Der Protest der Hamburger Swing-Jugend im Dritten Reich


Projektarbeit, 1998
10 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zum Begriff der „Swing-Jugend“

2. Wer waren die Hamburger Swings?

3. Zur Motivation, Struktur und Organisation der Hamburger „Swing-Jugend“

4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Hamburger Swings und Pariser Zazous

5. Der Fall Günter Discher

6. Die Repressionsmethoden der Nazis gegen die „Swing-Jugend“

7. Zu den Lagern Uckermark und Mooringen

8. Parallelen zu heutigen Jugendbewegungen

9. Konsequenzen der Hamburger Swingbewegung

10. Literaturverzeichnis

1. Zum Begriff der „Swing-Jugend“

Wer den Begriff der Swing-Jugend geprägt hat, lässt sich nicht feststellen. Wahrscheinlich war er eine Begriffsschöpfung der Nationalsozialisten, deshalb gebrauche ich ihn in Anführungszeichen.

Die Bezeichnung „Swings“ und „Swinger“, wie sie in einigen Texten vorkommen, waren in den Kriegsjahren nicht gebräuchlich.

In frühen Berichten der HJ-Gebietsführung wurden die Jugendlichen, die sich für den Swing begeisterten, als „vollendete Tango-boys“ bezeichnet, obwohl es nicht nur „boys“ waren und auch selten Tango getanzt wurde.

Die Bezeichnung „Tango-boys“ oder „Tango-Jünglinge“ war damals die geläufige Bezeichnung für „tanzliebende Menschen in dekadenten Spelunken“ und diese wurden auch mit der (fast) überwundenen „Systemzeit“ assoziiert, als der Tango in deutschen Großstädten sehr beliebt war.

Mit dem Tango hatten die Swings sehr wenig zu tun, wie es in einem ihrer Lieder zum Ausdruck gebracht wird:

„Wir tanzen Swing, und zwar nach Noten. Wir singen hot, das ist verboten, und wenn die Bullente kommt, dann tanzen wir Tango. Und ist sie wieder weg, dann tanzen wir: Tiger-Rag, Tiger-Rag, Tiger-Rag…“

Anonym 1942

Die swingbegeisterten Jugendlichen bezeichneten sich selbst aber nie als „Swing-Jugend“, sie hatten überhaupt keine geläufige Bezeichnung, denn sie waren weder eine geschlossene Gruppe noch bildeten sie eine Organisation.

Es kam jedoch vor, dass sich einige unter ihnen als „Swing-Boys“, „Hot-Boys“, „Easy-Boys“ oder „Lotter-Boys“ bezeichneten. Mit dem Wort „Lottern“ war das Ideal des freien, unkonventionellen Lebens mondäner Art gemeint. Die weiblichen Swings, denen eine wichtige Rolle innerhalb der Swingbewegung zukam, wurden als „Swing-Girls“, „Lotter-Ladies“, „Jazz-Katzen“ oder „Swing-Babies“ bezeichnet.

Im Volksmund wurden die Swings abwertend als „Swing-Heinis“ bezeichnet, sowohl die ersten „Swingtänzer“ 1936 als auch die spätere „Swing-Jugend“.

Diese Bezeichnung wurde vor allem von Swings aus proletarischem Milieu aufgenommen und mit einigem Stolz verwendet: „Ecke Fruchtallee und Heußweg hatten wir das „Reichs-Kino“. Ein Kino, das für damalige Verhältnisse recht vornehm und elegant war. Die Ecke war ein häufiger Treffpunkt von uns „Swingheinis“.“

2. Wer waren die Hamburger Swings?

Zur sozialen Herkunft der Hamburger Swings lässt sich sagen, dass einige aus gutbürgerlichem, andere aus proletarischem Milieu kamen. Viele von ihnen besuchten das Gymnasium. Sie teilten alle – wie ihr Name schon sagt – die Liebe zum Swing – eine bestimmte Art des amerikanischen Jazz.

Zu dieser Musikliebe gesellte sich eine locker-lässige Lebenseinstellung und die Bewunderung alles Englischen, was sich natürlich auch im Kleidungsstil der Swings zeigte: Der Kleidung kam eine große Bedeutung zu, denn die Swings waren eitel und bestrebt, sich nach außen hin zu präsentieren.

Gedreht, schwarze Schirme waren das deutlichste Erkennungszeichen der bürgerlichen Swings. Sie wurden bei jedem Wetter mitgetragen, aber nie geöffnet.

So konnte man den Swings schon ansehen, was sie vom NS-Ideal des militärischen Mannes dachten.

Einige weitere Erkennungszeichen der Swing-Boys waren die schulterlangen Haare, der maßgeschneiderte Anzug, das sehr lange Jackett mit auffälligem Karomuster, die zum „Windsor-Knoten“ gebundene Krawatte und die Schuhe mit Kreppsohlen.

Auch hatten sie eine spezielle Gangart und Körperhaltung.

Die Swing-Girls trugen auch Hosenanzüge und kleideten sich mondän. Sie passten nicht in das Bild, das die Nationalsozialisten von der deutschen Frau zeichneten, denn sie schminkten sich und zogen sich recht elegant an – womit sie also genau im Gegensatz zum nationalsozialistisch propagierten Frauenbild standen: die deutsche Frau sollte möglichst natürlich und gebärfreudig aussehen. Passend zu ihrem anglophilen Lebensstil redeten sie sich mit englischen Vornamen an.

3. Zur Motivation, Struktur und Organisation der Hamburger „Swing-Jugend“

Die Swings bildeten keine feste Organisation (s. S. 1), sondern nur Freundeskreise und Cliquen. Ihre Treffpunkte waren Cafés und Clubs. Teilweise wurden auch Haus- und Gartenparties veranstaltet.

Die Swings begründeten eine völlig neue Jugendkultur: Das jugendbewegte Fahrtenwesen, das typisch für die HJ war, und auch bei den Edelweißpiraten nicht unbeliebt war, ersetzten sie durch eine auf den Genuss von Konsumgütern ausgerichtete, urbane Lebensform.

Bei der Swingbewegung, die um 1937/38 entstand, handelte es sich um junge Menschen aus großbürgerlichem, anglophilem Milieu, in dem es sowohl jüdische Hamburgerinnen und Hamburger als auch Söhne und Töchter ausländischer Diplomaten und Kaufleute gab.

In dieser Zeit kristallisierten sich Treffpunkte der Swings heraus, die aber noch nicht vom SD und der Gestapo bespitzelt wurden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Protest der Hamburger Swing-Jugend im Dritten Reich
Veranstaltung
Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten
Autor
Jahr
1998
Seiten
10
Katalognummer
V117485
ISBN (eBook)
9783640211883
ISBN (Buch)
9783640211975
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde mit einem Buchpreis ausgezeichnet.
Schlagworte
Protest, Hamburger, Swing-, Jugend, Dritten, Reich, Schülerwettbewerb, Deutsche, Geschichte, Preis, Bundespräsidenten
Arbeit zitieren
Caroline Boller (Autor), 1998, Der Protest der Hamburger Swing-Jugend im Dritten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117485

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