Vom Raubritter zum politischen Unternehmer? - Selbstverständnis und Selbstdarstellung der russischen Oligarchen in den 1990er Jahren


Lizentiatsarbeit, 2006
123 Seiten, Note: 5,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Prolog – Erkenntnisse aus der Vergangenheit

1. Das russische Unternehmertum vor 1917

2. Der Ursprung des russischen Feindbildes „Unternehmer“
2.1. Der Unternehmer als charakterloser Krämer
2.2. Der Unternehmer als soziale Bedrohung

Teil 1 – Raubtierkapitalismus

3. Perestrojka und die ersten Jahre der Transformation
3.1. Das Ende der Sowjetunion
3.1.1. Historischer Umriss
3.1.2. Gorbatschows wirtschaftliche Reformen
3.1.3. Schattenwirtschaft und Korruption
3.2. Der Aufstieg der Oligarchen
3.2.1. Vladimir Vinogradov
3.2.2. Aleksandr Smolenskij
3.2.3. Michail Chodorkovskij
3.2.4. Vladimir Gusinskij
3.2.5. Boris Berezovskij
3.2.6. Vladimir Potanin
3.2.7. Michail Fridman
3.2.8. Petr Aven
3.2.9. Kinder der Perestrojka
3.3. Die ersten Jahre der Transformation
3.3.1. Jelzins Reformpolitik
3.3.2. Verfassungskrise und Neuwahlen
3.4. Die Entwicklung der Finanz-Industrie-Gruppen
3.5. Der Griff nach der Macht
3.5.1. Der Klub der Oligarchen
3.5.2. Massenmedien als politische Waffe
3.5.3. Das Loans-for-shares Programm

4. Die „Neuen Russen“

5. Die Männer mit dem Rubel
5.1. Schluss mit dem Leben à la Lenin!
5.1.1. Der Mann mit dem Rubel
5.1.2. Auf dünnem Eis
5.2. Männer von Welt

Teil 2 – Oligarchenkapitalismus

6. Jelzins zweite Amtszeit
6.1. Düstere Wolken über dem Kreml
6.2. Die Semibankirščina und der „Pakt von Davos“
6.2.1. Die Rettung Jelzins
6.2.2. Auf dem Höhepunkt der Macht
6.2.3. Berezovskij und die „Familie“
6.2.4. Verflechtungen mit dem Staat
6.3. Der Bankenkrieg
6.4. Das System kollabiert
6.5. Ausblick: Die Oligarchen unter Putin

7. Die „Oligarchen“
7.1. Experten-Ratings
7.2. Das Bild vom allmächtigen (jüdischen) Oligarchen
7.3. Das Bild vom schädlichen Oligarchen

8. Geschäftsmann oder Politiker?
8.1. Was den Oligarchen zum Oligarchen macht
8.2. Die jüdischen Wurzeln der Oligarchen
8.3. Die Angst geht um
8.4. Rechtfertigungsversuche
8.4.1. Die Oligarchen und ihr Ruf
8.4.2. Ehrliche Schaffer anstatt kriminelle Ausbeuter
8.4.3. Erbauer anstatt Blutsauger
8.5. Eine Oligarchie in Russland?
8.5.1. Team Tycoon
8.5.2. Die Oligarchen über „Oligarchie“
8.6. Die historische Rolle der Oligarchen
8.6.1. Vladimir Potanin
8.6.2. Boris Berezovskij
8.6.3. Michail Chodorkovskij
8.6.4. Aleksandr Smolenskij
8.6.5. Vladimir Gusinskij
8.6.6. Michail Fridman
8.6.7. Petr Aven
8.6.8. Vladimir Vinogradov

Fazit

Bibliographie

9. Quellen

10. Sekundärliteratur

Anhang

Einleitung

History is a collection of wonderful stories, with dates.”[1] (Conn Iggulden)

