Ziel dieser Arbeit ist es, einerseits die historischen Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren, andererseits strukturell bis heute wichtige orthographische Entwicklungen extensional darzustellen. Zunächst werden die strukturellen Prinzipien dargestellt, der Orthographien beziehungsweise Graphien im Verlauf ihrer Evolution folgen, dann im diachronen Zugriff, die Graphien bis ins Seizième siècle auf ihre Prinzipien untersucht und schließlich ein tieferer Blick den orthographischen Tendenzen des Seizième siécle gewidmet. Abschließend wird ein Fazit aus der Untersuchung gezogen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
I1. Orthographische Prinzipien
III. Graphien bis zum Seizième siècle
1. Die Epoche des Übergangs
2. Graphie des Altfranzösischen
3. Die Graphie des Mittelfranzösischen
IV. Die Graphie im Seizième Siècle
1. Der Einfluss der Monarchie
2. Der Einfluss der professionals
3. Der Einfluss der Drucker
V. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist es, die historischen Faktoren, die zur Entstehung der französischen Orthographie im 16. Jahrhundert führten, zu analysieren und deren strukturelle Entwicklung bis in die Gegenwart aufzuzeigen.
- Entwicklung des phonetischen und ideographischen Prinzips im Französischen.
- Einfluss der staatlichen Sprachpolitik, insbesondere der Monarchie (Ordonnance de Villers-Coterêts).
- Bedeutung der professionellen Schreiber und Humanisten für die Normierung.
- Typographische Innovationen und die Rolle der Drucker bei der Etablierung moderner Schreibweisen.
- Unterscheidung zwischen orthographe ancienne und orthographe moderne.
Auszug aus dem Buch
1. Der Einfluss der Monarchie
Die 1539 von François Ier erlassene Ordonnance de Villers-Coterêts, die erste weitreichende Intervention von staatlicher Seite in Sprachbelangen, begründete die bis heute bestehende Tradition der Sprachpolitik in Frankreich. Durch die Verordnung a) ersetzte das Französische offiziell das Lateinische als Sprache von Rechts- und Verwaltungstexten, und b) verdrängte der Dialekt der Île de France zunehmend die Dialekte.
Das Dekret markierte zwar nicht den letzten, aber doch einen relativ späten Schritt der Entwicklung, in deren Verlauf die Grundsteine des heutigen Französisch gelegt wurden. Gleichzeitig ist es Ausdruck eines scheinbaren paradoxon, dass das klassische Latein in Frankreich zu dem Zeitpunkt, an dem es seine höchste Blüte hatte, erstmals den Status einer toten Sprache erhielt: "[Le latin] ne pouvait pas, sans de véritables tours de force, traduire la pensée du XVIe siècle."
Das Dekret lässt sich – wie alle seine kulturpolitischen Maßnahmen – erst aus der persönlichen Entwicklung Franz' I. heraus verstehen. Zuerst seine Mutter und sein Lateinlehrer Desmoulins hatten ihn sensibel gemacht für humanistisches Bildungsgut. So erklärt es sich, dass er sich in späterer Zeit in allen Kulturbelangen auf Humanisten wie Budé und die Estiennes stützte. Auf Initiative von Guillaume Budé stiftete er 1530 lecteurs royaux für Griechisch, Hebräisch und Mathematik – kurz darauf auch für Latein –, die zum Collège Royal wurden. Budé, Frankreichs Erasmus, verkehrte u. a. mit dem niederländischen Original und mit Thomas Morus.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Definition der Orthographie als Evolutionsprodukt und Vorstellung der Faktoren, die zur Standardisierung des Französischen im 16. Jahrhundert beitrugen.
I1. Orthographische Prinzipien: Erläuterung der Opposition zwischen phonetischen und ideographischen Prinzipien in der Verschriftung des Französischen.
III. Graphien bis zum Seizième siècle: Historischer Überblick über die Entwicklung von den ersten Glossen des 9. Jahrhunderts über das Altfranzösische bis hin zum Mittelfranzösischen.
IV. Die Graphie im Seizième Siècle: Analyse der entscheidenden Impulse durch die Reformation, die Monarchie und technische Innovationen der Drucker, welche die Basis der modernen Orthographie legten.
V. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der humanistischen Einflüsse und der Etablierung einer gemischten Orthographie, die primär der visuellen Lesbarkeit dient.
Schlüsselwörter
Französische Orthographie, Seizième siècle, Phonetisches Prinzip, Ideographisches Prinzip, Ordonnance de Villers-Coterêts, Humanismus, Typographie, Geofroy Tory, Robert Estienne, Orthographe moderne, Sprachgeschichte, Schriftsprache, Normierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung der französischen Orthographie im 16. Jahrhundert sowie die prägenden Faktoren für diesen Prozess.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Thematisiert werden insbesondere die Rolle der Monarchie, der Einfluss humanistischer Gelehrter und die technischen Innovationen der zeitgenössischen Druckereien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die historischen Zusammenhänge zwischen staatlicher Intervention, literarischer Produktion und typographischer Standardisierung aufzudecken, die zur modernen französischen Rechtschreibung führten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt einen diachronen linguistischen Ansatz und stützt sich maßgeblich auf die Forschungsergebnisse von Nina Catach zur Geschichte der französischen Orthographie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil analysiert die Entwicklung der Schreibpraxis von den ersten Glossen über das Alt- und Mittelfranzösische bis hin zur Etablierung der orthographe moderne im 16. Jahrhundert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Orthographiegeschichte, Sprachpolitik, Typographie und die Opposition von phonetischen und ideographischen Prinzipien kennzeichnen.
Welche Bedeutung hatte das Dekret von Villers-Coterêts für die Orthographie?
Das Dekret von 1539 markierte einen Wendepunkt, indem es Französisch zur offiziellen Amts- und Rechtssprache erhob und damit die Entwicklung einer standardisierten Schriftsprache massiv beschleunigte.
Warum wird die französische Orthographie als "gemischte Orthographie" bezeichnet?
Sie wird als gemischt bezeichnet, da sie zwar auf Lautprinzipien beruht, jedoch stark durch ideographische, etymologische und morphologische Ergänzungen geprägt ist, um die visuelle Lesbarkeit der Wörter zu optimieren.
- Arbeit zitieren
- Oliver Meuser (Autor:in), 2012, Orthographe ancienne und orthographe moderne. Die Entstehung der französischen Orthographie im Seizième siècle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1174123