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Die Einheitlichkeit des Menschenbildes im klassischen Realismus. Eine vergleichende Analyse von Reinhold Niebuhr und Hans J. Morgenthau

Titel: Die Einheitlichkeit des Menschenbildes im klassischen Realismus. Eine vergleichende Analyse von Reinhold Niebuhr und Hans J. Morgenthau

Examensarbeit , 2021 , 101 Seiten , Note: 1.0

Autor:in: Sebastian Grünberg (Autor:in)

Politik - Thema: Internationale Beziehungen
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einem genauso "klassischen" wie "großen" Thema der IB-Theoriediskussion – den Wurzeln der (modernen) "realistischen" Theorie der Internationalen Beziehungen. Sebastian Grünberg will zwei gekoppelte Fragen beantworten: Einerseits, inwieweit das Menschenbild von Morgenthau sich im Laufe seines Lebens verändert hat und welche Gründe gegebenenfalls dafür verantwortlich waren. Andererseits aber auch die damit zusammenhängende Frage, inwieweit bezüglich der beiden "Realismen" der erwiesenermaßen in einem sehr engen Austausch stehenden Realisten Morgenthau und Niebuhr von einem "einheitlichen Menschenbild" gesprochen werden kann.

Der Aufbau der Arbeit folgt einer klaren Systematik. Nach einer kurzen Einleitung, in der die Relevanz des Themas überzeugend dargelegt wird, widmet sich das zweite Kapitel dem Leben und einer überblicksartigen Einschätzung Morgenthaus in der Fachliteratur. Kapitel 3 zeichnet detailliert die Entwicklung des Morgenthau’schen Menschenbildes mit Blick auf seine Schriften wie auch die Fachdiskussion nach bevor Kapitel 4 zunächst die Quintessenz des Morgenthau’schen Menschenbilds destilliert und sodann die vermutete „Einheitlichkeit“ des Menschenbildes von Morgenthau und Niebuhr analysiert. Das 5. Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen.

Die detaillierte Auseinandersetzung mit Morgenthaus Schriften wie auch der Fachliteratur führt u.a. zu dem überzeugenden Ergebnis, dass sich Morgenthaus Menschenbild nicht nur aus einer reichen und umfangreichen Tradition speist und er sich diese Tradition eigenständig angeeignet hat, d.h. in diesem Sinne vergleichsweise konsistent gewachsen und trotz einer Janusköpfigkeit seines Menschenbildes durch starke Kontinuitätslinien geprägt war, die Übersetzung dieses Menschenbildes in die Analyse (konkreter) Außen- und internationaler Politik aber auch spezifischen Wandlungsprozessen unterworfen war (wie etwa im Blick auf den dramatischen Wandel und die historisch einzigartigen Vernichtungsausmaße des nuklearen Zeitalters).

Die Untersuchung zum zweiten Teil der Fragestellung fällt weniger detailliert aus, ist allerdings nicht weniger solide abgestützt: dass nämlich trotz unterschiedlicher anthropologischer Konzeptionen beide als allseitige Warner im Hinblick auf die Janusköpfigkeit der menschlichen Natur auftreten und in der „Wiedererrichtung einer auf transzendentalen Werten beruhenden normativen Ordnung ("Wiederverzauberung der Welt") einen angemessenen Lösungsweg sehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hans J. Morgenthau und das „Realismus-Idealismus-Puzzle“

2.1 Morgenthaus Schweigen

2.2 Ein Leben – viele Facetten

3. Von der Entwicklung eines Menschenbildes

3.1 Kindheit und Jugend (1904-1922)

3.1.1 Zwischen „Hoffen und Bangen“

3.1.2 Ein Skript fürs Leben

3.2 Studienjahre (1922-1927)

3.2.1 Strohhalme eines Ertrinkenden

3.2.2 „Denkursprünge eines Realisten“

3.3 Referendariat, Promotion, Staatsexamen (1927 – 1932)

3.3.1 Ein Ende und ein Anfang

3.3.2 Der ‚Tod Gottes‘ und die Folgen

3.4 Genf und Spanien (1932 – 1937)

3.4.1 Vom Regen in die Traufe

3.4.2 Über das Wesen des Politischen

3.5 Vom Ende einer Odyssee

4. Über Gott und die Welt: ‚Reinie‘ and ‚Hans‘

4.1 Synthese zwischen Altem und Neuem

4.1.1 Die tragische Qualität menschlicher Existenz

4.1.2 Von der Übersetzung des Denkens

4.1.3 Hans J. Morgenthau: ‚synthetic thinker‘

4.2 Reinhold Niebuhr und der Weg ‚Beyond Tragedy‘

4.2.1 Von Freiheit, Angst und Sünde

4.2.2 Über das Tragische hinaus

5. Conclusio: Die Wiederverzauberung der Welt

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Einheitlichkeit des Menschenbildes im klassischen Realismus durch eine vergleichende Analyse der Werke von Hans J. Morgenthau und Reinhold Niebuhr. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit das Menschenbild Morgenthaus im Laufe seines Lebens Wandel unterworfen war und wie sich die Vorstellungen der beiden Denker in Bezug auf ein "einheitliches" Menschenbild zueinander verhalten.

