Untersuchung der Publikumsstruktur des Filmclubs sweetSixteen


Seminararbeit, 2005

61 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erkenntnisinteresse

3. Situationsanalyse
3.1. Geografische Einordnung
3.2. Das Veranstaltungsgebäude
3.3. Der Filmclub
3.4. Das Publikum

4. Hypothese zum Forschungsergebnis

5. Kategorien
5.1. Demographische Angaben
5.2. Publikumstypen
5.3. Kommunikation
5.4. Kulturelles Interesse / Clubinteresse
5.5. Publikumseinstellungen

6. Untersuchungsdesign
6.1. Methoden
6.1.1. Befragung der Clubinhaber
6.1.2. Befragung des Publikums vor Ort
6.1.3. Befragung des Stammpublikums
6.2. Befragungsstruktur
6.2.1. Befragung der Clubinhaber
6.2.2. Befragung des Publikums vor Ort

7. Auswertung
7.1. Vorgehensweise
7.2. Demographische Angaben
7.2.1. Zwischenfazit: Demographische Angaben
7.3. Publikumstypen
7.3.1. Zwischenfazit: Publikumstypen
7.4. Kommunikation
7.4.1. Zwischenfazit: Kommunikation
7.5. Kulturelles Interesse / Clubinteresse
7.5.1. Zwischenfazit: . Kulturelles Interesse / Clubinteresse
7.6. Publikumseinstellungen
7.6.1. Zwischenfazit: Publikumseinstellungen

8. Gesamtfazit

9. Quellen- / Literaturverzeichnis

10. Anhang, Abbildungsverzeichnis 2

1. Einleitung

Das vorliegende Projekt zum Seminar „Methoden der Publikumsforschung“ richtete sich auf die Untersuchung der Publikumsstruktur des Filmclubs sweetSixteen in der Dortmunder-Nordstadt sowie auf den Club selbst in Beziehung mit seinem Publikum. Die vorliegende Untersuchung gliedert sich zunächst in der Darstellung des Erkenntnisinteresses bzw. der Forschungsfrage. Dem folgen eine Situations- beschreibung mit geografischer Einordnung des Filmclubs, Darstellung des Veranstaltungsgebäudes und Informationen zum Filmclub selbst. Diese sollen zeigen, dass es sich beim sweetSixteen um kein gewöhnliches Kino handelt. Sowohl seine geographische Lage, Ursprung und Geschichte des Veranstaltungsgebäudes als auch das Konzept des Filmclubs machen das sweetSixteen zu einer gesonderten Kinoart, was bei der Untersuchung des Publikums zu berücksichtigen ist.

Außerdem wird eine persönliche Voreinschätzung der Publikumsstruktur festgehalten. Anschließend wird eine Hypothese zur Publikumsstruktur zusammen mit den Forschungskategorien sowie dem Untersuchungsdesign vorgestellt, welches die verwendeten Methoden zur qualitativen Sozialforschung und die Befragungsweise darlegt. Letztlich folgt die Auswertung der Befragung des Publikums und zum Teil auch die der Clubinhaber, wobei diese lediglich zum Vergleich dienen soll.

Im Anhang befinden sich die Notizen zum Interview mit den Clubinhabern, der zur E- Mail-Befragung herangezogene Fragebogen, die zusammengetragenen Antworten sowie die Auswertungstabellen und Graphiken zu den jeweiligen Fragen.

2. Erkenntnisinteresse

Die Untersuchung der Publikumsstruktur des Filmclubs sweetSixteen stütze sich vor allem auf folgende Forschungsfragen:

Von welchem Publikum wird ein [relativ unbekannter] Filmclub, der u.a. Filmklassiker – darunter sowohl deutsche als auch ausländische Filmproduktionen – auf 16 mm zeigt, besucht und aus welchen Gründen? Handelt es sich bei der Publikumsstruktur eher um Stammpublikum oder Gelegenheitsgänger? Wie hoch ist der Anteil neuer Besucher?

Wie sind die Rezipienten auf diese Möglichkeit des Kinobesuchs aufmerksam geworden?

Was macht den Reiz des Filmclubs aus? Welche Stellenwerte haben Filmvorführung und Clubatmosphäre? Spielen auch das Rahmenprogramm und die anschließende Party eine Rolle?

