Ziel dieser Arbeit soll es einerseits sein, die Entstehung der Bilingualismus Situation in Kamerun darzulegen und andererseits deren Konfliktpotenzial in der Gegenwart zu beleuchten. Für ein besseres Verständnis dieser Thematik werden zuerst die Termini Bilingualität, Soziolinguistik und Sprachpolitik definiert. Der daran anschließende Hauptteil der Arbeit besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil wird die Entstehung des in der Verfassung festgelegten Bilingualismus aus einer historischen Perspektive veranschaulicht. Zusätzlich zur historischen Betrachtung soll eine Untersuchung der Sprachpolitik zu den verschiedenen Zeiten der Geschichte Kameruns erfolgen. Dazu wird vordergründig die Sprachpolitik im Bildungssystem und der Umgang mit den indigenen Sprachen untersucht.
Im zweiten Teil der Arbeit soll dann ermittelt werden, ob die Sprachpolitik in der Geschichte Kameruns und die daraus resultierende Bilingualität den Katalysator für die anglophonen Krise darstellen und welche Rolle die gegenwärtige Sprachpolitik in der Krise spielt. Für diesen Zweck wird die gegenwärtige Sprachpolitik in den Universitäten, der Administration und der Übersetzung von offiziellen Dokumenten untersucht. Zum Schluss dieser Arbeit werden die beiden Forschungsfragen zusammengeführt und anhand der Erkenntnisse des Hauptteils beantwortet.
In dieser Arbeit soll der Bilingualismus in Kamerun nicht aus einer allgemein sprachwissenschaftlichen Perspektive untersucht werden, sondern aus der Perspektive der angewandten Sprachwissenschaft, genauer gesagt der Soziolinguistik mit dem Schwerpunkt auf der Sprachpolitik. In dieser Arbeit wird demnach nicht auf allgemein linguistische Kerngebiete wie die Morphologie, Phonologie oder Lexikologie eingegangen. Aus dem Gebiet der Soziolinguistik wird ausschließlich die Sprachpolitik und deren Folgen für die Gesellschaft beleuchtet. Andere soziolinguistische Aspekte wie die Varietätenlinguistik, die Diskursanalyse oder der Sprachwandel sollen nicht behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen wichtiger Termini
2.1.Bilingualismus - Begriffsbestimmung
2.2.Soziolinguistik - Begriffsbestimmung
2.3.Sprachpolitik - Begriffsbestimmung
3. Entstehung der Bilingualismus Situation
3.1.Kamerun unter deutscher Kolonialherrschaft
3.1.1. Sprachpolitik
3.2.Französisch-Britisches Mandat
3.2.1. Sprachpolitik – Britisch-Kamerun
3.2.2. Sprachpolitik – Französisch-Kamerun
3.3.Kameruns Unabhängigkeit
3.3.1. Französisch-Kamerun
3.3.2. Britisch-Kamerun
3.3.3. Vom Föderalismus zum Zentralismus
4. Konsequenzen – die anglophone Krise
4.1.Der Konflikt
4.2.Sprachpolitik
4.2.1. Administration
4.2.2. Übersetzung von offiziellen Dokumenten
4.2.3. Universität
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht aus soziolinguistischer Perspektive die Entstehung des staatlich verankerten Bilingualismus in Kamerun und analysiert, inwiefern die historische Sprachpolitik sowie das daraus resultierende Sprachungleichgewicht als Katalysatoren für die seit 2016 andauernde anglophone Krise fungieren.
- Historische Entwicklung des Bilingualismus in Kamerun
- Sprachpolitik unter deutscher, britischer und französischer Kolonialherrschaft
- Analyse der anglophonen Krise und ihrer soziopolitischen Hintergründe
- Evaluation der aktuellen Sprachpolitik in Administration und Bildungswesen
- Untersuchung der Marginalisierung der englischsprachigen Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
3.1. Kamerun unter deutscher Kolonialherrschaft
Das Jahr 1868 markiert den Beginn des deutschen Einflusses auf Kamerun. Nachdem das Hamburger Handelshaus Woermann 1868 die Errichtung von mehreren Handelsniederlassungen in Kamerun veranlasste, stieg der deutsche Einfluss auf Kamerun stetig. Im Juli 1884 annektierte das deutsche Kaiserreich Teile des Landes und schloss einen sogenannten Schutzvertrag mit der dort beheimateten Bevölkerung ab. Der von Bismarck geprägte Begriff Schutzvertrag ist jedoch ein sehr ambivalenter. Adalbert Owona erklärt : „un véritable protectorat suppose en effet que l’État protégé possède réellement tous les droits de souveraineté dont il cède une partie à l’État protecteur“ (Owona 1996: 71).
