Glück – Das Maß aller Dinge? Eine genealogische Untersuchung des Glücksdispositiv als moderne Regierungskunst


Masterarbeit, 2021

89 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe


INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. ANALYTISCH-THEORETISCHER RAHMEN: DAS KONZEPT DER GOUVERNEMENTALITÄT
2.1. DAS KONZEPT DER GOUVERNEMENTALITÄT
2.1.1. Der Begriff der Regierung
2.1.2. Der Begriff der Gouvernementalität
2.1.3. Gouvernementalitätstheoretisches Analysewerkzeug: Problematisierungsformeln
2.1.4. Governing the Present: Technologien der Selbst- und Fremdführung
2.1.5. Liberale Regierungskunst
2.1.6. Neoliberale Regierungskunst

3. ANALYTISCH-METHODISCHER RAHMEN: DIE GENEALOGIE
3.1. GENEALOGIE UND GOUVERNEMENTALITÄTSFORSCHUNG
3.1.1. Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie
3.1.2. Genealogisches Verfahren: Ziel und Zweck
3.1.3. Genealogische Frage und die drei Prinzipien der genealogischen Analyse
3.1.4. Gang der Analyse: Zentrale Fragestellung, Materialauswahl und Annäherung an den For­schungsgegenstand

4. GENEALOGISCHE ANALYSE I: DIE HERKUNFT DES MODERNEN GLÜCKSVERSTÄNDNIS­ SES (18./19. JAHRHUNDERT)
4.1. EXKURS: ANTIKES GLÜCKSVERSTÄNDNIS
4.2. HISTORISCHER KONTEXT: AUFKLÄRUNG - SÄKULARISIERTES GLÜCK UND INDUSTRIALISIERUNG
4.3. FORTSCHRITTSDENKER: T. JEFFERSONS »PURSUIT OF HAPPINESS (1776)« UND J. MARQUIS DE CONDORCETS »ENTWURF EINER HISTORISCHEN DARSTELLUNG DER FORTSCHRITTE DES MENSCHLI­CHEN GEISTES (1786)«
4.4. GROßBRITANNIEN: DIE EROBERUNG UND DER FALL DES HEDONISCHEN GLÜCKS IN DER BRITISCHEN MORALPHILOSOPHIE
4.4.1. Quantitativer Utilitarismus: Jeremy Bentham's »Greatest Happiness Principle (1789)«
4.4.2. Qualitativer Utilitarismus: John Stuart Mill's Bentham-Kritik (1861)
4.4.3. Klassischer Liberalismus: Adam Smith's »No Pursuit of Happiness Principle (1776)«

5. GENEALOGISCHE ANALYSE II: DAS KURZE VERSCHWINDEN UND DIE WIEDERENTDE­ CKUNG DES GLÜCKS ALS MODERNE REGIERUNGSKUNST (20./21. JAHRHUNDERT)
5.1. HISTORISCHER KONTEXT: DAS ZEITALTER DER EXTREME
5.2. EXKURS: GLÜCK UND STAAT IM KOMMUNISMUS - BENTHIANISCHER MARX?
5.3. GLÜCK IM ORDOLIBERALISMUS
5.4. GLÜCK IN DER NEOKLASSIK: MEHR GELD, MEHR GLÜCK? DAS EASTERLIN-PARADOX
5.5. GLÜCK IM NEOLIBERALISMUS: POLITISCHE LEITIDEE DES 21. JAHRHUNDERTS UND DER BEITRAG DER GLÜCKSFORSCHUNG
5.5.1.Vermessung des Glücks: Alternative Wohlfahrtsmessung als politische Rationalität der Moderne
5.5.2.Nationale Glücksbarometer: Empirische Beispiele für die Vermessung des Glücks als mo­derne Regierungskunst

6. ZUSAMMENTRAGEN DER ERGEBNISSE/SCHLUSSBETRACHTUNG

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

„[.] the sole proper all comprehensive end should be the greatest happiness of the whole community, governors and governed together - the greatest-happiness principle should be the fundamental principle.”

Jeremy Bentham, Moralphilosoph des 18. Jahrhunderts, Pannomial Fragments (1831: Ch. I)

„We want our rulers to make the world better by their actions, and we want to do the same ourselves. [.].

So it is time to reassert the noble philosophy of the Enlightenment. In this view, every human being wants to be happy, and everybody counts equally. It follows that progress is measured by the overall scale of human happiness and misery. And the right action is the one that produces the greatest happiness in the world and (especially) the least misery. I can think of no nobler ideal.“

Richard Layard, Glücksforscher des 21. Jahrhunderts (The Guardian: 2009)

Eine der unvorhergesehenen Entwicklungen in den westlichen Gesellschaften des 21. Jahr­hunderts ist die wachsende Bedeutung, die Psychologen1, Ökonomen, Politikerinnen und Po­litiker sowie die Medienwelt dem Wert des Glücks beimessen. Noch um die Jahrtausendwen­de herum wäre es schwer vorstellbar gewesen, dass sich internationale Organisationen, natio­nale Parteien und Regierungen oder eine neue Wissenschaft vom Glück für eine Glückspolitik einsetzen werden, die als große Idee unserer Zeit gefeiert wird. Mittlerweile steht die Vermes­sung des Glücks auf zahlreichen politischen Tagesordnungen weltweit. Das Hauptanliegen vieler politischer Initiativen liegt darin, die alten neoklassischen Wohlstandsmodelle und Messmethoden wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um neue Komponenten zu ergänzen, die das Glück beziehungsweise die Lebensqualität ihrer Bevölkerung mit einbeziehen und somit nicht nur monetäre Kennziffern als Indikator für sozialen Fortschritt in Betracht gezogen wer­den (vgl. Stiglitz 2010; Deutscher Bundestag 2013). Oder wie es Angela Merkel in ihrer Neu­jahrsansprache 2010 formulierte: „Wohlergehen und Wohlstand - das heißt nicht nur mehr haben, sondern auch besser leben“ (Die Bundeskanzlerin 2010).

Die in der Abschlussarbeit gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche und männliche Personen. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Doch was viele nicht wissen: Die ,neue‘ Idee vom Glück ist aus verschiedenen philoso­phischen Abhandlungen entsprungen, die sich historisch bis in die Epoche der Aufklärung zu­rückverfolgen lassen. Namenhafte Aufklärer, wie etwa Jeremy Bentham und sein Konzept des Utilitarismus, sahen den Staat in der Pflicht, das öffentliche Glück zu fördern und dieses Re­gierungsziel vor alle anderen Ziele zu stellen. Die aufklärerischen Ideen über das Glück in Bezug auf den Staat waren zur damaligen Zeit meist idealistische Visionen, die nie ganz in die Praxis umgesetzt wurden.