Das Leben schreibt manchmal wunderbare Geschichten. Als Michail Gorbatschow am 11. März 1985 zum Generalsekretär der KPdSU gewählt wurde, sass Vladimir Gusinskij am Steuer eines inoffiziellen Taxis und ärgerte sich über die Ungerechtigkeit der Welt. Zur selben Zeit träumte der Mathematiker Boris Berezovskij in seinem Labor vom Nobelpreis, während Petr Aven am Institut für Systemanalyse ökonomische Forschung betrieb. Vladimir Vinogradov arbeitete als Ingenieur im Süden Russlands, Vladimir Potanin war ein unbedeutender Beamter im Aussenhandelsministerium und Aleksandr Smolenskij verdiente sich seinen Lebensunterhalt in einem Moskauer Bauunternehmen. Michail Chodorkovskij und Michail Fridman schliesslich waren noch Studenten, als Gorbatschow an die Macht kam. Ein Jahrzehnt später kontrollierten diese acht Männer einen Grossteil der russischen Wirtschaft und im Sommer 1996 spielten sie eine entscheidende Rolle bei der Wiederwahl Boris Jelzins zum russischen Präsidenten.[2] In der Öffentlichkeit machte ein Gerücht die Runde, wonach die gesamte russische Politik von diesen acht Personen – den so genannten „Oligarchen“ – gesteuert wurde. Der Begriff „Oligarch“ erschien im postsowjetischen Russland erstmals 1993 in einer Analyse der regionalen Elite[3], ehe er 1995 auf die führenden Wirtschaftsvertreter des Landes übertragen wurde.[4] In die politische Diskussion gelangte er im Dezember 1997, als der damalige Stellvertretende Ministerpräsident Boris Nemcov dem „oligarchischen Kapitalismus“ öffentlich den Kampf ansagte. Danach verlor der Begriff weitgehend an inhaltlicher Schärfe. Heiko Pleines definiert die „Oligarchen“ als „Unternehmer, die (1) für die russische Volkswirtschaft insgesamt von Bedeutung sind und (2) im Rahmen einer Symbiose mit der politischen Führung politische Entscheidungsprozesse in ihrem Interesse beeinflussen.“[5] In dieser Arbeit wird die Bezeichnung „Oligarch“ (ohne Anführungs- und Schlusszeichen) nur für die acht einleitend erwähnten Personen gelten. Diese Beschränkung fusst auf der Annahme, dass die Wahlkampfunterstützung Boris Jelzins – und insbesondere der politische Pakt, der ihr zugrunde lag – der entscheidende Faktor für die Herausbildung eines „oligarchischen Systems“ war.[6]

Vladimir Gusinskij, Boris Berezovskij, Vladimir Vinogradov, Vladimir Potanin, Aleksandr Smolenskij, Michail Chodorkovskij, Michail Fridman und Petr Aven stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit.[7] Im Verlaufe ihres jungen Lebens haben sie immense Vermögen angehäuft, sich die Kronjuwelen der russischen Industrie unter den Nagel gerissen und die staatliche Wirtschaftspolitik in ihrem Sinne beeinflusst. Sie gehören zu den Architekten des „neuen Russland“ und haben beträchtlichen Anteil an dessen heutigem Aussehen. Die gewaltige wirtschaftliche und politische Macht, welche die Oligarchen in den 1990er Jahren besassen, wirft Fragen auf. Woher stammen sie? Wie gelangten sie zu ihrem Reichtum? Welchen politischen Einfluss übten sie aus? Und schliesslich: Welche historische Rolle spielten die Oligarchen im Verlauf des Transformationsprozesses? Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diese Fragen von den Protagonisten selbst beantworten zu lassen. Anhand von Selbstzeugnissen werde ich versuchen, die Selbstdarstellung und das Selbstverständnis der Oligarchen herauszuarbeiten. Dabei wird vereinfacht angenommen, dass Selbstdarstellung und Selbstbild einigermassen kongruent sind oder zumindest teilweise ineinander überfliessen.[8] Um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Oligarchen nicht in einem luftleeren Raum argumentierten, sondern Teil eines gesellschaftlichen und politischen Prozesses waren, wird vorgängig auf das Bild der Oligarchen in der russischen Öffentlichkeit eingegangen.

Aufbau der Arbeit

Die Arbeit ist in zwei Teile gegliedert, wobei der erste Teil die Jahre 1985 bis 1995 umfasst, in denen die Oligarchen sich im „Raubtierkapitalismus“ der Perestrojka und der frühen Transformationszeit bewähren mussten. Der zweite Teil ist der Phase von 1995 bis 1999 gewidmet. Die Oligarchen erreichten in diesen Jahren den Zenit ihrer Macht und sahen ihre Rolle dementsprechend in einem anderen Licht.[9] Beide Teile bestehen aus einem darstellenden und einem analytischen Abschnitt, wobei durch ausgewählte Zitate bereits in den darstellenden Kapiteln versucht wird, das Selbstverständnis der Oligarchen ein wenig durchscheinen zu lassen. Die analytischen Abschnitte behandeln zuerst das Bild der Oligarchen in der russischen Öffentlichkeit und anschliessend deren Gegenbild. Die beiden Hauptteile der Arbeit werden eingeleitet von einem Prolog. Darin werden die Oligarchen als historisches Phänomen aufgefasst, das in der russischen Geschichte nicht einzigartig ist. Die Frage nach dem Ursprung des Feindbildes „Unternehmer“ steht dabei im Vordergrund. Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bietet einen Ausblick auf weiterführende Forschungsansätze.

Zu den Quellen

Den Kern des Quellenmaterials bilden ungefähr zweihundert Interviews mit den Oligarchen aus dem Zeitraum von 1991 bis 2006. Die meisten von ihnen stammen aus grossen russischen Tageszeitungen wie dem Kommersant", Segodnja oder Vedomosti. Eine Fülle von Interviews findet man überdies auf der Homepage des Radiosenders Ėcho Moskvy sowie auf Englisch übersetzt im Current digest of the Soviet/post-Soviet press volumes (CDSP). Im Februar 2006 hatte ich ausserdem die Gelegenheit, persönlich mit einem Oligarchen zu sprechen. Auf Anfrage hat sich Petr Aven, der Präsident der Al'fa-Bank, bereit erklärt, mir ein Interview zu gewähren. Neben den Interviews haben sich die Oligarchen einige Male in Form von Erklärungen oder Broschüren öffentlich zu Wort gemeldet.[10] Diese Schriften sind ebenso in diese Arbeit eingeflossen wie zahlreiche Zitate aus der Sekundärliteratur. Wichtig ist zu erwähnen, dass in den analytischen Kapiteln dieser Arbeit ausschliesslich Selbstzeugnisse aus der relevanten Zeit verwendet werden.[11] Die Fragestellung richtet sich nach dem Selbstbild der Oligarchen in den 1990er Jahren und nicht nach ihrer heutigen Perspektive. Das Bild der Oligarchen in der russischen Öffentlichkeit wird anhand verschiedener Quellen wie Witzen, öffentlichen Meinungsumfragen oder Experten-Rankings untersucht.

