Die Rolle indigener Sprachen bei der Bildung der nationalen Identität Mexikos unter dem Präsidenten Vicente Fox Quesada


Magisterarbeit, 2008
101 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Aufbau und Zielsetzung

Teil I Theoretische Grundlagen

2. Nation, Nationalismus und nationale Identität
2.1 Forschungsstand und Literatur
2.2 Etymologie und historische Verwendung von Nation und Nationalismus
2.3 Das Konzept von Nation und Nationalismus in der neueren Nationalforschung
2.3.1 Nationen als Konstrukte
2.3.2 Wille, Kultur, Territorium und Vergangenheit
2.3.3 Nationalismus als politische Ideologie
2.3.4 Grenzziehung durch den Nationalismus
2.4 Die Konstruktion nationaler Identität
2.4.1 Individuelle und kollektive Identität
2.4.2 Nationale Identität
2.4.3 Abgrenzung von nationaler Identität und ethnischer Identität
2.5 Indigene Völker in Lateinamerika und nationale Identität
2.5.1 Definition und Erläuterung.
2.5.2 Folklorisierung und Exotisierung

Teil II Sprache und nationale Identität

3. Der Einfluss von Sprache auf die nationale Identität
3.1 Sprache und Identität
3.2 Sprache und nationale Identität
3.3 Multilingualität als Herausforderung bei der Konstruktion der nationalen Identität
3.3.1 Sprachminderheiten
3.3.2 Die Bildung einer homogenen Nation bei sprachlicher Heterogenität
3.3.3 Förderung nationaler Identität auf Grundlage der Multilingualität

Teil III Postrevolutionäres Mexiko: indigene Sprachen und nationale Identität

4. Die Stellung der indigenen Sprachen bei der Bildung der nationalen Identität im postrevolutionären Mexiko
4.1 Mexicanidad und Indigenismus
4.1.1 Indigene Sprachen in der Verfassung von 1917
4.1.2 Bildung als Instrument der Assimilierung
4.1.3 Zahl indigener Sprecher zwischen 1930 und 1970
4.2 Ethnodesarrollo und bilinguale Bildung
4.3 Neuer Indianismus

Teil IV Die Rolle indigener Sprachen bei der Bildung der nationalen Identität unter dem Präsidenten Vicente Fox Quesada

5. Entwicklung der indigenen Sprachen unter Präsident Fox
5.1 Abgrenzung von offiziellen und nationalen Sprachen
5.2 Zahl indigener Sprecher
5.3 Monolingualität unter den indigenen Sprechern.
5.4 Bilingualität unter den indigenen Sprechern
5.5 Analphabetismus unter der indigenen Bevölkerung
5.6 Besondere Entwicklung der indigenen Sprachen in Chiapas

6. Ziele der Regierung Fox hinsichtlich der Integration indigener Sprachen in die nationale Identität Mexiko
6.1 Anrede der indigenen Zuhörer
6.2 Konstruktion der nationalen Identität
6.3 Bedeutung der indigenen Sprachen in der nationalen Identität.
6.4 Bewertung der bilingualen Bildung

7. Die rechtliche Anerkennung der indigenen Sprachen
7.1 Die mexikanische Verfassung
7.1.1 Verfassungsreform von 2001
7.2 Ley General de Derechos Lingüísticos de los Pueblos Indígenas (2003)
7.2.1 Kapitel 1: Allgemeine Richtlinien
7.2.2 Kapitel 2: Spezifische Rechte
7.2.3 Kapitel 3: Anordnung, Unterstützung und Koordination der Kompetenzen
7.2.4 Kapitel 4: Schaffung des INALI
7.2.5 Zukunft des LGDLPI
7.3 Reformierung des Ley General de Educación

8. Interkulturelle Universitäten im Rahmen des Programa Nacional de Educación 2001-2006
8.1 Entwicklung des Projekts
8.2 Ziele der interkulturellen Universitäten
8.3 Errichtung unter der Regierung Fox
8.4 Kritik an den interkulturellen Universitäten
8.5 Die Universidad Intercultrural de Chiapas (UNICH)

9. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Entwicklung indigener Sprachen zwischen 1930 und 2000

Tabelle 2: Anzahl indigener Sprecher und Anteil der bilingualen und monolingualen indigenen Bevölkerung in den Jahren 2000 und 2005

Tabelle 3: Anzahl indigener Sprecher nach Bundesstaaten in den Jahren 2000 und 2005

Tabelle 4: Monolingualität indigener Bevölkerung nach Bundesstaaten in den Jahren 2000 und 2005

Tabelle 5: Monolingualität ausgewählter Sprachgemeinschaften in den Jahren 2000 und 2005

1. Aufbau und Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema Die Rolle indigener Sprachen bei der Bildung der nationalen Identität Mexikos unter dem Präsidenten Vicente Fox Quesada, der von 2000 bis 2006 regierte .

Die indigenen Sprachen Mexikos sind ein zentrales Thema zahlreicher Untersuchungen, weil sie zu den wichtigsten Kriterien bei der Klassifizierung der indigenen Bevölkerung gehören. Sie werden derzeit von mehr als 6 Millionen der über 103 Millionen in Mexiko lebenden Menschen gesprochen. Deshalb sind sie nicht nur ein Teil der Vergangenheit Mexikos, sondern ein lebendiger Teil der mexikanischen Kultur.

Der Gebrauch der indigenen Sprachen ist mit Diskriminierung und Ausgrenzung der Sprecher verbunden. Dies kann damit begründet, dass bereits nach der mexikanischen Revolution (1910-1920) eine neue nationale Identität konstruiert wurde, die mexicanidad, die die Existenz der indigenen Völker und ihrer Sprachen nicht berücksichtigte. Die Bildung wurde das Instrument, mit dem die Regierungen die Auslöschung der indigenen Sprachen und die gleichzeitige Anpassung an die Mehrheitsbevölkerung der Mestizen[1] beabsichtigten.

Erst mit dem bewaffneten Aufstand der EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional), einer indigenen Guerillabewegung, im Bundesstaat Chiapas im Südosten Mexikos am 1. Januar 1994 hat ein neuer Diskurs über die nationale Idenität begonnen. Die indigene Bevölkerung trat als ein politischer Akteur ins Zentrum des Identitätsdiskurses und forderte eine nationale Idenität, die nicht nur auf zwei Säulen, der indigenen Vergangenheit und den Mestizen, sondern auf drei Säulen – der indigenen Vergangenheit, den Mestizen und der gegenwärtigen Existenz der Indigenen – basiert. Diese Forderungen nach Anerkennung der indigenen Kulturen und Sprachen wurden bis 2000 nicht erfüllt. Erst mit dem Amtsantritt von Präsident Fox am 1. Dezember 2000 entwickelte sich auf Grund von neuen Gesetzen und Bildungsprogrammen eine neue Ära der sprach- und bildungspolitischen Integration der indigenen Bevölkerung in die nationale Identität. Diese neue Ära wird im Zusammenhang mit dem Parteienwechsels gesehen, denn Fox besiegte mit seiner christlich- konservativen Partei Partido Acción Nacional (PAN) das erste Mal nach über 70 Jahren die Partei Partido Revolucionario Institucional (PRI), die für ein homogenisierendes und die indigene Bevölkerung ausgrenzendes Nationalprojekt stand. Foxismo drückte dagegen die Hoffnung auf die Lösung der Probleme des Landes und den Weg zu einer gerechten Demokratie aus. Die sprach- und bildungspolitischen Veränderungen unter Präsident Fox waren ein wesentliches Zeichen einer wachsenden Demokratie und stellen deshalb den Kern dieser Arbeit dar.

