Die AIDS-Phobie in Öffentlichkeit und Gesellschaft

Oder: Vom Unglück, HIV-negativ zu sein


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. AIDS - Die neue Seuche des 20./21. Jahrhunderts

2. Die AIDS-Phobie
2.1 Allgemeine Beschreibung einer Phobie
2.2 Die AIDS-Angst als hypochondrisches Syndrom
2.3 Entstehungsbild und weitere Kennzeichen
2.4 Auslösende Momente
2.5 Die Psychodynamik der AIDS-Phobie
2.5.1 Verschiebung eines unbewussten Konflikts
2.5.2 Sekundärer Krankheitsgewinn
2.6 Behandlungsansätze

3. Exemplarisches Fallbeispiel und dessen Diskussion

4. Ausblick

5. Quellenangaben

Literaturverzeichnis

Internetquellen:

1. AIDS - Die neue Seuche des 20./21. Jahrhunderts

Die ersten Fälle von AIDS wurden im Juli 1981 von der New York Times dokumentiert. Seitdem liegt das Augenmerk der ganzen Welt auf dieser tödlich verlaufenden Krankheit. Diese Erkrankung bringt eine katastrophale Schwächung des Immunsystems mit sich, der Mensch wird wehrlos gegen jegliche Art von Krankheitserregern. Das Aquired Immune Deficiency Syndrom (AIDS) hat auf Grund dieser keinen einheitlichen Krankheitsverlauf und kein einheitliches Krankheitsbild, sondern kann wegen ungefähr 20 verschiedenen Krankheiten tödlich wirken, so zum Beispiel durch Grippe, Tumore oder Lungenentzündung. Bei dem Erreger, der AIDS, das letzte Stadium nach der Infektion verursacht, handelt es sich um das sogenannte HI-Virus (Humanes Immundefekt Virus). Dem Körper gelingt es nach einer Infektion mit Virus nicht, ihn zu vernichten - er bildet zwar Antikörper aus, aber diese bewirken nichts. Anhand dieser Antikörper lassen sich die Träger eines HI-Virus mit einem Test identifizieren. Enthalten ist dieser Virus in sämtlichen Körperflüssigkeiten des Menschen, also im Blut, Sperma, in der Scheidenflüssigkeit, im Speichel, in der Muttermilch und in der Tränenflüssigkeit. Die Ansteckung erfolgt dadurch, dass der Virus über eine solche Flüssigkeit in die Blutbahn eines anderen Menschen gelangt, also hauptsächlich durch offene Hautverletzungen, durch Schleimhäute von Mund, Scheide, Penis oder After - folglich durch sexuelle Kontakte sowie durch Blutübertragung in Form von Transfusionen oder dem Austausch von benutztem Spritzenbesteck bei Drogenabhängigen. Die Virusmengen im Speichel oder in den Tränen sind allerdings so gering, dass man eine Ansteckung durch solche Flüssigkeiten ausschließen kann.

Meistens können Menschen, die sich mit HIV infiziert haben, noch jahrelang beschwerdefrei leben. Das Immunsystem wird nach und nach geschwächt, bis schließlich das Krankheitsbild AIDS diagnostiziert wird, welches durch Beschwerden und Organdefekte definiert ist. Ungefähr 50 % der Infizierten erkranken innerhalb der nächsten zehn Jahre, zur Hauptbetroffenengruppe gehören homo- und bisexuelle Männer und Drogenabhängige. Weltweit sind ca. 42 Millionen Menschen infiziert, 71% davon leben in Afrika, in Deutschland gibt es insgesamt ungefähr 38.000 Infizierte[1].

AIDS zieht darüber hinaus massive gesellschaftliche und politische Konsequenzen nach sich, man muss lernen, sensibler im Umgang mit anderen zu werden.

So verbreitete diese Krankheit vor allem Mitte der 80er Jahre in Deutschland Angst und Schrecken. Zu dieser Zeit nämlich häuften sich teilweise reißerische Nachrichten in den Medien über AIDS, die die Menschen verunsicherten.

