Exegese historisch-kritische Analyse von Markus 11,15-19

Die Tempelreinigung


Seminararbeit, 2005
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Vorverständnis
1.2 Wirkungsgeschichte
1.3 Abgrenzung der Perikope

2 Strukturanalyse
2.1 Textlinguistische Fragestellungen
2.2 Sozialgeschichtliche und historische Fragen, Realien
2.3 Formkritik
2.4 Pragmatische Analysen

3 Innovatives Potential
3.1 Traditionsgeschichte
3.2 Religionsgeschichtlicher Vergleich
3.3 Synoptischer Vergleich

4 Wirkungsabsicht
4.1 Kompositionskritik
4.2 Redaktionskritik

5 Ergebnis der Textanalyse
5.1 Fazit
5.2 Hermeneutischer Ausblick

6 Literaturverzeichnis

Exegese zu Mk 11,15-19

Text:

15 Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um 16 und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trage. 17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht. 18 Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre. 19 Und abends gingen sie hinaus vor die Stadt.

1 Einleitung

In der folgenden exegetischen und hermeneutischen Erarbeitung der Bibelstelle Mk 11,15-19 parr, werde ich eine historisch- kritische Analyse dieser Bibelstelle durchführen. Dabei werde ich mich mit den theologischen Aussagen des Textes, sowie mit seiner literarischen Gestaltung befassen. Darüber hinaus werde ich mich mit den zu findenden Parallelstellen beschäftigen, als auch mit der sonstigen Stellung des Textes im gesamten Markusevangelium. Ingesamt erhoffe ich mir, dass sich durch diese Ausarbeitung mein Verständnis für die oben genannte Bibelstelle vertieft und mir einige neue Einsichten darbieten. Des Weiteren erhoffe ich mir, dass sich auch mein Verständnis im Bezug auf andere Bibelstellen erweitert, beziehungsweise verändert.

1.1 Vorverständnis

Als ich den Text zunächst las, dachte ich zuerst dran, dass Jesus hier die zu der damaligen Zeit herrschenden Umstände im Tempel aufzeigen wollte, da dies für ihn ein schockierendes, nicht beispielhaftes Handeln darstellte, dem nicht weiter nachgegangen werden sollte. Er wollte verdeutlichen, dass an einem heiligen Ort wie dem Tempel in Jerusalem keine auf Profit ausgelegten Geschäfte gemacht werden sollten, welche sich durch die Gläubigkeit der Menschen finanziert. Besonders auffällig erscheint mir, dass Jesus nicht nur als ein Jesus der Worte handelt, sondern auch aktiv gegen die Händler und Geldwechsler vorgeht, als ein Jesus der Tat. Es wird deutlich die Aufregung Jesu über dieses Verhalten aufgezeigt. So bezeichnet er den Tempel als "Räuberhöhle" und wirft die Tische der Händler und Geldwechsler um. Auf Jesu Handeln folgt die Reaktion der Hohenpriester und Schriftgelehrten, welche die eigentliche Instanz für diese Geldgeschäfte sind. Die Hohenpriester trachteten danach ihn umzubringen, da sie sich vor ihm fürchteten. Das Verhalten der Hohenpriester wirkt schwächlich und machtlos, ebenfalls aber auch hinterlistig und korrupt. Sie sind über die starken Vorwürfe und die starke Kritik, als auch über das Verhalten Jesu sehr erzürnt, da dies ein Angriff auf ihre Kompetenz und Glaubwürdigkeit beziehungsweise Ehrlichkeit ist. Jesus ist nun eine ernsthafte Gefahr. Er kann jedoch Aufgrund seiner großen Anhängerzahl nicht aus dem Weg geräumt werden. Jesus wird also von seinen Anhängern vor dem Tod bewahrt. Unter dem Schutz seiner Anhänger steht Jesus jedoch nur tagsüber. Nachts muss er sich vor die Stadttore begeben. Dort hat er Schutz vor den Wachen der Hohenpriester. Außerdem steht er außerhalb der Stadt unter dem Schutz seiner Jünger.