Heute, fast zweihundert Jahre nach der Formulierung des quantitativen Utilitarismus durch Jeremy Bentham, erleben seine Ideen und Abhandlungen über das greatest happiness principle ein akademisches und politisches Revival, indem das subjektive Wohlbefinden der Menschen in weltweit durchgeführten quantitativen Umfragen mittels statistischer Methoden gemessen und miteinander verglichen wird. Kritisch an dieser Entwicklung ist, dass sowohl die Herkunft als auch die epistemischen Gruppen, die das Glück und ihr Wissen über geeigne­te Messmethoden in den politischen Diskurs gebracht haben, kaum hinterfragt werden (vgl. Foucault 1981: 156). Zudem haben „die meisten unserer [...] politischen Programme [...] sehr unausgegorene Vorstellungen vom menschlichen Glück“ (Harari 1015: 459), da sie mit Blick auf die Messbarkeit des Glücks weniger auf ein qualitativ-holistisches sondern auf ein quanti­tativ-hedonistisches Glücksverständnis zurückgreifen (vgl. Nussbaum 2012: 335 f).

Nach dem französischen Gesellschaftstheoretiker Michel Foucault ist es wichtig, „die historischen Bedingungen [zu] kennen, die eine bestimmte Art der Begriffsbildung motivie­ren“ (Foucault 2005 1984: 241), um ein geschichtliches Bewusstsein für die Situation zu be­kommen, in der wir gegenwärtig leben.

Nach Foucault bedeutet Regieren, bestimmte Aspekte des Politischen zu problematisieren (vgl. Duttweiler 2007: 17). Hierbei spielen Diskurse - wie zum Beispiel der Glücksdiskurs - als Träger von Macht-Wissen eine zentrale Rolle. Diskurse, so Foucault, werden von Institu­tionen, Regeln und Personen gestärkt und nur für einen begrenzten Zeitraum für richtig ange­sehen (vgl. Jäger 2004: 129). Vor dem Hintergrund dieser sozialkonstruktivistischen Annahme scheint es interessant, zu fragen, wie es zu einer Wende in der politischen Praxis der Gegen- wart kam und sich das Glück über seinen ideengeschichtlichen Kontext hinaus zu einer Re­gierungskunst der Moderne entwickeln konnte (vgl. Foucault (2006 1979).

Die vorliegende Abschlussarbeit nimmt - in Anlehnung an die Arbeiten Michel Foucaults - eine gouvernementalitätstheoretische Perspektive ein und verbindet diese mit der kritisch­historischen Methode der Genealogie. Hierbei ist die forschungsleitende Ausgangsthese der genealogischen Analyse, dass es sich „beim Untersuchungsgegenstand [Glück und Staat] nicht um eine naturgegebene Entdeckung mit einer bruchlosen, linear-kontinuierlich verlau­fenden Ursprungsgeschichte handelt, sondern um eine im historischen Verlauf, im Kontext eines machtvollen Kräfteverhältnisses, entstandene Konstruktion, deren gegenwärtig etablier­te Fassung sich unterschiedlicher Herkünfte verdankt“ (Thoma 2014: 287).

Zur Beantwortung der Forschungsfrage nimmt die Arbeit folgenden Verlauf: Im ersten Schritt (I) wird der analytisch-theoretische Rahmen gezogen, indem auf zentrale und für die eigene Untersuchung relevante Schlüsselbegriffe der foucaultschen Regierungsanalyse (Gou- vernementalität) eingegangen wird. Hierauf folgt (II) die Vorstellung der Genealogie und ih­ren Grundprinzipien als methodisch-analytischer Rahmen der Arbeit, wobei von diesen for­schungsmethodische Konsequenzen für die eigene Analyse abgeleitet werden. Die Schritte (III) und (IV) umfassen die genealogisch-historische Analyse. Sie setzt im 18. Jahrhundert ein und endet in der Gegenwart. Hierbei werden auf der Grundlage von ideengeschichtlichen Schlüsseltexten sowie aktuellen Forschungsbeiträgen aus Politik-, Geschichts- und Wirt­schaftswissenschaften sowie der Soziologie, Philosophie und Psychologie die unterschiedli­chen Herkünfte der gegenwärtigen politischen Leitidee vom Glück nachgezeichnet. Die Ar­beit schließt (V) mit einer Zusammentragung der Ergebnisse und einem Ausblick ab.

2. Analytisch-theoretischer Rahmen:

Das Konzept der Gouvernementalität

Der Untertitel der vorliegenden Arbeit - Eine genealogische Untersuchung des Glücksdispo­sitiv als moderne Regierungskunst - greift mit den Schlagwörtern Genealogie, Dispositiv und Regierungskunst zentrale Begriffe aus den Werken Michel Foucaults auf. Als analytisches Forschungswerkzeug erfreut sich das Gesamtwerk des französischen Philosophen, Historikers und Soziologen seit den 1960er Jahren auch über den wissenschaftlichen Kontext hinaus gro­ßer Popularität. Grund hierfür ist nicht zuletzt die interdisziplinäre Anwendbarkeit seines For­schungsprogramms:

„In den Literaturwissenschaften eroberte der Diskurs in einer denkbar spektakulären Karriere ei­nen festen Platz. Die Historiker zeigen großes Interesse an dem Konzept der seriellen Geschichte. Die Soziologie vertieft sich in der Subjekttheorie, und die Philosophie hat den Denker [Michel Foucault] seit langem in die Reihen ihrer Größen des zwanzigsten Jahrhunderts aufgenommen. In der politischen Theorie reüssiert er neben dem Thema der Macht durch seine frühe Auseinander­setzung mit dem Liberalismus. Dies überrascht umso mehr, dass Foucault niemals wirklich zu einer Disziplin gehört hat. Das Werk steht wie ein monolithischer Block in der Wissenschaftsland­schaft und bietet trotzdem zahlreiche Verfahrensweisen zur Entdeckung versteckter Forschungs­felder an, die niemand mehr vernachlässigen kann.“ (Ruoff 2018: 13)

Foucault ermutigt in seinen Vorlesungen am Collège de France (1975 - 1976) alle Zuhörerin­nen und Zuhörer dazu, seine „Forschungswege, Ideen, Modelle ebenso wie Skizzen und In­strumente“ (Foucault 1999 [1975-76]: 7-8) wie eine theoretische und methodische Werkzeug­kiste zu betrachten, mit der zu Forschungszwecken frei umgegangen werden darf. Dieser Auf­forderung folgend, setzen sich der analytisch-theoretische und der analytisch-methodische Teil dieser Arbeit aus verschiedenen Foucault-Topoi zusammen. Seine Gedanken zu den Themen Gouvernementalität, Macht, Wissen, Diskurs sowie zur genealogischen Methode werden als Dübel und Schrauben unterschiedlicher Stärke im Theorieteil (Kapitel 2) und im Methodenteil (Kapitel 3) der Arbeit näher beleuchtet, um an späterer Stelle analytisch von ih­nen Gebrauch zu machen (Kapitel 4 - 5). Ziel dieser Herangehensweise ist es, durch die Ver­bindung von foucaultscher Theorie und Methodik Rückschlüsse auf die Herkunft und den his­torischen Werdegang des Glücks als zentrale politische Leitidee der Moderne zu ziehen. Die theoretische Rahmung der Arbeit verfolgt einen gouvernementalitätstheoretischen Ansatz, welcher zuerst von Foucault und später - in Folge seines Todes ab Mitte der 1980er Jahre - von Forscherinnen und Forschern der sogenannten Gouvernementalitätsstudien weiter ausge­arbeitet wurde. Mit Blick auf das umfassende theoretische Gedankengut, das Foucault in sei­nen zahlreichen Werken (vgl. Foucault 2005; Foucault 1996 1983; Foucault 2004; Foucault 2005 1984; Foucault 1977; Foucault 1988; Foucault 2006 [1978-1979] uvm.) geschaffen hat und welches nicht selten von hoher Komplexität und Fülle zeugt, wird sich die theoretische Darstellung des nachfolgenden Kapitels auf die wesentlichen Kernbegriffe des Gouvernemen- talitätskonzeptes konzentrieren und auf weitgreifende Theoriebögen verzichten.

