Die Häufigkeit und das Schadensausmaß von Bilanzdelikten in Verbindung mit Testaten und Enforcement-Verfahren, die hinter den Erwartungen der Öffentlichkeit zurückbleiben, rechtfertigen die Adressatensuche nach Wahrheit in den publizierten Geschäftsberichten. Im Rahmen dieser Arbeit soll diese Wahrheitssuche unterstützt werden, indem aus öffentlich zugänglichen Informationen Hinweise auf die Existenz von Bilanzmanipulationen konzipiert werden. Ziel ist es, dem Abschlussadressaten handhabbare Analysewerkzeuge aufzuzeigen, mit denen er die Informationsasymmetrie zwischen ihm und dem Management partiell aufbrechen kann, um einer ökonomischen Wahrhaftigkeit näher zu kommen, die von irreführenden und konzipierten Realitäten weitestgehend befreit wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zur Thematik
2. Definition des Untersuchungsgegenstandes: Bilanzmanipulation
3. Präsentation und Kategorisierung gängiger Bilanzmanipulationen
4. Indikatoren von Bilanzmanipulationen
4.1. Qualitative Risikofaktoren
4.2. Quantitative Indikatoren
4.2.1. Quantitative Risikofaktoren
4.2.2. Quantitative Warnsignale
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit aus öffentlich zugänglichen Informationen zu börsennotierten Konzernen Risikofaktoren und Warnsignale abgeleitet werden können, die auf die Existenz von Bilanzmanipulationen hinweisen, um so die Informationsasymmetrie zwischen Management und Adressaten zu reduzieren.
- Definition und systematische Abgrenzung der Bilanzmanipulation von Bilanzpolitik und Fehlern.
- Entwicklung und Kategorisierung qualitativer und quantitativer Indikatoren für Bilanzdelikte.
- Analyse von Risikofaktoren im Umfeld der Unternehmensführung und des Managements.
- Evaluierung bilanzanalytischer Modelle (Altman Z-Score und Beneish M-Score) zur Identifizierung manipulierter Geschäftsberichte.
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Quantitative Risikofaktoren
Quantitative Risikofaktoren versuchen, analog zu ihren qualitativen Äquivalenten, die Wahrscheinlichkeit von bilanzdeliktischem Verhalten zu ermitteln. Zentrale Annahme dieser Faktoren ist, dass bei einer zunehmend kritischen wirtschaftlichen Situation das Management eher gewillt ist, eine real existierende Schieflage mit Hilfe von BM zu kaschieren. Die Korrelation zwischen wirtschaftlichen Unzulänglichkeiten und Bilanzierungsverstößen resultiert aus den negativen Konsequenzen, die bei einer unterdurchschnittlichen Leistung drohen: Schafft es das Management nicht, den geführten Konzern als hinreichend attraktiv erscheinen zu lassen, sinkt seine Bonität und damit zeitgleich die Chance auf Erlangung zusätzlicher Liquidität. Die Begehung von Bilanzdelikten kann dieser Abwärtsspirale über die Täuschung der Geldgeber durch scheinbare Besserung der Kreditwürdigkeit mittels künstlicher Optimierung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage entgegenwirken, was wiederum den Zufluss von Kapital sichert. Quantitative Risikofaktoren haben daher zum Ziel, Konzerne zu identifizieren, deren wirtschaftliche Situation einer Verbesserung bedarf.
Eine zunehmende Verschuldung des Konzerns erschwert die Aufnahme zusätzlicher Liquidität und kann mitunter gegen die verbindlichen Klauseln in bestehenden Kreditverträgen verstoßen, woraus Vertragsstrafen resultieren können. Mit Bilanzdelikten, die auf die Minderung der ausgewiesenen Verbindlichkeiten und die Erhöhung des Gewinns abzielen, können über die Täuschung derzeitiger und zukünftiger Kreditgeber derartige Negativeffekte gemindert oder sogar neutralisiert werden. Aus Sicht des Managements werden BM bei ansteigender Verschuldung daher zunehmend attraktiver: Das Risiko zur Begehung von Bilanzdelikten steigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zur Thematik: Einführung in das Phänomen der Bilanzmanipulation und Erläuterung der Forschungsfrage sowie der Notwendigkeit einer Wahrheitsfindung durch Adressaten.
2. Definition des Untersuchungsgegenstandes: Bilanzmanipulation: Präzise begriffliche Einordnung und Abgrenzung der Bilanzmanipulation von legaler Bilanzpolitik sowie versehentlichen Fehlern.
3. Präsentation und Kategorisierung gängiger Bilanzmanipulationen: Systematisierung der verschiedenen Arten von Bilanzdelikten und Darstellung relevanter Praxisbeispiele zur Identifizierung von Manipulationsmustern.
4. Indikatoren von Bilanzmanipulationen: Entwicklung eines umfassenden Indikatorensystems, unterteilt in qualitative Risikofaktoren sowie quantitative Indikatoren (Risikofaktoren und Warnsignale).
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse, kritische Würdigung der Modelle und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Bilanzmanipulation, IFRS, Abschlussprüfung, Bilanzdelikt, Risikofaktoren, Warnsignale, Finanzanalyse, Z-Score, M-Score, Informationsasymmetrie, Kapitalgeber, Umsatzmanipulation, Verschuldung, Rentabilität, Wirtschaftskriminalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Identifikation und Analyse von Bilanzmanipulationen durch externe Adressaten mittels öffentlich zugänglicher Informationen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Definition von Bilanzmanipulation, die Ableitung qualitativer und quantitativer Risikofaktoren sowie die Anwendung bewährter finanzanalytischer Modelle wie der Z-Score und M-Score.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Abschlussadressaten handhabbare Analysewerkzeuge bereitzustellen, um Bilanzmanipulationen zu erkennen und die Informationsasymmetrie gegenüber dem Management zu verringern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse, die auf Literaturrecherche und der Anwendung bilanzanalytischer Kennzahlensysteme auf Basis empirisch validierter Modelle basiert.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Konstruktion von Risikofaktoren und Warnsignalen sowie deren Zusammenführung in Modellen, um eine stichhaltige Risikobewertung zu ermöglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Bilanzmanipulation, IFRS, Abschlussprüfung, Risikofaktoren und die entsprechenden Kennzahlenmodelle.
Warum unterscheidet die Arbeit zwischen Risikofaktoren und Warnsignalen?
Risikofaktoren sind zeitlich vorgelagert und begünstigen die Begehung, während Warnsignale zeitlich nachgelagert sind und als unmittelbare Folge der Bilanzmanipulation auftreten.
Was ist das Ergebnis der kritischen Würdigung des M-Scores?
Der M-Score wird zwar als nützliches Instrument zur Unterscheidung von Manipulatoren und Nicht-Manipulatoren bewertet, weist jedoch Modellinkonsistenzen auf, weshalb er stets in Verbindung mit weiteren Analysen verwendet werden sollte.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Hellwig (Autor:in), 2021, Bilanzmanipulation nach IFRS. Spuren eines verbotenen Vorgehens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1173903