Diese Arbeit besteht aus vier Teilen. Die ersten beiden Teile widmen sich dem theoretischen Bezugsrahmen. Zur Einführung in das Thema und als theoretische Grundlage für weitere Analysen sollen die wichtigen Begriffe Nation, Nationalismus und nationale Identität erläutert werden. Zu beachten ist, dass bei der Erläuterung der Begriffe hauptsächlich auf die neuere Nationalforschung seit Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts und ihre Vertreter eingegangen wird, weil die Autorin diese als besonders weiterführend erachtet.

Im Anschluss an die Begriffserläuterungen soll im zweiten Teil der Einfluss von Sprache bei der Bildung der nationalen Identität erhellt werden. Der Zusammenhang zwischen Nationalsprache bzw. Multilingualität und nationaler Identität eines Landes steht dabei im Mittelpunkt.

Als Überleitung zum vierten Teil, der dieser Arbeit den Titel gegeben hat, soll die Stellung der indigenen Sprachen bei der Bildung der Nation im postrevolutionären Mexiko thematisiert werden, um genauer zu beleuchten, warum die indigenen Sprachen bei der Konstruktion der mexikanischen Nation von 1920 bis zur Amtszeit des Präsidenten Fox keine Bedeutung hatten. Das Hauptinteresse liegt dabei auf den letzten 30 Jahren vor der Präsidentschaft von Fox. Dabei wird gezeigt, vor welchem sprach- und bildungspolitischen Erbe die Regierung im Jahre 2000 stand, um im vierten Teil aufzuklären, welche sprach- und bildungspolitischen Veränderungen unter Präsident Fox stattgefunden haben und wie die nationale Identität seitdem konstruiert wird.

Als Einleitung in die Analyse der sprach- und bildungspolitischen Veränderungen unter dem Präsidenten Fox und der Rolle der indigenen Sprachen bei der Bildung der nationalen Identität gilt es darzulegen, welche Entwicklung die indigenen Sprachen von 2000 bis 2006 vollzogen haben. Dabei soll Chiapas, der Bundesstaat mit dem zweitgrößten Anteil an indigenen Sprechern, wegen seiner besonderen Entwicklung hinsichtlich des Spracherhalts hervorgehoben werden. Anschließend wird die Sprach- und Bildungspolitik der Regierung Fox hinsichtlich der Förderung der indigenen Sprachen und ihrer Integration in die nationale Identität in drei Schritten untersucht. Im ersten Schritt werden Reden des Präsidenten Fox während seiner Amtszeit nach unterschiedlichen Kriterien analysiert, um festzustellen, welche Ziele seiner Regierung er hinsichtlich der Förderung indigener Sprachen und deren Integration in die nationale Identität andeutet. Da aber die Ergebnisse der Untersuchung der Reden allein nicht genügen, um die sprach- und bildungspolitische Integration der indigenen Bevölkerung unter der Regierung Fox zu beurteilen, sondern erst die Umsetzung der Ziele der Regierung verdeutlicht, ob eine erfolgreiche Integration der indigenen Sprecher in die Nation stattgefunden hat, soll im zweiten Schritt die rechtliche Anerkennung der indigenen Sprachen auf nationaler Ebene im Vordergrund stehen. Die rechtliche Anerkennung der indigenen Sprachen auf nationaler Ebene ist deshalb wichtig, weil sie die Grundlage für die Integration der indigenen Sprachen in die nationale Identität bildet und bildungspolitische Projekte ermöglicht, die wiederum einen wesentlichen Beitrag zur Förderung und Entwicklung der indigenen Sprachen leisten.

Nach der Abhandlung der ersten beiden Schritte soll im dritten und letzten Schritt als Beispiel für den Integrationsversuch der indigenen Sprachen in die nationale Identität auf das staatliche Projekt der interkulturellen Universitäten eingegangen werden. Das Projekt der interkulturellen Universitäten wurde unter der Regierung Fox im Rahmen des Programa Nacional de Educación 2001-2006 ausgearbeitet. Da die Sprachpolitik in Mexiko dem Bereich der Bildung zugewiesen ist und bildungspolitische Programme, die die indigenen Sprachen im Unterricht verwenden, die sprachpolitische Integration der indigenen Bevölkerung in die Nation und die Förderung ihrer Sprachen vorantreiben sollen, wird das ausgewählte Projekt der interkulturellen Universitäten als Beispiel zahlreicher Projekte vorgestellt. Dabei ist eine zentrale Frage zu stellen: Ermöglichte die Regierung Fox der indigenen Bevölkerung durch diese Angebotserweiterung, ihre Sprachen in die nationale Identität zu integrieren? Die Beantwortung dieser Frage erfordert eine Untersuchung des Wesens der interkulturellen Universitäten anhand unterschiedlicher Kriterien wie Lehrangebot, Förderungsmöglichkeiten etc. Exemplarisch soll das Augenmerk auf eine der insgesamt neun interkulturellen Universitäten gelegt werden, nämlich die Universidad Intercultual de Chiapas (UNICH) in San Cristóbal de las Casas im Bundesstaat Chiapas.

Teil I Theoretische Grundlagen

2. Nation, Nationalismus und nationale Identität

2.1 Forschungsstand und Literatur

Unzählige wissenschaftliche und laienhafte Untersuchungen Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts behandeln die Themen Nation, Nationalismus und nationale Identität, so dass eine gängige, eindeutige und allgemeingültige Definition und Analyse der Begriffe auf Grund der Vielzahl der vorhandenen Literatur nicht möglich ist. Es ist lediglich möglich, unterschiedliche Ansätze der Nationalforschung in der oben genannten Zeitperiode bezüglich der Entstehungszusammenhänge und Funktionen von Nationen, der Idee des Nationalismus und der nationalen Identität darzustellen und den Schwerpunkt auf die als relevant erachteten wissenschaftlichen Theorien zu legen.

Zu den wichtigsten Vertretern der neueren Nationalforschung gehören zum einen Benedict Anderson mit seinem Werk Die Erfindung der Nation: zur Karriere eines erfolgreichen Konzepts, das 1996 erschienen ist, zum anderen Thomas Hylland Eriksen mit seinem Werk Ethnicity and Nationalism: anthropological perspectives, das 1993 erschienen ist. Ebenso bedeutende Forscher sind Ernest Gellner mit seinem 1983 erschienenen Werk Nations and Nationalism und Anthony D. Smith, der an dieser Stelle mit seinem Werk Nationalism: Theory, Ideology, History, 2001 erschienen, zu nennen ist. Diesen vier Vertretern der Nationalforschung kommt vor allem deshalb eine hohe Bedeutung zu, weil sie die Diskussion über die neuere Nationalforschung angeregten und bis heute als wegweisend für weitere Autoren gelten.