2.1. Das Konzept der Gouvernementalität

Das Konzept der Gouvernementalität geht auf den französischen Soziologen, Philosophen und Historiker Michel Foucault (1926 - 1984) zurück. In seinen Vorlesungen zur Genealogie des modernen Staates, welche er zum Ende seiner Schaffenszeit am Collège de France in Pa­ris abhielt, begab er sich auf die Suche nach den Spuren gegenwärtiger Staatlichkeit, indem er dessen ahistorischen und von Brüchen geprägten Weg von der Antike bis zum modernen Neo­liberalismus nachverfolgte. Da Foucault seine Überlegungen zur Gouvernementalität auf­grund seines frühen Todes im Jahre 1984 nie richtig zu Ende denken konnte, übernahmen die­se Aufgabe zu Beginn der 1990er Jahre vor allem Forschende aus dem angelsächsischen Raum, aus denen sich die sogenannten governementailty studies entwickelten. Als Startschuss dieser neuen Forschungstradition gilt die Veröffentlichung The Foucault Effect: Studies in Governmentality von Graham Burchell, Colin Gordon und Peter Miller aus dem Jahre 1991. Im Mittelpunkt der Gouvernementalitätsforschung steht die produktive Aufnahme und prag­matische Weiterentwicklung von Foucaults Regierungsbegriff. Die Gouvernmentalitätsfor- schung wurde durch eine Reihe von Untersuchungen aus verschiedenen Wissenschaftsdiszi­plinen (auch jenseits der Philosophie) zu einer geeigneten Methode, um Kritik gegenüber vermeintlich naturgegeben Regierungsmethoden zu formulieren:

„[.] government is not just a power needing to be tamed or an authority needing to be legit­imized. It is an activity and an art which concerns all and which touches each. And it is an art which presupposes thought. The sense and object of governmental acts do not fall from the sky or emerge ready formed from social practice. They are things which have had to be - and which have been - invented. Foucault observed that there is a parcel of thought in even the crassest and most obtuse parts of social reality, which is why criticism can be a real power for change, depriving some practices of their self-evidence, extending the bounds of the thinkable to permit the invention of others. The 'Foucault effect' may, or such is our hope, contribute to a renewal of these powers of critique“ (Burchell et al. 1991: x).

2.1.1. Der Begriff der Regierung

Um das Konzept der Gouvernementalität analytisch besser fassen zu können, ist zunächst eine Definition von Regierung, wie sie im Sinne Foucaults verstanden wird, notwendig. Als Dreh- und Angelpunkt seines Konzeptes steht ein weiter Regierungsbegriff, „der die wechselseitige Konstitution und systematische Kopplung von Machttechniken, Wissensformen und Subjekt­vierungsprozessen ins Zentrum der Untersuchung rückt“ (Lemke 2000: 31). Hierzu ausführli­cher der Foucault-Experte Ulrich Bröckling:

„Seine innovative Kraft bezieht der [Regierungsbegriff] vor allem aus der Scharnierfunktion, die Foucault ihm zuspricht: Erstens konzipiert er Regierung als Bindeglied zwischen strategischen Machtbeziehungen und Herrschaftsbeziehungen und differenziert jetzt im Gegensatz zu früheren Arbeiten zwischen Herrschaft und Macht. Zweitens vermittelt der Regierungsbegriff zwischen Macht und Subjektivität. Auf diese Weise wird es möglich zu untersuchen, wie Herrschaftstechni­ken sich mit Technologien des Selbst verknüpfen. Drittens bietet er ein wichtiges Analyse-Instru­ment zur Untersuchung der von Foucault immer wieder herausgestellten Macht-Wissen-Komple­xe. Dafür prägt Foucault den neuen Begriff der Gouvernementalität, der Regieren und Denkweise semantisch miteinander verbindet “(Bröckling et al. 2012: 8).

In den Jahren 1978-1979 hält Foucault insgesamt zwölf Vorlesungen unter dem Titel Genea­logie des modernen Staates am Collège de France und lenkt hiermit seine neue gouvernemen- talitätstheoretische Forschungsrichtung ein (vgl. Foucault 2006 1979). In seinen Ausführun­gen zu den Spuren moderner Staatlichkeit wird der Begriff der Regierung zum analytischen Leitfaden seines neuen Forschungsprogramms (vgl. Lemke 1997: 144). Das Hauptinteresse Foucaults besteht darin zu zeigen, dass moderner Regierungs- und Subjektivierungsformen eine lange Geschichte besitzen und keine neuen Erfindungen der Moderne sind, sondern von einer prozessartigen Abfolge heterogener, diskontinuierlicher und zyklisch wechselnder Re­gierungskünste geprägt wurden (vgl. Bröckling et al. 2012: 10). Mit seinem zyklischen Ge­schichtsbild distanziert sich Foucault vom linearen Geschichtsverständnis seiner Zeit, das - wie zum Beispiel von Norbert Elias (1976 1939) angenommen - von einem gradlinigen und nie endenden Fortschritts- und Zukunftsprozess der Menschheit ausgeht und nicht an die zy­klische Wiederholungen von Ereignissen glaubt (vgl. Schmied 1985: 160).

Mit dem neudefinierten Regierungsbegriff lassen sich verschiedene Arten von Macht­beziehungen unter dem Aspekt der Menschenführung analysieren (vgl. Bröckling et al. 2012: 8). Regierung beschränkt sich bei Foucault nicht nur auf die Achse Krieg und Frieden, son­dern wird von ihm „in einem umfassenden Sinn [gebraucht], der sich stark an der älteren Be­deutung des Wortes orientiert und die enge Beziehung zwischen Machtformen und Subjekti- vierungsformen artikuliert“ (Lemke 2000: 33). Foucault zeigt, dass der heutige Regierungs­begriff im alltäglichen Sprachgebrauch eine ausschließlich politische Bedeutung besitzt, je­doch bis ins 18. Jahrhundert viel allgemeiner gefasst und interpretiert wurde: „Von Regierung war nicht nur in politischen Texten, sondern auch in philosophischen, religiösen, medizini­schen und pädagogischen Arbeiten die Rede. Über die Lenkung des Staates oder der Verwal­tung hinaus meinte Regierung auch Probleme der Selbstbeherrschung, der Leitung der Fami­lie und der Kinder, der Steuerung des Haushalts, der Lenkung der Seele etc.“ (Lemke 2000: 33).

