Familienpolitik - Die ökonomische Rolle der Frau in der Gesellschaft


Hausarbeit, 2008

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Geburtenrückgang und seine Ursachen
2.1 Die Beschäftigungsquoten von Frauen
2.2 Verwirklichung von Kinderwünschen
2.3 Berufsperspektiven von Müttern gegenüber Vätern

3. Familienpolitik im Wandel
3.1 Finanzielle Maßnahmen
3.1.1 Elternzeit und Elterngeld
3.1.2 Absetzbarkeit von Betreuungskosten
3.2 Betreuungsmaßnahmen
3.3 Arbeitszeitmaßnahmen

4. Ökonomische Effekte – Vor- und Nachteile

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff „Familienpolitik“[1] bezeichnet alle verbandlichen und politischen Aktivitäten und die damit verbundenen gesetzgeberischen Maßnahmen, die zum Schutz der Familie dienen. Auch die wirtschaftliche und soziale Förderung von Familien ist in der Bezeichnung beinhaltet, worunter unter anderem beispielsweise Mutterschutz, Elternzeit aber auch Bildungs-, Steuer- oder Kulturpolitik einzuordnen sind. Demnach ist die Familienpolitik als ein Teilgebiet der Sozialpolitik zu verstehen. Nachhaltige Familienpolitik begründet ihren Anspruch auf Gestaltung der Rahmenbedingungen familiären Lebens mit dem Grundsatz, zukünftigen Generationen die gleichen Chancen zur Gestaltung eigener Lebensvorstellungen und Ziele zu ermöglichen, wie das für die jetzt aktive Generation der Fall ist. Ziele einer nachhaltigen Familienpolitik sind einerseits die Sicherung einer ausreichenden Kinderzahl, um der Alterung der Gesellschaft vorzubeugen sowie die Integration der Frauen in das Erwerbsleben, um einem antizipierten Mangel an Fachkräften entgegenwirken zu können.[2]

In dem von uns besuchten Seminar „Die ökonomische Rolle der Frau in der Gesellschaft“ bei Frau Anne-Kathrin Last wurden unterschiedliche Aspekte der Stellung von Frauen in der heutigen Zeit bearbeitet. Wir setzten uns kritisch mit messbaren Unterschieden zwischen Männern und Frauen in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten auseinander. Gerade für uns als angehende Lehrerinnen ist eine Sensibilisierung für die Thematik Gleichstellung zwischen Frauen und Männern von Bedeutung, denn auch in der schulischen Arbeit mit Kindern und deren Ausbildung ist eine gleichberechtigte Behandlung und deren Vermittlung unerlässlich und Teil unseres Erziehungs- und Bildungsauftrags.

Der Schwerpunkt der hier vorliegenden schriftlichen Ausarbeitung liegt dabei auf der Betrachtung der einzelnen Zusammenhänge von Familienpolitik auf der Makroebene. Hierzu betrachten wir zunächst die Beschäftigungsraten der vergangenen Jahre der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich mit den USA und gehen den unterschiedlichen Gründen des anhaltenden Geburtenrückgangs und der Problematik der Verwirklichung von Kinderwünschen nach. Im Anschluss betrachten wir das familienpolitische System unter Bezugnahme der Fragestellung, ob die niedrigen Geburtenziffern sich durch eine veränderte Familienpolitik beeinflussen lassen.

2. Der Geburtenrückgang und seine Ursachen

In der Stadt wird das Familienleben weitgehend von den Ansprüchen einer Industriegesellschaft bestimmt. Auch wenn sich die Familie durchaus ihren patriarchalischen Charakter bewahrt hat, genießen die weiblichen Haushaltsmitglieder die in der Stadt leben einen höheren Status als jene in ländlichen Gebieten. Die Heirat und die finanzielle Versorgung durch den Ehemann sind für die Frauen nicht mehr die einzige Möglichkeit, ihren sozialen Status zu verbessern. Vielfach bedingt die ökonomische Notwendigkeit, dass die Frau zum Haushaltseinkommen beiträgt um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Eine akademische Ausbildung und die Erwerbstätigkeit gerade in Berufen, die eine hohe Qualifikation erfordern, sichern ihr ihre Unabhängigkeit und verhelfen ihr zu gesellschaftlichem Ansehen.