Für den Identitätsbegriff ist unter anderem Jan Assmanns Werk Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen (1992) von großer Bedeutung. Assmann veranschaulicht die Begriffe Identität, individuelle und kollektive Identität, die für das Verständnis dieser Untersuchung notwendig sind.

Im Folgenden sollen zunächst die Begriffe Nation und Nationalismus im Vordergrund stehen, die Voraussetzung für das Verständnis des Begriffs der nationalen Identität sind.

2.2 Etymologie und historische Verwendung von Nation und Nationalismus

Der Begriff Nation stammt etymologisch von dem lateinischen Wort natio ab und bezeichnet das Geborenwerden, die Geburt und eine Göttin, die dem Vorgang der Geburt zugeordnet wurde (Estel 2002: 23). Er wurde im 14. Jahrhundert aus dem Lateinischen ins Deutsche eingeführt und bedeutete eine Gemeinschaft von Personen, die auf dem gleichen Gebiet leben und miteinander verwandt sind (Puhl 2005: 243). Erst im 18. Jahrhundert nahm er die politische Bedeutung einer Gemeinschaft an, die über das Bewusstsein eines gemeinsamen historischen, kulturellen und politischen Erbes verfügt und die das Ziel hat, einen Staat oder einen autonomen Teil einer Föderation zu schaffen (ebd.). Der Begriff wurde dann im politischen Sinne von Johann Gottfried von Herder (1744-1803), Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) und Alexander von Humboldt (1769-1859) Ende des 18. Jahrhunderts geprägt (May 2001: 52). Die vormoderne Nation bezeichnete einen Herrschaftsverband oder die politisch-territoriale Einheit von Personenverbänden bzw. deren Repräsentanten (Estel 2002: 25).

In der frühen Geschichts- und Sozialforschung wurde der Begriff Nation unkritisch betrachtet und galt als selbstverständlich (Wehler 2001: 7). Nach der konventionellen Auffassung besteht die Nation seit archaischen Urzeiten und wurde höchstens verdeckt, überfremdet, eingeschläfert, bis sie erneut erwachte oder geweckt wurde und damit wieder zum Bewusstsein ihrer selbst kam (ebd.: 36). Doch die neue Nationalforschung, die zu einem späteren Zeitpunkt genauer untersucht wird, löst den Anschein der Natürlichkeit und Unveränderlichkeit der Nation und der politischen Idee des Nationalismus auf (ebd.: 9).

Der Begriff Nationalismus ist ein moderner Begriff, dessen frühester Gebrauch im politischen und sozialen Sinne auf den deutschen Philosophen Johann Gottfried Herder und den französischen Gegenrevolutionär Abbé Augustin de Barruel Ende des 18. Jahrhunderts zurückzuführen ist (Smith 2001: 5). Anfang des 19. Jahrhunderts wurde er selten verwendet und später mit nationalem Egoismus gleichgesetzt (ebd.). Erst im 20. Jahrhundert tauchte der Begriff Nationalismus in der Form auf, mit der er heute assoziiert wird und um die es sich unter anderem im nächsten Kapitel handelt (ebd.).

2.3 Das Konzept von Nation und Nationalismus in der neueren Nationalforschung

Im Folgenden werden der Begriff Nation und die Idee des Nationalismus im modernen Verständnis thematisiert.

Eine Nation ist kein Staat (Smith 2001: 12). Sie ist kein Staat, weil das Konzept eines Staates sich auf institutionelle Aktivitäten bezieht, während eine Nation eine Art von Gemeinschaft ist (ebd.). Ein Staat ist die Organisationsform einer Nation (Coulmas 1985: 10).

Nationen im modernen Sinne sind im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Französischen Revolution (1789-1799), in Europa entstanden und durch die monarchistischen Staatenbildungen in West- und Nordeuropa zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert vorbereitet (Puhl 205: 243). Zu dieser Zeit wurden in Lateinamerika die Kolonialprovinzen zu Nationalstaaten umgeformt, und die kreolische Oberschicht sah sich als Nation an (Wehler 2001: 91). Doch das politische Herrschaftssystem war labil, weil ihm die stabilisierende Vergangenheit einer seit langem existierenden einheitlichen Gruppe fehlte (ebd.). Die Kolonialgesellschaften waren nach der Entdeckung der Europäer durch das Mestizentum, die Sklaverei und andere billige Arbeitskräfte stark hierarchisch aufgebaut und stützten sich auf die Herrschaft einer kleinen weißen Oberschicht über einer unterdrückten Mehrheit von Mestizen, Mulatten, Indigenen und Sklaven, weshalb keine genuine Ethnie existierte (ebd.: 90). Die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede der verschiedenen Gruppen (Indigene, Schwarze, Mestizen und Weiße) führten in Lateinamerika im 19. und 20. Jahrhundert zu Gemeinschaften, die mit autoritären Mitteln versuchten, eine homogene Gesellschaft zu schaffen (ebd.: 91).

2.3.1 Nationen als Konstrukte

Die neue Nationalforschung basiert auf dem Konstruktivismus, der historische Phänomene auflöst und sie als Konstrukte der menschlichen Vorstellung betrachtet (Wehler 2001: 8). Nationen sind klare Beispiele kontinuierlicher Konstruiertheit, initiiert durch politische Interventionen, wie Staatenbildungen, neue Ideologien und kulturelle Veränderungen (Puhl 2005: 243). Die Nationalisierung von Kulturen und ein Nationalbewusstsein wurden erst durch die Errichtung und den Ausbau von Schulen und Universitäten, das

Zeitungswesen, den Buchmarkt und den Bahnbau sowie die Etablierung einer Nationalsprache möglich (ebd.).

Eine Nation wird von ihren Mitgliedern als eine Gemeinschaft gedacht, die unabhängig von kulturellen, wirtschaftlichen, sprachlichen etc. Unterschieden als eine homogene Gruppe existiert (Anderson 1996: 17). Benedict Anderson erläutert, dass eine Nation eine begrenzte und souveräne, aber insbesondere erfundene politische Gemeinschaft ist, weil die Mitglieder selbst der kleinsten Nation den Großteil der anderen Mitglieder nicht kennen lernen werden und sie sich nur eine Gemeinschaft vorstellen (Anderson 1996: 15). Die Identifikation der Mitglieder einer Nation mit der imaginierten Gemeinschaft basiert somit nicht auf ihre Interaktion, sondern auf einer abstrakten Ebene. Die Nation wird als begrenzt wahrgenommen, da selbst die größte in Grenzen lebt (ebd.: 16). Die Mitglieder einer Nation erkennen nicht alle Mitglieder der menschlichen Rasse als ihrer Nation zugehörig an, weshalb keine Nation existiert, die sich mit der Menschheit gleichsetzt (ebd.). Überdies wird eine Nation als souverän verstanden, da dieser Begriff geschaffen wurde, als die Aufklärung und die französische Revolution die Rechtmäßigkeit der hierarchisch-dynastischen Herrschaftsgebiete auflöste (ebd.: 16/17).