Die hier oben genannten Aspekte werden der Einschätzung der Clubinhaber gegenübergestellt, um festzustellen, ob die Idee, die mit diesem Club verfolgt wird, auch von dem Publikum in der beabsichtigten Form wahrgenommen wird. Und wo Defizite vorhanden sein könnten.

3. Situationsanalyse

3.1. Geografische Einordnung

Der zu untersuchende Filmclub sweetSixteen befindet sich im Dortmunder Norden im Depot – Zentrum für Handwerk, Kunst, Medien und Nachbarschaft an der Immermannstraße.

Der Dortmunder Norden wird allgemeinhin nicht als „bevorzugte“ Wohngegend angesehen. Dieser Stadtteil ist geprägt von einem sehr hohen Ausländeranteil und gilt als nicht sehr sicheres soziales Umfeld. Dennoch scheint hier eine Art „Kulturszene“ zu entstehen. Eventuell ist das ein Trend.

Um das Stadtbild und den sozialschwachen Status der Nordstadt zu verdeutlichen, sollen folgende Fakten zur Bevölkerungssituation in Zusammenhang mit der geschichtlichen Entwicklung dieses Stadtteils beitragen:

Die Nordstadt ist städtebaulich deutlich geprägt durch den Charakter eines Arbei- terviertels.

Heute leben ca. 55.000 Menschen in der dicht besiedelten Nordstadt. Während ca. 14 % (Basis 2002) aller Dortmunder arbeitslos sind, liegt die Arbeitslosigkeit in der Nordstadt mit 20 – 25 % deutlich höher; jedoch ist im Bereich der Jugendlichen und der Mitbürger/innen mit Migrationshintergrund die Arbeitslosigkeit noch höher. Auch andere soziale Probleme sind in der Nordstadt besonders deutlich. So ist die Zahl der Sozialhilfeempfänger und Sonderschüler gemessen im stadtweiten Vergleich überproportional hoch. Kriminelle Delikte dagegen werden in der Nordstadt nicht häufiger verübt als in anderen Stadtteilen.1

Die „Integrationsmaschine“ Nordstadt führt die einheimische Wohnbevölkerung schon seit rund 150 Jahren mit allen Zuwanderern zusammen. Dies resultiert vor allem aus dem Arbeitskräftemangel der ausgehenden 60er-Jahre, durch den viele ausländische „Gastarbeiter“ in die Nordstadt kamen. In den folgenden Jahrzehnten setzte sich der Zuzug von Menschen mit Migrationshintergrund fort. Im Bereich Hafen macht ihr Anteil ca. 33 %, am Nordmarkt ca. 43 % und am Borsigplatz ca. 50 % an der gesamten Wohnbevölkerung aus. Die meisten Menschen stammen aus dem Mittelmeerraum, rund die Hälfte ist türkischer Herkunft. Sie haben die Nordstadt multikulturell belebt. Ihre Gemüseläden, ihr Freizeitverhalten in den Parks, Restaurants, Teestuben und rund 35 moslemische Moscheen prägen das Bild der Nordstadt mit.2

3.2. Das Veranstaltungsgebäude

Das Depot ist eine Mischung aus Künstlerhaus und Gewerbehof, wobei es sich aber auf keinen von beiden zu sehr festzulegen scheint. Ursprünglich diente das Depot als Straßenbahnhauptwerkstatt der Dortmunder Stadtwerke, welches 1915/16 von den Architekten Karl Pinno und Philipp Bachmann entwickelt wurde. Seit dem Sommer 1995 besteht es als das Depot. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein weitgehend eingeschossiges Bauwerk mit neoklassizistischer Ziegelfassade auf hohem Werksteinsockel und einer inneren filigranen Stahlfachwerkkonstruktion, welche zum Teil mit Ziegelmauerwerk ausgefacht ist. Den Mittelteil des Gebäudes bildete eine Halle, in der sich damals eine Schiebebühne befand. Sie diente dem Transport der Straßenbahnwagen und verlief längs der Achse quer durch den Raum. Von ihr gingen rechts und links die verschiedenen Werkstätten ab, welche heute noch ablesbar sind, z. B. durch die Nummerierung der Werkstattbereiche.3