Im Vergleich zu älteren Arbeiten des Gesellschaftstheoretikers, welche einzelne Institu­tionen wie das Gefängnis oder die Psychiatrie unter dem Oberbegriff der Disziplin analysier­ten, steht nun im Zentrum seiner Regierungsanalyse „[...] die Frage, ob Regierung eine all­gemeine Machttechnologie repräsentiert, die den Staat so einschließt, wie die Disziplin das Gefängnis einschließt, ob Regierung für den Staat das ist, was die Techniken der Einsperrung, Trennung etc. für die Institution Krankenhaus, Gefängnis etc. sind“ (Lemke 1997: 146). In Analytik der Macht (2005 1981: 226) stellt Foucault das bisherige gesellschaftliche Wissen über das Wort Macht kritisch infrage: „Wie kommt es, dass unsere Gesellschaft und die west­liche Gesellschaft schlechthin Macht so restriktiv, so arm, so negativ versteht? Warum denken wir bei Macht immer an Gesetz und Verbot? Warum diese Privilegierung?“. Vor diesem Hin­tergrund versteht Foucault unter Macht „eine Form handelnder Einwirkung auf andere“ (Fou­cault 2005: 255). Die Machtbeziehung definiert sich „durch eine Form von Handeln, das nicht direkt und unmittelbar auf andere, sondern auf deren Handeln einwirkt“ (ebd.). Der besondere Unterschied zur Gewaltbeziehung liegt bei der Machtbeziehung darin, dass die Person, auf die Macht ausgeübt wird, als handelndes Subjekt anerkannt wird und zum Handeln weder gebro­chen, gezwungen noch zerstört wird. Machtausübung ist auch bei Foucault nicht frei vom Einsatz von Gewalt, doch beschreibt er nicht das Wesen, sondern vielmehr nur eines von vie­len Mitteln oder eine Wirkung von Macht: „Foucault begreift Macht als etwas, das alle Prak­tiken durchzieht - von Makro bis Mikro -, durch die Person regiert, beherrscht, administriert, geführt werden, durch sie von anderen geführt werden oder ihre eigenen Handlungen führen oder regulieren“ (Rose 2000: 9). Nach Foucault definiert sich Machtausübung somit als „[ein] Ensemble aus Handlungen, die sich auf mögliches Handeln richten, und operiert in einem Feld von Möglichkeiten für das Verhalten handelnder Subjekte. Sie bietet Anreize, verleitet, ver­führt, erleichtert oder erschwert, sie erweitert Handlungsmöglichkeiten oder schränkt sie ein, sie erhöht oder senkt die Wahrscheinlichkeit von Handlungen, und im Grenzfall erzwingt oder verhin­dert sie Handlungen, aber stets richtet sie sich auf handelnde Subjekte, insofern sie handeln oder handeln können. Sie ist auf Handeln gerichtetes Handeln“ (Foucault 2005: 256).

An diesem Punkt kommt dem Ausdruck der Führung eine besondere Stellung zu, „da er in seiner Mehrdeutigkeit das Spezifische an den Machtbeziehungen vielleicht noch am besten zu erfassen [vermag]“ (Foucault 2005: 256). Führung bedeutet in der Gedankenwelt von Fou­cault zweierlei Dinge: zum einen, andere zu lenken, und zum anderen, sich aufzuführen, „also sich in einem mehr oder weniger offenen Handlungsfeld zu verhalten“ (ebd.). Die Machtaus­übung besteht in der Lenkung der Führung, also „Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit von Verhalten zu nehmen“ (ebd.). Machtausübung ist für Foucault nicht wie weitläufig angenom­men die „Auseinandersetzung zwischen Gegnern oder [die] Vereinnahmung des einen durch den anderen“ (ebd.). Foucaults Machtbegriff gliedert er in den Bereich der Regierung ein, wobei er unter dem Wort Regierung das versteht, was im 16. Jahrhundert darunter verstanden wurde: „Damals bezog es [Wort der Regierung] sich nicht nur auf politische Strukturen und die Staatsverwaltung, sondern meinte auch die Lenkung des Verhaltens von Individuen und Gruppen: von Kindern, Seelen, Gemeinschaften, Familien, Kranken. Es umfasste nicht nur institutionalisierte und legitime Formen politischer und ökonomischer Unterordnung, sondern mehr oder weniger überlegte und berechnete Handlungsweisen, die jedoch alle darauf abziel­ten, die Handlungsmöglichkeiten anderer Individuen zu beeinflussen“ (Foucault 2005: 256).

Als leitende Definition beschreibt Foucault weitergehend: „In diesem Sinne heißt Regie­ren, das mögliche Handlungsfeld anderer zu strukturieren“ (Foucault 2005: 256) durch die „Führung von Führungen, die ein Kontinuum umfasst, das von der Regierung des Selbst bis zur Regierung des anderen reicht“ (Lemke 2000: 33). Regierung wird verstanden als ein dis­kursives Feld, „innerhalb dessen die Ausübung der Macht rationalisiert wird“ (Lemke 1997: 147). Hierzu ergänzt Nikolas Rose, dass Foucault den Begriff der Regierung als Oberbegriff verwendet, „um die vielfältigen Strategien, Taktiken, Kalküle und Reflexionen einzufangen, die versucht haben, das Verhalten von Menschen zu führen“ (Rose 2000: 10).

Foucault präzisiert seinen Untersuchungsgegenstand, indem er Regierungen hinsichtlich ihrer politischen Rationalitäten untersucht und danach fragt, wie das Politische im Verlauf der Geschichte problematisiert wurde (vgl. Duttweiler 2007: 17; Lemke 1997: 146). Die semanti­sche Verbindung der beiden Wörter Regieren („gouverner“) und Denkweise („mentalité“) im Neologismus Gouvernementalität bringt die Verbindung von Regierung und politischer Ra­tionalität besonders zum Ausdruck (vgl. Rose/Miller 2010: 181-184). Politische Rationalität bedeutet weniger die Durchsetzung vernünftiger Praktiken, sondern meint die historischen Praktiken, „in deren Kontext Wahrnehmungs- und Bedeutungsstrategien generiert werden“ (Lemke 1997: 146) und „[r]ational meint in diesem Sinn nur die Übereinstimmung von Regeln, Verfahren, Denkformen etc. mit einer Gesamtheit von Bedingungen, unter denen es zu einem gegebenen Zeitpunkt möglich ist, bestimmte Probleme zu behandeln“ (Lemke 1997:146). Eine politische Rationalität stellt zu lösende Probleme in den gesellschaftlichen Raum und bietet gleichzeitig Lösungsstrategien für dieses Problem an, zum Beispiel durch die „Erarbeitung von Begriffen, Konzepten, der Spezifizierung von Gegenständen und Grenzen, durch die Bereitstellung von Argumenten und Begründungen“ (Lemke 1997: 147). In seinen Vorlesungen zur Genealogie des modernen Staates beleuchtet Foucault verschiedene Diskurse aus Ökonomie, Moralphilosophie, Wirtschaftspolitik, Philanthropie und Polizeitheorie und ihre jeweilig formulierten Programme zur Lösung bestimmter Regierungsproblematiken. Al­len Programmen ist die Eigenschaft gemeinsam, nicht nur bestimmte Absichten oder Wün­sche zu äußern, sondern implizites Wissen zu definieren und nach außen zu transportieren (vgl. Lemke 1997: 147). Mit Hilfe des Regierungsbegriffes von Foucault wird sichtbar, „wie alltägliche Handlungen von Individuen über die unterschiedlichsten Formen der Machtbezie­hung mit politischen Zielen verknüpft werden“ (Sonntagbauer 2016: 18). Foucault versteht unter Machtausübung die „Regierung von Menschen durch Menschen“ (Foucault 2005: 257). Die Voraussetzung von Macht findet sich im Element der Freiheit wieder, denn nur über freie Subjekte, die „über mehrere Verhaltens-, Reaktions- und Handlungsmöglichkeiten verfügen“ (ebd.) kann Macht (wie sie im Sinne Foucaults definiert wird) ausgeübt werden.

