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Glück – Das Maß aller Dinge? Eine genealogische Untersuchung des Glücksdispositiv als moderne Regierungskunst

Title: Glück – Das Maß aller Dinge? Eine genealogische Untersuchung des Glücksdispositiv als moderne Regierungskunst

Master's Thesis , 2021 , 89 Pages , Grade: 1,1

Autor:in: Luise Köcher (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Abschlussarbeit nimmt – in Anlehnung an die Arbeiten Michel Foucaults – eine gouvernementalitätstheoretische Perspektive ein und verbindet diese mit der kritisch-historischen Methode der Genealogie. Hierbei ist die forschungsleitende Ausgangsthese der genealogischen Analyse, dass es sich „beim Untersuchungsgegenstand [Glück und Staat] nicht um eine naturgegebene Entdeckung mit einer bruchlosen, linear-kontinuierlich verlaufenden Ursprungsgeschichte handelt, sondern um eine im historischen Verlauf, im Kontext eines machtvollen Kräfteverhältnisses, entstandene Konstruktion, deren gegenwärtig etablierte Fassung sich unterschiedlicher Herkünfte verdankt“.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage nimmt die Arbeit folgenden Verlauf: Im ersten Schritt (I) wird der analytisch-theoretische Rahmen gezogen, indem auf zentrale und für die eigene Untersuchung relevante Schlüsselbegriffe der foucaultschen Regierungsanalyse (Gouvernementalität) eingegangen wird. Hierauf folgt (II) die Vorstellung der Genealogie und ihren Grundprinzipien als methodisch-analytischer Rahmen der Arbeit, wobei von diesen forschungsmethodische Konsequenzen für die eigene Analyse abgeleitet werden. Die Schritte (III) und (IV) umfassen die genealogisch-historische Analyse. Sie setzt im 18. Jahrhundert ein und endet in der Gegenwart. Hierbei werden auf der Grundlage von ideengeschichtlichen Schlüsseltexten sowie aktuellen Forschungsbeiträgen aus Politik-, Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften sowie der Soziologie, Philosophie und Psychologie die unterschiedlichen Herkünfte der gegenwärtigen politischen Leitidee vom Glück nachgezeichnet. Die Arbeit schließt (V) mit einer Zusammentragung der Ergebnisse und einem Ausblick ab.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ANALYTISCH-THEORETISCHER RAHMEN: DAS KONZEPT DER GOUVERNEMENTALITÄT

2.1. DAS KONZEPT DER GOUVERNEMENTALITÄT

2.1.1.Der Begriff der Regierung

2.1.2.Der Begriff der Gouvernementalität

2.1.3.Gouvernementalitätstheoretisches Analysewerkzeug: Problematisierungsformeln

2.1.4.Governing the Present: Technologien der Selbst- und Fremdführung

2.1.5.Liberale Regierungskunst

2.1.6.Neoliberale Regierungskunst

3. ANALYTISCH-METHODISCHER RAHMEN: DIE GENEALOGIE

3.1. GENEALOGIE UND GOUVERNEMENTALITÄTSFORSCHUNG

3.1.1.Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie

3.1.2.Genealogisches Verfahren: Ziel und Zweck

3.1.3.Genealogische Frage und die drei Prinzipien der genealogischen Analyse

3.1.4.Gang der Analyse: Zentrale Fragestellung, Materialauswahl und Annäherung an den Forschungsgegenstand

4. GENEALOGISCHE ANALYSE I: DIE HERKUNFT DES MODERNEN GLÜCKSVERSTÄNDNISSES (18./19. JAHRHUNDERT)

4.1. EXKURS: ANTIKES GLÜCKSVERSTÄNDNIS

4.2. HISTORISCHER KONTEXT: AUFKLÄRUNG - SÄKULARISIERTES GLÜCK UND INDUSTRIALISIERUNG

4.3. FORTSCHRITTSDENKER: T. JEFFERSONS »PURSUIT OF HAPPINESS (1776)« UND J. MARQUIS DE CONDORCETS »ENTWURF EINER HISTORISCHEN DARSTELLUNG DER FORTSCHRITTE DES MENSCHLICHEN GEISTES (1786)«

4.4. GROßBRITANNIEN: DIE EROBERUNG UND DER FALL DES HEDONISCHEN GLÜCKS IN DER BRITISCHEN MORALPHILOSOPHIE

4.4.1.Quantitativer Utilitarismus: Jeremy Bentham’s »Greatest Happiness Principle (1789)«

4.4.2.Qualitativer Utilitarismus: John Stuart Mill’s Bentham-Kritik (1861)

4.4.3.Klassischer Liberalismus: Adam Smith’s »No Pursuit of Happiness Principle (1776)«