Ein weiterer wichtiger Vertreter der neueren Nationalforschung, Andreas Gardt, definiert eine Nation als das Resultat von Prozessen der Bewusstseinsbildung innerhalb einer jeweiligen Gesellschaft (Gardt 2000: 1). Nationalbewusstsein, Patriotismus oder Nationalismus setzen nicht notwendigerweise eine bereits bestehende Nation voraus, sondern können zur Konstruktion einer Nation beitragen, sie im Extremfall erschaffen bzw. festigen und dynamisieren (ebd.: 2). Für Hans-Ulrich Wehler stellt die Nation sogar ein vom Nationalismus entworfenes Produkt der modernen Geschichte dar (Wehler 2001: 37). Anthony D. Smith definiert Nationen darüber hinaus als unvermeidbare Produkte der Modernität, die aber umgekehrt auch als Erzeuger der Modernität fungieren können (Smith 1995: 4).

Die Hauptfunktion einer Nation ist das Ermöglichen, aber auch das Erzwingen des Zusammenhalts einer Vielzahl von Personen und Gruppen zu einer Einheit (Sander 2000: 11). Sie sind Instrumente, die die zerstörerischen Folgen der massiven sozialen Veränderung kontrollieren, weil sie große und machtvolle Gemeinschaften und Glaubenssysteme bewahren, die einen Teil des sozialen Zusammenhaltes sichern können (Smith 1995: 4).

2.3.2 Wille, Kultur, Territorium und Vergangenheit

Das Problem von Nationen ist, sie von anderen Gemeinschaften (z.B. Ethnien) zu unterscheiden (Hobsbawm 20053: 15). Je nach Situation und Umfeld werden sehr verschiedene Kriterien (Kultur, Religion, Geschichte etc.) gebraucht, um die Grenzen von Nationen zu markieren (ebd.: 15/16)

Der Wille (will) und die Kultur (cu lture) stellen zwei zentrale Begriffe in Gellners Werk Nations and Nationalism (1983) dar. Laut seiner Definition kann von einer Nation gesprochen werden, wenn zwei Individuen eine gemeinsame Kultur besitzen (Geller 1983: 7). Dabei ist unter Kultur ein Ideen-, Zeichen-, Assoziations- und Verhaltenssystem zu verstehen (ebd.). Darüber hinaus müssen sich die Individuen gegenseitig als der Nation zugehörig anerkennen (ebd.). Somit sind Nationen Erzeugnisse der Überzeugungen, Loyalitäten und Solidaritäten ihrer Mitglieder (ebd.).

Des Weiteren definiert Smith die moderne Nation als eine menschliche Bevölkerung, die territorial gebunden ist und deren Mitglieder zu einem besonderen Territorium – dem Nationalstaat – gehören, das sie als ihres anerkennen (Smith 1995: 56). Der Nationalstaat wird als ein Staat verstanden, der vom Nationalismus – der noch eine Erläuterung bedarf – legitimiert wird und dessen Mitglieder in ihrer Vorstellung eine nationale Einheit und Integration besitzen (Smith 2001: 17).

Für Klaus Puhl setzen Nationen bestimmte territoriale, sprachliche, religiöse oder kulturelle Gemeinsamkeiten voraus, die aber nur das Material für das politische und intellektuelle Nationalprojekt sind (Puhl 2005: 243). Seine Theorie steht im Widerspruch zu denen von Smith und Gellner. Während Gellner die gemeinsame Kultur und Smith das gemeinsame Territorium als wichtige Voraussetzungen für die Konstruktion der Nation betrachten, versteht Puhl beides nur als Kriterien wie Sprache oder Religion, auf die sich eine Gemeinschaft beziehen kann, die aber keine Notwendigkeit für die Bildung der Nation darstellen.

Ein weiteres häufig verwendetes Kriterium bei der Nationenbildung ist die Vergangenheit. Die Umwandlung von Gruppen mit vornationalen, sprachlichen, ethnischen oder religiösen Gemeinsamkeiten – die nicht immer existiert haben – in Nationen sind nicht geschichtsnotwendig (Puhl 2005: 244). Dennoch verwandelt sich häufig die andersartige Vergangenheit von Ethnien durch Neuinterpretation in eine nationale Vergangenheit, so dass die Illusion einer lückenlosen, langlebigen Tradition entstehen kann (Wehler 2001: 38). Dabei ist die Nation neuartig, aber für die Protagonisten uralt (ebd.).

2.3.3 Nationalismus als politische Ideologie

Nach Ernest Gellner ist das Zeitalter der Industrialisierung mit dem des Nationalismus verbunden, der sich im Kontext des Übergangs von traditionellen Agrargesellschaften zu modernen Industriegesellschaften entwickelte (Gellner 1983: 40). In mehreren Fällen geht aber der Nationalismus der Industrialisierung voraus, wie in Mexiko, Japan oder Serbien (May 2001: 72). In diesen Ländern gab es keine industrielle Entwicklung, als der Nationalismus aufkam (ebd.). Nationalismus wollte dort nicht nur Modernität erreichen, sondern auch kollektive Identität und Autonomie schaffen (ebd.).

Der Nationalismus überspringt alle sozialen, konfessionellen und regionalen Grenzen und ist eine Ideologie, die eine Nation schafft, mobilisiert und integriert und eine neuzeitliche politische Herrschaft – den Nationalstaat – legitimiert (Wehler 2001: 13/41). Der Begriff Nationalismus wird mit einem Prozess der Bildung oder dem Wachsen einer Nation, dem Gefühl und Bewusstsein für die Zugehörigkeit zu ihr, einer Nationalsprache, einer sozialen und politischen Bewegung im Interesse der Nation und einer Ideologie einer Nation assoziiert (Smith 2001: 5/6/8). Es gibt einen Unterschied zwischen einer ideologisch organisierten Bewegung des Nationalismus und dem Gefühl der nationalen Zugehörigkeit, weshalb dieses nationale Bewusstsein (oder das nationale Gefühl) von jenem Nationalismus getrennt betrachtet werden muss, obwohl sie sich in der Praxis oft überlappen (ebd.: 6). Der Nationalismus wird, bezogen auf die Sprache und den Symbolismus, als eine sozialpolitische Bewegung und Ideologie einer Nation verstanden (ebd.). Er hat als Ideologie und Bewegung vier Ziele: nationale Autonomie, nationale Einheit, nationale Identität und eine Nation im souveränen Nationalstaat (Smith 2001: 9/ Wehler 2001: 17). Die Protagonisten erfinden nicht das gesamte Konstrukt des Nationalismus, sondern setzen es aus Elementen der historischen Tradition zusammen, im Rückgriff auf die Geschichte des Herrschaftsverbandes (Wehler 2001: 37/38).

Es hat immer schon Loyalitätsbindungen gegeben, welche Menschen an Solidaritätsverbände wie Familienclan, Stamm oder eine Religionsgemeinschaft gebunden haben, weil das Zugehörigkeitsgefühl das Selbstwertgefühl und das Identitätsgefühl steigert, wenn mit dem Solidaritätsverband Prestige verbunden ist (ebd.: 15). Diese Loyalitätsbeziehungen konnten im Rahmen des nationalistischen Weltbildes zur Konstruktion einer nationalen Vergangenheit genutzt werden (ebd.). Sie bestehen fort und neben dem nationalen Identitätsbewusstsein oder fusionieren mit ihm (ebd.). Der Nationalismus stellt eine neue Loyalitätsverpflichtung dar, die sich eine Nation schafft, indem sie bestehende Herrschaftsverbände neu ordnet und sich als Antwort auf strukturelle Krisen der frühmodernen Gesellschaften anbietet (ebd.: 17). Klassische Zuspitzung dieser Krise ist die Revolution (ebd.).