3.3. Der Filmclub

Die Idee zu dem Filmclub sweetSixteen entstand nach eigenen Angaben am 17.12.2002 von den vier Inhabern Peter Fotheringham, Frank Haushalter, Ingo Schürmann und Suse Solbach aus dem Bedürfnis heraus, den boomenden Multi- plexkinos ein Gegenstück zu bieten bzw. Zuschauern eine Möglichkeit zu bieten, die „guten alten Filme“ auf stilechtem und mittlerweile selten gewordenem 16-mm- Filmformat genießen zu können. Gestartet ist das Projekt dann im September 2003. Gezeigt werden einmal im Monat u. a. Hollywood-Klassiker, relativ aktuelle Filme und b-movies, wobei die Veranstalter Wert darauf legen, dass alles in einem ent- sprechenden Rahmenprogramm abläuft. D.h., die Abende gestalten sich (film-) themenbezogen, z. B. durch eine am jeweiligen Filmthema orientierte Dekoration sowie Lesungen, Konzerte und Ausstellungen mit Unterstützung der entsprechenden Künstler. Daneben wird dem Publikum ein im kostengünstigen Eintrittspreis (5 €) inbegriffenes Buffet, sowie zum abendlichen Ausklang diverse Partyveranstaltungen geboten.4

3.4. Das Publikum

Nach ersten und flüchtigen Beobachtungen tritt das Publikum sehr heterogen auf. D.h. es sind sowohl jüngere als auch Rezipienten mittleren Alters anzutreffen, die wohl überwiegend der „alternativen Szene“ angehörig scheinen. Jedoch hat es den Anschein, dass der ältere Publikumsteil weitestgehend aus Akademikern besteht. Zu detaillierten demographischen und qualitativen Daten kann an dieser Stelle noch keine Aussage getroffen werden. Nähere Informationen erwarten wir nach bzw. durch die Befragung des Publikums.

4. Hypothese zum Forschungsergebnis

Wir vermuten, dass zum Reiz des Clubs eine besondere Atmosphäre beiträgt, die u. a. durch das festgelegte und filmbezogene Rahmenprogramm entsteht, das eine ausgefüllte Abendplanung verspricht – quasi als Extra-Serviceleistung für den Zuschauer.

Des Weiteren scheint auch das Bedürfnis, alte Filmklassiker kennen zu lernen oder die Erinnerung daran wieder aufzufrischen, das Publikum an den Veranstaltungsort zu locken.

Wir nehmen ebenfalls an, dass der Filmclub durch seine komplettierte Abendgestaltung auch eine Plattform des regelmäßigen Zusammentreffens / Wiedersehens von Bekannten bietet; also einen Treffpunkt einmal im Monat darstellt, der schon Verabredungscharakter aufweist oder sich unter dem Publikum als kulturelles Event etabliert hat.

Neues Publikum hingegen gewinnt der Club wahrscheinlich durch Mund-zu-Mund- Propaganda und könnte somit evtl. als Insidertipp gelten.

Zur Publikumsstruktur ist aus ersten Beobachtungen (z. T. durch zwanglose Gespräche mit Clubbesuchern) zu vermuten, dass es sich überwiegend um Studenten und Szenegänger aus dem Kulturbereich handelt, die evtl. über relativ geringes Einkommen verfügen, da der Eintrittspreis auch relativ niedrig gehalten wird (5 €).

5. Kategorien

Die Auswertung der erhaltenen Antworten aus der Befragung des Publikums erfolgte mit den u. g. Kategorien, welche nachfolgend kurz erläutert werden.

5.1. Demographische Angaben

Hier erfolgen Angaben zu den befragten Personen hinsichtlich Geschlecht, Alter, Familienstand, höchstem Bildungsabschluss, derzeitige Beschäftigung und aktuellem Wohnort.

5.2. Publikumstypen

Mit Hilfe der Kategorie „Publikumstypen“ soll die Publikumsstruktur näher bestimmt und vor allem verhaltensrelevante Merkmale des Publikums aufgezeigt werden. In diesem Zusammenhang soll das Verhalten der Besucher im Bezug auf Kultur und Kino, ihre Besuchshäufigkeit und die Publikumsbegleitung untersucht werden.

5.3. Kommunikation

Diese Kategorie soll deutlich machen, welche Möglichkeiten die Besucher in An- spruch nehmen, um sich über das Clubprogramm zu informieren bzw. von welchen Kommunikationsmitteln der Filmclub profitiert.

