In Hobbes’ politischer Theorie treten Sie als Untertan in einem untereinander abgeschlossenen Gesellschaftsvertrag all Ihre Rechte an einen Souverän ab, der dadurch berechtigt ist, über alle nach außen wirkenden Handlungen zu entscheiden. Mit diesem Vertrag haben Sie den eigenen Willen und das eigene Urteil seinem Willen und Urteil unterworfen.1 Einzig das Recht zur Selbstverteidigung bleibt Ihnen erhalten2. Nun ergibt es sich beispielsweise, dass der Souverän Sie wegen Ungehorsams zum Tode verurteilt. Sie selbst sehen sich als Opfer eines Missverständnisses. Sie waren mit der Anordnung, Ihre Arbeitskraft in den Dienst der Armee zu stellen nicht einverstanden da Sie bereits im letzten Krieg so schwer verwundet waren, dass Sie von Ihrem damaligen Vorgesetzten auf Lebenszeit vom Armeedienst befreit
worden sind. Sie bestehen auf Ihr Recht zur Selbstverteidigung, denn schließlich ist Ihr Leben in diesem Fall bedroht. Doch gibt es nach Hobbes auch ein Widerstandsrecht gegen den Souverän?
Inhaltsverzeichnis
- Thomas Hobbes: Widerstand - nein Danke?
- Widerstandsrecht gegen den Souverän?
- Der Gesellschaftsvertrag und die absolute Herrschaft des Souveräns
- Die Möglichkeit des Widerstands
- Rechtliche Möglichkeiten des Untertanen
- Die Grenzen des Widerstands
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text untersucht die Frage, ob in Thomas Hobbes' politischer Theorie ein Widerstandsrecht gegen den Souverän existiert. Dabei wird die Argumentationslinie Hobbes' im Kontext seines Gesellschaftsvertrags und der absoluten Herrschaft des Souveräns analysiert.
- Die Natur des Menschen und die Notwendigkeit des Gesellschaftsvertrags
- Die absolute Macht des Souveräns und die Einschränkung individueller Rechte
- Die Grenzen des Widerstands im Hobbes'schen System
- Rechtliche Möglichkeiten des Untertanen im Falle von Konflikten
- Die Rolle des Gesetzes und der Gerichtsbarkeit in Hobbes' Theorie
Zusammenfassung der Kapitel
Der Text beleuchtet zunächst die Grundzüge von Hobbes' politischer Theorie, die auf der Annahme eines natürlichen Zustands des Menschen basiert, in dem er von Egoismus und Streben nach Macht geleitet ist. Um einen friedlichen Zustand zu erreichen, schließen die Menschen einen Gesellschaftsvertrag ab, der die Macht an einen Souverän delegiert, der absolute Macht über alle besitzt. Der Text beleuchtet die Implikationen dieses Vertrags für die individuellen Rechte der Untertanen und die Frage, ob es in Hobbes' Theorie ein Recht auf Widerstand gegen den Souverän gibt.
Im weiteren Verlauf wird die Möglichkeit des Widerstands gegen den Souverän untersucht. Hobbes argumentiert, dass der Mensch sein Recht auf Selbstverteidigung nicht abgeben kann und daher im Falle einer Bedrohung seines Lebens Widerstand leisten darf. Allerdings wird betont, dass dies nur im Fall einer unmittelbaren Lebensgefahr zulässig ist und nicht bei vermeintlichen Ungerechtigkeiten oder Missverständnissen.
Der Text analysiert anschließend die rechtlichen Möglichkeiten des Untertanen im Falle von Konflikten mit dem Souverän. Hobbes betont die Bedeutung des Rechts auf Klage und die Befugnis des Souveräns, Richter zu ernennen, die über solche Streitigkeiten entscheiden. Der Prozess der Rechtsfindung wird im Detail betrachtet und es wird verdeutlicht, dass auch in Hobbes' System Raum für eine gerechte Behandlung des Untertanen besteht.
Abschließend wird die Frage nach den Grenzen des Widerstands behandelt. Hobbes' Theorie ist eine Gradwanderung, die sowohl die absolute Macht des Souveräns als auch die Notwendigkeit der Selbstverteidigung des Einzelnen berücksichtigt. Der Text verdeutlicht, dass es für den Untertanen Möglichkeiten gibt, seine Rechte durchzusetzen, allerdings unter der Voraussetzung, dass er sich an die Regeln des Gesellschaftsvertrags hält und die Grenzen des Widerstands respektiert.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Gesellschaftsvertrag, Souverän, absolute Macht, Widerstandsrecht, Selbstverteidigung, Recht auf Klage, Rechtssicherheit, Naturzustand, Rechtsstaatlichkeit, politische Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Gibt es bei Thomas Hobbes ein Widerstandsrecht gegen den Souverän?
Grundsätzlich nein, da der Untertan im Gesellschaftsvertrag fast alle Rechte abgetreten hat. Es gibt jedoch eine entscheidende Ausnahme: Das Recht auf Selbstverteidigung bleibt erhalten, wenn das eigene Leben unmittelbar bedroht ist.
Was ist der Zweck des Gesellschaftsvertrags bei Hobbes?
Der Vertrag dient dazu, den anarchischen Naturzustand (Krieg jeder gegen jeden) zu beenden und durch die Übertragung der Macht auf einen Souverän Frieden und Sicherheit zu gewährleisten.
Darf ein Untertan Widerstand leisten, wenn er zum Tode verurteilt wurde?
Nach Hobbes darf ein Mensch physischen Widerstand leisten, um sein Leben zu retten (Selbstverteidigung), da man das Recht auf das eigene Überleben niemals vertraglich aufgeben kann. Dies gilt jedoch nicht als politisches Recht auf Umsturz.
Welche rechtlichen Möglichkeiten hat ein Untertan bei Hobbes?
Untertanen haben das Recht auf Klage. Der Souverän setzt Richter ein, um Streitigkeiten nach geltendem Gesetz zu entscheiden, sofern die absolute Macht des Souveräns dadurch nicht infrage gestellt wird.
Warum ist die Macht des Souveräns bei Hobbes absolut?
Hobbes glaubte, dass nur eine ungeteilte, absolute Macht die Ordnung aufrechterhalten könne. Jede Teilung der Macht würde laut seiner Theorie wieder zurück in den Bürgerkrieg führen.
- Citation du texte
- Bettina Freude-Schlumbohm (Auteur), 2008, Thomas Hobbes: Widerstand - nein Danke?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117415