2.3.4 Grenzziehung durch den Nationalismus

Eriksen hebt besonders die Bedeutung von Grenzziehungen – den Boundaries – hervor, die durch den Nationalismus geschaffen werden (Eriksen 1993: 6). Der Nationalismus betont die kulturelle Gleichheit seiner Anhänger und zieht als Folge kulturelle und soziale Grenzlinien zu anderen, die zu Außenseiter werden (ebd.). Das Kennzeichen des Nationalismus ist der Nationalstaat (ebd.), dessen Mitglieder eine Einheit bilden, aber nicht kulturelle Homogenität besitzen (Smith 2001: 17). Anhänger des Nationalismus behaupten aber, dass politische Grenzen mit kulturellen Grenzen gleichbedeutend sind (Eriksen 1993: 6). Die Begrenzung verläuft nach innen und außen (ebd.: 67). Nach innen betont er die Homogenität, das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Hochschätzung der nationalen Gruppe, nach außen schließt er die Personen aus, die wegen ihrer kulturellen und sozialen Eigenschaften nicht in die Nation passen (z.B. Minderheiten) (ebd.). Auch wenn die Grenzziehung eine bestimmte Flexibilität gewährleistet, wird Konformität verlangt (ebd.).

2.4 Die Konstruktion nationaler Identität

Um den Begriff der nationalen Identität zu verstehen, ist es notwendig, die Bildung von individueller und kollektiver Identität zu erläutern. Laut Thomas Hylland Eriksen spielt die individuelle Identität bei der Darstellung des Identitätsbegriffs aus sozialanthropologischer Sicht keine Rolle: „When we talk of identity in social anthropology, we refer to social identity, not the depths of the individual mind (Eriksen 1993: 60). Die Autorin stimmt Eriksen in dieser Hinsicht nicht zu, weil kollektive Identitäten, auch wenn sie sich auf Gruppen beziehen, auf Individuen und ihrem Selbstverständnis basieren und Ausdruck ihres Bewusstseins sind. Dies wird im Folgenden dargelegt.

2.4.1 Individuelle und kollektive Identität

Es existiert kein Individuum ohne Identität (del Val 2006: 69). Doch was ist unter dem vielfach definierten Begriff der Identität zu verstehen? Das Wort stammt vom lateinischen Wort idem ens und bedeutet derselbe seiend (Abels 2004: 418). Jan Assmann definiert Identität in seinem 1992 erschienen Werk Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen wie folgt:

„Identität ist eine Sache des Bewusstseins, d.h. des Reflexivwerdens eines unbewussten Selbstbildes. Das gilt im individuellen wie im kollektiven Leben. Person bin ich nur in dem Maße, wie ich mich als Person weiß, und ebenso ist eine Gruppe „Stamm“, „Volk“ oder „Nation“ nur in dem Maße, wie sie sich im Rahmen solcher Begriffe versteht, vorstellt und darstellt“ (Assmann 1992: 130).

Individuen und Kollektive müssen somit das Bewusstsein haben, dass sie zu bestimmten Gruppen gehören und mehrere Identitäten haben. Die Identität ist soziogen, was bedeutet, dass das individuelle Bewusstsein durch Sozialisation von außen nach innen entsteht (ebd.: 131).

Identitäten erfinden sich, verwandeln sich, erschaffen sich neu, ordnen sich unter oder zwingen sich auf (del Val 2006: 69). Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson (1902-1994) ist der Ansicht, dass sich die individuelle Identität jedes Individuums über das ganze Leben hin entwickelt und jede Person in Anbetracht seines sich verändernden Schicksals die Aufgabe hat, Gleichheit und Kontinuität aufrechtzuerhalten (Erikson 1971: 82).

Identität ist nicht bereits seit der Geburt vorhanden, sondern wird von jedem Individuum durch sein Verhältnis zu gesellschaftlichen Erfahrung- und Tätigkeitsprozessen und durch Interaktion mit anderen Individuen erworben und entwickelt (Mead 1973: 177). Die Verwirklichung der Identität ist erst möglich, wenn ein Individuum in Beziehung zu anderen Individuen steht, mit diesen eine Gemeinschaft bildet und die Haltung und Rolle anderer einnimmt (ebd.: 238). Auch Assmanns erste These besagt, dass das Individuum sich von außen nach innen entwickelt (Assmann 1992: 130). Das Individuum „[…] baut sich im Einzelnen auf kraft seiner Teilnahme an den Interaktions- und Kommunikationsmustern der Gruppe“ (ebd.). Dies bedeutet, dass ein Kollektiv in der Konstitution des Selbstbildes Vorrang vor dem Individuum hat und dass die Identität ein soziales Phänomen ist (ebd.: 130/131).

Die Identität lässt auch ein Kollektiv entstehen, indem es der Träger des Wir- Bewusstseins ist (ebd.: 130). Unter kollektiver Identität oder Wir-Identität versteht Assmann das Bild, das eine Gruppe von sich aufbaut, mit dem sie sich identifiziert und zu dem sie sich bekennt (ebd.: 132).

In seiner zweiten These erklärt Assmann, dass es die Wir-Identität nicht ohne die Individuen gibt, die dieses „Wir-Gefühl“ schaffen und das Wissen und das Bewusstsein über das Vorhandensein dieser Wir-Identität teilen (ebd.: 131). Zwar gewinnt ein Individuum seine Identität erst durch die Rolle, die es in der Gruppe spielt, andererseits entsteht die Gruppe aber aus dem Zusammenwirken der Individuen (ebd.), die konstruierte Werte, Normen, Erinnerungen, Mythen und Symbole teilen (Smith 2001: 19).

Kollektive Identität ist eine symbolische Ausformung und bezieht sich nicht auf ein „leibliches Substrat“ (Assmann 1992: 132). Eine kollektive Identität kann sich auf viele Kollektive, wie z.B. Geschlecht, Ethnie, Familie, Sprachgruppen, Parteien, Nationalität, soziale Schicht oder Religion, beziehen (Serret 1999: 240).

Wichtig für das Kollektiv ist die Selbst- und Fremdeinschätzung. Der norwegischen Anthropologe Fredrik Barth erklärt in der Einleitung von Ethnic Groups and Boundaries. The Social Organization of Culture Difference (1969), dass kollektive Identitäten (bei Barth handelt es sich um ethnische Identitäten) keine stabile Einheiten sind, deren Grenzen durch objektive äußerliche Eigenschaften wie Rasse, Sprache und Kultur, sondern durch das subjektive Selbstverständnis und Bewusstsein der Akteure und die wahrgenommene Einschätzung durch andere Akteure bestimmt werden (Barth 1969: 11/13-15). Laut Barth bedingen kulturelle Unterschiede nicht das Hervorkommen kollektiver Identitäten, sondern sie markieren ihre Grenzen und dienen der In- oder Exklusion (ebd.: 14). Diese kulturellen Unterschiede werden im Selbstbild anders und positiv bewertet als in der Fremdeinschätzung und können dann ein Problem darstellen, wenn das Verhältnis der Akteure als asymmetrisch und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe aus der Außenperspektive als Stigma gilt (Eriksen 1993: 23/28-30). Die Mitglieder stigmatisierter Gruppen geben je nach Möglichkeit ihre negativ bewertete Identität auf oder entwickeln eine Gegenidentität (Barth 1969: 30-34).

