Das Ziel der Bachelorarbeit ist es, zu betrachten, welche Rolle die eigene Biografie, Sozialisierung und Umwelteinflüsse im beruflichen Kontext einer Führungskraft der sozialen Arbeit spielen und wie diese mithilfe des systemischen Coachings Professionalität erlangen kann.
Um die Forschungsfrage zu beantworten, wird das Thema literarisch untersucht und begründet. Neben den Inhalten zu den Führungstheorien wird gezielt die Person hinter der Führungsrolle mit all ihren persönlichen Merkmalen und Erfahrungen betrachtet sowie das systemische Coaching mit seinen Inhalten und seiner Anwendbarkeit dargestellt.
Bei der Recherche zeigte sich, dass das systemische Coaching die Führungskraft dabei unterstützen kann, trotz der zunehmenden Anforderungen und den neuen Aufgaben professionell und fachlich in der Rolle zu agieren und dabei sowohl persönliche, prägende Erfahrungen – also individuelle Aspekte und Ereignisse in der Biografie und Lebensgeschichte – berücksichtigt, als auch das Gesamtsystem in Bezug auf den Führungsaspekt und ihrer Rolle ergründet. Durch das Konzept des systemischen Coachings und den Einsatz zielgerichteter Methoden kann die Führungskraft in ihrer Professionalität und ihrem Selbstmanagement gestärkt werden. Voraussetzung dafür ist die Eigenaktivität und Veränderungsbereitschaft der Führungskraft sowie die Beziehungsgestaltung zwischen Coach und Klient. Durch den Blick auf das Gesamtsystem der Führungskraft wird es möglich, neben den beruflichen Rahmenbedingungen auch soziale Beziehungen, Konflikte und persönliche Erfahrungen zu behandeln und aufzuarbeiten. Der Führungskraft kommt eine entscheidende Rolle in Bezug auf den Erfolg des Unternehmens und der Führung der Mitarbeitenden zu. Dieser Rolle kann sie aber nur gerecht werden, wenn sie lernt, eigenaktiv und selbsttätig Herausforderungen zu bewältigen und eigene Ressourcen gezielt einzusetzen. Der Aspekt der professionellen Führung und Selbstführung wird zunehmend bedeutsamer in der sozialen Arbeit. Daher ist das systemische Coaching eine Möglichkeit, um den komplexen Anforderungen und stetigen Veränderungen gewachsen zu sein und die Führungskräfte in ihrer Funktion zu unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Aspekt Führung und die Führungskraft
1.1 Führungstheorien
1.2 Führungsstil und -verhalten
1.3 Gesellschaftlicher Wandel und Einflussfaktoren
1.4 Kernaufgaben einer Führungskraft
1.5 Rolle und Haltung der Führungskraft
1.6 Biografiearbeit und persönliche Einflussfaktoren
1.7 Selbstmanagement und Selbstführung
1.8 Professionalität
1.9 Führungskräfte in der sozialen Arbeit
2. Systemisches Coaching
2.1 Coaching und Systemisches Coaching
2.2 Konstruktivismus
2.3 Haltung und Menschenbild
2.4 Coachingprozess und Setting
2.5 Methoden und Interventionstechniken
2.6 Beziehungsgestaltung Coach und Klient
2.7 Ziele und Intentionen des systemischen Coachings
2.8 Systemisches Coaching in der sozialen Arbeit
3. Stärkung der Professionalität von Führungskräften durch systemisches Coaching
3.1 Methoden und Interventionstechniken
3.1.1 Bedeutung von allgemeinen Werkzeugen im systemischen Coaching
3.1.2 Systemische Fragetechniken
3.1.3 Lösungsorientiertes Arbeiten
3.1.4 Das innere Führungsteam
3.2 Professionelles Standing und Selbstbild
3.3 Selbstwirksamkeit
3.4 Rollenidentifikation
3.5 Möglichkeiten und Grenzen des systemischen Coachings für Führungskräfte
3.5.1 Die Methode „Funktionspendel“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie Führungskräfte im Bereich der sozialen Arbeit durch systemisches Coaching in ihrer Professionalität gestärkt werden können. Dabei wird insbesondere analysiert, wie persönliche Biografien, individuelle Haltungen und berufliche Rollenanforderungen reflektiert und in ein professionelles Selbstmanagement überführt werden können, um den stetigen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.