5.4. Kulturelles Interesse / Clubinteresse

In dieser Kategorie soll vor allem herausgefiltert werden, wie das Publikum kultur- technisch einzuordnen ist und welchen Stellenwert der Filmclub hinsichtlich des kulturellen Freizeitverhaltens der Besucher einnimmt.

5.5. Publikumseinstellungen

Hier werden besonders subjektive Merkmale wie Einstellungen / Interessen der Besucher herausgestellt, um näheres über deren Meinungen und Sichtweisen in Erfahrung bringen zu können. Dies beinhaltet u. a. Aspekte wie Zufriedenheit mit dem Angebot, Filminteresse, Kinobesuchertyp oder Verbundenheit mit dem Kino / Club.

6. Untersuchungsdesign

6.1. Methoden

Da sich unser Untersuchungsgegenstand ausschließlich auf qualitative Publikumsmerkmale richtete, kamen zunächst auch nur qualitative Erhebungsmethoden in Betracht. Vorab durchgeführte Einzelfallstudien zeigten uns jedoch, dass eine eindeutige Methodenfestlegung nicht möglich ist, d. h., dass in die verwendeten Methoden auch immer standardisierte Vorgehensweisen einfließen mussten [weil die Befragten die Antworten nicht immer einzuordnen wussten oder ihnen auf Anhieb keine Antworten einfielen], um die Befragungen erfolgreich durchführen zu können.

Grundsätzlich bildete aber das qualitative Interview den methodischen Rahmen, da dieses am geeignetsten schien, um möglichst viele Informationen zu den Einstellungen und Motiven der Zuschauer und der Clubinhaber zu erfahren. Die genannten Methoden des qualitativen Interviews bei der Befragung der verschiedenen Gruppen (Clubinhaber, Publikum) bildeten den methodischen Schwerpunkt.

6.1.1. Befragung der Clubinhaber

Für möglichst umfassende Informationen zur Entstehungsgeschichte und - Idealen sowie zur Einschätzung des eigenen Publikums beschränkten wir uns hier auf das narrative Interview 5.

Das narrative Interview kennzeichnet sich durch folgende Kriterien:

- ohne wiss. Konzept, wird nachträglich auf den Äußerungen des Befragten aufgebaut

- offene, erzählende Gesprächsführung: Interviewer ist anregend + zugleich zurück- haltend

- Erzählprinzip
-lässt Orientierungsmuster des Handelns erkennen
-beinhaltet implizit eine retrospektive (rückblickende) Interpretation des er- zählten Handelns

- um sich Interpretationen / Orientierungsmustern zu vergewissern, kann und soll der Interviewer nachfragen

- Der Befragte gerät in Zugzwang zu Detaillierung, um Interviewer in die Gesamt- erzählung einzubetten
-man erhält realitätsgerechtere / plausiblere Rekonstruktion des früheren Handelns

- Vertrauensatmosphäre: non-autoritär, kollegial-freundschaftlich, frei gewähren lassend

- narrative Kompetenz des Befragten ist vorausgesetzt

6.1.2. Befragung des Publikums vor Ort

Bei der Befragung des Publikums am Tag der Veranstaltung konzentrierten wir uns in unserem Interviewstil grundsätzlich auf den Typ des problemzentrierten Interviews6.

Das problemzentrierte Interview kennzeichnet sich durch folgende Kriterien:

- bestehendes wiss. Konzept wird im Laufe des Interviews u. / o. am Ende ggf. revi- diert bzw. modifiziert; dabei wird das Konzept grundsätzlich dem Befragten nicht mitgeteilt, um eine suggestive Beeinflussung zu verhindern

- einem Leitfaden zur Orientierung des Interviewers ist statt gegeben

- Unterschiede zum narrativen Interview:

1. Der Interviewer kann Themenbereiche ansprechen oder Fragen dazu stellen, die vom Befragten von sich aus noch nicht angesprochen worden sind
2. Dem Interview kann ein standardisierter Fragebogen vorausgehen, um bei dem Befragten bzgl. der fokussierten Themenbereiche Gedächtnisinhalte zu akti- vieren und eine erste inhaltliche Auseinandersetzung anzuregen.

