Der Erfolg eines Unternehmens hängt nicht mehr nur von der Qualität seiner Geschäftstätigkeit ab, sondern wird immer mehr auch durch die Öffentlichkeit beeinflusst. Die Erfüllung der gesellschaftlichen Erwartungen hat für viele Unternehmen eine existentielle Bedeutung. Dabei spielt nicht nur die Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben, sondern v.a. auch die von ethischen Prinzipien eine entscheidende Rolle. Der Druck auf Unternehmen sich jederzeit rechtskonform und ethisch einwandfrei zu verhalten wächst somit ständig. Zukünftige Kunden und Investoren richten sich bei möglichen Geschäftsabschlüssen nicht mehr ausschließlich nach dem Preis, sondern verstärkt auch nach dem Image des jeweiligen Unternehmens. Das Image wiederum ist stark von der Übernahme von ethischer und sozialer Verantwortung abhängig. Zusätzlich wird jedes Fehlverhalten eines Unternehmens, insbesondere ethische Vergehen, immer zeitnaher geahndet und hat sofortigen Einfluss auf das Firmenimage. Um zu verhindern, dass einem Unternehmen geschadet wird, sollte ein strukturiertes Compliance-Programm implementiert und auch gelebt werden. Aufgrund persönlicher Interessen in Bezug auf Compliance und dessen Konzepte in der Praxis ist die vorliegende Arbeit wie folgt strukturiert:
In einem ersten Kapitel wird der Begriff Compliance zunächst definiert. Anschließend werden rechtliche und ethische Prinzipien vorgestellt, wobei hier nicht der gesamte Umfang berücksichtigt werden kann, sondern nur Ansätze und Ausschnitte der Vielfalt. Weiterhin werden die Ziele von Compliance in fünf Schwerpunkten dargestellt und in einer Zusammenfassung die Kernaussagen bezüglich der ethischen Dimension resümiert.
Das zweite Kapitel stellt das Compliance-Programm der Siemens AG vor. Dieses Beispiel wurde gewählt, da zum einen persönliche Kontakte bestehen und zum anderen die Compliance-Thematik derzeit in der Siemens AG ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur ist. Dafür werden die drei Hauptbereiche des Konzeptes vorgestellt und abschließend noch einmal mit Blick auf die ethische Dimension zusammengefasst.
In dem dritten Kapitel wird im Ansatz diskutiert, ob die ethische Dimension des Compliance ein notwendiger Bestandteil eines Konzeptes ist oder ob die rechtlichen Grundlagen für eine erfolgreiche Unternehmensführung ausreichend sind.
Inhaltsverzeichnis
1 WAS IST COMPLIANCE
1.1 BEGRIFFSDEFINITION
1.2 RECHTLICHE UND ETHISCHE PRINZIPIEN IN DEUTSCHLAND
1.2.1 Rechtliche Prinzipien
1.2.2 Ethische Prinzipien
1.3 ZIELSETZUNGEN
1.3.1 Sicherstellung von gesetzes- und ethisch konformem Verhalten
1.3.2 Qualitätssicherung
1.3.3 Sicherung der Unternehmenskultur und -ethik
1.3.4 Prävention
1.3.5 Mehrwertschöpfung
1.4 ZUSAMMENFASSUNG
2 DAS COMPLIANCE-PROGRAMM DER SIEMENS AG
2.1 VORBEUGEN
2.2 ERKENNEN
2.3 REAGIEREN
2.4 ZUSAMMENFASSUNG
3 COMPLIANCE IM DISKURS VON NOTWENDIGKEIT UND HINDERNIS
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die ethische Dimension innerhalb von Compliance-Programmen in Unternehmen. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob ethische Prinzipien einen notwendigen Bestandteil moderner Compliance-Konzepte darstellen oder ob sie hinter rechtlichen Anforderungen zurücktreten bzw. diese lediglich ergänzen.
- Definition und Abgrenzung von Compliance in Theorie und Praxis.
- Analyse rechtlicher und ethischer Grundlagen für Unternehmen in Deutschland.
- Detaillierte Vorstellung des Compliance-Programms der Siemens AG als Praxisbeispiel.
- Diskurs über die Notwendigkeit versus den Hindernischarakter ethischer Normen im Unternehmensalltag.
- Untersuchung der Rolle des Faktors Mensch bei der Implementierung von Compliance.
