Diese Hausarbeit handelt von Geschlechterverhältnissen und Raumstrukturen am Beispiel eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts in Lüneburg.
2017 wurden Erfahrungen, Stand und Perspektiven des Qualitätsmerkmal Gender in der Stadtentwicklung und Stadtplanung reflektiert, mit folgendem Ergebnis: Gender sei nicht in allen Dimensionen angekommen. Neue Probleme würden mit neuen Fragen einhergehen, Machtfragen stünden in Konkurrenz mit Fachfragen, Wachstumsdruck und Effizienzsteigerung von sozialen und räumlichen Qualitäten verschlechtern die Aufnahme in den Mainstream. Dennoch sind viele Städte wie beispielsweise Berlin, München und Wien Vorbilder hinsichtlich gerechter Berücksichtigung von Lebensidealen und Bedürfnissen von Frauen und Mädchen an den Raum.
Die diesjährig durchgeführten Grundlagenermittlungen hinsichtlich einer Stadterneuerung resultieren aus dem im Herbst 2017 erfolgten Beschluss des Stadtrats in Lüneburg: Um vor den demografischen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein, bräuchte die Hansestadt neue Antworten im Bereich Stadt- und Raumplanung – Antworten, die mittels Bürger:Innenbeteiligungen und moderierten Öffentlichkeitsarbeiten gemeinsam gefunden werden sollten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Merkmale einer geschlechtergerechten Stadtplanung
II. Zukunftsstadt 2030+
III. Stadtentwicklungskonzept Braunschweig
IV. Tendenzen in Richtung einer geschlechtergerechteren Stadtplanung
IV.I. Zukunftsstadt 2030+
IV.II. Stadtentwicklungskonzept Braunschweig
V. Tendenzen in Richtung einer weiterhin geschlechterungerechten Stadtplanung
VI. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Seminararbeit untersucht, inwieweit Aspekte der Geschlechtergerechtigkeit im Rahmen des integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) in Lüneburg sowie in den Vorarbeiten zum Projekt "Zukunftsstadt 2030+" und dem Braunschweiger Stadtentwicklungskonzept Berücksichtigung finden.
- Analyse geschlechtergerechter Stadtplanungsmerkmale nach Paravicini und May
- Evaluation des Projekts "Zukunftsstadt 2030+" hinsichtlich Gender-Aspekten
- Vergleich mit dem Stadtentwicklungskonzept Braunschweig als Referenzmodell
- Identifikation von Tendenzen hin zu bzw. weg von einer inklusiven Stadtplanung
- Kritische Reflexion der Partizipationsmöglichkeiten und struktureller Barrieren
Auszug aus dem Buch
I. Merkmale einer geschlechtergerechten Stadtplanung
Die im Folgenden genannten Eigenschaften resultieren aus den Ergebnissen einer dreijährigen Forschung von Ursula Paravicini, Ruth May und Philipp Krebs. Untersuchungsgegenstände waren drei Planungsstrategien, die in Fachkreisen als innovativ galten, da bestimmte Räume den Ruf als benachteiligte, vernachlässigte und isolierte Quartiere durch die Neustrukturierungen größtenteils verloren haben. Die „innerstädtischen Projekt-Peripherien“ hießen Hannover-Nordstadt, Barcelona-Nou Barris und Paris-Reuilly und zeigten, dass insbesondere die Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Mädchen tendenziell kaum eine Rolle für Plannungsexpert*innen und Politiker*innen spielten. Mittels dieser Studie überprüften sie einerseits die folgende aus einer feministisch-emanzipatorischen Perspektive gesehene Hypothese auf die Zukunftstauglichkeit städtischer Lebensräume: Gleichberechtigte Daseins- und Entwicklungsmöglichkeiten im öffentlich-städtischen Raum würden die Zivilität urbanen Lebens insgesamt unterstützen. Und andererseits welche Notwendigkeiten dafür stadtplanerisch umgesetzt werden müssten. Das Planungskonzept in Hannover-Nordstadt folgte dabei einem sektoralen Ansatz, die anderen Konzepte unterlagen der Idee eines integrierten Gesamtkonzeptes, welches laut der Forschungsergebnisse die optimalere Lösung war und bei dem später folgenden Stadtentwicklungskonzept der Stadt Braunschweig ebenfalls angewendet wurde.