5. GENEALOGISCHE ANALYSE II: DAS KURZE VERSCHWINDEN UND DIE WIEDERENTDECKUNG DES GLÜCKS ALS MODERNE REGIERUNGSKUNST (20./21. JAHRHUNDERT)

5.1. HISTORISCHER KONTEXT: DAS ZEITALTER DER EXTREME

5.2. EXKURS: GLÜCK UND STAAT IM KOMMUNISMUS - BENTHIANISCHER MARX?

5.3. GLÜCK IM ORDOLIBERALISMUS

5.4. GLÜCK IN DER NEOKLASSIK: MEHR GELD, MEHR GLÜCK? DAS EASTERLIN-PARADOX.

5.5. GLÜCK IM NEOLIBERALISMUS: POLITISCHE LEITIDEE DES 21. JAHRHUNDERTS UND DER BEITRAG DER GLÜCKSFORSCHUNG

5.5.1.Vermessung des Glücks: Alternative Wohlfahrtsmessung als politische Rationalität der Moderne

5.5.2.Nationale Glücksbarometer: Empirische Beispiele für die Vermessung des Glücks als moderne Regierungskunst

6. ZUSAMMENTRAGEN DER ERGEBNISSE/SCHLUSSBETRACHTUNG

Zielsetzung & Themen

Die Masterarbeit untersucht aus einer gouvernementalitätstheoretischen und genealogischen Perspektive, wie sich das Glück als moderne Regierungskunst etabliert hat und welche sozialen Kräfte, Diskurse und politischen Rationalitäten diesen historischen Wandel seit der Epoche der Aufklärung bis in die Gegenwart maßgeblich bestimmt haben.

  • Gouvernementalität und die foucaultsche Regierungsanalyse
  • Genealogische Methode als kritisches Analyseinstrument
  • Ideengeschichtliche Herkunft des Glücksbegriffs im 18./19. Jahrhundert (Utilitarismus, Liberalismus)
  • Transformation des Glücksbegriffs im 20./21. Jahrhundert (Neoliberalismus, Glücksforschung)
  • Kritische Reflexion der Vermessung von Glück als politische Rationalität

Auszug aus dem Buch

4.4.1. Quantitativer Utilitarismus: Jeremy Bentham’s »Greatest Happiness Principle (1789)«

Zehn Jahre nach dem Pursuit-of-Happiness-Statement von Jefferson veröffentlicht der britische Moralphilosoph Jeremy Bentham (1748 - 1873) im Jahr 1789 sein Werk The Principles of Morals and Legislation, das als Gründungsdokument des klassischen Utilitarismus gilt. Auch wenn der Utilitarismus hauptsächlich auf Bentham zurückzuführen ist, steht er repräsentativ für ein utilitaristisches Verständnis von Glück, welches implizit fas allen Denkern der Aufklärung gemein ist (vgl. Zevnik 2014: 105). Mit seinem Buch markiert Bentham einen „radikalen Kurswechsel“ (Schefczyk 2011: 169) in der britischen Moralphilosophie. Historisch verfasst Bentham sein Werk „noch zu einer Zeit, in der er fest daran glaubte, dass die herrschenden Eliten am Wohl der Bevölkerung interessiert seien und daher seine Reformvorschläge auch gern annehmen und realisieren würden“ (Hofmann 2002: 194). Er entwickelt in The Principles of Morals and Legislation eine systematische Theorie zur Nützlichkeits- und Glücksproblematik moralischen und politischen Handelns und formuliert mit ihr erstmalig das utilitaristische Prinzip (vgl. Hofmann 2002: 11). Im Gegensatz zu den altruistischen Hedonisten, die sich darüber einig waren, „dass im Handeln zum Ausdruck kommende Motive oder Charaktereigenschaften der vorrangige Gegenstand moralischer Beurteilung sind“ (Schefczyk 2011: 168), galt für Benthams Utilitarismus bei der Beurteilung einer Richtigkeit oder Falschheit einer Handlung ein anderer Faktor als einzig richtiger: der Nutzen für das Glück der Allgemeinheit. Für Bentham gibt es im menschlichen Leben nur zwei grundlegende Konstanten: „Nature has placed mankind under the governance of two sovereign masters, pain and pleasure. It is for them alone to point out what we ought to do, as well as to determine what we shall do“ (Bentham 1789: 1). In seiner Moralphilosophie geht er davon aus, dass der Mensch nur Dinge anstrebt, die ihm Freude und Lust bereiten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die wachsende politische Bedeutung des Glücks als modernes Regierungsziel ein und skizziert die forschungsleitende Frage nach dessen ideengeschichtlichen Wurzeln.