6.1.3. Befragung des Stammpublikums

Aufgrund dessen, dass der Club am Veranstaltungstag relativ schwach besucht war und um eine möglichst vielfältige und umfassende Informationsbeschaffung zu gewährleisten, wurde zusätzlich das Stammpublikum kurze Zeit nach der Veranstaltung über den E-Mail-Verteiler der Clubinhaber mit einem standardisierten Fragebogen befragt, der dem der Befragung vor Ort glich (siehe Anhang). Insgesamt schickten 16 Clubbesucher den Fragebogen ausgefüllt zurück.

6.2. Befragungsstruktur

6.2.1. Befragung der Clubinhaber

Die Befragung der Clubinhaber wurde am 16. Juni 2005 in den Räumlichkeiten des Depots durchgeführt, welche sich als äußerst formlos bzw. locker gestaltete. Teilnehmer waren von Seiten des Filmclubs die Inhaber Peter Fotheringham, Frank Haushalter und Suse Solbach; Interviewer waren Fiona Schüler und Jasmin Teuteberg. Die Interviewdauer betrug ca. 2 Stunden.

Vorgegangen wurde in der Weise, dass von unserer Seite offene Fragen gestellt wurden, die die Befragten zu umfassenden und detailreichen Antworten anregen sollten. Dabei wurden teils auch andere Fragen gleich mitbeantwortet; die Antworten wurden anschließend durch uns den Fragen entsprechend zugeordnet. Während des Interviews machten wir ausführliche Notizen.

6.2.2. Befragung des Publikums vor Ort

Die Befragung des Publikums vor Ort erfolgte im Rahmen der Veranstaltung vom 24. Juni 2005 im Filmclub sweetSixteen im Depot. Um ca. 20.30 Uhr wurde der Film THE BLUES BROTHERS (USA 1979, John Landis) auf 16-mmm-Format vorgeführt. Die „Gaunerkomödie“ gilt als ein Klassiker der Filmgeschichte. Im Anschluss an den Film sorgte das Timmi Twister Dj-set für Musik zum Tanzen.

Die Befragung wurde hauptsächlich nach der Filmvorführung durchgeführt, da ein großer Teil des Publikums zum ersten Mal da war und eine Befragung vor der Filmvorführung aufgrund der Frageninhalte keinen Sinn gemacht hätte. Befragt wurden alle anwesenden Besucher des Clubs.

Es ist darauf hinzuweisen, dass am Interviewtag sehr sommerliche Temperaturen herrschten und die Räumlichkeiten nicht klimatisiert sind. Aus diesem Grund war die Veranstaltung vermutlich auch nicht sonderlich zahlreich besucht; somit fiel die Grundgesamtheit mit 19 Besuchern relativ gering aus. Laut Angaben der Inhaber würde sich die durchschnittliche Publikumsgröße normalerweise um die achtzig bis hundert Besucher belaufen.

Die Interviewsituation schildert sich wie folgt: Sowohl im Eingangsbereich des Depots vor dem Kino als auch im Kino selbst stellten wir den Besuchern die vorab erarbeiteten, offenen Fragen. Die Interviewer waren mit Klemmbrettern inkl. Fragebögen ausgestattet und standen entweder vor den Befragten oder mit ihnen an Bartischen. Die Antworten wurden in Form von Notizen erfasst. Insgesamt bestand der Fragebogen aus 19 Fragen plus Angaben zur befragten Person (siehe Anhang). Alle Fragen enthielten Antwortkategorien, die die Befragten aber nicht zu sehen bekamen. Die gegebenen Antworten – es waren grundsätzlich Mehrfachantworten möglich – wurden den Kategorien entsprechend durch die Interviewer zugeordnet. Anderweitige Informationen / Antworten, die nicht zuzuordnen waren, wurden gesondert unter der Rubrik „Sonstiges und zwar…“ notiert. Hatte es den Eindruck, der Befragte habe die Frage nicht verstanden oder seine Antwort sei zu einseitig, wurde durch Anregungen versucht, den Befragten auf evtl. weiterführende Informationen aufmerksam zu machen, die er bisher noch nicht genannt hatte.

Vorangegangene Einzelfallstudien dienten lediglich zur eigenen Kontrolle und Überprüfung der Fragebögen auf Funktionsfähigkeit.

