In dieser Bachelorarbeit geht es um die Reaktion der UN auf die Menschenrechtsverletzungen an den Rohingya-Muslimen in Myanmar. Dabei wird die Theorie des Transnationalen Konstruktivismus beziehungsweise das Spiralmodell als analytisches Instrument verwendet.
Mithilfe theoretischer Annahmen des Transnationalen Konstruktivismus nach der Forschungsgruppe Menschenrechte um Thomas Risse von 1998 soll die Reaktion der UN hinsichtlich der Rohingya-Krise erklärt werden. Im Rahmen dieser Arbeit werden zunächst die Grundzüge der Theorie dargestellt, wobei zunächst auf die Ausgangsbedingungen zur Internalisierung von Menschenrechtsnormen in einem Staat eingegangen wird. Weiterhin wird die Rolle internationaler Akteure wie der UN in diesem Prozess betrachtet. Danach wird das von der Forschungsgruppe entworfene Spiralmodell der Menschenrechte
untersucht und die Bildung von Hypothesen anhand der Theorie vorgenommen. Diese Hypothesen werden bezüglich der Reaktion der UN auf die Rohingya-Krise seit 2017 getestet. Schließlich werden die Ergebnisse zusammengefasst, wobei untersucht wird, welche Defizite der theoretische Ansatz aufweist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Theoretische Einordnung: Der Transnationale Konstruktivismus
2.1. Grundannahmen des Transnationalen Konstruktivismus
2.2. Das Spiralmodell der Menschenrechte
2.3. Hypothesenformulierung
2.4. Methodisches Vorgehen und Operationalisierung
3. Deskription: Der Rohingya-Konflikt
3.1. Überblick des Konfliktes
3.2. Die Reaktion der UN-Hauptorgane
4. Analyse: Die Menschenrechtsverletzungen an den Rohingya
4.1. Scheitern des Aufbaus von advocacy coalitions in Myanmar
4.2. Das Spiralmodell in Bezug auf die Rohingya-Krise
4.3. Überprüfung der Hypothesen
5. Resümee
6. Kritische Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die verhaltene Reaktion der Vereinten Nationen (UN) auf die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen an der muslimischen Minderheit der Rohingya in Myanmar seit 2017. Basierend auf der Theorie des Transnationalen Konstruktivismus sowie dem Spiralmodell der Menschenrechte wird analysiert, warum internationale Bemühungen bisher kaum zu einer signifikanten Verbesserung der Situation geführt haben.
- Anwendung des Transnationalen Konstruktivismus auf die UN-Politik
- Analyse der Dynamiken zwischen transnationalen Netzwerken und Zielstaaten
- Untersuchung des Scheiterns von "advocacy coalitions" im myanmarischen Kontext
- Evaluierung der Rolle internationaler Hauptorgane bei Massenverbrechen
Auszug aus dem Buch
2.1. Grundannahmen des Transnationalen Konstruktivismus
Der Transnationale Konstruktivismus wurde von der Forschungsgruppe Menschenrechte um Thomas Risse entwickelt und entstand aus einem Forschungsprojekt in Anlehnung an die AEMR von 1948. Das Forschungsprojekt untersuchte allgemein, inwiefern die Menschenrechtsnormen der AEMR in den Zielländern etabliert wurden und wie sie sich „auf das konkrete Verhalten von nationalen Regierungen gegenüber ihren BürgerInnen“ auswirkt. (Forschungsgruppe Menschenrechte 1998: 5) Der daraus abgeleitete Transnationale Konstruktivismus befasst sich mit den Bedingungen, unter denen bereits etablierte internationale Normen innenpolitisch umgesetzt werden. (ebd: 7)
Der Theorie des Transnationalen Konstruktivismus liegt die Logik der Angemessenheit zugrunde. Diese besagt, dass Akteure ihre Handlungen an Normen orientieren, die sich auf die internationale Ebene übertragen lassen. (Risse 2003: 10) Angelehnt an Jepperson et al. (1996) und Finnemore (1996) werden Normen dabei als „kollektiv geteilte Standards angemessenen Verhaltens auf der Grundlage gegebener Identitäten einer Gemeinschaft von Akteuren“ verstanden. (Jepperson et al. 1996: 54; Finnemore 1996: 23)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel stellt die Unterdrückung der Rohingya als humanitäre Krise dar und leitet die Forschungsfrage über die Rolle der UN bei der Reaktion auf diese Menschenrechtsverletzungen her.