2.1.2. Der Begriff der Gouvernementalität

„Wir leben im Zeitalter der Gouvernementalität.“

Michel Foucault (2005 1984: 171f) in Analytik der Macht

Der Begriff der Gouvernementalität besitzt einen extrem hohen Bekanntheitsgrad in den Sozi­alwissenschaften, der Philosophie und anderen verwandten Geisteswissenschaften. Die starke Rezeptionsweite von Foucaults Werken zeigt, dass seine Ausführungen zur Gouvernementali- tät „bedeutsam für das Verständnis und die Kritik unserer spezifischen Gegenwart [.] und nicht weniger für die Konzeptualisieren der Gegenwart als einer politischen Kategorie im All­gemeinen“ (Lorey et al. 2016: 9) sind. Nach Foucaults Tod im Jahre 1984 wurde seine „skiz­zenhafte und fragmentarische Ausarbeitung des Regierungsbegriffes“ (Lemke 2000: 31) in einer neuen Forschungstradition wiederaufgenommen und weiterentwickelt. Innerhalb der Governmentality Studies versuchte man ab 1991 (vgl. Burchell/Gordon/Miller 1991), das Problem der Regierung auf unterschiedlichste Art und Weise zu thematisieren, so zum Bei­spiel über die Regierung der Kindheit (Bell 1993), Regierung des Cyberspace (Baddeley 1997), der Regierung der Stadt und des Rechts (vgl. Hunt 1994; Hunt/Wickham 1996) oder der Regierung des unternehmerischen Selbst (vgl. Bröckling 2013; Krasmann 2003). Im Ver­gleich zu Foucaults Methodik sind die Gouvernementalitätsstudien „weniger historisch-ge­nealogisch ausgerichtet und richten ihren Blick vor allem auf die gegenwärtigen gesellschaft­lichen Transformationsprozesse, insbesondere auf die sich seit den 1970er Jahren herausbil­dende neoliberale Gouvernementalität“ (Könninger 2016: 45). Allen Studien dieser Art ist gemeinsam, dass sie ihren Forschungsfokus auf die kritische Analyse moderner Regierungs­formen legen (vgl. ebd. 48). Auf ihrer Suche nach verschiedenen Regierungskünsten werden die Forschenden von einem Regierungsverständnis begleitet, welches davon ausgeht, dass Regierungstätigkeit mehr nur staatliche Interventionen bedeutet (vgl. ebd.: 48).

Um die genaue Bedeutung des Begriff Gouvernementalität zu erfassen, wird auf dessen Geschichte eingegangen. Erstmalig Erwähnung fand der Gouvernementalitätsbegriff in den Vorlesungen Foucaults von 1978 - 1979, in denen er unter Anwendung der genealogischen Methode verschiedene Regierungskünste und ihre politischen Modi Operandi analysierte. In seinen Vorlesungen verfolgte Foucault die historische These, „dass der moderne [westliche] Staat das Ergebnis einer komplexen Verbindung ,politischer' und ,pastoraler' Machttechniken ist“ (Lemke 2012: 10f). Aus dieser historischen Perspektive heraus bildet er die These, dass die heute in den modernen und kapitalistischen Gesellschaften zu findenden Subjektivierungs- formen auf die Grundgedanken pastoraler Führungstechniken zurückgehen. Unter Berück­sichtigung der Begriffsdefinitionen von Regierung und Macht durch Foucault, versammelt er unter dem Oberbegriff der Gouvernementalität sämtliche Regierungskünste (politische Ratio­nalitäten), die eine Lenkung von Menschen durch andere Menschen einschließt.

Im Gouvernementalitätsbegriff spricht Foucault auch an manchen Stellen von Regie­rungskunst, weshalb die beiden Begriffe im Rahmen dieser Arbeit als inhaltlich gleich behan­delt werden und wechselseitig Erwähnung finden. Die Gouvernementalität (oder auch Regie­rungskunst), formt sich zum einen aus „Foucaults Arbeitsthese einer wechselseitigen Konsti­tution von Machttechniken und Wissensformen“ (Lemke 2000: 32). Durch die semantische Verbindung des Wortpaares Regieren (gouverner) und Denkweise (mentalité) weist Foucault zum anderen darauf hin, „dass die Untersuchung von Machttechnologien nicht ohne die Ana­lyse der sie anleitenden politischen Rationalitäten auskommt“ (vgl. Lemke 2000:32).

Thomas Lemke (2000; 2012; 1997), einer der publikationsstärksten Foucault-Rezipien­ten, identifiziert in diesem Zusammenhang die zwei wesentlichen Aspekte von Regierungs­kunst: Erstens (1) handelt es sich um eine spezifische Form der Repräsentation, welche durch die Wichtigkeit seines Regierungsbegriffes zum Ausdruck kommt. Regierung ist ein diskursi­ves Feld, welches die Ausübung von Macht rationalisiert (wie zum Beispiel durch die Ausar- beitung von Begriffen, Konzepten, Argumenten, Handlungsbegründungen oder der Spezifizie­rung von Gegenständen und Grenzen). Eine moderne Regierung nutzt den Führungsstil der Problematisierung, „das heißt sie definiert einen politisch-epistemologischen Raum, innerhalb dessen historische Probleme auftauchen [können] und bietet zugleich - möglicherweise kon- fligierende und widersprüchliche - Lösungs- und Bearbeitungsstrategien für das Problem an“ (Lemke 2000: 32). Aus diesem Aspekt folgt das zweite (2) Charakteristikum von Gouver- nementalität: die spezifischen Formen der Intervention, die Ausdruck in der Bearbeitung poli­tischer Rationalitäten finden. Denn eine politische Rationalität stellt alles, nur kein neutrales Wissen über die zu regierende Realität dar. Vielmehr handelt es sich um „eine intellektuelle Bearbeitung der Realität [...] an der dann politische Technologien ansetzen können“ (Lemke 2000: 32f). Somit ist es möglich, unter Gouvernementalität viele soziale Phänomene zu erfas­sen und zu analysieren, denn sie ist der „Komplex von Begriffen, Kalkülen, Strategien, und Taktiken mit denen diverse Autoritäten - politische, militärischem ökonomische, theologische, medizinische usw. - versucht haben, auf Leben und Verhalten von allen einzuwirken, um das Böse abzuwenden und solch wünschenswerte Zustände wie Gesundheit, Glück, Reichtum und Gelassenheit zu erreichen“ Rose (2000: 10). In den Worten Foucaults definiert sich Gouver- nementalität wie folgt:

„Unter Gouvernementalität verstehe ich die Gesamtheit, gebildet aus den Institutionen, den Ver­fahren, Analysen und Reflexionen, den Berechnungen und den Taktiken, die es gestatten, diese recht spezifische und doch komplexe Form der Macht auszuüben, die als Hauptzielscheibe die Bevölkerung, als Hauptwissensform die politische Ökonomie und als wesentliches technisches Instrument die Sicherheitsdispositive hat. Zweitens verstehe ich unter Gouvernementalität die Tendenz oder die Kraftlinie, die im gesamten Abendland unablässig und seit sehr langer Zeit zur Vorrangstellung dieses Machttypus, den man als 'Regierung' bezeichnen kann, gegenüber allen anderen - Souveränität, Disziplin - geführt und die Entwicklung einer ganzen Reihe spezifischer Regierungsapparate einerseits und einer ganzen Reihe von Wissensformen andererseits zur Folge gehabt hat. Schließlich glaube ich, dass man unter Gouvernementalität [...] das Ergebnis des Vor­gangs verstehen sollte, durch den der Gerechtigkeitsstaat des Mittelalters, der im 15. und 16. Jahr­hundert zum Verwaltungsstaat geworden ist, sich Schritt für Schritt 'gouvernementalisiert' hat. [.] Diese Gouvernementalisierung des Staates ist das Phänomen gewesen, das es dem Staat ermög­licht hat, zu überleben. [.] Wir leben im Zeitalter der Gouvernementalität [..]“ (Foucault 2005 1984: 171f).

2.1.3. Gouvernementalitätstheoretisches Analysewerkzeug:

Problematisierungsformeln

Foucaults verschiedenen Ausführungen folgend, wird neben dem Gouvernementalitätskonzept der Analysebegriff der Problematisierung mit in die Arbeit aufgenommen. Nach Stefanie Duttweiler (2007:17) heißt - mit Blick auf die Verbindung der beiden Konzepte - Gouverne- mentalität zu untersuchen, zugleich nach politischen Problematisierungen zu fragen. Während einer seiner letzten Vorlesungen zur Genealogie der kritischen Haltung an der University of California in Berkeley im Jahr 1983, blickte Foucault auf seine historischen Studien der ver­gangenen Jahrzehnte zurück und resümierte:

„Vom methodologischen Standpunkt aus möchte ich folgendes Thema hervorheben. Wie Sie viel­leicht bemerkt haben, benutze ich in diesem Seminar häufig das Wort ,Problematisierung', ohne Ihnen eine Erklärung seiner Bedeutung zu liefern. Ich sagte Ihnen ganz kurz, daß [sic!] ich in den meisten meiner Arbeiten weder das frühere Verhalten der Menschen [das zum Gebiet der Sozialge­schichte gehört] noch Ideen in ihren repräsentativen Werten zu analysieren beabsichtigte. Ich ver­suchte von Anfang an, den Prozeß [sic!] der ,Problematisierung' zu analysieren - was heißt: Wie und warum bestimmte Dinge [Verhalten, Erscheinungen, Prozesse] zum Problem wurden“ (Fou­cault 1996 1983: 178).

Moderne westliche Regierungen haben sich - wie an früherer Stelle bei der Definition von Regierung herausgearbeitet wurde - laut Foucault aus einer Verbindung von ,politischer' und ,pastoraler' Machttechnik entwickelt. Das Besondere an dieser neuen Form der Regie­rung, wie sie seit dem 18. Jahrhundert vorherrscht, liegt also in der Überlagerung der politi­schen Macht mit der Pastoralmacht. Bröckling et al. (2012) sprechen in diesem Zusammen­hang von einer säkularisierten Pastoralmacht, wobei „das Eigentümliche dieser spezifischen Form von Regierung - der ,Regierung von Menschen' im Unterschied zur ,Regierung der See­len' - [...] in der Notwendigkeit einer Reflexion auf die Voraussetzungen, den Gegenstand und die Ziele von Regierung“ (Bröckling et al. 2012: 11) liegt. Eine weitere Eigentümlichkeit mo­derner Regierungen besteht in der Notwendigkeit zur eigenständigen Reflexion des Staates auf die Gegenstände und Ziele von Regierung. Die neuen Regierungsziele lösen sich von theologisch-kosmologischen Prinzipien, der Person des Fürsten oder den Gesetzen Gottes und sind zu einer autonomen Realität avanciert (vgl. ebd.). Die neue ,politische Vernunft' erfuhr eine Säkularisierung, indem die Regierung der Menschen aus ehemals religiös bestimmten Ziele wie Glück, Heil und Wohlstand durch eine „politische Problematik des Staates“ (ebd.: 11) eine neue Bedeutung fand.

In Foucaults Forschungsverständnis ist ein Diskurs nicht nur als objektiv beschreibbares Phänomen zu behandeln, denn „da[ß] begrifflich zu erfassende Objekt ist nicht das einzige Geltungskriterium für die Begriffsbildung. Wir müssen auch die historischen Bedingungen kennen, die eine bestimmte Art der Begriffsbildung motivieren, wir brauchen ein geschichtli­ches Bewusstsein für die Situation, in der wir leben“ (Foucault 2005 1984: 241). Bevor also ein Gegenstand problematisiert wird, muss dieser vorher als Problem im Diskurs von ver­schiedenen Stellen bearbeitet worden sein. Die zentrale Frage, gestellt in Der Wille zum Wis­sen (2014 1976: 8), die Foucaults Forschungen fortwährend begleitetet und der Kopplung von Diskurs und Macht nachgeht, bezieht sich darauf: „wie [...] in den abendländischen Ge­sellschaften die Produktion von Diskursen, die [zumindest für eine bestimmte Zeit] mit einem Wahrheitswert geladen sind, an die unterschiedlichen Machtmechanismen und -institutionen gebunden [sind]“ (Foucault 2014: 8). Siegfried Jäger (2004: 129) spricht in diesem Zusam­menhang davon, dass der Diskurs nicht mehr und nicht weniger ist als „der Fluß von Wissen durch die Zeit“. Das, was zu einem gegeben Zeitpunkt als wahr artikuliert wird, lässt sich als diskursiver Effekt beschreiben, welcher in seinem historischen-diskursiven Kontext zu be­trachten und (kritisch) zu bewerten ist (vgl. ebd.). Foucault definiert den Diskurs nicht als ei­nen Sprechakt, sondern als einen Träger von Macht-Wissen, der von bestimmten Institutionen und Regeln gestärkt und nur für einen begrenzten Zeitraum als richtig angesehen wird.

Problematisierungen werden vor dem Hintergrund des foucaultschen Diskursverständnis­ses nicht als „illusions that can be unveiled by clever philosophical investigation“ betrachtet, „but as the thinking that comes to constitute our condition (Bacchi 2012: 1). Erst durch die Problematisierung „treten die Dinge [] in den Raum des Sagbaren und Aushandelbaren ein, durch sie werden die Dinge erst zu Gegenstände des Wissens und Denkens“ (Duttweiler 2007: 15). So ist für Foucault beispielsweise der Neoliberalismus eine „Form der Problematisierung, die einen politisch-epistemologischen Raum oder ein ,Möglichkeitsfeld' definiert“ (Bröckling et al. 2012: 20), indem ein bestimmtes politisches Wissen durch Problematisierung artikuliert wird. Das Interesse der Erforschung von Problematisierungsformeln basiert darauf aufzude- cken, welches spezifische Wissen hinter einer systematisierten und rationalisierten politischen Praktik liegt (vgl. Bröckling et al. 2012: 20). Und genau an dieser Stelle setzen laut Ulrich Bröckling und Susanne Krasmann (2010: 24) die Gouvernementalitätsanalysen an: „[Sie] präparieren heraus, wie sich bestimmte Annahmen darüber, was als wahr bzw. vernünftig an­zuerkennen ist, mit spezifischen Problemdiagnosen verbinden [...] denen wiederum spezifi­sche Strategien zur Bewältigung korrespondieren, an die dann bestimmte Techniken und Ver­fahren anschließen, die ihrerseits neue Objekte und Subjekte des Regierens hervorbringen können“.