Unabhängig von der Wahl des Ansatzes sollten die Strategien aber grundsätzlich drei folgende Visionen inne haben, damit nach dem Stadterneuerungsprozess die Rede von einer (zumindest bautechnisch) gleichberechtigten Stadt sein kann: 1. ein Netz aus öffentlichen Plätzen mit funktionsgemischten Bereichen, die wohnen, einkaufen, arbeiten und Freizeit vereinbaren. Daraus resultieren „öffentliche Räume mit hoher Ereignis-, Bewegungs-, Aufenthalts- und Interaktionsdichte“ mit „bunt gemischte[m] Publikum“, in denen „Frauen […] gleichberechtigt präsent“ sind 2. ein engmaschiges, abwechslungsreiches Fußwegenetz mit kurzen Distanzen [auch für das Fahrrad – eigener Kommentar] 3. eine gute, barrierearme Verknüpfung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Stadtmitte, aber auch zu anderen Vierteln (Stichwort: Netz).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der geschlechtergerechten Stadtplanung sowie Darlegung der Zielsetzung und Relevanz für die Hansestadt Lüneburg.
I. Merkmale einer geschlechtergerechten Stadtplanung: Definition von Qualitätskriterien für geschlechtergerechte Räume basierend auf der Forschung von Paravicini und May.
II. Zukunftsstadt 2030+: Vorstellung des Projekts "Zukunftsstadt 2030+" als Lüneburger Strategie zur nachhaltigen Stadtentwicklung unter Einbeziehung der UN-Nachhaltigkeitsziele.
III. Stadtentwicklungskonzept Braunschweig: Analyse des Braunschweiger Stadtentwicklungskonzepts als Orientierungshilfe für Lüneburg aufgrund der strukturellen Parallelen.
IV. Tendenzen in Richtung einer geschlechtergerechteren Stadtplanung: Untersuchung, wie die Konzepte "Zukunftsstadt 2030+" und Braunschweig Ansätze zur Geschlechtergerechtigkeit integrieren.
V. Tendenzen in Richtung einer weiterhin geschlechterungerechten Stadtplanung: Kritische Beleuchtung von Defiziten bei der Berücksichtigung geschlechtergerechter Belange und struktureller Barrieren im Planungsprozess.
VI. Fazit: Abschließende Bewertung des Potenzials Lüneburgs, durch Adaption bewährter Strategien eine geschlechtergerechtere Stadtentwicklung zu erreichen.
Schlüsselwörter
Stadtplanung, Geschlechtergerechtigkeit, Lüneburg, Zukunftsstadt 2030+, Braunschweig, Stadtentwicklungskonzept, ISEK, Gender Mainstreaming, Nachhaltigkeit, Stadtleben, Barrierefreiheit, Partizipation, öffentlicher Raum, Stadtentwicklung, feministische Forschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert, inwieweit moderne Stadtplanung in Lüneburg unter geschlechtergerechten Gesichtspunkten gestaltet wird oder gestaltet werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen Stadtplanung, feministische Perspektiven auf den Raum, nachhaltige Stadtentwicklung sowie die konkreten Konzepte "Zukunftsstadt 2030+" und das Braunschweiger Stadtentwicklungskonzept.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Tendenzen innerhalb aktueller Lüneburger Planungsprojekte hinsichtlich ihrer "Geschlechtergerechtigkeit" zu identifizieren und mit theoretischen Anforderungen abzugleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Analyse auf Basis externer öffentlicher Quellen und vorliegender Projektkonzepte, wobei theoretische Merkmale von Paravicini und May als Maßstab dienen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Merkmale einer geschlechtergerechten Planung und prüft, ob die Visionen der "Zukunftsstadt 2030+" sowie des Braunschweiger Konzepts diese Anforderungen erfüllen oder ob Defizite bestehen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gender Mainstreaming, ISEK, öffentliche Raumqualität, urbane Mobilität und geschlechtergerechte Stadtentwicklung geprägt.
Welche Rolle spielt das Projekt "Zukunftsstadt 2030+" für Lüneburg?
Das Projekt dient als zentrale Strategiegrundlage, um Lüneburg durch Partizipation und nachhaltige Ansätze zukunftsfähig zu machen, zeigt jedoch in Bezug auf Genderaspekte noch Optimierungspotenzial.
Warum wird das Braunschweiger Konzept herangezogen?
Braunschweig dient aufgrund der Ähnlichkeiten in den Herausforderungen (Wachstum, historische Altstadt, Infrastrukturbedarf) als pragmatisches Vorbild für Lüneburg.
Welche Barrieren identifiziert die Autorin für die Umsetzung?
Die Autorin weist auf Defizite bei der Beteiligung von Betroffenen, männliche Dominanz in Planungsstrukturen sowie Zeit- und Finanzknappheit als hemmende Faktoren hin.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit für die Zukunft Lüneburgs?
Lüneburg wird sich langfristig dem Gender Mainstreaming nicht entziehen können; eine gelungene Transformation erfordert jedoch ein stärkeres Bewusstsein für die Komplexität der Wegeketten von Frauen.
- Arbeit zitieren
- Simone Schwartz (Autor:in), 2019, Geschlechterverhältnisse und Raumstrukturen. Integriertes Stadtentwicklungskonzept Lüneburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1175562