Expose: Zur Bedeutung des Entwicklungsstandes für den Konfliktverlauf in Besatzungszeiten


Essay, 2007
10 Seiten, Note: 2,0

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Inhaltsverzeichnis

1 THEORIERAHMEN: GEWALT UND TYPISCHER KONFLIKTVERLAUF

2 EMPIRISCHE ÜBERPRÜFUNG DES KONFLIKTVERLAUFS ANHAND DER KONFLIKTE IN KOREA UND DER ELFENBEINKÜSTE – GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE

3 LITERATUR ZUR ÜBERPRÜFUNG DER BEDEUTUNG DES ENTWICKLUNGSTANDES VON STAATEN FÜR DEN ABLAUF VON KONFLIKTSITUATIONEN

1 Theorierahmen: Gewalt und typischer Konfliktverlauf

Nach Galtung gibt es drei Haupttypen von Gewalt: kulturelle, strukturelle und personale Gewalt. Diese und deren Interrelationen können durch den sogenannten „Gewalt-Triangel“ dargestellt werden, wobei es sechs verschiedene Anordnungsmöglichkeiten gibt. Die häufigste Konstellation in Galtungs Sinn stellt kulturelle Gewalt als legitimisierende Komponente dar. Somit kann man sagen, dass strukturelle und personale Gewalt mehr oder weniger eine Manifestation der kulturellen Gewalt im sozialen Miteinander darstellen[1]. Beachtet werden sollte hierbei, dass strukturelle im Gegensatz zur personalen Gewalt oft hintergründiger ist; ein klarer Zusammenhang zum Konfliktursprung ist häufig nicht mehr erkennbar. Genauso verhält es sich zwar mit personaler Gewalt, aber zwischenmenschliche Ausschreitungen sind direkt beobachtbar und der Konfliktraum somit leichter erkennbar.

Nach dieser kurzen Begriffserklärung und der Verbindung der Gewalttypen, soll im folgenden die Logik von Konflikten beziehungsweise deren typische Abfolge abstrakt dargestellt werden Wie bereits dargestellt sind die Wurzeln eines Konfliktes meist in der Tiefenstruktur von Gesellschaften zu suchen, reichen also lange Zeit zurück. Häufig kann hierbei auf bereits bei der Entstehung von Gesellschaften „mitgebrachten“ Vorrechten, z.B. bei der Kolonialisierung verwiesen werden. Solche Ausnahmestellungen eines Teils der Bevölkerung führen beim benachteiligten Teil der Bevölkerung zu relativer Deprivation, sie fühlen sich sozial ungerecht behandelt. Beachtet werden muss hierbei vor allem die Bezugsgruppe. Diese wird zunächst klein sein, nachdem aber die Vormachtstellung der relativ begünstigten Bevölkerung aufrecht erhalten werden soll, wird diese Maßnahmen treffen, um ihre Herrschaft zu festigen und beizubehalten. Dazu gehört unter anderem auch die Erweiterung des Personenkreises.

Handlungen der machthabenden Bevölkerung, die dazu führen, ihre Position zu verfestigen und auszubauen und zumeist gleichzeitig zu einer Verstärkung der Benachteiligung und/ oder Unterdrückung des anderen Bevölkerungsteils, sind in die Struktur der Gesellschaft eingebettet. Sie werden vornehmlich durch Regierungsmaßnahmen durchgeführt und stellen somit strukturelle Gewalt dar. Diese wird wiederum durch kulturelle Gewalt legitimiert – die Vormachtstellung wird durch eine Ideologie, „bessere“ Sprache, Kultur, Nationalität oder Ähnliches begründet.

Durch den Einsatz von struktureller Gewalt und der damit einhergehenden zusätzlichen Benachteiligung der unterprivilegierten Bevölkerung steigt offensichtlich deren relative Deprivation. Oftmals führt dies zu Gegenreaktionen in Form von personaler Gewalt, wie Attentate und/ oder Straßenschlachten.

