Ist der Tritonus, die drei Ganztonschritte umgreifende, übermäßige Quarte, tatsächlich das vielzitierte ominöse Teufelsintervall? Oder ist das alles nur mittelalterlicher Aberglaube?
Was an diesem vermeintlichen Aberglauben tatsächlich dran ist, versucht die vorliegende Studie auf ebenso anschauliche wie fachlich profunde Weise zu ergründen.
Es sieht auf den ersten Blick nach grauer Theorie aus, hat in Wahrheit aber mehr mit uns zu tun als manche zu meinen glauben. Denn nichts spiegelt Musik untrüglicher wider als unsere innersten Zwiespältigkeiten, Sehnsüchte und Ängste.
Inhaltsverzeichnis
1. Was für ein Intervall ist der Tritonus und welche besondere Bewandtnis hat es mit ihm ?
2. Was stellt der Tritonus in Frage ?
3. Auf welche Weise betreibt der Tritonus seine Obstruktion ? Was richtet er damit an ?
4. Was kommt als Alternative für eine vom Tritonus freie oder erlöste Musik in Frage ?
5. Welchen Gewinn tragen die Kräfte, die man dem «zivilisierten Teufel» so geschickt «abzuluchsen» versteht, ein und welche Gefahren bergen sie mit sich ?
6. Wie funktioniert ein intakter «Tritonusofen» ?
7. Was geschieht, wenn trotz der auch konstruktiven Erscheinungsweise des Tritonus sein Feuer außer Rand und Band zu geraten droht ?
8. Der Tritonus als integraler Bestandteil des selben Systems, dem auch Quinten und Quarten angehören.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Tritonus in der Musikgeschichte und -theorie, hinterfragt seinen Ruf als „diabolus in musica“ und analysiert seine Funktion als integraler Bestandteil harmonischer Systeme.
- Historische Wahrnehmung des Tritonus von der Musica enchiriadis bis zu Paul Hindemith
- Die konstruktive Funktion des Tritonus innerhalb von Skalen und Modulationen
- Der Tritonus als treibende Kraft in harmonischen Wendungen und Opernkompositionen
- Das System der „Vielheit in Ganzheit“ im Kontext von Quintenrad und Enharmonik
Auszug aus dem Buch
1. Was für ein Intervall ist nun dieser Tritonus und welche besondere Bewandtnis hat es mit ihm?
Wortwörtlich heißt Tritonus «Dreiton», womit drei Ganztonschritte gemeint sind. Machen wir selbst den Versuch und spielen auf einem Musikinstrument, am besten auf einem Klavier, eine aus drei Ganztonschritten bestehende Tonfolge, z. B. c - d - e - fis oder c - b - as - ges. Unser erster spontaner Höreindruck: hier wird etwas angestoßen aber nicht zu Ende geführt - oder: hier fehlt noch was, hier müsste noch etwas kommen. Als nächstes schlagen wir die beiden Rahmentöne c - fis oder c- ges an und unser Gefühl bestätigt nicht nur prompt unseren vorherigen Höreindruck sondern geht noch darüber hinaus, indem es Empfindungen registriert wie solche:
hier bleibt eine bohrende, «aufdringliche» Frage im Raum stehen, und diese Frage klingt unheimlich. Mehr noch: es wird etwas angezweifelt und in Frage gestellt, worauf man sich eigentlich verlassen möchte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was für ein Intervall ist der Tritonus und welche besondere Bewandtnis hat es mit ihm ?: Einführung in die Definition des Tritonus als Intervall aus drei Ganztonschritten und dessen psychologische sowie ästhetische Wirkung.
2. Was stellt der Tritonus in Frage ?: Analyse des Tritonus als Intervall, das die harmonische Stabilität und die Orientierung im Tonraum herausfordert.
3. Auf welche Weise betreibt der Tritonus seine Obstruktion ? Was richtet er damit an ?: Untersuchung der destruktiven und zugleich verändernden Kraft des Tritonus gegenüber reinen Intervallen wie Quarte und Quinte.
4. Was kommt als Alternative für eine vom Tritonus freie oder erlöste Musik in Frage ?: Betrachtung der pentatonischen Musik als mögliche, wenngleich für die abendländische Kultur unzureichende Alternative zum tritonischen System.
5. Welchen Gewinn tragen die Kräfte, die man dem «zivilisierten Teufel» so geschickt «abzuluchsen» versteht, ein und welche Gefahren bergen sie mit sich ?: Diskussion über die produktive Nutzbarmachung der Energie des Tritonus, sofern dieser unter Kontrolle gehalten wird.
6. Wie funktioniert ein intakter «Tritonusofen» ?: Erläuterung der tonalen Einbettung des Tritonus in Dur- und Moll-Systemen und seiner Rolle bei Modulationen.
7. Was geschieht, wenn trotz der auch konstruktiven Erscheinungsweise des Tritonus sein Feuer außer Rand und Band zu geraten droht ?: Fallbeispiele aus dem „Freischütz“ und Wagners „Ring“ verdeutlichen die dramatische Gefahr des Tritonus, wenn er seine Bindung an das tonale System verliert.
8. Der Tritonus als integraler Bestandteil des selben Systems, dem auch Quinten und Quarten angehören.: Theoretische Herleitung der Systemimmanenz des Tritonus im Quintenzirkel und sein Beitrag zur Stabilität der enharmonischen Musikwelt.
Schlüsselwörter
Tritonus, Diabolus in musica, Musiktheorie, Harmonie, Konsonanz, Dissonanz, Quintenzirkel, Enharmonik, Modulation, Freischütz, Richard Wagner, Paul Hindemith, Tonsatz, Tonart, Akkordik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der musiktheoretischen und historischen Einordnung des Tritonus, der traditionell als „diabolisch“ galt, jedoch als essenzielles Element harmonischer Systeme verstanden werden muss.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die physikalisch-mathematischen Grundlagen der Intervalle, die historische Entwicklung der Musikkritik am Tritonus sowie seine praktische Funktion in der Kompositionslehre.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Tritonus nicht mehr als Störfaktor, sondern als systemimmanenten „Baustein“ zu begreifen, der Stabilität und harmonische Dynamik in der abendländischen Musik erst ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor kombiniert musiktheoretische Analysen (Intervalle, Skalen, Akkordik) mit einer historisch-geisteswissenschaftlichen Betrachtung und greift dabei auf Zitate und musikalisches Fachwissen zurück.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise des Tritonus in verschiedenen Skalen, seine Rolle bei der Modulation und seine dramatische Verwendung in bekannten Werken des Musiktheaters.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Tritonus, Systemimmanenz, harmonische Stabilität, Diabolus in musica und enharmonische Modulation.
Inwiefern beeinflusst der Tritonus die Stabilität von Dur- und Moll-Skalen?
Der Tritonus fungiert als energetischer Motor, der in einem korrekt funktionierenden System („Tritonusofen“) die Auflösung zur Tonika erzwingt und somit harmonische Spannungen erst erzeugt.
Warum wird der Tritonus im Zusammenhang mit Wagners „Ring“ erwähnt?
Das Ringmotiv zeigt exemplarisch, wie der Tritonus durch seine dissonante Struktur Macht und Verführung musikalisch darstellt, bevor er in einen hoffnungsvollen Kontext überführt wird.
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- Dr. phil. Veit Gruner (Author), 1999, Das Tritonus-Intervall. Bedeutung, Besonderheiten und Alternativen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117522