2. ANALYTISCH-THEORETISCHER RAHMEN: DAS KONZEPT DER GOUVERNEMENTALITÄT: Dieses Kapitel erläutert Michel Foucaults Konzept der Gouvernementalität als zentrales Analysewerkzeug zur Untersuchung von Machttechniken und Subjektivierungsprozessen.

3. ANALYTISCH-METHODISCHER RAHMEN: DIE GENEALOGIE: Hier wird die Genealogie als kritische Methode eingeführt, um bestehende Machtverhältnisse und historische Kontingenzen des untersuchten Glücksdispositivs freizulegen.

4. GENEALOGISCHE ANALYSE I: DIE HERKUNFT DES MODERNEN GLÜCKSVERSTÄNDNISSES (18./19. JAHRHUNDERT): Das Kapitel zeichnet die Ursprünge des modernen Glücksverständnisses in der Aufklärung nach, insbesondere im Utilitarismus und dem klassischen Liberalismus.

5. GENEALOGISCHE ANALYSE II: DAS KURZE VERSCHWINDEN UND DIE WIEDERENTDECKUNG DES GLÜCKS ALS MODERNE REGIERUNGSKUNST (20./21. JAHRHUNDERT): Dieser Teil analysiert das Wiederaufkommen des Glücksdiskurses im 20. und 21. Jahrhundert, geprägt durch die Glücksforschung als politisches Instrument im Neoliberalismus.

6. ZUSAMMENTRAGEN DER ERGEBNISSE/SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und diskutiert die Kontingenz sowie die politische Wirkungsmacht des Glücks als moderne Rationalität.

Schlüsselwörter

Gouvernementalität, Genealogie, Foucault, Glück, Utilitarismus, Neoliberalismus, Regierungskunst, Glücksforschung, Macht, Wissen, Subjektivierung, Wohlstand, Lebenszufriedenheit, politische Rationalität, Dispositiv.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das moderne Bestreben, Glück politisch zu erfassen und zu steuern, und versteht dies als ein historisch gewachsenes Regierungsphänomen, das sich nicht als naturgegeben, sondern als Konstrukt erweist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Philosophie der Aufklärung, die Geschichte des Utilitarismus, liberale und neoliberale Gouvernementalität sowie die aktuelle wissenschaftliche und politische Glücksforschung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die ideengeschichtlichen Herkünfte des Glücks als politische Leitidee nachzuzeichnen und zu zeigen, wie dieses Dispositiv zur modernen Regierungskunst geworden ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen foucaultianischen Ansatz, kombiniert mit der genealogischen Methode, um Diskurse und Machtmechanismen historisch kritisch zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des 18./19. Jahrhunderts (Entstehung der utilitaristischen Glücksideen) und des 20./21. Jahrhunderts (Transformation durch Glücksforschung und Neoliberalismus).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gouvernementalität, Genealogie, Glücksdispositiv, Utilitarismus und neoliberale Regierungskunst definiert.

Warum ist laut Autorin das Glücksverständnis im Neoliberalismus problematisch?

Die Autorin kritisiert, dass das aktuelle Glücksverständnis stark auf einer quantitativ-hedonistischen Messung basiert, die soziale Aspekte ausblendet und Individuen für ihr eigenes Glück verantwortlich macht.

Inwieweit spielt die Ökonomie eine Rolle bei der Vermessung des Glücks?

Ökonomische Modelle, etwa durch die Glücksökonomie oder das BIP, werden in der Arbeit als Instrumente identifiziert, die versuchen, subjektives Wohlbefinden in objektive, steuerbare Variablen zu übersetzen.

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Details

Title
Glück – Das Maß aller Dinge? Eine genealogische Untersuchung des Glücksdispositiv als moderne Regierungskunst
College
Free University of Berlin  (Politik- und Sozialwissenschaften)
Grade
1,1
Author
Luise Köcher (Author)
Publication Year
2021
Pages
89
Catalog Number
V1173824
ISBN (PDF)
9783346591937
ISBN (Book)
9783346591944
Language
German
Tags
Foucault; Nietzsche; Positive Psychologie; Karl Marx; Jeremy Bentham; Adam Smith; Wohlfahrt; Glücksmessung Gouvernementalität; Pursuit of Happiness; Thomas Jefferson; Ordoliberalismus; Neoliberalismus; Glücksforschung; Easterlin Paradox; John Stuart Mill; Hedonismus; Condorcet; Industrialisierung; Genealogie; Liberale Gouvernementalität;
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Luise Köcher (Author), 2021, Glück – Das Maß aller Dinge? Eine genealogische Untersuchung des Glücksdispositiv als moderne Regierungskunst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1173824
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