2.1 Die Beschäftigungsquoten von Frauen

Die gestiegene Erwerbstätigkeit von Frauen ist eine der wichtigsten Quellen unterschiedlicher Wachstumsraten wie beispielsweise das Wirtschaftswachstum, das Produktivitätswachstum oder das Bevölkerungswachstum. In den USA beispielsweise ist die Beschäftigungsrate berufstätiger allein erziehender Mütter seit 1975 stetig gestiegen. Waren es damals noch 36,7 %, hat sich diese Zahl bis 1999 nahezu fast verdoppelt auf 61,8 %.[3] Im Laufe der Zeit veränderte sich die gesellschaftliche Einstellung was die Rolle der Frau betrifft. Sie wurde nicht mehr nur als Hausfrau angesehen, es wurde zur Norm einer Mutter auch außerhalb des Haushalts zu arbeiten, selbst wenn sehr junge Kinder vorhanden waren. Allein erziehende Mütter sind hierbei statistisch gesehen öfter erwerbstätig als verheiratete Mütter, was vermutlich in der Notwendigkeit liegt, sich und den Kindern den gewünschten Lebensstandard bieten zu können und nicht in die Armut abzurutschen. Trotzdem waren im Jahr 2000 64,2 % der verheirateten Paare mit Kindern unter 18 Jahren Doppelverdiener, selbst die Hälfte aller Mütter von ein Monat alten Kleinkindern stiegen wieder in ihren alten Beruf ein.[4] Im Jahr 2005 waren EU-weit 61 Prozent der Frauen zwischen 20 und 49 Jahren berufstätig wenn sie Kinder hatten, bei Frauen ohne Kinder hingegen lag die Beschäftigungsrate bei 76 Prozent, heißt es in dem Gleichstellungsbericht der EU-Kommission.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch hier zeigt sich erneut, dass Deutschland im europäischen Vergleich das Schlusslicht ist. Kinder UND Beruf zu vereinbaren scheint demnach in Deutschland immer noch ein Problem darzustellen. Neben Deutschland fällt es insbesondere den südeuropäischen Staaten mit einem traditionellen Rollenverständnis schwer, die Konflikte zwischen Berufstätigkeit und Elternschaft zu lösen. Zusammen mit Spanien, Griechenland und Italien bildet Deutschland das Schlusslicht sowohl bei der Geburtenrate als auch beim Beschäftigtenanteil von Müttern mit Kindern unter fünf Jahren. Während in Portugal, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Österreich sowie Großbritannien über 60 Prozent der Mütter mit kleinen Kindern beschäftigt sind, sind es in Deutschland lediglich 44,3 Prozent und nur 37,1 Prozent der allein erziehenden Mütter. Hinzu kommt, dass im Anschluss an eine familienbedingte Auszeit oft nur eine Teilzeittätigkeit mit geringer Stundenzahl ausgeübt wird, obwohl die Erwerbswünsche deutlich umfangreicher ausfallen. Die traditionell starke Trennung zwischen Familienverantwortung und Berufstätigkeit zeigt sich auch daran, dass Deutschland mit 44,3 Prozent den höchsten Anteil an Alleinverdienerhaushalten hinter Griechenland aufweist.

Es zeigt sich, dass es sowohl hierzulande als auch in den USA geschlechtsspezifische und familienspezifische Unterschiede bezüglich der Einkommen gibt. Nachfolgende Grafik stellt die Gesamtbeschäftigungsrate der Frauen im erwerbsfähigen Alter innerhalb der EU dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1 Anteil der erwerbstätigen Frauen im erwerbsfähigen Alter (15-64 Jahre).[6]

Die obige Grafik zeigt, dass es auch in Europa deutliche Unterschiede in Bezug auf die Beschäftigungsraten bei Frauen gibt. Deutschland befindet sich hier im Mittelfeld, während die skandinavischen Länder die Spitze anführen. Die dort bereits vor Jahrzehnten durchgeführte Umsetzung einer gleichberechtigten Familienpolitik scheint einer der Gründe für diese Spitzenposition zu sein, lässt sich jedoch nur anhand von Vermutungen nachweisen.