Forschungsstand

Bis anhin hat sich die Forschung nie explizit mit dem Selbstverständnis und der Selbstdarstellung der russischen Oligarchen befasst. Einzig Hans-Henning Schröder widmet der Fragestellung einen kurzen Abschnitt.[12] Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Oligarchen begann 1996 mit einem Artikel von Ol'ga Kryštanovskaja über die „Finanzoligarchie“ in Russland.[13] Kryštanovskaja gehört zusammen mit Aleksej Muchin und Jakov Pappė zu den russischen Wissenschaftlern, die sich ausführlich mit den Oligarchen beschäftigt haben. Ihre Anstrengungen sind ebenfalls in diese Arbeit eingeflossen.

Der mit Abstand beste Beitrag zum Thema stammt aus der Feder von David Hoffman. Sein Buch „The oligarchs – Wealth and power in the new Russia” (2002) beschreibt das Schicksal der Oligarchen in den neunziger Jahren. Das brillant recherchierte Werk enthält unter anderem einen schier unerschöpflichen Fundus an Zitaten und anderen Selbstzeugnissen. Ebenfalls empfehlenswert – wenn auch nicht ganz so detailreich wie Hoffman – sind die Beiträge von Chrystia Freeland („Sale of the century – The inside story of the second Russian revolution“, 2000) und Rose Brady („Kapitalizm – Russia’s struggle to free its economy“, 1999). Hoffman, Freeland und Brady haben einen journalistischen Hintergrund und ihren Werken liegt kein wissenschaftlicher Ansatz zugrunde. Dies gilt auch für Paul Klebnikovs Biographie von Berezovskij („Godfather of the Kremlin – Boris Berezovsky and the looting of Russia“, 2000).

In wissenschaftlicher Hinsicht interessieren sich Historiker, Ökonomen, Politologen und Soziologen gleichermassen für das Thema der Oligarchen. Aus ökonomischer Warte hat sich unter anderen Marshall Goldman ausführlich mit dem Thema befasst. Eine politologische Perspektive nehmen Peter Rutland und Juliet Johnson ein. Ihre Beiträge gehören zu den Standardwerken der aktuellen Forschung. Im deutschsprachigen Raum ist die „Forschungsstelle Osteuropa“ in Bremen federführend. Der Historiker Hans-Henning Schröder und der Politologe Heiko Pleines boten mit ihren Publikationen eine hervorragende Grundlage für die Abfassung dieser Arbeit. Die Mehrzahl der vorliegenden Arbeiten über die Oligarchen ist weitgehend deskriptiv und konzentriert sich auf die Portraits der wichtigsten Persönlichkeiten und Konzernstrukturen. Daneben gibt es Versuche, den tatsächlichen Einfluss der Oligarchen auf die russische Politik darzustellen und zu gewichten.[14] Am umfassendsten geschieht dies bei Schröder und Pleines.[15]

Technische Anmerkungen

Die Schreibweise der russischen Eigennamen, Abkürzungen und Fachausdrücke folgt den Regeln der wissenschaftlichen Transliteration. In Fällen, bei denen sich eine deutsche Schreibweise eingebürgert hat, wird die eingedeutschte Form verwendet (zum Beispiel „Jelzin“ anstatt „El'cin“). Um den Leser auf die russische Schreibung hinzuweisen, sind transliterierte Ausdrücke bei ihrer Erstnennung kursiv geschrieben.

Prolog – Erkenntnisse aus der Vergangenheit

Good Russians […] simply did not that kind of thing.”[16] (Marshall Goldman)

1. Das russische Unternehmertum vor 1917

Die Geschichte des russischen Unternehmertums ist seit jeher eng mit den jeweiligen Machthabern im Kreml verbunden.[17] Die Wirtschaftspolitik diente ausschliesslich den Bedürfnissen des Staates und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts stand jegliche unternehmerische Tätigkeit unter seiner Aufsicht.[18] Trotzdem gab es einzelne Sektoren, in denen sich privatwirtschaftliche Aktivität entfalten konnte. Die Textilindustrie liefert dafür einen schlagenden Beweis. Die Anfänge der russischen Baumwollindustrie reichen auf einen Erlass von 1775 zurück, in dem Katharina II. den Bauern erlaubte, eigene Handwerksbetriebe zu führen.[19] Die neuen Manufakturbesitzer waren nicht selten Altgläubige[20], die vom staatlichen und öffentlichen Dienst ausgeschlossen waren. Die nachfolgenden Generationen schufen dann die eigentlichen Produktionsbetriebe und lösten sich gänzlich von ihrer bäuerlichen Herkunft. Im Jahr 1913 bildeten die Textilfabriken den grössten Industriezweig Russlands. Konzentriert um das Gebiet Moskau beschäftigten sie 690'124 Werktätige, was damals 29% der gesamten Industriearbeiterschaft entsprach.[21]