Foucault verwendet das Problematisierungskonzept in zweierlei Hinsicht. Zum einen be­schreibt er damit seine methodische Vorgehensweise als „kritische Analysebewegung“ (Fou­cault 2005 1984: 733). Mit dieser versucht er „herauszufinden, wie die verschiedenen Lö­sungen für ein Problem erstellt werden konnten, aber auch, wie diese verschiedenen Lösungen zu einer spezifischen Problematisierungsformel gehören“ (ebd.). Zum anderen verwendet er das Konzept „to refer to a historical process of producing objects for thought“ (Bacchi 2012: 1). Die australische Politikwissenschaftlerin Carol Bacchi (2012: 1) beschreibt - bezogen auf die zweite Verwendung des Konzeptes - die Analyse mit Problematisierungsformeln als einen zweistufigen Prozess. Zum einen wird danach gefragt, wie und warum etwas (Phänomen; Prozess) zum Problem geworden sind. Darauf aufbauend wird gefragt, wie dieser Gegenstand als Objekt des Denkens geformt wurde (vgl. ebd. 2012: 1). Ziel der Analyse ist es nicht, „die eine richtige Antwort auf ein Problem zu finden, sondern zu untersuchen, wie ein bestimmtes Thema zu einem bestimmten Zeitpunkt und unter bestimmten Bedingungen hinterfragt, ana­lysiert, klassifiziert und reguliert wird“ (Könninger 2016: 48).

Zum Beispiel fragt Foucault in Wahnsinn und Gesellschaft: Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft (1977) nach Problematisierungen, als er in den Raum stellt: “how and why were very different things in the world gathered together, characterized, analyzed, and treated as for example ‘mental illness'?” (Foucault zitiert nach Bacchi [2012: 3]). Um die verschütteten, komplexen und von verschiedenen Stellen artikulierten Problematisierungs­formeln des Wahnsinns (oder eines anderen sozialen Phänomens der Gegenwart) zu durch­dringen, „muß [man] in der Geschichte jenen Punkt Null der Geschichte des Wahnsinns wie- derzufinden versuchen, an dem der Wahnsinn noch undifferenzierte Erfahrung, noch nicht durch eine Trennung gespaltene Erfahrung ist“ (Foucault 1977: 7).

In ihrer Untersuchung zur Genealogie der Ethikpolitik hat Sabine Könninger das Zwei- Stufen-Modell von Bacchi (2012) aufgegriffen und für ihre Forschungszwecke weiterentwi­ckelt. Sie beschreibt die kritische Analysebewegung Foucaults als eine aufsteigende und ab­steigende Analyse (vgl. Könninger 2016: 49). Bei der absteigenden Analyse werden die Pro­blematisierungen bis hin zu ihrem Ursprung zurückverfolgt. Bei der aufsteigenden Analyse werden „anhand der Problematisierungen die jeweiligen Regierungstechniken“ (ebd.). her­ausgearbeitet. In Verbindung mit Foucaults „historisch nominalistischer Methode“ (ebd.), auch bekannt als genealogische Herangehensweise (siehe Kapitel 3), ergänzt sie ihr For­schungsprogramm schlüssig und macht ihr Vorgehen auch für die Analyse dieser Arbeit an­wendbar.

2.1.4. Governing the Present:

Technologien der Selbst- und Fremdführung

„Wenn man die Genealogie des modernen Subjektes in der westlichen Zivilisation analysieren will, kann man nicht nur Herrschaftstechniken betrachten, sondern muss auch Selbsttechniken mit einbeziehen. Anders gesagt: Man muss die Wechselwirkung zwischen diesen beiden Technikformen - Herrschaftstechnik und Selbsttechnik - untersuchen“ (Foucault, zitiert nach Lemke [1997: 264])

Politische Macht wird in modernen Regierungen laut Foucault mit Hilfe von Problematisie­rungsformeln durchgesetzt. Nach Nikolas Rose und Peter Miller (2010: 281) ist Regierung „a domain of strategies, techniques and procedures through which different forces seek to render programmes operable, and by means of which a multitude of connections are established bet­ween the aspirations of authorities and the activities of individuals and groups“. Im gouver- nementalitätstheoretischen Verständnis ist der Staat analytisch als ein historisch veränderbarer Effekte zu verstehen, der sich aus verschiedenen Herrschaftsdiskursen und -techniken heraus entwickelt hat (vgl. Dean 2007: 77). Die verschiedenen Techniken werden als Technologien der Regierung (Rose/Miller 2010: 281) bezeichnet. Vor allem bei liberale Regierungen lassen sich Regierungstechniken wiederfinden, die dem Credo „governing at a distance“ (Rose/Mil- ler 2010: 271) - also dem Regierung aus der Entfernung - folgen. Regierungstechnologien sind die Übersetzung von Rationalitäten des Regierens in die Realität: „If political rationali­ties render reality into the domain of thought, these ,technologies of government' seek to translate thought into the domain of reality“ (Miller/Rose 1998, zitiert nach Opitz 2004: 115). Gesellschaftlich angewandt, sind diese Techniken „Gebilde, die diskursive und nichtdiskursi­ve Komponenten bis zur Unendlichkeit verweben“ (Opitz 2004: 115). Die verschiedenen Re­gierungstechnologien sind nicht als eigenständige und abgeschlossene Gebilde zu verstehen, sondern wirken gegenseitig aufeinander ein (vgl. Lemke 1997: 263). Paul du Gay (1996: 138) definiert Techniken der Führung in Anlehnung an Nikolas Rose (2000) als „hybrid assembla­ges of knowledge, instruments, persons, systems of judgement, buildings and spaces, under­pined at the programmatic level by certain presuppositions and objectives about human beings“. Ziel der Techniken der Fremdführung ist es, das Einwirken auf die individuelle Selbstführungstätigkeit von Menschen so subtil wie möglich zu gestalten, indem ihnen be­stimmte Wege der Selbstbewertung- und Formung nahegelegt werden. Als Beispiel lassen sich die zahlreichen Selbstoptimierungs- und Glücksratgeber anführen, welche seit der Jahr­tausendwende einen regelrechten Boom erleben und mittlerweile als eigener Wirtschaftszweig (Glücksindustrie) betrachtet werden können (vgl. William 2015). Die Vermarktlichung des Glücks in spätmodernen und neoliberal ausgerichteten Gesellschaften geht laut Andreas Reckwitz mit einer „radikal emotionalisierten Kultur“ (Reckwitz 2019: 205) einher, die von den Erkenntnissen der Positiven Psychologie beeinflusst wird, indem sie „die Hervorbringung positiver Emotionen als zentralen Lebenssinn anpreist“ (ebd.). Der Neoliberalismus zielt - kurz gefasst - „auf eine umfassende Vermarktlichung ab, nicht nur der Ökonomie, sondern der gesamten Gesellschaft“ (Reckwitz 2018: 2). Auf gesellschaftlicher Ebene - so die Theorie - zielt er auf die „Etablierung eines therapeutischen Ethos, das emotionale Gesundheit und das Bedürfnis nach individueller Selbstverwirklichung in den Mittelpunkt des sozialen Fort­schritts und sämtlicher institutionellen Maßnahmen stellt“ (Honneth 2002: 141-158) ab.