In der folgenden historisch-kritischen Analyse werde ich versuchen zu erfahren, ob diese Erzählung noch andere Bedeutungen hat, oder ob ich meinen ersten Leseeindruck untermauern kann. Dies werde ich mit Hilfe von Sekundärliteratur näher ergründen. Darüber hinaus werde ich versuchen zu klären, warum Markus diese Perikope der Tempelreinigung in die Feigenbaum-Erzählung geordnet hat.

1.2 Wirkungsgeschichte

Jesus forderte in der Perikope der Tempelreinigung die Abschaffung des bestehenden Tempelkultes, dass heißt die Abschaffung der bestehenden Verhältnisse am Tempel und um ihn herum, beziehungsweise in seinen Vorhöfen. Das bestehende Verhalten ist seiner Meinung nach nicht mehr dem Verhalten entsprechend, welches sich an einem Tempel Gottes gehört. Der Tempel sollte nicht nur ein Gebetshaus der Juden sein, sondern für alle Völker offen stehen. Dieses Gebetshaus ist nicht für jeden überall zugänglich, sondern ist in bestimmte Abschnitte unterteilt. Jesus protestiert gegen das unwürdige Verhalten im und am Tempel, da dieser seiner Aufgabe gegenüber unwürdig geworden ist. Jesus tritt hier außerdem sehr bestimmend, als Jesus der Tat auf, als auch als Jesus der Worte. Zuerst geht er aktiv gegen die Händler und Geldwechsler vor und danach begründet er sein Verhalten. Er hat also eine erklärende Funktion. Wichtig ist es dabei zu unterscheiden zwischen der moraltheologischen und der zelotischen Auslegung oder auch Interpretation genannt. Die moraltheologische Interpretation besagt, dass Jesus, mit seinem Protest aufzeigen möchte, welches Verhalten an einem heiligen Platz wie dem Tempel angebracht ist und welches Verhalten unwürdig ist. Die zelotische Auslegung hingegen meint, dass Handeln Jesus am Tempel würde verdeutlichen, wie er diesen Tempel in Besitz nimmt und somit schon hier seine Ansprüche als König Israels deutlich macht. Diese Theorie wird besonders von Eisler aufgegriffen, der diese versucht historisch zu untermauern. Dies scheint jedoch sehr schwierig, da bei einer historischen Interpretation die eigentliche Aussage des Textes verloren geht.[1]

1.3 Abgrenzung der Perikope

Der Text Mk 11, 15-19 grenzt sich deutlich von seinen Nachbartexten ab, da nicht nur ein Orts-, sondern auch ein Personenwechsel stattfindet. Dieser findet zu Begin, als auch zum Ende des Textes statt. Der einleitende Vers 15 "Und sie kamen nach Jerusalem" gibt den neuen Aufenthaltsort Jesu und seiner Jünger an und somit auch den neuen Handlungsort. Trotz des Wortes "und" beginnt hier eine völlig neue Thematik. Es findet also eindeutig ein Erzählwechsel statt, da sich weder alle Personen noch der Ort der vorangehenden Erzählung wieder findet. Hier fällt besonders auf, dass die Jünger zwar in diesem einleitenden Satz genannt werden, jedoch in der eigentlichen Handlung keine weitere Rolle spielen. Bezieht man dies nun auf die gesamte Feigenbaum-Erzählung, so fällt auf, dass die Jünger sonst neben Jesus eine tragende Rolle inne haben. Anstelle der Jünger, stehen während der Tempelreinigung Händler, Schriftgelehrte, als auch Hohepriester als Hauptpersonen neben Jesus. In den vorausgehenden und folgenden Erzählungen stehen diese nicht mehr im Vordergrund, beziehungsweise werden kaum erwähnt. Die Jünger treten hier also nicht als handelnde Personen neben Jesus auf. Jesus übernimmt allein die Handlung der Tempelreinigung, ohne Unterstützung. In Vers 19 "Und abends gingen sie hinaus vor die Stadt", oder auch "Als es Abend wurde, verließ Jesus mit seinen Jüngern die Stadt" werden die Jünger jedoch wieder genannt. Außerhalb der Stadt steht Jesus also wieder unter dem Schutz seiner Jünger. Es findet also ein erneuter Orts- und Personenwechsel statt, der die Perikope von den nachfolgenden Erzählungen abgegrenzt. Dies erweckt leicht den Anschein bei dem Leser, dass diese Textstelle nachträglich eingefügt wurde, aber darauf werde ich später noch zurückkommen. Somit lässt sich jedoch schließen, dass sich die Erzählung klar von ihren Nachbartexten abgegrenzt.