Die bekannteste russische Unternehmerdynastie wurde vom leibeigenen Bauern Savva Morozov gegründet. Als er 1860 starb, hinterliess er ein blühendes Textilgeschäft mit mehreren Fabriken im Umland Moskaus. Savva Timofeevič, ein Enkel des Gründervaters, stieg zu einem der berühmtesten Kaufleute zur Zeit der Jahrhundertwende auf.[22] Er gehörte einer Generation von Moskauer Unternehmern an, die in der Fachliteratur als „ molodoe kupečestvo[23] („junge Kaufmannschaft“) bezeichnet wird. Sie bestand aus ungefähr zwanzig Familienclans, deren Wirtschaftsimperien gerade um die Jahrhundertwende stark expandierten.[24] Neben dem traditionellen Textilgewerbe besass sie Interessen in verschiedenen Wirtschaftsbereichen wie Handel, Banken, Versicherungen, Eisenbahnbau oder Immobilien. Die meisten Unternehmen waren als Aktiengesellschaften organisiert, wobei die Kontrolle über die Geschäfte gänzlich in den Händen der Familienmitglieder verblieb.[25] In ihrem Selbstverständnis unterschied sich die „junge Kaufmannschaft“ deutlich von der apolitischen Generation ihrer Väter. Einer ihrer bekanntesten Vertreter verkündete 1912: „Die Bourgeoisie als eine derart hoch entwickelte ökonomische Macht sollte nicht nur, sondern muss über entsprechenden politischen Einfluss verfügen.“[26]

Mit der fortschreitenden ökonomischen Modernisierung entstand seit der Mitte des

19. Jahrhunderts eine zweite Gruppe von Unternehmern, die in kürzester Zeit zu Vermögen und Macht gelangte: professionelle Bankiers und Eisenbahntycoons. Eine Vorreiterrolle übernahm der St. Petersburger Schwer- und Rüstungsindustriekonzern der Putilovs.[27] In den frühen 1850er Jahren verliess ihr Gründer Nikolaj Ivanovič Putilov seinen Posten im Marineministerium und widmete sich der Entwicklung der Metallindustrie. Seine Kontakte zu einflussreichen Regierungskreisen verhalfen ihm zu günstigen Krediten und lukrativen Staatsaufträgen, vor allem im Eisenbahnbau und im Rüstungssektor. Im Jahr 1901 beschäftigte der Konzern 12'000 Arbeiter und war somit der grösste private Fabrikbetrieb Russlands. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Vorstandsmitglied Aleksej Ivanovič Putilov zur dominierenden Figur innerhalb des Unternehmens. Aleksej Ivanovič, der in keinem direkten verwandtschaftlichen Verhältnis zum Firmengründer stand, war Stellvertretender Finanzminister ehe er 1905 seine Karriere in der Wirtschaft lancierte. 1910 wurde er Vorstandsvorsitzender der Russisch-Asiatischen Bank, um die ein gewaltiges Firmenimperium aus 163 Aktiengesellschaften errichtet wurde.[28] Derweil die Nachkommen der „Textil-Barone“ in Moskau ansässig waren, konzentrierten sich die Schwerindustrie und der Maschinenbau in St. Petersburg.[29] Ähnlich wie in Moskau war in der Hauptstadt eine „Verquickung von Industrieunternehmen und Grossbanken“[30] zu beobachten. In den Syndikaten übernahmen die Geschäftsbanken und deren Besitzer eine dominierende Rolle.[31] Kontakte zu Regierungskreisen waren ein wichtiger Erfolgsfaktor. „As a result”, schreibt Rieber, „a small group of bankers who would chart their own course for Russia’s economic development emerged. They [...] exemplified the so-called coalescence (srashchivanie) between finance capital and the government [...]. Although they publicly disdained the oligarchic style of politics, in private they made it their own.“[32]

2. Der Ursprung des russischen Feindbildes „Unternehmer“

Was die russischen Unternehmer aller Zeiten eint, ist die Ablehnung oder gar der Hass, der ihnen von einem grossen Teil der Gesellschaft entgegenschlägt. Es gibt zwei Stereotypen, die das Bild des Geschäftsmannes noch heute prägen. Das ältere ist dasjenige des „tumben, raffgierigen“[33] Händlers, der mit allerlei Tricks und Gaunereien versucht, seine Kundschaft übers Ohr zu hauen. Er wird ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Zielscheibe beissenden Spotts, der seinen Niederschlag insbesondere in den Werken zeitgenössischer Dramatiker findet. Wie Zarubina treffend bemerkt, ist die Posse über den russischen Kaufmann nicht bloss eine Erscheinung des Theaters, sondern ein soziales Phänomen, dem es sich nachzugehen lohnt.[34]

