Analyse der Wirksamkeit arbeitsweltbezogener Interventionen zur Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen


Bachelorarbeit, 2021

55 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG

2 ZIELSETZUNG

3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND
3.1 Begriffsbestimmungen
3.2 Epidemiologie von Muskel-Skelett-Erkrankungen
3.3 Beschreibung des aktuellen Forschungsstandes
3.4 Betriebliches Gesundheitsmanagement

4 METHODIK
4.1 Fragestellungen
4.2 Untersuchungsablauf
4.2.1 Ein- und Ausschlusskriterien
4.2.2 Suchstrategie
4.2.3 Studienauswahlprozess
4.3 Datenauswertung

5 ERGEBNISSE
5.1 Darstellung der Rechercheergebnisse
5.1.1 Studie 1
5.1.2 Studie 2
5.1.3 Studie 3
5.1.4 Studie 4
5.1.5 Studie 5
5.1.6 Studie 6
5.1.7 Studie 7
5.1.8 Studie 8
5.1.9 Studie 9
5.2 Beantwortung der Forschungsfragen
5.2.1 Forschungsfrage 1
5.2.2 Forschungsfrage 2

6 DISKUSSION
6.1 Diskussion der Rechercheergebnisse
6.2 Kritische Betrachtung der Ergebnisse
6.3 Weiterführende Forschung
6.4 Methodenkritik
6.4.1 Begrenzung der Literaturauswahl
6.4.2 Kriterien der Literaturauswahl
6.4.3 Fehlende Informationen des Studiendesigns
6.5 Handlungsempfehlungen und Ausblick

7 ZUSAMMENFASSUNG

8 LITERATURVERZEICHNIS

9 ABBILDUNGS-, TABELLEN-, ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
9.1 Abbildungsverzeichnis
9.2 Tabellenverzeichnis
9.3 Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und jegliche anderen Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

In Deutschland sind Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) nach wie vor die häufigste Ursache von Arbeitsunfähigkeit, Schwerbehinderung, eingeschränkter Einsatzfähigkeit im Beruf sowie vorzeitiger Erwerbsunfähigkeit. Die Ursachen für MSE sind dabei breit gefächert und liegen sowohl in der beruflichen Tätigkeit als auch im privaten Bereich. In der Arbeitswelt liegt die Vermutung nahe, dass MSE vermehrt durch körperliche Belastungen wie schweres Heben und Tragen, Arbeiten in Zwangshaltung oder durch repetitive Bewegungen an Arbeitsplätzen mit immer gleichen Handgriffen entstehen. Doch weit gefehlt, betroffen sind Beschäftigte aus ganz unterschiedlichen Branchen. Denn auch bewegungsarme Tätigkeiten wie sie beispielsweise im Büro und/oder bei Tätigkeiten mit langem Stehen vorkommen, können zu Verspannungen, Beschwerden aber auch zu Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems führen. Denn jede Arbeitsleistung ist mit Belastungen und Beanspruchungen verbunden und kann im Laufe der Zeit schwerwiegenden Einfluss auf die Gesundheit der Arbeitnehmer haben. Daher gewinnt die Betriebliche Gesundheitsförderung und die Prävention von MSE zunehmend an Bedeutung. Im allgemeinen Verständnis ist klar, dass Maßnahmen zur Prävention unerlässlich sind. Die Auswahl der jeweiligen Maßnahme/n ist jedoch stark abhängig von der Tätigkeit und der individuellen Gefährdung des Arbeitnehmers, denn je nach Branche und Aufgabengebiet wirken unterschiedliche Kräfte unterschiedlich stark auf den Körper und die Psyche.

Doch welche Maßnahmen zur Prävention von MSE werden derzeit als effektiv bewertet? Vor diesem Hintergrund liegt der Arbeit folgende Fragestellung zu Grunde:

Was ist in der wissenschaftlichen Literatur über die Wirksamkeit arbeitsweltbezogener Interventionen zur Prävention von MSE bekannt?