Meist wurde diese ursprüngliche Intention des Schutzvertrags jedoch nicht umgesetzt, wie auch im Fall von Kamerun. Während sich die indigene Bevölkerung durch die deutsche Kolonialherrschaft wirtschaftliche Unterstützung und Schutz vor benachbarten Feinden bei gleichzeitiger Beibehaltung ihrer Souveränität erhoffte, verfolgte die deutsche Kolonialmacht insgeheim ganz andere Ziele. Nachdem sie den ansässigen Bewohnern ein vages Schutzversprechen gab, unterzeichneten diese den Vertrag, ohne genaues über dessen Inhalt zu wissen. Das liegt einerseits an mangelnden Kenntnissen der deutschen Sprache und andererseits an dem enormen Druck, den die Kolonialmacht auf die indigene Bevölkerung ausübte. Nahezu unbewusst überschrieben die Häuptlinge Kameruns der deutschen Kolonialmacht somit das Recht auf Souveränität, Administration und Gesetzgebung (vgl. Sánchez 2017: 177). Folglich wurde Kamerun zu einer Kolonie der deutschen Überseegebiete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des kamerunischen Bilingualismus und Darstellung der Problematik anhand der anglophonen Krise.
2. Begriffsbestimmungen wichtiger Termini: Definition der zentralen Konzepte Bilingualismus, Soziolinguistik und Sprachpolitik für den Kontext der Arbeit.
3. Entstehung der Bilingualismus Situation: Historische Analyse der Kolonialepochen und deren Einfluss auf die Etablierung des Bilingualismus.
4. Konsequenzen – die anglophone Krise: Untersuchung der aktuellen soziopolitischen Spannungen und des Einflusses der Sprachpolitik auf diese Konflikte.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenführung der Forschungsergebnisse und Reflexion der historischen Verantwortung für die gegenwärtige Situation.
Schlüsselwörter
Kamerun, Bilingualismus, Sprachpolitik, Kolonialismus, Anglophone Krise, Soziolinguistik, Assimilationspolitik, Sprachenplanung, Administration, Marginalisierung, Französisch, Englisch, Identität, Machtverhältnisse, Sprachungleichgewicht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung des Bilingualismus in Kamerun und dessen Auswirkungen auf das aktuelle gesellschaftliche Konfliktpotenzial.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Kolonialgeschichte Kameruns, die Entwicklung verschiedener Sprachpolitiken und die Analyse der gegenwärtigen anglophonen Krise.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die historische Sprachplanung und die politische Instrumentalisierung von Sprachen als Basis für heutige soziale Instabilitäten dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt einen soziolinguistischen Ansatz, wobei sie insbesondere die Sprachpolitik unter Berücksichtigung historischer und politischer Kontexte untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Kolonialzeit (deutsch, britisch, französisch) und eine Untersuchung der heutigen Konflikte in Administration und Bildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Bilingualismus, Sprachpolitik, Marginalisierung, Anglophone Krise und Kolonialgeschichte.
Welche Rolle spielt die Assimilationspolitik für den Konflikt?
Die französische Assimilationspolitik legte den Grundstein für eine kulturelle und sprachliche Dominanz, die heute die Minderheitenrechte der anglophonen Bevölkerung untergräbt.
Warum wird die aktuelle Sprachpolitik als fehlerhaft bezeichnet?
Die Regierung vernachlässigt die Gleichberechtigung der beiden Amtssprachen, was zu struktureller Diskriminierung und der Verschärfung der anglophonen Krise führt.
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- Lea Seib (Autor:in), 2021, Bilingualismus in Kamerun, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1175466