2.1. Der Unternehmer als charakterloser Krämer

Das Stereotyp des charakterlosen Krämers wird in den Komödien Aleksandr Ostrovskijs[35] wunderbar dargestellt. Ganz nach der Devise „Wer nicht betrügt, der verdient nichts“ erklärt ein Kaufmann in der Komödie „ Svoi ljudi[36] (1849) seinen Gehilfen das Tuchgeschäft: „Passt auf, Jungens, sage ich ihnen, wenn ihr seht, dass sich ein Geschäft machen lässt, wenn ein Kunde kommt, der ein bisschen blöd ist, oder ein Stoff dem Fräulein in Muster und Farbe besonders gefällt, dann schaut, dass ihr gleich einen Rubel oder zwei auf die Elle draufschlagt. […] Und beim Abmessen sage ich, muss man die Selbstverständlichkeiten beachten: zieh und strecke, nur pass um Gottes willen auf, dass der Stoff nicht platzt; nicht wir müssen ihn ja später tragen. Nun, und wenn die Kunden Maulaffen feilhalten, dann trägt niemand die Schuld, dann kann man einfach eine Elle unter die Hand verschwinden lassen.“[37] Es bleibt nicht bei den kleinen Betrügereien hinter der Ladentheke. Um den Forderungen seiner Gläubiger zu entgehen, täuscht der reiche Kaufmann in „ Svoi ljudi “ einen Bankrott vor. Die Sache geht jedoch schief, weil er von seinem ehemaligen Lehrjungen übers Ohr gehauen wird. Am Schluss landen beide in einem sibirischen Straflager. Mit der Figur des hinterlistigen Tit Tityč aus dem Theater „ V čužom piru pochmel'e[38] hat Ostrovskij 1855 den eigentlichen Prototypen des russischen Krämers geschaffen. Lügen, Schwindeleien und fingierte Bankrotte gehören ebenso zu seinem Tagesgeschäft wie der Vodka und das Tyrannisieren der eigenen Familienmitglieder. Dumm und ungebildet wie er ist, beschränkt sich sein Horizont auf selbige Angelegenheiten. Für seine Mitbürger und sein Land hat Tit Tityč nichts übrig. Das einzige, was zählt, ist der persönliche Profit.

Die Verachtung, welche den russischen Kaufleuten des 19. Jahrhunderts von weiten Teilen der Bevölkerung entgegengebracht wurde, hat ihren Ursprung im althergebrachten Ideal des bäuerlichen Lebens. Aleksandr Geršenkron schreibt dazu: „The good life which God intended man to lead implied tilling the land, which belongs to God, and receiving the divine blessings of its fruit. Good life did not mean craving for riches, laying up treasures on earth ‚where moth and rust doth corrupt.’”[39] Oder wie Goldman lakonisch bemerkt: „Good Russians (‚our kind of people’) simply did not that kind of thing.”[40] Wer seine Brötchen nicht im Angesicht des eigenen Schweisses verdiente, galt als moralisch verwahrlost und wurde von der Gesellschaft mit Verachtung bestraft.[41] Das negative Bild des russischen Kaufmanns findet seinen Ausdruck in unzähligen Märchen, Erzählungen und Liedern. Die Tradierung dieser Sichtweise führte dazu, dass „das Bewusstsein vom Unrecht des Geldes“, wie die Dichterin Marina Cvetaeva es nennt, „in der russischen Seele nicht auszulöschen ist.”[42]

2.2. Der Unternehmer als soziale Bedrohung

Wie Ruckman bemerkt, galt Ostrovskij noch in den 1890er Jahren als „still-reigning authority on the manners and mores of the Russian business community.“[43] Mit dem Auftauchen reicher Fabrikbetreiber und Bankiers, die im Zuge der Industrialisierung zu unermesslichem Wohlstand und Macht gelangt waren, erlebte das Unternehmerbild jedoch einen markanten Wandel. Ruckman fasst die Veränderung in Worte: „If the image of Kit Kitych contained a large measure of contempt and hostility, the contempt, which focused chiefly on the general cultural backwardness of the Russian kupets, was not without humor, and the hostility arose in large measure from resentment over the merchant’s grasping for kopeks. But the newer image, propounded in the press in the later nineteenth and early twentieth centuries, reflected the appearance of a new breed of businessmen, whose growing economic power was no laughing matter and whose decisions, often made in concert with the government, involved not kopeks but millions of rubles.”[44] Der Kaufmann aus Ostrovskijs Komödien war moralisch minderwertig und verachtenswert, im Grossen und Ganzen aber ein harmloser Trottel. Der einflussreiche Industrielle hingegen, der gegen Ende des