Außerdem ist kollektive Identität situationsabhängig, d.h. ein Individuum verfügt über mehrere Identitäten, die nicht in allen Situationen relevant sind, sondern je nach Kontext gebraucht werden (Eriksen 1993: 30). Ethnien können beispielsweise in der einen Situation ihre ethnische Identität verleugnen oder sie besonders betonen (ebd.: 40).

2.4.2 Nationale Identität

Der Begriff nationale Identität hat vorherige Ideen wie nationaler Charakter oder nationales Bewusstsein, die im 18., 19. und 20. Jahrhundert vorherrschten, ersetzt (Smith 2001: 17). Nationale Identität ist eine spezifische Form von kollektiver Identität, die auf der Selbstdefinition einer Gemeinschaft als Nation basiert (ebd.: 17/19). Sie kann auf Grund ihres multidimensionalen Charakters nicht auf ein objektives Element (Sprache, Abstammung usw.) reduziert werden (May 2001: 61).

Wird Barths Theorie nicht auf ethnische, sondern nationale Identitäten angewandt, kann festgehalten werden, dass kulturelle Unterschiede, die durch Interaktion von Gruppen für die Akteure sichtbar werden, nicht die nationale Identität definieren. Sie ermöglichen die Abgrenzung einer Gemeinschaft zu anderen und bilden eine Einheit nach innen.

Der Zusammenhalt einer Nation hängt wesentlich von dem Erfolg ab, den die verschiedenen symbolischen Elemente erreichen, die die nationale Identität – die sich durch die regionalen, ethnischen oder anderen Besonderheiten ausdrückt – bilden, denn der Nationalstaat ist abhängig von einer willkürlichen geografischen Abgrenzung, die in den meisten Fällen Regionen mit kulturellen, topografischen und wirtschaftlichen Unterschieden eint (Serret 1999: 254).

Die neuere Nationalforschung und Identitätsdiskussion haben ergeben, dass sich die konventionelle Vorstellung einer nationalen Identität, geschaffen durch den Nationalismus und Nationalstaat, auflöst (Wehler 2001: 104). Zwar wird die nationale Identität weiterhin anerkannt, doch ihre Bedeutung erscheint in abgeschwächter Form (ebd.: 105). Die Globalisierung[2] wird von Stephan May für den Bedeutungsverlust der nationalen Identität verantwortlich gemacht, weil den Nationalstaaten die Begründung einer uniformen nationalen Identität durch die wachsende globale Ökonomie und Kultur erschwert wird (May 2001: 23). Für die Autorin scheint die Globalisierung als Argument für den Bedeutungsverlust der nationalen Identität nicht überzeugend. Sie ist der Ansicht, dass Globalisierung auch das Gegenteil bewirken kann und die nationale Identität von der Gemeinschaft als Abgrenzungsprozess bewusst betont wird, während die globale Wirtschaft, Politik und Kommunikation zusammenwächst. Es kann auf Barths Theorie zurückgegriffen werden, denn der Kontakt zu anderen Ländern, Kulturen, Sprachen etc. kann bewirken, dass das Eigene erst im Kontrast bemerkt und deshalb hervorgehoben wird.

Darüber hinaus kann jede Person sich der Welt zugehörig fühlen und trotzdem Deutscher, Mexikaner oder Italiener sein. Die nationale Identität wird nicht durch eine globale Identität[3] – wenn diese existiert – ersetzt. Es ist möglich gleichzeitig mehrere Identitäten zu besitzen.

2.4.3 Abgrenzung von nationaler Identität und ethnischer Identität

An dieser Stelle soll der Begriff der ethnischen Identität, auch Ethnizität genannt, erläutert werden und in Relation zur nationalen Identität gesetzt werden. Das ist deshalb wichtig, weil die indigenen Völker in Mexiko über eine ethnische Identität und gleichzeitig über eine nationale Identität verfügen.

Ethnizität ist wie die Nation ein Konstrukt oder eine Erfindung, sie muss geschaffen werden und als objektive Kriterien können kulturelle Besonderheiten wie Sprache, Rituale oder Zeremonien fungieren (Kößler/ Schiel 1994: 3/4). Die ethnische Identität wird aber nicht durch objektive Gleichheiten und Unterschiede (Sprache, Rituale etc.) gebildet (Eriksen 1993: 4). Eriksen definiert Ethnizität wie folgt: „Ethnicity is an aspect of social relationship between agents who consider themselves as culturally distinctive from members of other groups with whom they have a minimum of regular interaction“ (ebd.: 11/12). Demnach interagieren zwei Gruppen miteinander und die ethnische Identität kommt hervor, wenn sie ihre kulturellen Unterschiede erst im Kontrast zueinander konstatieren. Die Notwendigkeit oder die Gelegenheit lässt eine abgegrenzte, von innen wie von außen definierte Identität entstehen (Kößler/ Schiel 1994: 4). Durch die Betonung des Fremden ergibt sich die Ausgrenzung und umgekehrt ergibt sich durch die Betonung der Gemeinsamkeit der Einschluss in die Gemeinschaft (ebd.: 5). Durch die In- oder Exklusion entstehen Wir-Gruppen, wobei sie innerhalb von Staaten oberhalb der Verwandtschaft (z.B. Stamm) und unterhalb der Nation als ethnische Gruppe charakterisiert werden (Orywal 1999: 100/101).

Die Ethnizität dient der

„Sicherung von sozialer Mitgliedschaft und dem Zugang zu den materiellen und ideellen Gruppenressourcen in kulturpluralistischen Staaten. Durch das dynamische Prinzip der Inklusion wird E. nicht ausschließlich zu einem Ab- und Ausgrenzungsprozess und steht nicht notwendigerweise in Opposition zur nationalen Identität“ (ebd.: 101).

Eine ethnische Identität kann jedoch zur Grundlage von Konflikten werden, z.B. wenn in multikulturellen Staaten das Konstrukt nationaler Zusammengehörigkeit durch die Traditionen der politisch dominanten ethnischen Gruppe über alle anderen ethnischen Gruppen hinweg geschaffen wird (ebd.).

Barth zweifelt an, dass ethnische Identität primordial ist, d.h. sie immer schon existiert hat und selbstverständlich ist. Barth führt an, dass ethnische Identität ein gesellschaftliches Produkt ist und ethnische Gruppen eine Form von sozialer Organisation durch Interaktion bilden (Barth 1969: 19-23). Die ethnische Identität wird fortwährend von politischen, wirtschaftlichen, sozialen und demographischen Veränderungen, die bestimmen, wer von wem welcher Ethnie zugeordnet wird oder wer sich welcher Ethnie zugehörig fühlt, beeinflusst. (Eriksen 1993: 28). Deshalb sind ethnische Grenzen nicht primordial, aber durchlässig und flexibel, weil die Möglichkeit besteht, seine ethnische Identität zu wechseln (Barth 1969: 22/23).