Um sich dieser Fragestellung fundiert nähern zu können, ist es unbedingt notwendig, die Rahmenparameter zu bestimmen. In Kapitel 3 werden deshalb die Begriffe Arbeitsunfähigkeit (AU), Schwerbehinderung, vorzeitige Erwerbsunfähigkeit und betriebliche Gesundheitsförderung eingehender betrachtet und eingeordnet.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erachtet im Rahmen der Prävention von MSE verschiedene Ansätze als sinnvoll. Sowohl verhaltens- als auch verhältnispräventive Ansätze werden als geeignet eingestuft (BAuA, 2021b). Welche Maßnahmen diese Empfehlung beinhaltet, wird in den folgenden Kapiteln eingehender erläutert und evidenzbasiert hinsichtlich der Wirksamkeit bewertet.

2 Zielsetzung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Thema „Arbeitsweltbezogene Interventionen zur Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen“ zu liefern. Die einschlägige theoretische und empirische Forschungsliteratur bildet dafür die Grundlage und ist Ausgangspunkt dieser Arbeit.

Im Anschluss an die theoretische und empirische Heranführung werden Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet, die dem aktuellen Forschungsstand entsprechen.

Für die Auswertung der aktuellen empirischen Lage werden mehrere Primärstudien gesichtet und analysiert, um im Anschluss eine fundierte Aussage über den aktuellen und zukünftigen Handlungsbedarf zu formulieren und um den Einstieg in die praktische Arbeit zu erleichtern.

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand

Das nachfolgende Kapitel dient der Begriffserläuterung sowie der ersten Hinführung an die Thematik. Außerdem soll eine erste Einordnung der Bedeutung von MSE für das Gesundheitssystem und die Arbeitswelt vorgenommen werden.

3.1 Begriffsbestimmungen

Im folgenden Unterkapitel werden für die vorliegende Arbeit grundlegende Begriffe definiert: Zunächst der Begriff der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF), nachfolgend Arbeitsunfähigkeit, Behinderung und vollständige Erwerbsminderung als Parameter für die Wirksam der BGF sowie der Begriff des Arbeitsschutzes und des betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM).

Die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist ein Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) und dient der Stärkung von individuellen Gesundheitsressourcen. Der Fokus der BGF liegt dabei auf dem Verhalten der einzelnen Person. Verschiedene Aspekte der BGF können die Steigerung der funktionellen Kapazität, die Verhaltensprävention, die Optimierung der Fähigkeit zur Erholung und die Steigerung der Stressresistenz und psychischen Widerstandskraft sein (Uhle & Treier, 2015, S. 36).

Eine Arbeitsunfähigkeit liegt nach Definition der gesetzlichen Krankenkassen dann vor, wenn „ein Versicherter aufgrund von Krankheit seine ausgeübte Erwerbstätigkeit nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlimmerung der Erkrankung ausführen kann“ (Nüchtern & Mohrmann, 2012, S. 163).

Der Begriff der Behinderung ist im Sozialgesetzbuch IX (§2 Absatz 1 Satz 1 SGB IX) definiert. Der Begriff der Schwerbehinderung baut darauf auf und grenzt zusätzlich die Schwere der Behinderung ab:

Schwerbehindert ist, wer einen Grad der Behinderung von mindestens 50 zuerkannt bekommen hat und seinen Wohnsitz, seinen gewöhnlichen Aufenthalt oder eine Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 156 SGB IX rechtmäßig im Bundesgebiet hat. Ein „gewöhnlicher Aufenthalt“ liegt auch bei Asylbewerbern und geduldeten Ausländern vor, wenn besondere Umstände ergeben, dass sie sich auf unbestimmte Zeit in Deutschland aufhalten werden. (Beyer et al., 2018, S. 367)

Die Begriffe der Erwerbsunfähigkeit und der vollen Erwerbsminderung werden synonym verwendet. § 43 Abs. 2 Satz 2 SGB VI besagt, dass Versicherte dann voll erwerbsgemindert sind, wenn sie „. wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.“