Der Begriff der Technologien der Selbst- und Fremdführung rückt somit das „Verhält­nis des Individuums zu sich selbst in den Mittelpunkt“ (Lemke 1997: 262). Hierbei kommt das Machtverständnis Foucaults - „Macht arbeitet durch, nicht gegen, Subjektivität“ (Rose 2000: 9) - besonders zum Ausdruck. Macht existiert bei Foucault nicht durch Repression, Be­schränkung oder Verweigerung von Subjekten, sondern durch die „Schaffung, Formung und Verwendung von Menschen als Subjekte“ (Rose 2000: 9). Als Technologien des Selbst sind somit jene zu bezeichnen, welche es „Individuen ermöglichen, mit eigenen Mitteln bestimmte Operationen mit ihren Körpern, mit ihren eigenen Seelen, mit ihrer eigenen Lebensführung zu vollziehen, und zwar so, dass sie sich selber transformieren, sich selber modifizieren und ei­nen bestimmten zustand von Vollkommenheit, Glück, Reinheit, übernatürlicher Kraft erlan­gen“ (Foucault 1988: 26; Lemke 1997: 262). Technologien des Selbst wirken laut Rose (2000: 10) auf ethischer Dimension, indem sie als Mittel verstanden werden, mit welchem „Individu­en ihr Selbst deuten, entschlüsseln und behandeln in Bezug auf wahr und falsch, erlaubt und verboten, wünschenswert und nicht wünschenswert“ (ebd.). Abhängig vom historischen Kon­text, haben sich im Verlauf der Geschichte der Gouvernementalität verschiedene Regierungs­technologien der Fremd- und Selbstführung herausgebildet, wie zum Beispiel die der liberalen und neoliberalen Regierungskunst.

2.1.5. Liberale Regierungskunst

„Regieren ist das richtige Verfügen über die Dinge, derer man sich annimmt, um sie den angemessenen Zweck zuzuführen [sie ist] die Kunst, die Macht in der Form und nach dem Vorbild der Ökonomie auszuüben“ (Foucault Die Gouvernementalität, in Bröckling et al. 2012: 52).

Die Vorlesungen zur Genealogie des modernen Staates sind zugleich als eine Geschichte des Subjektes zu verstehen, da Foucault immer wieder die Freiheit der Subjekte und die Macht des Staates als analytische Einheit untersucht, aufeinander bezieht und in konstitutive Verbin­dung zueinander setzt (vgl. Lemke 1997: 151). Das methodische Interesse Foucaults besteht darin, „politisch-rechtlichen Institutionalisierungsformen in ihrer Beziehung zu historischen Subjektivierungsmodi zu analysieren“ (ebd.: 152). In den Vorlesungen 1978/1979 zur Geburt der Biopolitik. Geschichte der Gouvernementalität II zeichnete Foucault eine wichtige Trans­formation in der Regierungskunst und der gouvernementalen Vernunft ab dem 18. Jahrhundert nach (vgl. Foucault 2006: 25). Während im 16./17. Jahrhundert die Regierungsweise der Staatsräson das Regierungshandeln durch äußerliche Faktoren wie zum Beispiel göttlich vor­geschriebene Naturrechte, dem Willen der Untertanen oder juristisches Denken beschränkt wurde, richtet sich der neu aufkommende Liberalismus gegen die Regierungsweise der Staats­räson. Auf die Frage, worin der Wandel von der Staatsräson zum Liberalismus besteht, ant­wortete Foucault: „Nun, kurz gesagt, er besteht in der Einrichtung eines Prinzips zur Begren­zung der Regierungskunst, da dieser nicht mehr äußerlich sein soll, wie es das Recht im 17. Jahrhundert war, [sondern] das ihr wesentlich sein soll. Eine interne Regelung der gouverne- mentalen Vernunft.“ (Foucault 2006: 25).

Als interne Regelung der gouvernementalen Vernunft gilt im Liberalismus, dass der Ur­sprung ihrer Begrenzungen in den Zielen der Regierung liegt und „um diese Ziele zu errei­chen, muss möglicherweise das Handeln der Regierung begrenzt werden“ (ebd. 27). Die „gouvernementale Vernunft soll [...] vielmehr diese Grenzen in dem Maße respektieren, in­dem sie sie von sich aus in Abhängigkeit von ihren Zielen und als das beste Mittel zur Zieler­reichung einschätzen kann“ (Foucault 2006: 27). Die zentrale Fragestellung der liberalen Re­gierungskunst lautet demnach, „wie man es anstellt, nicht zu viel zu regieren“ (ebd.: 29). Als Grund für den Wandel „in den Verhältnissen zwischen dem Recht und der Regierungspraxis“ (ebd. 29) benennt Foucault die politische Ökonomie als neue politische Rationalität im Liberalismus. Als „Regierungsmethode, die geeignet ist, den Wohlstand einer Nation zu sichern“ (ebd.: 30), fungiert sie als „eine Art von allgemeiner Reflexion von Vertei­lung und die Begrenzung der Macht in einer Gesellschaft“ (ebd.). Die politische Ökonomie befragt die Regierungspraktik einzig und allein nach ihrer Wirkung und setzt ihr hierdurch eine interne Regulation. Die liberale Regierungskunst ist als ein Programm zu verstehen, dass ein „neues Schema der Beziehungen zwischen Regierung und Regierten“ (Lemke 1997: 173) entworfen hat. Innerhalb des liberalen Programmes werden die Individuen zum „Objekt der Regierungspraktiken und ihr notwendiger [freiwilliger] Partner“ (Lemke 1997: 173). Als zen­trales Charaktermerkmal der liberalen Regierungskunst gilt die individuelle Freiheit, denn „die Freiheit ist etwas, das in jedem Augenblick hergestellt wird“ (ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Glück – Das Maß aller Dinge? Eine genealogische Untersuchung des Glücksdispositiv als moderne Regierungskunst
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Politik- und Sozialwissenschaften)
Note
1,1
Autor
Jahr
2021
Seiten
89
Katalognummer
V1173824
ISBN (eBook)
9783346591937
ISBN (Buch)
9783346591944
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Foucault; Nietzsche; Positive Psychologie; Karl Marx; Jeremy Bentham; Adam Smith; Wohlfahrt; Glücksmessung, Gouvernementalität;, Pursuit of Happiness; Thomas Jefferson;, Ordoliberalismus; Neoliberalismus;, Glücksforschung;, Easterlin Paradox;, John Stuart Mill;, Hedonismus;, Condorcet;, Industrialisierung;, Genealogie;, Liberale Gouvernementalität;
Arbeit zitieren
Luise Köcher (Autor:in), 2021, Glück – Das Maß aller Dinge? Eine genealogische Untersuchung des Glücksdispositiv als moderne Regierungskunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1173824

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