2.5 Indigene Völker in Lateinamerika und nationale Identität

An dieser Stelle ist es wichtig, zunächst auf den Begriff und anschließend auf die Rolle der indigenen Völker in Lateinamerika bei der Konstruktion der nationalen Identität einzugehen, weil dies für die Untersuchung der Rolle ihrer Sprachen bei der Bildung der nationalen Identität Mexikos bedeutend ist.

2.5.1 Definition und Erläuterung

Es gibt zahlreiche Definitionen für den Begriff indigene Völker. Vielfach wird die Definition der ILO-Konvention 169 (ILO - International Labour Organization) verwendet, einem Übereinkommen über die Rechte indigener Völker in unabhängigen Ländern, das 1991 in Kraft getreten ist und ihre Grundrechte definiert (ILO-Konvention 169 2008). Die ILO-Konvention 169 definiert die indigenen Völker wie folgt:

„Völker in unabhängigen Ländern, die als Eingeborene gelten, weil sie von Bevölkerungsgruppen abstammen, die in dem Land oder in einem geographischen Gebiet, zu dem das Land gehört, zur Zeit der Eroberung oder Kolonisierung oder der Festlegung der gegenwärtigen Staatsgrenzen ansässig waren und die, unbeschadet ihrer Rechtsstellung, einige oder alle ihre traditionellen sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Einrichtungen beibehalten“ (ebd.).

In der Ethnologie und anderen Sozialwissenschaften erscheinen die indigenen Völker häufig als traditionell isolierte Gemeinschaften, repräsentieren und verkörpern die vorspanische Vergangenheit und stellen die ursprünglichen Besitzer des jeweiligen Landes dar, aber in der Wirklichkeit sind sie ein realer Teil der lateinamerikanischen Nationalstaaten und mit anderen nationalen und internationalen Gemeinschaften vernetzt (Sherzer/ Urban 1991: 1/2). Beweise für ihre Präsens und die Vernetzung sind indigene Bewegungen und politische Proteste in Form von Identitätsdiskursen (ebd.: 1).

In den lateinamerikanischen Nationen ist die indigene Bevölkerung oftmals eine Minderheit, obwohl sie in Ausnahmefällen (Bolivien und Guatemala) auch die politische Mehrheit stellen (ebd.: 10). Die meisten Staaten Lateinamerikas lehnen die indigene Autonomie ab, sind aber nicht grundsätzlich gegen das Erhalten der Eigenschaften (Kleidung, Sprache etc.), die die indigenen Völker charakterisieren (ebd.). Die indigenen Eigenschaften, die die Staaten Lateinamerikas von anderen differenzieren, werden als nationale Symbole aufgewertet (ebd.). Die diversen Kulturen innerhalb des Nationalstaates werden durch interne Prozesse zu einer Einheit zusammengefasst und durch äußere Differenzierungsprozesse der Nation von anderen, besonders von den europäischen Staaten, ergänzt (ebd.). In diesem komplexen Vorgang spielen die indigenen Eigenschaften eine Rolle bei der Bildung der nationalen Identität, weil die Konstruktion einer Einheit mit der Folklorisierung, die im Folgenden neben dem Begriff der Exotisierung veranschaulicht wird, einhergeht (ebd.).

2.5.2 Folklorisierung und Exotisierung

Unter dem Begriff der Folklorisierung ist die Verlegung von einheimischen Bräuchen (z.B. Musik und Tanz) von ihrem ursprünglichen Kontext in einen neuen städtischen Kontext, gewöhnlich mit Unterstützung des Staates, zu verstehen (Sherzer/ Urban 1991: 10). Somit werden diese Bräuche durch einen internen Prozess zu kulturellen Elementen und erfundenen Traditionen, mit denen die gesamte Nation identifiziert wird (ebd.). Die Folklorisierung erlaubt, den verschiedenen Teilen der Nation zu einer Einheit zusammengefügt zu werden, ohne anzudeuten, dass ein Teil der Gemeinschaft die Gesamtheit definiert (ebd.: 11).

Die Exotisierung ist mit dem touristischen Interesse verbunden und gehört zu den äußeren Differenzierungsprozessen, die die Andersartigkeit zu einer attraktiven Kraft umformen (ebd.). Die Faszination für das Fremde und die Andersartigkeit erweckt das Interesse von Touristen an einem Staat (ebd.). Der Tourismus bringt ökonomische Vorteile für eine Nation oder eine ethnische Gruppe und ist partiell der Grund, warum z.B. indigene Eigenschaften in einer Nation beibehalten werden (ebd.).

Die beiden Prozesse – Folklorisierung und Exotisierung – erhalten und pflegen die indigenen Kulturen in Lateinamerika (ebd.). Sie stehen im Gegensatz zu den Hauptinteressen der Staaten, die die Assimilierung der ethnischen Gruppen und die Beseitigung der kulturellen Diversität verfolgen (ebd.). Es ist deshalb nicht eindeutig, ob die die indigenen Kulturen durch Widerstand, Fortdauer, Folklorisierung oder Exotisierung im Nationalstaat fortbestehen und welche Rolle sie bei der Konstruktion der nationalen Identität einnehmen. Dies ist von Fall zu Fall anders.

Teil II Sprache und nationale Identität

3. Der Einfluss von Sprache auf die nationalen Identität

Der Aufsatz von Wilhelm Oppenrieder und Maria Thurmair Sprachidentität im Kontext von Mehrsprachigkeit (2003) hat für dieses Kapitel einen besonderen Stellenwert. In diesem wird der Zusammenhang zwischen Sprache und Identität, Nationalsprache und nationale Identität sowie Mehrsprachigkeit und nationaler Identität äußerst verständlich erläutert. Die Erläuterungen von Oppenrieder und Thurmair werden unter anderem durch jene von Florian Coulmas Sprache und Staat: Studien zur Sprachplanung und Sprachpolitik (1985) vervollständigt.

3.1 Sprache und Identität

Gemeinschaften konstruieren sich und zeichnen sich dadurch aus, dass die einzelnen Mitglieder in Beziehung zueinander stehen (Oppenrieder/ Thurmair 2003: 41). Die kommunikativen Beziehungen, die auf bestimmte sprachliche Kompetenzen zurückgreifen, sind sehr bedeutend (ebd.). In seinem sozialpsychologischen Klassiker Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus (1973) erklärt George Herbert Mead (1863-1931), dass die sprachliche Kommunikation das Grundprinzip der gesellschaftlichen Organisation darstellt, durch die die Selbstreflektierung und die Entwicklung der Identität erst möglich ist (Mead 1973: 204ff.) Eine Gruppe kann durch die sprachliche Selbst- und Fremdwahrnehmung eine Identität aufbauen und sich von anderen Gruppen abgrenzen (Oppenrieder/ Thurmair 2003: 42). Sprache wird als identitätsstiftendes Erbe für den Zweck der Nationalbildung ausgenutzt (Coulmas 1985: 14). In Gruppen, in denen Sprache zentral für die Identität ist, erzeugt vermutlich die geteilte Sprache bestimmte Solidaritäten (Estel 2002: 132). Die Sprache ist nicht nur beim Aufbau der kollektiven Identität, sondern auch für die individuelle Identität jedes Mitgliedes einer Gruppe bedeutend (Oppenrieder/ Thurmair 2003: 42). In beiden Fällen weist jedoch Sprache auf die Zugehörigkeit zu einer Gruppe hin (ebd.). Vor allem bei größeren politisch- sozialen Gruppen wie Nationen wird offiziell eine einzige Sprache als identitätsstiftend betrachtet (ebd.). Eine gemeinsame Sprache muss jedoch nicht unbedingt zur Entfaltung einer gemeinsamen Identität führen (ebd.). Mehrere ethnische Gruppen können eine Sprache teilen und trotzdem verschiedene ethnische und nationale Identitäten bewahren (Estel 2002: 129).