19. Jahrhunderts seinen Aufstieg erlebte, sah sich mit ungleich schwerwiegenderen Vorwürfen konfrontiert. In zunehmendem Masse wurde der Unternehmer in die Rolle eines „Ausbeuters“ gedrängt.[45] Von der ausländischen Konkurrenz durch hohe Importzölle abgeschirmt nahm er die russischen Konsumenten mit überteuerten Industrieprodukten aus, während in seinen Fabriken die Arbeiter bei Hungerlöhnen und miserablen Bedingungen schuften mussten. Den russischen Industriellen wurde zudem vorgeworfen, ihre Geschäfte auf Kosten der Landwirtschaft zu tätigen.[46] Der Unternehmer wurde damit zu einer eigentlichen sozialen Bedrohung für das russische Volk stilisiert. Grossen Anteil am Aufbau dieses Feindbildes hatte der russische Adel, der zu Recht befürchten musste, seine führende Stellung innerhalb der Gesellschaft an die reiche und mächtige Wirtschaftselite zu verlieren. Unterstützung erhielt er von der Intelligenzija, die sich für die Verlierer des industriellen Kapitalismus stark machte. Die wirtschaftlichen und sozialen Spannungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts schürten zusätzlich die Furcht vor den scheinbar allmächtigen Unternehmern.[47] Wie der Krämer in der Mitte des 19. Jahrhunderts fand auch das Stereotyp des ausbeuterischen Grossindustriellen den Weg in die russische Literatur. Am eindrücklichsten verarbeitet Petr Boborykin[48] das neue Bild des Unternehmers. Im Roman „ Kitaj-gorod[49] (1882) lässt er die unterschiedlichen Lebens- und Denkweisen eines Adeligen und eines Kaufmannes aufeinander prallen. Der Adelige Paltusov lässt sich dabei von der Macht des Geldes verführen und landet im Gefängnis. Zusätzlich zur persönlichen Freiheit verliert er seine moralische Integrität. Boborykin verdeutlicht damit die Bedrohung durch das unternehmerische Gedankengut, nicht nur in gesellschaftlicher, sondern auch in moralischer Hinsicht.[50]

Im Widerspruch zum negativen Bild, das ihnen anhaftete, entwickelte sich unter den russischen Unternehmern eine Art Arbeitsethik, welche Tugenden wie Fleiss, Ehrlichkeit, Mässigung und Sparsamkeit umfasste.[51] Die Grossunternehmer waren überzeugt, dass sie ihren Reichtum genau denjenigen Eigenschaften zu verdanken hatten, die ihnen die öffentliche Meinung absprach: Intelligenz, Talent, Initiative und die Bereitschaft, ein Leben lang hart zu arbeiten.[52] Die russischen Unternehmer begriffen bald, dass ihr Wertesystem vom übrigen Teil der Gesellschaft nicht verstanden wurde.[53] Wollten sie sich Wohlwollen und Respekt verschaffen, mussten sie dies ausserhalb der wirtschaftlichen Sphäre tun. In der Folge wandten sich viele Industrielle der sozialen Wohlfahrt zu und wurden bedeutende Mäzene in Kunst und Literatur.[54] Der berühmteste dieser „Kulturpatrone“[55] ist zweifelsohne Pavel Tret'jakov, der Begründer der Tret'jakov-Galerie. Als er der Stadt Moskau seine Kunstsammlung schenkte, bestand sie aus 1'300 Gemälden, deren Gesamtwert auf zwei Millionen Rubel geschätzt wurde.[56]

Teil 1 – Raubtierkapitalismus

We were absolute savages.“[57] (Michail Fridman)

3. Perestrojka und die ersten Jahre der Transformation

3.1. Das Ende der Sowjetunion

3.1.1. Historischer Umriss

Am 11. März 1985 wurde Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU gewählt.[58] Als Repräsentant des fortschrittlichen Flügels der sowjetischen Parteibürokratie war er entschlossen, Konsequenzen aus der wirtschaftlichen Stagnation der Sowjetunion zu ziehen und eine Reformpolitik einzuleiten. Sein Konzept der Perestrojka („Umbau“) beinhaltete eine Flexibilisierung der Planwirtschaft, mehr Selbständigkeit für die Betriebe sowie eine Rationalisierung in der Produktion durch teilweise Einführung von Marktpreisen.[59] Mit den wirtschaftlichen Reformen einher ging eine „Demokratisierung“ des öffentlichen Lebens. Unter dem Schlagwort Glasnost' („Transparenz“) versuchte Gorbatschow, die Reformgegner zu blockieren, indem er die sowjetische Bevölkerung und die Medien dazu aufrief, sich stärker am politischen Leben zu beteiligen. Gorbatschow und seine Mitstreiter erkannten nicht, dass es für systeminterne Reformen bereits zu spät war. Die Schwächung des Zentrums durch die Politik der Glasnost' und der Verzicht auf Repression setzten unerwartete Kräfte in der inneren Politik und bei den nichtrussischen Nationalitäten frei, die letztendlich zum Zusammenbruch des Sowjetsystems führten. Im Verlauf des Jahres 1990 erklärten sich die meisten Unionsrepubliken für souverän. Im Oktober desselben Jahres legalisierte der Oberste Sowjet die Einführung des Mehrparteiensystems. Die schleichende Desintegration der Sowjetunion und der fortschreitende Zerfall der Wirtschaft, zusammen mit einer immer kritischer werdenden Versorgungslage, mobilisierten die parteiinternen Reformgegner. Am 19. August 1991 versuchten sie mittels eines bewaffneten Staatsstreiches die Macht an sich zu reissen und die Einheit der Sowjetunion wieder herzustellen. Der Versuch brach jedoch zusammen, weil es dem Präsidenten der Russischen Föderation (RSFSR) Boris Jelzin gelang, die Moskauer Bevölkerung und die Rote Armee gegen die Putschisten zu mobilisieren. Nach dem Augustputsch waren das politische Ende Gorbatschows und der Aufstieg des Radikalreformers Jelzin absehbar. Am 25. Dezember 1991 erklärte Gorbatschow seinen Rücktritt, am 31. Dezember 1991 hörte die Sowjetunion auf zu bestehen. Boris Jelzin, der nicht nur zum populärsten Anführer der demokratischen Bewegung geworden, sondern im Juni 1991 auch noch mit grosser Mehrheit zum ersten Präsidenten der RSFSR gewählt worden war, übernahm de facto die Macht in der Russländischen Föderation als Nachfolgestaat der RSFSR.

