Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, den Aristotelischen Gerechtigkeitsbegriff und dessen Anwendung auf die Polis zu analysieren und problematische Punkte in Aristoteles Überlegungen aufzuzeigen. Textgrundlage bilden die „Nikomachische Ethik“ und die „Politik“.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung
2. Der Aristotelische Gerechtigkeitsbegriff
2. 1. Universale Gerechtigkeit
2. 2. Partikulare Gerechtigkeit
2. 2. 1. Distributive Gerechtigkeit
2. 2. 2. Kommutative Gerechtigkeit
2. 3. Billigkeit
3. Das Gerechte in der Polis
3. 1. Gerechtigkeit und Gesetz
3. 2. Distributive Gerechtigkeit in verschiedenen Verfassungen
4. Kritische Betrachtung
4. 1. Problematik der Gesetzesgerechtigkeit
4. 2. Gesetzestreue und die Definition von Tugendhaftigkeit
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den aristotelischen Gerechtigkeitsbegriff sowie dessen praktische Anwendung innerhalb der Polis, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen ethischer Tugend, Gesetzestreue und den realen Staatsverfassungen untersucht wird.
- Der aristotelische Gerechtigkeitsbegriff in der Nikomachischen Ethik
- Unterscheidung zwischen universaler und partikularer Gerechtigkeit
- Die Rolle des Gesetzes im Kontext der Polis
- Gerechtigkeit und Verfassungspluralität
- Kritische Auseinandersetzung mit der Gesetzestreue
Auszug aus dem Buch
2. 2. Partikulare Gerechtigkeit
Diese „Teilerscheinung“ der universalen Gerechtigkeit bezieht sich auf die Gleichheit der Bürger und zwar in Bezug auf den Besitz äußerer Güter wie Geld oder auch öffentliche Ämter. Entscheidendes Kriterium dieser Einzeltugend ist das „ Mehr- haben- wollen“ bezüglich äußerer Güter ( „ Pleonexie“ 4), wobei auch hier, wie bei den anderen ethischen Tugenden, eine bestimmte Mitte angestrebt werden soll, da, „ das Gerechte ein Mittleres und [somit ein] Gleiches“ ( NE, 1131a ) darstellt. Diese Mitte gilt es nun in den beiden Grundformen der partikularen Gerechtigkeit, der distributiven und der kommutativen Gerechtigkeit, zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung: Die Einleitung legt das Ziel der Arbeit fest, den aristotelischen Gerechtigkeitsbegriff unter Rückgriff auf die Nikomachische Ethik und die Politik zu untersuchen.
2. Der Aristotelische Gerechtigkeitsbegriff: Dieses Kapitel differenziert zwischen der universalen, legalen Gerechtigkeit und der partikularen Gerechtigkeit, unterteilt in distributive und kommutative Aspekte.
3. Das Gerechte in der Polis: Der Fokus liegt hier auf dem Zusammenhang zwischen Gesetz und Gerechtigkeit sowie der Anwendung der distributiven Gerechtigkeit in unterschiedlichen Staatsformen.
4. Kritische Betrachtung: Eine Analyse der Spannungsfelder zwischen Tugendethik und Gesetzestreue, die kritisch hinterfragt, ob gesetzliches Handeln zwingend eine gerechte Gesinnung voraussetzt.
5. Schlussbemerkung: Ein zusammenfassender Ausblick, der die Schwierigkeiten bei der Vereinigung idealer Paradigmen mit der politischen Realität thematisiert.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Nikomachische Ethik, Gerechtigkeit, Politik, Polis, Tugend, Gesetz, Distributive Gerechtigkeit, Kommutative Gerechtigkeit, Billigkeit, Verfassung, Pleonexie, Gesetzestreue, Ethik, Staatsbürger
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der systematischen Untersuchung des Gerechtigkeitsbegriffs bei Aristoteles und dessen praktischer Relevanz für das politische Zusammenleben in der Polis.
Welche zentralen Themenbereiche werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Einteilung der Gerechtigkeit, das Verhältnis von Gesetz und Tugend sowie die Anwendung gerechter Verteilungsmuster in verschiedenen Verfassungsformen.
Was ist das übergeordnete Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das aristotelische Konzept der Gerechtigkeit darzustellen und kritisch zu prüfen, wo Widersprüche zwischen der theoretischen Tugendethik und der praktischen Gesetzestreue entstehen.
Welche methodische Vorgehensweise wählt der Autor?
Der Autor nutzt eine textanalytische Methode, indem er primär die Nikomachische Ethik und die Politik heranzieht, um Begriffe zu definieren und diese durch Vergleich mit einschlägiger Sekundärliteratur zu hinterfragen.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in die explizite Begriffsbestimmung der Gerechtigkeitsformen, die Rolle der Gesetzgebung im Staat und eine kritische Reflexion über die Vereinbarkeit von persönlicher Tugend und gesetzlichem Handeln.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Aristotelischer Gerechtigkeitsbegriff, Polis, Gesetzestreue, Tugendethik und Verfassungspluralität charakterisieren.
Wie unterscheidet Aristoteles die distributive von der kommutativen Gerechtigkeit?
Die distributive Gerechtigkeit bezieht sich auf die geometrische Proportionalität bei der Verteilung öffentlicher Güter, während die kommutative Gerechtigkeit die arithmetische Gleichheit in vertraglichen Beziehungen zwischen Individuen regelt.
Warum wird die Gleichsetzung von Gesetzestreue und Tugend kritisch hinterfragt?
Die Kritik basiert darauf, dass gesetzestreues Handeln auch aus bloßer Angst vor Strafe erfolgen kann, ohne dass dabei eine tugendhafte innere Grundhaltung vorhanden sein muss, wie sie für die wahre ethische Trefflichkeit erforderlich wäre.
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- Hans Kalt (Author), 2000, Die Gerechtigkeit bei Aristoteles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117460