Laut der Beratungsgesellschaft für Arbeits- und Gesundheitsschutz mbH (BfGA, 2014) ist das „Ziel des Arbeitsschutzes im Sinne Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) [.] die Verhütung von Unfällen bei der Arbeit und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren sowie die menschengerechte Gestaltung der Arbeit.“

Ein weiterer wichtiger Begriff ist das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM). Dabei handelt es sich um die Wiedereingliederung und berufliche Rehabilitation von Arbeitnehmern (Uhle & Treier, 2015, S. 37). Kennzeichen des BEM sind beispielsweise die Einschätzung der Perspektiven zur Rückkehr nach einer langen Erkrankung, die Prävention von erneuter Arbeitsunfähigkeit, Coachings zur Arbeitsfähigkeit und ein Konzept zur allmählichen Wiedereingliederung (Uhle & Treier, 2015, S. 37).

3.2 Epidemiologie von Muskel-Skelett-Erkrankungen

Als Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) werden gemeinhin degenerative Erkrankungen wie z. B. Veränderungen der Hals- und Lendenwirbelsäule, Arthrosen verschiedener Gelenke sowie Erkrankungen der Sehnen, Bänder, Menisken und Schleimbeutel bezeichnet. Arbeitsbedingte Erkrankungen und Beschwerden resultieren dabei aus statischen oder sich wiederholenden Dauerbelastungen (BAuA, 2021a).

Besonders auffällig ist die Nennung von unspezifischen Beschwerdebildern und Schmerzsyndromen wie Kreuzschmerz, Schmerzen im Nacken und das „Repetitive Strain Injury“ Syndrom. Letzteres bezeichnet „Schmerzen in den oberen Extremitäten nach häufig wiederholten (kraftvollen) Bewegungen .“ (BAuA, 2021a).

Schädigungen des Nerven- und Gefäßsystems durch mechanische Einwirkungen können ebenfalls zu den Muskel-Skelett-Erkrankungen gezählt werden. Dazu gehören unter anderem Nervenkompressionssyndrome wie z. B. das Carpaltunnelsyndrom, das Hypothenar-Hammer-Syndrom und das vibrationsbedingte vasospastische Syndrom.

Die beiden letzteren genannten Syndrome treten häufig durch die wiederkehrende Belastung der Blutgefäße der Hand durch hohe Krafteinwirkungen (Klitscher et al., 2005, S. 1178) oder das Führen von vibrierenden Werkzeugen auf (Heitmann, Tränkle, Sauerbier & Germann, 2001, S. 150).

Bei der übergreifenden Betrachtung der Beschwerdebilder und deren Vorkommen lassen sich folgende Risikofaktoren für arbeitsbedingte MSE herleiten (Hoehne-Hückstädt et al., 2007, S. 45):

- Häufige Wiederholungen
- Kraftanforderungen
- Statische oder physiologisch ungünstige Haltung
- Vibrationen
- Besonders hohe oder niedrige Temperaturen
- Psychomentaler Stress durch Unzufriedenheit, monotone Arbeit oder ein ungünstiges Arbeitsklima

Risikofaktoren und Ursachen auf, sodass diese im konkreten Fall besonders beleuchtet werden müssen.

Aus der Krankenhausdiagnosestatistik geht hervor, dass im Jahr 2017 56,3% der aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten mit Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes weiblichen Geschlechts waren. Insgesamt wurden 1.759.396 Patientinnen und Patienten 2017 vollstationär aufgrund dieser Diagnose behandelt, das entspricht einem Rückgang von 2,3% im Vergleich zum Vorjahr (Statistisches Bundesamt, 2019, S. 130).

Betrachtet man jedoch den Zeitraum zwischen 2006 und 2016, so wird deutlich, dass die Anzahl der Behandlungen von Muskel-Skelett-Erkrankungen in diesen 10 Jahren um 25% angestiegen sind (Statistisches Bundesamt & Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, 2018, S. 293).