  • Vertikale Analyse der Entwicklung des Menschenbildes bei Hans J. Morgenthau
  • Horizontale Analyse und Vergleich mit Reinhold Niebuhrs christlichem Realismus
  • Kontextualisierung der intellektuellen Einflüsse (insbesondere Friedrich Nietzsche und Max Weber)
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Morgenthau-Rezeption und dem "Realismus-Idealismus-Puzzle"
  • Reflexion über Macht, Moral und das Tragische in der menschlichen Existenz

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Ein Skript fürs Leben

An dieser Stelle bietet sich an, kurz innezuhalten und einen Blick auf die persönlichen Konsequenzen der bisher geschilderten Lebensumstände Morgenthaus zu werfen, den Charakter und die emotionale Disposition des hier gerade 18-jährigen:

„…my hopes for the future move into two directions. I hope for the lifting of the pressure to which I am exposed by the social environment, and I hope to find a direction and purpose for my future activities. The latter cannot be realized before the former is fulfilled.“

Hier beschreibt Morgenthau in eigenen Worten den großen Einfluss, den der durch ihn familiär und sozial erfahrene ‚Druck‘ ausübt: Seine eigenen Ziele meint der Autor erst erreichen zu können, wenn er sich aus der misslichen Lage befreit hat. Im Widerspruch zur äußeren Wahrnehmung Morgenthaus als reserviert und introvertiert, zeigt der Autor dieser Zeilen jedoch ein bemerkenswertes Maß an Wehrhaftigkeit der eigenen sozialen Ächtung gegenüber:

„The accusations that are directed against me as a Jew are totally unjustified. Hence, I consider the hostile actions evoked by these accusations […] as a crying injustice and a dishonoring humiliation. Since I am not, like many others, sufficiently callous and indifferent to bear injustice and humiliation in silence, there remains for me only the struggle against the representatives of this movement. I shall find myself in total opposition to that social group, and my intellectual attitude toward them will be purely negative.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein, welche die Einheitlichkeit des Menschenbildes bei Morgenthau und Niebuhr sowie die Definition des klassischen Realismus hinterfragt.

2. Hans J. Morgenthau und das „Realismus-Idealismus-Puzzle“: Dieses Kapitel thematisiert Morgenthaus Schweigen über seine eigenen intellektuellen Ursprünge und diskutiert die daraus resultierenden vielfältigen, teils widersprüchlichen Interpretationen seines Werkes.

3. Von der Entwicklung eines Menschenbildes: Hier wird der Lebensweg Morgenthaus chronologisch nachgezeichnet, um zu verstehen, wie persönliche Erfahrungen und das soziale Umfeld sein Menschenbild formten.

4. Über Gott und die Welt: ‚Reinie‘ and ‚Hans‘: In diesem Hauptteil erfolgt die theoretische Synthese zwischen Morgenthaus klassischem Realismus und Niebuhrs christlichem Realismus, wobei die gemeinsame Wurzel in der "tragischen Qualität" der menschlichen Existenz aufgezeigt wird.

5. Conclusio: Die Wiederverzauberung der Welt: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Kontinuität von Morgenthaus Menschenbild im Kontext seiner lebenslangen "Odyssee".

Schlüsselwörter

Klassischer Realismus, Menschenbild, Hans J. Morgenthau, Reinhold Niebuhr, Christlicher Realismus, politische Theorie, Internationale Beziehungen, Tragik, Machtstreben, Ideologiekritik, Friedrich Nietzsche, Max Weber, Kontextualisierung, Einheitskonzeption, Moral

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Hausarbeit widmet sich der wissenschaftlichen Untersuchung der Einheitlichkeit des Menschenbildes im klassischen Realismus, fokussiert auf die Denker Hans J. Morgenthau und Reinhold Niebuhr.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die anthropologischen Grundlagen politischer Theorien, die Rolle des Individuums im internationalen System, die Bedeutung von Moral in der Machtpolitik sowie die intellektuelle Biografie von Hans J. Morgenthau.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu analysieren, ob man von einem einheitlichen Menschenbild in den Werken von Morgenthau und Niebuhr sprechen kann und wie sich dieses Menschenbild über die Zeit unter verschiedenen Einflüssen entwickelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein kontextualisierender Ansatz gewählt, der intellektuelle Biografie mit systematischer Theorieanalyse verbindet, um Widersprüche im Werk Morgenthaus besser zu erklären.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Untersuchung der Biografie Morgenthaus und eine systematische Gegenüberstellung seiner anthropologischen Grundannahmen mit denen von Reinhold Niebuhr.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Klassischer Realismus, Tragik, Machtstreben, Sündenverständnis, transzendentaler Idealismus und die Rolle des Intellektuellen im politischen Kontext.

Warum spielt Friedrich Nietzsche eine so wichtige Rolle für Morgenthau?

Laut der Arbeit ist Nietzsche der entscheidende "geistige Vater", der Morgenthaus Denken fundamental geprägt hat, insbesondere durch Konzepte wie den "Willen zur Macht" und die Suche nach Wahrheit jenseits gesellschaftlicher Konventionen.

Wie unterscheidet sich der Ansatz dieser Arbeit von bisherigen Interpretationen?

Die Arbeit distanziert sich von reduktionistischen, "verkürzten" Lesarten, die Morgenthau lediglich als Machttheoretiker sehen, und betont stattdessen die notwendige Einbettung seines Werkes in seinen deutschen Erfahrungshintergrund.

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Einheitlichkeit des Menschenbildes im klassischen Realismus. Eine vergleichende Analyse von Reinhold Niebuhr und Hans J. Morgenthau
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1.0
Autor
Sebastian Grünberg (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
101
Katalognummer
V1175541
ISBN (PDF)
9783346596017
ISBN (Buch)
9783346596024
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Realismus Morgenthau Niebuhr Menschenbild
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sebastian Grünberg (Autor:in), 2021, Die Einheitlichkeit des Menschenbildes im klassischen Realismus. Eine vergleichende Analyse von Reinhold Niebuhr und Hans J. Morgenthau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1175541
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Leseprobe aus  101  Seiten
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