Diese Angst kann bei manchen Menschen auch zu einem pathologischen Phänomen führen, das vor allem Menschen betrifft, die nicht unmittelbar durch die Gefahr einer Ansteckung mit AIDS bedroht sind, also nicht zur Hauptbetroffenengruppe zählen. 1985/86 wurde der Begriff „AIDS-Phobie“ Sammelbegriff für die verschiedenen Erscheinungen einer irrational übertriebenen Angst, infolge der Menschen negative HIV-Tests nicht anerkennen und Theorien entwickeln, die beweisen, dass sie sich wider aller Argumente doch infiziert haben. Diese Entwicklung soll im Folgenden genauer untersucht werden.

2. Die AIDS-Phobie

Unter dem Oberbegriff AIDS-Phobie werden die phobische Ansteckungsangst und die hypochondrische Angst, bereits erkrankt zu sein, zusammengefasst. Da es zwischen diesen zwei Formen von Ängsten eindeutige Unterschiede gibt, wird zunächst die Phobie genauer dargestellt und im Anschluss daran das hypochondrische Syndrom.

2.1 Allgemeine Beschreibung einer Phobie

Eine Phobie ist eine unangemessene, anhaltende, entgegen besserer Einsicht zwanghaft sich aufdrängende Angst vor eng umschriebenen Objekten oder Situationen. Diese Angstgefühle oder auch Panikattacken führen zu Vermeidung und einer ängstlichen Erwartungshaltung, so dass das alltägliche Leben der Betroffenen massiv eingeschränkt wird. Solche Anfälle sind nicht willentlich kontrollierbar und dem Betroffenen helfen keine Erklärungen zur Linderung dieser Attacken.

Marks unterteilt die Phobie in frei flottierende Angstzustände, in Zwänge und Krankheitsängste, in soziale Ängste, Tierphobien, Agoraphobien und in verschiedene spezifische Phobien[2]. Diese Klassifikation wurde weitgehend übernommen. Die AIDS-Angst wäre demnach eher den Zwängen und Krankheitsängsten zuzuordnen. Die Furcht des AIDS-Phobikers führt zu häufigen Angstattacken und einer phobischen Vermeidung von möglichen sexuellen Partnern.

2.2 Die AIDS-Angst als hypochondrisches Syndrom

Dennoch kann die AIDS-Phobie nicht ausschließlich den Phobien zugeordnet werden, da sie hypochondrische Symptome im Extremfall mit hypochondrischem Wahn in sich vereint. Unter einem hypochondrischem Syndrom versteht man die gestörte Beziehung einer Person zum eigenen Körperbild, das meint nach DSM-IV eine übermäßige Beschäftigung mit der Angst oder Überzeugung, eine ernsthafte Erkrankung durch Fehlinterpretation körperlicher Symptome zu haben. Der Patient beschäftigt sich demnach vorzugsweise und differenziert mit seinem Körper und seinen Organen. Des Weiteren gehört zu den Merkmalen das Aufsuchen verschiedener Ärzte, aber der Betroffene beschäftigt sich trotz Rückversicherung auf seine Gesundheit immer noch mit seiner angeblichen Krankheit. Diese Sorge kann auch im Wahn enden und beeinträchtigt den Betroffenen in seinem sozialen und beruflichen Leben.

Die hypochondrischen Symptome der AIDS-Angst, also nächtlicher Schweißausbruch, erhöhte Temperatur sowie Hautausschlag, entsprechen den Anfangssymptomen von AIDS - diese Tatsache steigert die Gewissheit und den Wahn des Hypochonders noch, infiziert und erkrankt zu sein. Auch von negativen HIV-Tests lässt sich der angeblich Erkrankte nicht überzeugen und veranlasst stattdessen einen Test nach dem anderen in unterschiedlichen Einrichtungen.

[...]


[1] Stand Ende 2003, Quelle: www.chemnitz.aidshilfe.de/zahlen.htm

[2] Jäger (Hrsg.), 1987, S.27

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die AIDS-Phobie in Öffentlichkeit und Gesellschaft
Untertitel
Oder: Vom Unglück, HIV-negativ zu sein
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Klinische Psychologie und Psychotherapie)
Veranstaltung
Vorlesung Tiefenpsychologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
12
Katalognummer
V117545
ISBN (eBook)
9783640200030
ISBN (Buch)
9783640205790
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
AIDS-Phobie, Unglück, HIV-negativ, Vorlesung, Tiefenpsychologie
Arbeit zitieren
Dipl.-Psych. (Univ.) Cindy Bönhardt (Autor), 2004, Die AIDS-Phobie in Öffentlichkeit und Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117545

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