2. Theoretische Einordnung: Der Transnationale Konstruktivismus: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Transnationalen Konstruktivismus sowie das Spiralmodell der Menschenrechte erläutert, um den Rahmen für die Analyse zu bilden.
3. Deskription: Der Rohingya-Konflikt: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über den Konfliktverlauf und untersucht, wie die verschiedenen Hauptorgane der UN bisher konkret auf die Situation reagiert haben.
4. Analyse: Die Menschenrechtsverletzungen an den Rohingya: Der Hauptteil prüft die aufgestellten Hypothesen hinsichtlich des Scheiterns von "advocacy coalitions" und der Anwendung des Spiralmodells auf den Fall Myanmar.
5. Resümee: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die schwache UN-Reaktion auf die mangelnde Bildung transnationaler Netzwerke und ungünstige innenpolitische Strukturen in Myanmar zurückzuführen ist.
6. Kritische Reflexion: Zum Abschluss werden die Grenzen der gewählten Theorie im Hinblick auf ihre Aussagekraft über internationale Organisationen kritisch hinterfragt.
Schlüsselwörter
Rohingya-Krise, Myanmar, Vereinte Nationen, Menschenrechte, Transnationaler Konstruktivismus, Spiralmodell, advocacy coalitions, Massenverbrechen, Sicherheitsrat, Sozialisation, Menschenrechtsnormen, internationale Politik, Menschenrechtsverletzungen, Bumerang-Effekt, Völkermord.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Reaktion der UN auf die Unterdrückung der Rohingya-Muslime in Myanmar seit 2017 und analysiert, warum diese Reaktion aus konstruktivistischer Sicht eher schwach ausfällt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind internationale Menschenrechtsnormen, die Rolle internationaler Organisationen als Akteure sowie die Bedingungen für politischen Wandel in repressiven Staaten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die verhaltene Reaktion der UN unter Verwendung des Spiralmodells der Menschenrechte theoretisch zu erklären und die Defizite in der Umsetzung internationaler Normen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Einzelfallstudie (Single Case Study) durchgeführt, um die Anwendbarkeit der Theorie des Transnationalen Konstruktivismus auf den Rohingya-Konflikt zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Scheitern bei der Bildung von "advocacy coalitions" in Myanmar und testet Hypothesen zum Verhalten der UN-Hauptorgane im Kontext der Menschenrechtsverletzungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie "Rohingya-Krise", "Transnationaler Konstruktivismus", "Spiralmodell" und "advocacy coalitions" definieren.
Warum konnte laut der Analyse keine "advocacy coalition" entstehen?
Aufgrund fehlender innerstaatlicher Sozialisation und einer "Kultur des Misstrauens" gegenüber externen Akteuren konnten sich keine effektiven Koalitionen bilden, die ausreichend Druck auf das Regime ausüben würden.
Welche Rolle spielt die Blockade im Sicherheitsrat für die Analyse?
Die Blockade durch Russland und China im Sicherheitsrat verhindert eine stärkere militärische oder politische Intervention der UN, was laut Theorie die Effektivität des internationalen Menschenrechtsregimes massiv einschränkt.
- Citation du texte
- Eva Hörmann (Auteur), 2021, Die Rohingya-Krise. Die Reaktion der UN auf die Unterdrückung einer ethnischen Minderheit in Myanmar, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1175544