In der turbulenten Phase zwischen der Amtsübernahme Gorbatschows 1985 und dem Ende der Sowjetunion 1991 legten die Oligarchen Vladimir Vinogradov, Aleksandr Smolenskij, Michail Chodorkovskij, Vladimir Gusinskij, Boris Berezovskij, Vladimir Potanin, Michail Fridman und Petr Aven die Basis für ihren späteren Reichtum. Die meisten von ihnen stammten aus sozial wenig privilegierten Schichten, ein Grossteil von ihnen war jüdischer Abstammung. Ihr Aufstieg ist die Geschichte eines ständigen Kampfes. Um zu verstehen, wie diese Männer innerhalb kürzester Zeit ein Vermögen anhäufen konnten, ist es unabdingbar, sich mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen in der späten Sowjetzeit auseinander zu setzen.

3.1.2. Gorbatschows wirtschaftliche Reformen

Der Startschuss für die Legalisierung von individueller wirtschaftlicher Tätigkeit fiel im Jahr 1986. Am 19. November trat in der Sowjetunion ein Gesetz in Kraft, welches in sehr beschränktem Masse selbständiges Unternehmertum erlaubte.[60] Weit davon entfernt, die staatliche Planwirtschaft in Frage zu stellen, war das Gesetz ein erster zögerlicher Schritt in Richtung freie Marktwirtschaft. Gorbatschows weiteres Vorgehen setzte den eingeschlagenen Weg fort. In einer Rede im Juli 1986 hatte er die Aufmerksamkeit der sowjetischen Öffentlichkeit erstmals auf die so genannten „Kooperativen“ gelenkt.[61] Der Begriff beschrieb nichts anderes als die vielen kleinen quasi-privaten Unternehmen, die als Antwort auf die staatliche Misswirtschaft entstanden waren. Im Mai 1987 wurde die Existenz dieser Unternehmen von oberster Stelle anerkannt. Die Kommunistische Partei begann sogar, eigene Kooperativen zu fördern, eine Praxis, die vor allem in der Jugendorganisation Komsomol zum Tragen kam.[62] Das „Gesetz über die Kooperativen“ wurde erst im Mai 1988 offiziell verabschiedet, doch bis dahin hatten sich viele Unternehmen bereits in veritable Kleinbetriebe verwandelt, die mit grossem Gewinn in den unterschiedlichsten Sektoren tätig waren. Der weitaus folgenreichste Paragraph des neuen Gesetzes betraf die allgemeine Legalisierung von Finanz- und Kreditgeschäften und die Möglichkeit, Banken als Kooperativen registrieren zu lassen. Ohne es zu wollen, ebnete die Kommunistische Partei damit den Aufstieg der Oligarchen und im weitesten Sinne den endgültigen Niedergang des von ihnen propagierten Wirtschaftssystems. Die Zahl der Kooperativen wuchs in den ersten Jahren explosionsartig. Im Januar 1988 verzeichnete das staatliche Statistik-Komitee 14'100 registrierte Kooperativen, ein Jahr später waren es bereits 77'500. Das Wachstum setzte sich auch 1989 unvermindert fort, im Januar 1990 existierten in der Sowjetunion 193'000 Kooperativen, die insgesamt beinahe fünf Millionen Angestellte beschäftigten.[63]

Die Reformen Gorbatschows vermochten den Niedergang der sowjetischen Wirtschaft nicht zu stoppen. Die missliche Lage und der Druck Jelzins, der radikale Schritte in Richtung freie Marktwirtschaft forderte, ebneten im Sommer 1990 den Weg für ein Reformprogramm, das eine Abkehr von der sozialistischen Planwirtschaft zum Inhalt hatte. Unter der Leitung von Stanislav Šatalin[64] entstand das so genannte „500-Tage-Progamm“. Das Programm forderte den schockartigen Übergang zur freien Marktwirtschaft. Es beinhaltete die Privatisierung aller staatlichen Betriebe und eine umfassende Delegierung ökonomischer Kompetenzen an die einzelnen Republiken.[65] Der „Šatalin-Plan“ scheiterte an der ablehnenden Haltung Gorbatschows.[66] 1991 gab es weitere Pläne, die Talfahrt der sowjetischen Wirtschaft zu stoppen, doch keines der zahlreichen Antikrisen-Programme wurde tatsächlich umgesetzt.[67]