Der Anteil von Muskel-Skelett-Erkrankungen am Gesamtkrankenstand (Arbeitsunfähigkeitstage) betrug 2019 21,2%. Damit gehören Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes zu den zehn wichtigsten Krankheitsarten in der Bundesrepublik im Jahr 2019 (Marschall, Hildebrandt, Kleinlercher & Nolting, S. 17).

Im Vergleich zu den Jahren 2013, 2015 und 2017 wird deutlich, dass MSE in diesem Umfang keine neuen Erscheinungen sind, sondern in den vergangenen Jahren einen gleichbleibend hohen Stellenwert im Gesundheitssystem einnahmen. Im Jahr 2013 lag der Anteil bei 21,5%, 2015 bei 21,7% und 2017 bei 21,8% der gesamten Arbeitsunfähigkeitstage (Marschall, et al., 2020).

Bei der Dauer der Arbeitsunfähigkeit liegen MSE im Jahr 2019 mit 18,4 Tagen auf Platz 2 hinter den psychischen Erkrankungen mit durchschnittlich 35,4 Tagen (Marschall et al., S. 17).

Die folgende Tabelle verdeutlicht die Arbeitsunfähigkeitstage und den volkswirtschaftlichen Schaden im Jahr 2014, aufgeteilt nach Wirtschaftszweigen.

Tab. 1: Arbeitsunfähigkeitstage und volkswirtschaftlicher Schaden im Jahr 2014 nach Wirtschaftszweigen (Bauer, Hennefarth & Ohlendorf, 2016, S. 202)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Beschreibung des aktuellen Forschungsstandes

Um Handlungsempfehlungen für die Prävention geben zu können, ist es zunächst nötig, den Ursprung von MSE zu verstehen. Aufgrund der arbeitsschutzrechtlichen Gesetzgebung werden zunächst die Belastungen und risikobezogenen Tätigkeiten und deren gesundheitliche Auswirkungen im Zusammenhang mit MSE betrachtet.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben. (§3 Abs. 1 ArbSchG)

Um diesem Gesetz Folge zu leisten, wird in Unternehmen eine sogenannte Gefährdungsbeurteilung durchgeführt.

Im Rahmen dieser Gefährdungsbeurteilung im Zusammenhang mit MSE müssen die jeweiligen risikobezogenen Tätigkeiten und Belastungen identifiziert und im Einzelfall hinsichtlich ihres Gefährdungspotenzials bewertet werden.

Lamers und Baars (2018, S. 51) identifizierten acht Belastungsarten, die am Arbeitsplatz auf die Beschäftigten einwirken können und bei der Gefährdungsbeurteilung der jeweiligen Tätigkeiten berücksichtigt werden müssen:

- Heben und Tragen
- Ziehen und Schieben
- Zwangshaltungen
- Arbeiten mit größerer Kraftanstrengung/-einwirkung
- Repetitive Tätigkeiten
- Vibrationen (Ganzkörper)
- Vibrationen (Hand-Arm)
- Bewegungsarme Tätigkeiten

Sind Beschäftigte im Rahmen ihrer Tätigkeit wiederholt einer oder mehrerer der vorgenannten Belastungsarten ausgesetzt, kann das zu verschiedenen Erkrankungen führen. Einige davon sind auch in der Berufskrankheiten-Verordnung aufgeführt und anerkannt. Somit ist es möglich, entsprechende Präventionsmaßnahmen über die Unfallversicherungsträger einzuleiten (BAuA, 2021d).

In der nachfolgenden Tabelle sind die anerkannten Berufskrankheiten des Muskel-Skelett-Systems aufgeführt.