7. Auswertung

7.1. Vorgehensweise

Im Anschluss an das Interview mit den Clubinhabern trugen wir unsere Notizen zusammen (siehe Anhang) und ordneten die Antworten den jeweiligen Fragen zu. Die hieraus gewonnenen Angaben dienten uns als eine Art Überblick über das Clubkonzept der Inhaber und ihren Einschätzungen hinsichtlich der Publikumsstruktur. Diese berücksichtigten wir sowohl bei der Erstellung der Fragebögen für die Besucher als auch bei der Auswertung der Antworten.

Nach den Befragungen (vor Ort und per E-Mail) trugen wir die Antworten der Besucher zunächst in einfacher Form zusammen7. Jeder Besucher bzw. jeder ausgefüllte Fragebogen erhielt dabei eine Nummer (von 1 bis 35). Dies ermöglicht zum einen, eventuell einzelne Personen und ihre Antworten genauer zu betrachten und zum anderen eine rückläufige Kontrolle dieser. Die Besucher, die wir direkt vor Ort befragten, wurden von 1 bis 19 nummeriert. Diejenigen, die uns über den E-Mail- Verteiler geantwortet haben, wurden mit den Ziffern 20 bis 35 gekennzeichnet.

Für einen umfassenden Einblick erstellten wir sowohl Tabellen als auch Kreisdiagramme8, in denen die Häufigkeit der gegebenen Antworten festgehalten wurden. Die Graphiken sollten die Informationen für uns und den Leser anschaulicher machen. Es ist darauf hinzuweisen, dass wir die gewonnen Erkenntnisse in absoluten Zahlen wiedergeben, da aufgrund der geringen Grundgesamtheit von 35 Personen eine Prozentangabe die Relationen unrealistisch verzerren würde. Die Ergebnisse unserer Auswertungen stellen also lediglich Tendenzen dar.

Im Folgenden werden die Auswertungen der Befragung vor Ort sowie die E-Mail- Befragung, sofern nicht anders erwähnt, zusammengefasst betrachtet.

7.2. Demographische Angaben

Die Auswertung der demographischen Daten9 bestätigte schon auf den ersten Blick unsere vorherige Vermutung, dass das Publikum von unterschiedlicher Altersstruktur ist; allerdings machten sieben Personen (alle per E-Mail-Befragung) keine Altersangaben. Der jüngste Besucher war an diesem Abend 21, der älteste 63 Jahre alt. Das Durchschnittsalter betrug 35,32 Jahre. Der größte Teil des Publikums (26 Personen), der Angaben zu seinem Alter machte, war zwischen 20 und 50 Jahre alt. Die Geschlechterverteilung war weitestgehend ausgeglichen, wobei auch hier zwei Personen (per E-Mail) keine Angaben machten. An dem Befragungsabend waren zehn weibliche und neun männliche Besucher anwesend. Rechnet man die Personen der E-Mail-Befragung hinzu, handelt es sich insgesamt um 18 weibliche und 15 männliche Clubbesucher.

Außerdem fiel bei der Auswertung auf, dass mindestens 30 Personen das Abitur oder die Fachhochschulreife erreicht hatten, was wir z. T. auch an Angaben höherer Qualifikationen (z. B. Diplom) nachhalten konnten.

Da zu dem Punkt der derzeitigen Beschäftigung nicht immer sehr genaue Angaben gemacht wurden, behielten wir uns vor, diese in der Auswertung weniger zu beachten. Als eine Auffälligkeit schien uns die Tatsache, dass die Mehrheit der angegebenen beruflichen Tätigkeiten (vier Personen machten keine Angaben), keinen direkten kulturellen Bezug hatten. Das sweetSixteen scheint also auch für „Kulturlaien“ einen gewissen Reiz zu haben.

Auch die Angaben zum Familienstand waren sehr unterschiedlich, wobei jedoch auffiel, dass immerhin 16 Personen angaben, Single zu sein.

Bei den Angaben zum Wohnort wurde sehr deutlich, dass ein auffallend großer Teil aus Dortmund und Umgebung kam (drei Personen machten keine Angaben). Von den 23 Besucher aus Dortmund wohnten mindestens drei Personen direkt in der Nordstadt. Dies könnte damit im Zusammenhang stehen, dass die sweetSixteen - Inhaber nach eigenen Angaben, lediglich in Dortmund für ihren Club werben.