2 Strukturanalyse

2.1 Textlinguistische Fragestellungen

Der Text Mk 11, 15-19 lässt sich in vier Abschnitte gliedern. Der erste Teil umfasst Vers 15 a, welcher die Einleitung beinhaltet. Darauf folgt der zweite Abschnitt von Vers 15 b bis Vers 16. Dieser beschreibt die hauptsächliche Handlung, und somit die eigentliche Tempelreinigung. Hier verscheucht Jesus die Händler und Verkäufer, wirft die Stände der Geldwechseler um und verbietet es Gegenstände durch den Tempel zu tragen. Bis hierhin ist auffällig, dass der "Tempel" dreimal als Ort der Handlung erwähnt wird. Dies könnte der Unterstreichung der Wichtigkeit des Tempels dienen. Außerdem fällt auf, dass ab Vers 15 b der Spannungsbogen der Perikope, durch hier benutze Verben wie "austreiben" und "umstoßen" stetig steigt. Der erste Höhepunkt des Textes umfasst also die eigentliche Handlung der Tempelreinigung. Der strukturelle Aufbau ist bis hierher sehr eindeutig und einfach. Die Handlungsbeschreibung beinhaltet nur das wesentliche Aussagen und verzichtet auf ausschmückende Adjektive. Der dritte Teil der Perikope umfasst Vers 17 und 18, und beschreibt, beziehungsweise begründet das Handeln Jesus, in dem er Jesaja 56, 7 zitiert und den Tempel als "Räuberhöhle" tituliert. In Vers 17 befindet sich der zweite Höhepunkt, bei dem die Lehre Jesus im Mittelpunkt steht und durch die Gegenüberstellung des "Bethauses!" und der "Räuberhöhle" untermalt wird. Vers 18 bietet einen Personenwechsel und zeigt wie die Hohenpriester und Schriftgelehrten auf Jesus Verhalten reagieren. Sie würden ihn, aus Angst vor seiner Macht die Menschen zu beeinflussen, gerne töten lassen, da Jesus ihre priesterliche Kompetenz untergräbt. Auch hier verzichtet Markus auf Adjektive, um die Emotionen der Priester und Schriftgelehrten auszuschmücken. Den letzten Abschnitt der Perikope umfasst Vers 19. Hier findet ein erneuter Ortswechsel und somit der Abschluss der Erzählung statt. Darüber hinaus findet sich hier ein Übergang in die Feigenbaum-Erzählung. Der Spannungsbogen fällt wieder ab. Jesus und seine Jünger verlassen den Handlungsort. Die Erzählung ist insgesamt sehr stimmig und weist weder Szenenwechsel, Zeitsprünge oder Doppelungen auf. Der einzige Wechsel in der Erzählzeit findet zur wörtlichen Rede Jesus statt. So lässt sich daraus schließen, dass der Text wahrscheinlich aus einem Guss ist, jedoch in die Feigenbaum-Erzählung erst spätereingefügt würde, da der Zusammenhang zwischen dieser Erzählung und der Tempelreinigung fehlt.[2]

[...]


[1] Vgl.: Erlemann, EKK, Seite 127-132.

[2] Gnilka, EKK, Seite 128-132.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Exegese historisch-kritische Analyse von Markus 11,15-19
Untertitel
Die Tempelreinigung
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Grundwissen Neues Testament
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V117369
ISBN (eBook)
9783640198559
ISBN (Buch)
9783640898275
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Analyse, Markus, Grundwissen, Neues, Testament
Arbeit zitieren
Magali Nolden (Autor), 2005, Exegese historisch-kritische Analyse von Markus 11,15-19, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117369

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