Tab. 2: Anerkannte Berufskrankheiten des Muskel-Skelett-Systems nach Anlage 1 der Berufskrankheiten-Verordnung (BAuA, 2021d)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bongwald, Luttmann und Laurig (1995, S. 15) sagen, dass es sich in der Ergonomie, Arbeitsphysiologie und der Arbeitsmedizin als sinnvoll erwiesen hat, Tätigkeiten anhand des Belastungs-Beanspruchungs-Konzepts zu beschreiben. Der Vorteil eines solchen Konzepts liegt laut Bongwald et al. (1995) darin, dass „... die menschlichen Eigenschaften sowie deren Unterschiede und Veränderungen berücksichtigt werden.“ (S. 15). Um ein solches Modell zu verstehen, müssen zunächst die Begriffe Belastung und Beanspruchung in diesem Zusammenhang definiert werden.

Böhle (2018) benennt Belastung als am Menschen angreifende Kräfte.“ und Beanspruchungen als „... Wirkungen, die sich hieraus für die Arbeitenden ergeben.“ (S. 59). Da es sich hierbei allerdings um sehr weitgefasste Definitionen handelt, soll das folgende Beispiel das Modell verdeutlichen. Gezeigt wird das

Belastungs-Beanspruchungs-Modell für manuelle Arbeitsprozesse. Diese „. werden meistens im Sitzen oder Stehen ausgeführt. Häufig kommen dabei kleinere Werkzeuge zum Einsatz.“ (BAuA, 2021c).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Belastungs-Beanspruchungs-Modell manueller Arbeitsprozesse (Hoehne-Hückstädt et al., 2007)

Laurig (2014, S. 2) leitet zusätzlich folgende Beziehungen aus dem Modell ab:

- Bei konstanten Eigenschaften und gegebener Belastung ist die Beanspruchung abhängig von der Veränderung der Belastung. Veränderungen der Belastungen führen zu einer Änderung der Beanspruchung.
- Bei veränderlichen Eigenschaften und gegebener Belastung ist die Beanspruchung abhängig von der Belastung und der Variation der Eigenschaften. Unterschiede und Änderungen von Eigenschaften führen zu einer Änderung der Beanspruchung.

Daraus ist zu schließen, dass verschiedene Menschen bei gleicher Belastung verschieden beansprucht sind.

Demnach ergeben sich aus unterschiedlichen Tätigkeiten unterschiedlich hohe Belastungen und Beanspruchungen. So wirken an Arbeitnehmern aus Industrie und Handwerk andere Kräfte als an Arbeitnehmern aus dem Pflegesektor, der Dienstleistung oder an im Büro tätigen Personen.

Aus diesen Beziehungen ergibt sich die Frage:

Wie lassen sich Belastungen und Beanspruchungen so steuern, dass das Risiko für tätigkeitsbedingte Erkrankungen möglichst gering und das Wohlbefinden der Arbeitenden möglichst hoch bleiben? An diesem Punkt sind Verhaltens- und Verhältnisprävention von großer Bedeutung.

Während die Verhaltensprävention durch Information, Übung und Training auf die Optimierung des menschlichen Verhaltens abzielt, beschäftigt sich die Verhältnisprävention mit einer menschengerechten Gestaltung der Arbeits- und Lebensbedingungen, um die Leistungsfähigkeit, die Gesundheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu erhalten und zu fördern. (Kempf, 2014, S. 392) In der Praxis werden jeweils unterschiedliche Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung miteinbezogen:

Tab. 3: Maßnahmen zur Verhaltens- und Verhältnisprävention in der betrieblichen Gesundheitsförderung (Ulmer & Gröben, 2004, S. 36-37)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben diesen allgemeinanwendbaren Maßnahmen soll im Kontext der vorliegenden Arbeit ein besonderes Augenmerk auf die arbeitsweltbezogene Prävention von MSE gelegt werden.

3.4 Betriebliches Gesundheitsmanagement

Bauer et al. geben mehrere Empfehlungen für die praktische Umsetzung von Interventionen zur arbeitsweltbezogenen Prävention von MSE, darunter zum Beispiel eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Muskelaufbautraining oder Sitz-Steh-Tische (Bauer et al., 2016, S. 203). Inwieweit diese Maßnahmen eine evidenzbasierte Wirksamkeit aufweisen, wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit beleuchtet.

