversen statt Krieg: Dieses Kapitel beschreibt, wie der Religionsstreit zwar militärische Spannungen barg, aber gleichzeitig einen Raum für gelehrte theologische Diskussionen und eine sachliche Auseinandersetzung schuf.

2.3 Adiaphora und der freie Wille im evangelischen Glaubensarten: Hier wird der Umgang mit sogenannten Mitteldingen (Adiaphora) diskutiert und aufgezeigt, dass diese für die Protestanten religiös bedeutungslos waren und nicht zur Heilsfindung beitragen konnten.

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Auseinandersetzung um das Interim maßgeblich zur Festigung des Konfessionalismus beitrug und die Spaltung der Kirche im 16. Jahrhundert zementierte.

Schlüsselwörter

Nikolaus Gallus, Reformation, freier Wille, Augsburger Interim, Confessio Augustana, Rechtfertigung, Gnade, Adiaphora, Konfessionalisierung, Luthertum, Religionspolitik, Kirchengeschichte, Frühe Neuzeit, Religionsfriede, Theologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den Diskurs über die Willensfreiheit innerhalb der Reformation, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung von Nikolaus Gallus mit den Bestimmungen des Augsburger Interims.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen das Verhältnis von Gnade und menschlichem Willen, die konfessionelle Identitätswahrung, die politisch-religiöse Rolle des Interims sowie die sozialen Auswirkungen des konfessionellen Zwiespalts.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor in seiner Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den historischen Prozess zu verstehen, in dem der theologische Streit um den freien Willen als identitätsstiftendes Element für die evangelische Seite diente und wie dies zur Abgrenzung gegenüber kaiserlichen und katholischen Kompromissvorschlägen führte.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen und geschichtswissenschaftlichen Untersuchung primärer Quellen, insbesondere der Schrift von Nikolaus Gallus, sowie der Einordnung dieser in den breiteren theologischen und politischen Kontext der Zeit.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird die theologisch-konfessionelle Einordnung von Gallus' Schrift vorgenommen, die Differenzierung zwischen göttlichem und menschlichem Wirken erörtert und die gesellschaftsgeschichtlichen Konsequenzen des Interims auf soziale Strukturen und die kirchliche Ordnung analysiert.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie „Reformation“, „freier Wille“, „Augsburger Interim“, „Konfessionalisierung“ und „Confessio Augustana“ charakterisieren.

Wie bewertet Gallus das menschliche Vermögen in Bezug auf das Seelenheil?

Gallus lehnt jede Form menschlicher Eigenleistung oder eines freien Willens zur Erlangung des Heils kategorisch ab; für ihn ist der Mensch vollständig von der Gnade Gottes und dem Wirken des Heiligen Geistes abhängig.

Warum war das Interim für die Protestanten aus Sicht des Autors so gefährlich?

Das Interim wurde als Gefahr wahrgenommen, da es durch katholisch geprägte Kompromisse die Grundlage der evangelischen Lehre, insbesondere die Rechtfertigung allein aus Gnade, zu untergraben und die evangelische Kirche schrittweise wieder unter römisches Papsttum zu führen drohte.

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Details

Title
Der freie Wille in der Reformation
Subtitle
Nicolaus Gallus und die reformatorische Religionspolitik der frühen Neuzeit
College
University of Erfurt
Course
Gesellschaftsgeschichtliche Konsequenzen des frühneuzeitlichen Diskurses über die Willensfreiheit
Grade
1,3
Author
Mathias Seeling (Author)
Publication Year
2008
Pages
20
Catalog Number
V117281
ISBN (eBook)
9783640197293
ISBN (Book)
9783640197408
Language
German
Tags
Wille Reformation Gesellschaftsgeschichtliche Konsequenzen Diskurses Willensfreiheit Frühe Neuzeit Luther
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mathias Seeling (Author), 2008, Der freie Wille in der Reformation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117281
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