Auszug aus dem Buch
1.1 Begriffsdefinition
Der Begriff des Compliance hat seinen Ursprung in der angelsächsischen Rechtsterminologie (vgl. Hauschka 2007: 2) und beinhaltete zunächst die Offenlegung der Finanzströme auf freiwilliger Basis. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wurden sie gesetzlich verankert und die Kapitalgesellschaften wurden in diesem Zusammenhang für kriminelle Handlungen ihrer Mitarbeiter strafrechtlich verfolgt. Seit 1994 wurde das Compliance-Modell in das deutsche Wirtschaftsrecht eingeführt (vgl. Hofstetter 1999: 178f).
Im deutschen Sprachgebrauch ergibt sich eine grundsätzliche Differenzierung des Begriffes Compliance aufgrund der verschiedenen Forschungsdisziplinen. So wird der Begriff Compliance in der Medizin und Psychologie als „Bereitschaft des Patienten zur Mitarbeit bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen“ (Pschyrembel 1998: 296, zitiert nach Dullinger 2001: 24) definiert. Diese Definition impliziert zwei unterschiedliche Ansätze: Zum einen das gegenseitige Einverständnis bei Willensbekundungen und zum anderen eine „eher einseitige Bereitschaft, sich am Willen der anderen Seite zu orientieren ...“ (Dullinger 2001: 24).
Im Vergleich dazu wird Compliance im betriebswirtschaftlichen Sinne als ein systematisches Konzept und Instrument der Führungskontrolle verstanden (vgl. Dullinger 2001: 29). An dieser Stelle soll angemerkt werden, dass sich die vorliegende Arbeit ausschließlich auf die betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise spezialisiert und auch nur diese im Folgenden näher beschreibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 WAS IST COMPLIANCE: Dieses Kapitel definiert den Begriff Compliance aus betriebswirtschaftlicher Perspektive und beleuchtet die rechtlichen sowie ethischen Rahmenbedingungen in Deutschland sowie die strategischen Ziele eines Compliance-Programms.
2 DAS COMPLIANCE-PROGRAMM DER SIEMENS AG: Es wird das Compliance-Programm der Siemens AG anhand der drei Säulen Vorbeugen, Erkennen und Reagieren detailliert vorgestellt und auf seine praktische Umsetzung hin analysiert.
3 COMPLIANCE IM DISKURS VON NOTWENDIGKEIT UND HINDERNIS: Dieses Kapitel diskutiert kritisch, ob die ethische Dimension innerhalb eines Compliance-Konzeptes eine zwingende Notwendigkeit darstellt oder durch rechtliche Vorgaben bereits abgedeckt ist.
Schlüsselwörter
Compliance, Unternehmensethik, Siemens AG, Rechtliche Grundlagen, Corporate Responsibility, Compliance-Programm, Business Conduct Guidelines, Unternehmensführung, Prävention, Compliance-Kultur, Integrität, Risikomanagement, Wirtschaftsrecht, Ethik, Unternehmensimage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der ethischen Dimension in Compliance-Programmen und untersucht das Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Anforderungen und ethischen Normen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen Begriffsdefinitionen, rechtliche und ethische Prinzipien, die praktische Ausgestaltung am Beispiel Siemens sowie die Diskussion über den Mehrwert von Ethik in der Unternehmensführung.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die ethische Dimension eines Compliance-Konzepts ein notwendiger Bestandteil ist oder ob rechtliche Grundlagen für eine erfolgreiche Unternehmensführung ausreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse in Kombination mit einer fallbezogenen Analyse des Compliance-Programms der Siemens AG.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung von Compliance-Konzepten, die detaillierte Darstellung des Siemens-Compliance-Programms (Vorbeugen, Erkennen, Reagieren) und eine diskursive Auseinandersetzung mit der ethischen Dimension.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Compliance, Unternehmensethik, Rechtssicherheit, Corporate Responsibility und Risikoprävention.
Warum wurde die Siemens AG als Fallbeispiel gewählt?
Die Siemens AG wurde gewählt, da das Thema Compliance dort einen zentralen Stellenwert in der Unternehmenskultur einnimmt und der Autorin zudem persönliche Kontakte zum Unternehmen bestanden.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin hinsichtlich der Ethik in Compliance?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass ethische Grundsätze für die Unternehmenskultur zwar wichtig sind, viele davon jedoch bereits gesetzlich verankert sind, was die Notwendigkeit einer gesonderten ethischen Definition relativiert.
- Quote paper
- Sabrina Wolfframm (Author), 2008, Die ethische Dimension des Compliance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117528