3.2 Sprache und nationale Identität

Sprache ist keine notwendige oder hinreichende Voraussetzung für die Existenz einer nationalen Identität (Coulmas 1985: 12), doch eine gemeinsame Sprache wird in vielen Nationen als ein Symbol für die nationale Identität angesehen (Morris Bermúdez 2007: 65.). Oftmals ist das Nationalbewusstsein – das Bewusstsein über eine gemeinsame Geschichte und das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gemeinschaft – bedeutender für die Existenz einer nationalen Identität als eine einheitliche Sprache (Coulmas 1985: 12). Dennoch ist eine Nationalsprache ein Bekenntnis ihrer Benutzer zu einer Nation, die ihre jeweilige Sprache zu einer Nationalsprache erst erklären, indem sie die Sprache mit dem Volkstum zu begründen versuchen oder als Ausdruck der gewollten Zugehörigkeit zu einer kulturellen und/oder politischen Gemeinschaft begreifen (Gardt 2000: 3).

Die Festlegung einer Nationalsprache hat das primäre Ziel, eine Einheit nach außen und innen zu symbolisieren (Oppenrieder/ Thurmair 2003: 42/43). Eine Gruppe kann sich durch eine Einheitssprache abgrenzen, weshalb oftmals die sprachliche Identität – die Identität eines Individuums bezüglich einer Sprache –, die auf Einsprachigkeit statt auf Mehrsprachigkeit aufbaut, als die gelungenere Identität beurteilt wird (ebd.: 43). Besonders im Europa des 19. Jahrhunderts verankerte sich der Gedanke, dass eine Nation von einer einzigen Sprache abhängig ist und beeinflusste die weltweite Wahrnehmung und Entwicklung (Anderson 1996: 72).

Gemeinsame Sprache begründet bzw. erleichtert die Kommunikation innerhalb von Gemeinschaften, aber sie ist nicht gleichbedeutend mit Gemeinschaft selbst (Estel 2002: 40). Nationalsprachen haben sich in Industrie-, Konsum- und Dienstleistungsgesellschaften als notwendiges Instrument erwiesen und dienen der einfachen Verständigung durch alle sozialen Klassen (Wehler 2001: 99).

Die Spracheinheitlichkeit einer Nation wird erst durch gezielte Sprachpolitik des Nationalstaats erlangt (Estel 2002: 30). Welche Sprache als Nationalsprache gewählt wird, ist nicht abhängig von der sprachlichen Eigenschaft, sondern von ihrer Macht und ihrem Prestige (Coulmas 1985: 29). Wenn nicht eine prestigereiche Gruppe oder ein Großteil einer Gemeinschaft eine Sprache annimmt und pflegt, dann kann sie sich nicht durchsetzen (ebd.: 36). Jedes Gruppenmitglied muss die identitätsstiftende Funktion der Sprache sowohl für das Individuum als auch für das Kollektiv anerkennen, damit die sprachliche

Identitätsbildung gelingt (Oppenrieder/ Thurmair 2003: 43). Nachdem eine Sprache als Nationalsprache anerkannt wurde, erhöhen sich ihr Prestige und ihre Funktionalität (ebd.). Die Gemeinschaft erwartet die sprachliche Loyalität aller Gruppenmitglieder, andere Sprachen werden im besten Fall geduldet (ebd.).

3.3 Multilingualität als Herausforderung bei der Konstruktion der nationalen Identität

3.3.1 Sprachminderheiten

Bevor die Analyse der Multilingualität als Problem bei der Bildung der nationalen Identität erläutert wird, soll der Begriff Sprachminderheiten definiert und ihre Stellung in einer Nation erläutert werden.

Sprachminderheiten, dazu gehören auch die Sprecher indigener Sprachen, stellen einen Aspekt der Herausforderung der Vielsprachigkeit dar, besonders wenn die Einheitssprache nach europäischem Beispiel politisch höher bewertet wird als die sprachliche Vielfalt der Minderheiten (Coulmas 1985: 95/104). Viele von den Minderheitensprachen können sich nicht an die Kommunikationsanforderungen der sich schnell modernisierenden Gesellschaften anpassen und werden dadurch im Gegensatz zur Mehrheitsnationalsprache und Elitesprache beschränkt angewandt (ebd.: 104/105). Oft wird die sprachliche Assimilation als Zugang zu einer „höherwertigen“ Kultur und einem besseren Wirtschaftsystem gesehen oder sie ist zumindest ein Loyalitätsnachweis gegenüber dem Wertesystem der Mehrheitsgesellschaft und ihrem politischen und wirtschaftlichen Regime (Stark 1992: 35).

[...]


[1] Mestizen ist die Bezeichnung für den Bevölkerungsteil in Lateinamerika, der sowohl europäischer als auch indigener Abstammung ist.

[2] Unter Globalisierung ist die zunehmende Vernetzung der Welt in wirtschaftlichen, politischen und kommunikativen Bereichen zu verstehen, durch die die lokale Situation immer mehr von externen Faktoren beeinflusst wird (Brumann 1999: 152).

[3] Es ist fraglich, ob es eine globale Identität gibt. In dem Aufsatz von Brigitte Höhenrieder und Christina Rose (2005): „Ist globale Identität denkbar? Versuch über einen Begriff“, in: Badura, Jens/ Rieth, Lothar/ Scholtes, Fabian (Hgg.): „Globalisierung“ Problemsphären eines Schlagwortes im interdisziplinären Dialog, Wiesbaden, wird der Begriff diskutiert und versucht eine Definition für diesen herzuleiten. Da eine ausführliche Darstellung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wird an dieser Stelle nur auf diesen Aufsatz hingewiesen werden.

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Die Rolle indigener Sprachen bei der Bildung der nationalen Identität Mexikos unter dem Präsidenten Vicente Fox Quesada
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,6
Autor
Jahr
2008
Seiten
101
Katalognummer
V117338
ISBN (eBook)
9783640197309
ISBN (Buch)
9783640197415
Dateigröße
1285 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mexiko, indigene Sprachen, Vicente Fox, nationale Identität
Arbeit zitieren
Pardis Maleki (Autor), 2008, Die Rolle indigener Sprachen bei der Bildung der nationalen Identität Mexikos unter dem Präsidenten Vicente Fox Quesada, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117338

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