2.2 Verwirklichung von Kinderwünschen

Jedoch hat die gestiegene Beschäftigungsrate von Frauen auch unterschiedliche Einflüsse, auch negative, auf die oben erwähnten Wachstumsraten. Je höher der Schulabschluss, umso besser die darauf folgende berufliche Qualifikation und desto mehr Gehalt steht den Frauen zur Verfügung. Diese neuen Möglichkeiten stärken die Frauen von heute, besonders in Akademikerkreisen, in ihrem Selbstbewusstsein. Die Scheidungsraten steigen seit Jahren und immer mehr Männer und Frauen entscheiden sich bewusst gegen Kinder. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, wie zum Beispiel das Vorhandensein eines gesicherten Arbeitsplatzes beider Elternteile, der mit einer Geburt einhergehende Verzicht auf eigene Freizeitaktivitäten und/oder Konsumgüter oder die mit Kindern einhergehenden höheren Kosten.[7] Hinzu kommt, so ergab es eine Umfrage im Auftrag des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, dass in Deutschland besonders Männer sich in den vergangenen Jahren immer mehr auf ein Leben ohne eigene Kinder eingestellt haben. Danach äußerten 23% der befragten Männer, dass sie sich keine Kinder wünschen, demgegenüber stehen bundesweit jedoch nur 11% Frauen mit einem konkreten Wunsch nach Kinderlosigkeit.[8] Die oben angegebenen Gründe führen dazu, dass im Durchschnitt in Deutschland jeder vierte Mann und jede siebte Frau kinderlos bleiben wollen. Diese Zahlen beunruhigen, da es bedeutet, dass drei von sieben Frauen trotz ihres Wunsches nach einem Kind kinderlos bleiben.[9] Gründe hierfür liegen unter anderem darin, dass eine vorab getroffene Entscheidung gegen Kinder meistens nicht mehr verändert wird und die Natur es so will, dass Kinderwünsche von Frauen bekanntlich nicht beliebig lang erfüllt werden können.[10] Je älter eine Frau ist, umso unwahrscheinlicher wird es, dass sie ihren Kinderwunsch verwirklichen kann.

Die nachfolgende Statistik zeigt die durchschnittliche Geburtenzahl einzelner Länder der Europäischen Union. Dadurch wird belegt, dass sich Deutschland unterhalb des europäischen Durchschnitts von 1,5 Kindern je Frau befindet.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbb. 2.2: Quelle: Eurostat

2.3 Berufsperspektiven von Müttern gegenüber Vätern

Heutzutage gehören Kinder für die meisten Männer und Frauen längst nicht mehr zu einem erfüllten Leben dazu, stattdessen scheint man sich selbst und einander zu genügen. Besonders die Emanzipation der Frauen von der klassischen Rolle der Hausfrau und Mutter, wie es teilweise die vorangegangenen Generationen gelebt haben, führt dazu, dass Kinder zu einem Wert unter vielen geworden sind, der das gemeinsame Leben mit Sinn erfüllen könnte. Die Umfrage der Robert Bosch Stiftung ergab, dass von allen kinderlosen Befragten nahezu die Hälfte der Meinung war, dass Kinder für ein erfülltes Frauenleben nicht wichtig seien.[12]

[...]


[1] Schubert, Klaus; Klein, Martina: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006

[2] Rürup.Bert & Gruescu, Sandra, 2003: Nachhaltige Familienpolitik im Interesse einer aktiven Bevölkerungsentwicklung. Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

[3] Hoffmann, Saul D.; Averett, Susan L.: Women and the economy: family work and pay. Pearson Education, Inc., Publishing as Pearson Addison Wesley

[4] Hoffman, Saul; Averett; Susan (2005): Women and the economy, S. 535

[5] http://www.focus.de/politik/deutschland/kinderbetreuung_aid_125968.html (Stand: 10.06.2008, 12:07 Uhr)

[6] Statistisches Bundesamt, 2006: Im Blickpunkt: Frauen in Deutschland 2006, S. 27

[7] Robert Bosch Stiftung (Hrsg.), 2006: Kinderwünsche in Deutschland. Konsequenzen für eine nachhaltige Familienpolitik. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung im Auftrag der Robert Bosch Stiftung GmbH (Charlotte Höhn, Andreas Ette, Kerstin Ruckdeschel). Stuttgart: Robert Bosch Stiftung

[8] Robert Bosch Stiftung, 2006; S. 20

[9] Ruckdeschel, Kerstin, 2004: Determinanten des Kinderwunsches in Deutschland. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 29: 363-386

[10] Robert Bosch Stiftung, 2006; S. 20

[11] Robert Bosch Stiftung, 2006; S. 18

[12] Robert Bosch Stiftung, 2006; S. 28f

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Familienpolitik - Die ökonomische Rolle der Frau in der Gesellschaft
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Die ökonomische Rolle der Frau in der Gesellschaft
Note
2,0
Autoren
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V117416
ISBN (eBook)
9783640195497
ISBN (Buch)
9783640706440
Dateigröße
705 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familienpolitik, Rolle, Frau, Gesellschaft, Rolle, Frau, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Bettina Freude-Schlumbohm (Autor)Ingalisa Krantz (Autor), 2008, Familienpolitik - Die ökonomische Rolle der Frau in der Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117416

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