- Analyse des Anforderungs- und Rollenprofils von Führungskräften im sozialen Bereich
- Grundlagen und systemische Ansätze des Coachings als Unterstützungsform
- Reflexion der Führungspersönlichkeit durch Biografiearbeit
- Einsatz systemischer Methoden (z. B. inneres Führungsteam, Funktionspendel) zur Professionalisierung
Auszug aus dem Buch
2.2 Konstruktivismus
Konstruktivismus umfasst die Erkenntnistheorie, dass alle Menschen sich ihre eigene Wirklichkeit konstruieren und diese sich dadurch individuell erklärt. (vgl. Webers 2015: S.20)
Grundhaltung des Konstruktivismus ist daher eine klare Vorstellung davon, dass alle Menschen auf der Welt ähnlich denken und ähnliche Wertvorstellungen wie wir selbst haben, es jedoch keine objektive Wirklichkeit gibt. Aus der konstruktivistischen Sicht sind Probleme nur Konstrukte, die von der betroffenen Person zeit- und situationsabhängig in ihrer Wirklichkeit wahrgenommen werden, diese können nicht von anderen, in ihrer Ganzheitlichkeit und Subjektivität, verstanden oder gelöst werden. Durch diese Grundannahme wird im Coaching auch der Ansatz der Autopoiese geprägt. Diese meint, dass Menschen nicht verändert werden können, sondern dass sie sich von sich aus ändern können. Menschen denken in eigenen Mustern, alles Erlebte ist subjektiv und entsteht im Auge des Betrachters – wodurch alles Handeln Sinn für den, der handelt, ergibt. (vgl. Radatz 2011: S. 78f)
Das konstruktivistische Verständnis zeigt sich im Blick auf das soziale System und nicht auf die einzelne Person. Demnach hat das jeweilige Verhalten in den einzelnen sozialen Systemen unterschiedliche Einflussfaktoren – dazu gehören einzelne Personen und deren Deutung. Dadurch erklärt sich das Verhalten von Einzelnen nicht nur aus sich selbst heraus, sondern auch aus der Rolle, die Personen im System einnehmen. Jedes Verhalten ist dabei subjektiv begründet und verfolgt positive Absichten, um das Gleichgewicht des Systems sicherzustellen. Alle Menschen sind von der materiellen und sozialen Umwelt und der eigenen bisherigen Entwicklung und Geschichte geprägt. Auch soziale Regeln bestimmen unsere wiederkehrenden Verhaltensmuster. (vgl. König / Volmer 2019: S. 17ff)
Die konstruktivistische Sicht geht also davon aus, dass alles miteinander zusammenhängt und die individuelle Sicht der Dinge weder objektiv noch im allgemeinen Sinne wahr sein kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Aspekt Führung und die Führungskraft: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Führung, verschiedene Führungsstile und die besonderen Herausforderungen für Leitungskräfte im sozialen Bereich.
2. Systemisches Coaching: Hier werden die Definitionen, theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus sowie die Haltung und der Prozess des systemischen Coachings beschrieben.
3. Stärkung der Professionalität von Führungskräften durch systemisches Coaching: Dieser Hauptteil verknüpft die Methoden des systemischen Coachings direkt mit der Stärkung der Professionalität, Rollenidentität und Selbstwirksamkeit von Führungskräften.
Schlüsselwörter
Führungskraft, Selbstmanagement, Biografiearbeit, Professionalität, systemisches Coaching, Konstruktivismus, Selbstwirksamkeit, Rollenidentifikation, Organisationsentwicklung, soziale Arbeit, Führungsverhalten, Selbstreflexion, Interventionsmethoden, Personalentwicklung, Führungstheorien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Führungskräfte in der sozialen Arbeit durch systemisches Coaching ihre berufliche Professionalität weiterentwickeln und mit den vielfältigen Anforderungen ihres Leitungsalltags konstruktiv umgehen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen Führungstheorien, die Besonderheiten der Führungsrolle in der sozialen Arbeit, die Grundlagen des systemischen Coachings und die Anwendung spezifischer Coaching-Methoden zur Persönlichkeitsentwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie systemisches Coaching als externe Unterstützungsmethode dazu beitragen kann, die eigene Haltung, Biografie und Rolle einer Führungskraft zu reflektieren und dadurch professionelles Führungshandeln zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und theoretischen Analyse, in der verschiedene Konzepte des systemischen Coachings und der Führungsforschung aufbereitet und für den sozialen Arbeitskontext fruchtbar gemacht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil (Kapitel 3) werden konkrete systemische Interventionsmethoden wie das „innere Führungsteam“, die „Panoramatechnik“ und das „Funktionspendel“ sowie Aspekte wie Rollenidentifikation und Selbstwirksamkeit im Detail analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Führungskraft, Selbstmanagement, Biografiearbeit, Professionalität, systemisches Coaching und Organisationsentwicklung charakterisiert.
Wie trägt die Biografiearbeit zur Professionalität der Führungskraft bei?
Die Arbeit argumentiert, dass eine Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte hilft, unbewusste Muster und Konflikte zu erkennen, um in pädagogischen und führungsbezogenen Situationen bewusster und professioneller entscheiden zu können.
Welche Grenzen des systemischen Coachings werden thematisiert?
Das Dokument betont, dass Coaching dort seine Grenzen findet, wo psychische Erkrankungen vorliegen, Expertenrat für fachliche Probleme gesucht wird oder Klienten lediglich emotionale Unterstützung ohne Lösungsfokus benötigen; in diesen Fällen sind andere Maßnahmen wie Therapie oder Supervision geeigneter.
Was besagt das Konzept des "Funktionspendels" in diesem Kontext?
Das Funktionspendel dient als Navigationshilfe für den Coach, um zwischen verschiedenen Beratungsfeldern zu wechseln – vom Kernbereich der Veränderungsbegleitung über den Grenzbereich (z.B. bei drohender Überforderung) bis hin zum Ausschluss von Themen, die therapeutische Maßnahmen erfordern.
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- Sarah Strecker (Author), 2021, Professionalität von Führungskräften. Möglichkeiten und Grenzen des systemischen Coachings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1174086