Zunächst jedoch ein Blick auf das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) im Allgemeinen.

Allem voran steht der grundlegende Begriff der Gesundheit, welcher von der WHO als a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.” (World Health Organization, 1946) definiert wird.

Da dieser Zustand allerdings als utopisch zu bezeichnen ist (Ulich & Wülser, 2018, S. 35), können Maßnahmen des BGM immer nur eine teilweise Erfüllung dieser Definition ge­währleisten. Im Allgemeinen wird unter BGM „. die Entwicklung betrieblicher Rahmenbedingungen, betrieblicher Strukturen und Prozesse, die die gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeit und Organisation und die Befähigung zum gesundheitsfördernden Verhalten der Mitarbeiter zum Ziel haben.“ verstanden (Badura & Steinke, 2009, S. 4).

Kennzeichen für ein BGM können sein:

- Feste Ablauf- und Aufbauorganisation
- Verantwortliche Personen, die in Entscheidungsprozesse integriert sind
- Feste Prozessschritte
- Analyse (z. B. Gefährdungsbeurteilung, Befragungen zu Belastungen und Ressourcen, arbeitsmedizinische Vorsorge, .)
- Maßnahmenplanung (z. B. im Arbeitsschutzausschuss)
- Umsetzung
- Wirksamkeitskontrolle

„Das BGM wird durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) operationalisiert“ (Gründler & Schulz, 2018, S. 28).

4 Methodik

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird eine systematische Literaturrecherche durchgeführt. Die Parameter und Vorgehensweisen, die dabei zur Anwendung kommen, sind in den folgenden Unterkapiteln detailliert beschrieben.

4.1 Fragestellungen

1. Welche arbeitsweltbezogenen Interventionen zur Prävention von MSE werden durchgeführt?
2. Welche dieser Interventionen können derzeit als effektiv bewertet werden?

Die vorstehenden Fragestellungen sollen nach ihrer Beantwortung zu einer wissenschaftlich fundierten Handlungsempfehlung für Unternehmen führen. Dafür ist es wichtig zu evaluieren, welche Interventionen zur Prävention arbeitsweltbezogener MSE in der Vergangenheit bereits Anwendung gefunden haben und wie effektiv diese jeweils waren. Ziel ist es, eine oder mehrere Interventionen in Unternehmen zu etablieren, um Arbeitsunfähigkeitsvorgänge zu reduzieren und die damit verbundenen Kosten zu minimieren. Welche Interventionen dabei am erfolgversprechendsten sind, soll durch die nachfolgende Literaturrecherche evaluiert werden.

4.2 Untersuchungsablauf

4.2.1 Ein- und Ausschlusskriterien

Einschlusskriterien:

Primärstudien
- Deutsch- oder englischsprachig
- Alter der Studie > 10 Jahre
- Volltextanalyse

Ausschlusskriterien:

- Alter der Studie >10 Jahre
- Interventionen zur Prävention anderer physischer Erkrankungen
- Interventionen zur Prävention psychischer Erkrankungen
- Psychosoziale Betrachtungen
- Kein Bezug zu Prävention

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Analyse der Wirksamkeit arbeitsweltbezogener Interventionen zur Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
1,4
Autor
Jahr
2021
Seiten
55
Katalognummer
V1173996
ISBN (Buch)
9783346594273
Sprache
Deutsch
Schlagworte
MSE, Muskel-Skelett, Muskel-Skelett-Erkrankung, Intervention, Prävention, Analyse, arbeitswelt, Epidemiologie, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsmanagement, Methodik, Studienauswahlprozess, Datenauswertung, Handlunsgempfehlung
Arbeit zitieren
Laura Eichner (Autor:in), 2021, Analyse der Wirksamkeit arbeitsweltbezogener Interventionen zur Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1173996

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