7.2.1. Zwischenfazit: Demographische Angaben

Anhand der demographischen Angaben ist festzustellen, dass sich das Publikum bezogen auf Geschlecht, Alter und Beruf verhältnismäßig heterogen strukturiert zeigt. Jedoch scheint die Mehrheit zwischen 20 und 50 Jahre alt zu sein. Schüler und Senioren hingegen sind scheinbar seltenere Clubbesucher.

Dies stimmte mit den Angaben der Clubinhaber überein, die ihre Hauptzielgruppe zwischen 25 und 45 Jahren10, aus Dortmund und Umgebung und als insgesamt eher intellektuell einschätzten. Auch die Aussage, dass keine (bzw. wenige) Ausländer den Club besuchen, schien eine richtige Einschätzung der Inhaber. Bei der optischen Einschätzung der Befragten vor Ort fielen uns direkt zumindest keine Ausländer auf. Dies wirkte vor dem Hintergrund, dass der Club in einer Gegend mit einem sehr hohen Ausländeranteil liegt, recht auffällig.

7.3. Publikumstypen

Bei der Auswertung der ersten Frage11 („Mit wem sind Sie hier? / Mit wem gehen Sie hauptsächlich ins sweetSixteen ?“) ließ sich feststellen, dass ein Großteil der Befragungspersonen den Club mit Freunden, Bekannten oder dem Partner besucht. Hierzu passten auch die Auswertungen von Frage 212 („Wie sind Sie auf den Filmclub aufmerksam geworden?“), aus denen sich ergab, dass 17 Personen durch Freunde und Bekannte auf den Filmclub aufmerksam gemacht worden waren. Unsere Annahme, dass sich das Publikum hauptsächlich durch Mund-zu-Mund- Propaganda erweitert, schien hierdurch gestützt zu werden. Zweitstärkste Informationsquelle bildeten die Flyer.

Die 10. Frage13 („Haben Sie außerhalb der Veranstaltung Kontakt zu anderen Besuchern des Filmclubs?“) bejahten immerhin 19 der 35 Befragten. Auf die 9. Frage14 („In welcher Beziehung stehen Sie zu den Inhabern?“) gaben 18 Personen an, in keiner Beziehung mit den Inhabern zu stehen, d. h. 17 davon standen zum Zeitpunkt der Befragung mit ihnen in einem bekanntschaftlichen (zwei sogar verwandtschaftlichen) Verhältnis.

Der Tatsache, dass auf die 12. Frage15 („Welches Verhältnis haben Sie zu den gezeigten Filmen?“) keine Person antwortete, sie hätte gar kein Verhältnis zu den gezeigten Filmen und es sei ihr egal, welcher Film gezeigt würde, entnahmen wir, dass es sich bei den Besuchern im Allgemeinen um ein filminteressiertes Publikum handele (hierzu mehr in Kapitel 7.5.).

[...]


1 Vgl. http://www.innenstadtnord.dortmund.]de/project/themen/stadtportrait/geschichte/geschichte.j sp.

2 Ebd.

3 http://www.depotdortmund.de/depot3.html.

4 http://www.sweetsixteen-filmclub.de/gelb.html.

5 Vgl. Lamnek, 1995, Kapitel „Narratives Interview“.

6 Vgl. Lamnek, 1995, Kapitel „Problemzentriertes Interview“.

7 Vgl. Abb. 3.

8 Vgl. Abb. 4 – 23b.

9 Vgl. Abb. 23a und 23b.

10 Vgl. Abb. 1.

11 Vgl. Abb. 4.

12 Vgl. Abb. 5a und 5b.

13 Vgl. Abb. 13.

14 Vgl. Abb. 12.

15 Vgl. Abb. 15.

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Untersuchung der Publikumsstruktur des Filmclubs sweetSixteen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (IfM - Institut für Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Methoden der Publikumsforschung
Note
1,0
Autoren
Jahr
2005
Seiten
61
Katalognummer
V117521
ISBN (eBook)
9783640198795
ISBN (Buch)
9783640198986
Dateigröße
730 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Publikumsstruktur, Filmclubs, Methoden der Publikumsforschung
Arbeit zitieren
B.A. Jasmin Teuteberg (Autor)Fiona Schüler (Autor), 2005, Untersuchung der Publikumsstruktur des Filmclubs sweetSixteen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117521

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