Solch ein Konfliktverlauf bringt schnell auch eine Art Teufelskreis mit sich: Die machthabende Bevölkerung kann genannte Ausschreitungen nicht dulden und führt Gegenmaßnahmen ein, die wiederum die relative Deprivation der unbegünstigten Bevölkerung verstärken und die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Ausschreitung erhöhen.

2 Empirische Überprüfung des Konfliktverlaufs anhand der Konflikte in Korea und der Elfenbeinküste – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Im Folgenden sollen zwei Einzelfälle auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht werden. Bei der makrosoziologischen komparativen Betrachtung stellt die große Variablenzahl im Vergleich zur eher kleinen Fallzahl eines der Hauptprobleme und Kritikpunkte dar. Deswegen wurden die hier betrachteten Fälle gezielt so ausgesucht, dass bereits vor der Kontrastierung selbst von vielen Gemeinsamkeiten ausgegangen werden kann. Im oben genannten typischen Konfliktverlauf wird von „mitgebrachten Vorrechten“ ausgegangen, darum wurden als Fallbeispiele Nationen gewählt, die durch Kolonialisierung zum Austragungsort von Konflikten wurden: Korea war unter japanischer Herrschaft und die Elfenbeinküste war französische Kolonie. Im Folgenden soll also der oben dargestellte Konfliktverlauf an den genannten Beispielen nachvollzogen werden, um eventuelle Gemeinsamkeiten und / oder Abweichungen ausfindig zu machen, um ausgehend von diesen auf allgemeine Hypothesen schließen zu können.

Die beiden nun unabhängigen Staaten Korea und Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) wurden im Zuge des weltweiten Imperialismus in etwa zur gleichen Zeit annektiert: Korea durch Japan im Jahre 1910 und die Elfenbeinküste wurde 1893 zur französischen Kolonie. In beiden Nationen ist ein Maß an kultureller Gewalt, nämlich die Legitimation der Herrschaftsübernahme durch Imperialismus, Nationalismus und Kolonialismus durch die Kolonialmächte, wobei im Falle der Elfenbeinküste zusätzlich Religion und Ethnie von Bedeutung sind, zu beobachten. In Korea kam es während der Kolonialzeit zu gravierenden Ausschreitungen, die erst durch die bedingungslose Kapitulation Japans beendet werden konnten. Zwar wurde die Machtübernahme der Elfenbeinküste durch Frankreich nicht einfach hingenommen - auch hier strebte die einheimische Bevölkerung nach Unabhängigkeit und verschiedene Gruppen lieferten sich erbitterte Kampfe mit französischen Einheiten. Allerdings gelang es den Franzosen auf Grund der Abwanderung vieler Gegner nach militärischen Niederlagen, Kampagnen zur zentralen Kontrolle und wachsender Sympathien durch wirtschaftliche Erfolge, die Bevölkerung der Côte d’Ivoire zu assimilieren und relativ friedlich zu herrschen. Die Herrschaft Frankreichs, wie auch Japans, endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Kolonialmächte beziehungsweise ihrer Verbündeten. Wo liegen also die Unterschiede in den verschiedenen Nationen begründet?

[...]


[1] Vgl. Galtung, J. (1990): Cultural Violence. In: Journal of Peace Research, Jg.27, H.3, S. 294ff.

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Expose: Zur Bedeutung des Entwicklungsstandes für den Konfliktverlauf in Besatzungszeiten
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Interregionale Konflikte und Ungleichheiten
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V117451
Dateigröße
358 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Expose, Bedeutung, Entwicklungsstandes, Konfliktverlauf, Besatzungszeiten, Interregionale, Konflikte, Ungleichheiten
Arbeit zitieren
Melanie Rottmüller (Autor), 2007, Expose: Zur Bedeutung des Entwicklungsstandes für den Konfliktverlauf in Besatzungszeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117451

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