3.1.3. Schattenwirtschaft und Korruption

Die Politik der Perestrojka war mitunter ein Versuch, die alles durchdringende Schattenwirtschaft staatlich zu legitimieren, um sie besser kontrollieren zu können. Trotz Androhung drakonischer Strafen war es der Kommunistischen Partei zu keiner Zeit gelungen, der Untergrundwirtschaft Einhalt zu gebieten. John Steinbeck, der 1948 gemeinsam mit Robert Capa die Sowjetunion bereiste, brachte die Ohnmacht der angeblich allmächtigen Partei auf den Punkt: „[T]he leaders of a communist or socialist regime must get very tired of the long-living quality of capitalism. Just when you have stamped it out in one place, it comes to life in another. It is like those sandworms which cut in two go on living, each a seperate individual.”[68] Gemäss Schätzungen beschäftigte die Schattenwirtschaft am Vorabend der Perestrojka 10% aller Werktätigen, die zusammen 15% des sowjetischen BIP erwirtschafteten und 33% aller Haushaltseinkommen generierten.[69] Die neuen Unternehmen, die während der Perestrojka wie Pilze aus dem Boden schossen, entsprangen vielfach bestehenden Organisationen, die zuvor ausserhalb des rechtlichen Rahmens ihren Geschäften nachgegangen waren. „[T]he black market has always been the real market in Russia”[70], erklärte der Gründer der Wirtschaftszeitung Kommersant" Vladimir Jakovlev im Jahr 1991. Entscheidend geprägt wurde dieser „Markt“ durch ein Geflecht aus persönlichen Beziehungen und Netzwerken, für das es im Russischen ein eigenes Wort gibt: blat[71]. Das System des blat ist eng verwandt mit der Korruption, einem weiteren Merkmal des sowjetischen, und später des russischen Kapitalismus.[72] Ebenso wie das Schmieren von Beamten galt das Stehlen von Staatseigentum als wenig verwerflich.[73] Vor allem am Arbeitsplatz herrschte das Prinzip der Selbstbedienung. Die sowjetische Gesellschaft hatte sich so weit von ihrem Regime entfremdet, dass sie bei Angelegenheiten, die den Staat oder die staatliche Wirtschaft betrafen, alle ihre moralischen Grundsätze über Bord warf. „‚They’ take bribes; ‚their trade’, ‚their services’ are corrupt through-and-through, so in dealing with ‚them’ the norms of human morality do not apply“[74], schreibt Simis.

In dieser Umwelt, in der persönliche Beziehungen und Korruption die Wirtschaft dominierten und der Staat einem Selbstbedienungsladen glich, waren die Oligarchen unter den ersten, die von den neuen Möglichkeiten der Perestrojka profitieren konnten. Anders Åslund, dazumal ein schwedischer Diplomat in Moskau, beschrieb das geschäftige Treiben aus eigener Sicht: „A few bold entrepreneurs skimmed the market and did very well indeed because shortages were immense, competition and taxes were minimal, most regulations were unclear, and no one knew how long the feast would last.”[75] Das Fest dauerte bis in die neunziger Jahre und mit Ausnahme von Potanin und Aven nahmen alle Oligarchen daran teil. Es war indessen ein Fest, an dem es alles andere als freundschaftlich zu und her ging, und die Teilnehmer waren nie sicher, ob sie den Morgen danach mit einem grauenvollen Kater oder mit prall gefüllter Brieftasche erleben würden.

3.2. Der Aufstieg der Oligarchen

3.2.1. Vladimir Vinogradov

Vladimir Viktorovič Vinogradov war der Pionier des russischen Bankenwesens. Er wurde am

19. Oktober 1955 in Ufa geboren und studierte Weltraumenergetik am Moskauer Aviatikinstitut (Moskovskij aviacionnyj institut, MAI). Nach dem Studium arbeitete Vinogradov beim Atomkonzern Atommaš im Süden Russlands und stieg dort bis zum Ersten Sekretär des Komsomol auf.[76] Die vorbildliche Karriere bescherte ihm 1986 den Posten des Chefökonomen bei der staatlichen Promstrojbank in Moskau, welche für die Kreditvergabe an Industriebetriebe zuständig war.[77] Vinogradov sass damit an der bedeutsamen Schnittstelle zwischen den Staatsgeldern und der sowjetischen Grossindustrie. Nichtsdestotrotz beschrieb er seine Arbeit später als „schlecht bezahlt und langweilig“[78] und er nutzte die erste Möglichkeit, um der staatlichen Planwirtschaft den Rücken zu kehren. Gemeinsam mit zwei Freunden fasste er den Entschluss, eine Bank zu gründen: „Perestroika came around, and the establishment of commercial banks was allowed“, erinnerte sich Vinogradov. „I gathered likeminded people and, despite all difficulties, started a bank.”[79] Am 21. November 1988 hob er die Inkombank (Moskovskij innovacionnyj kommerčeskij bank) aus der Taufe. Vinogradov fand mehrere Geldgeber, unter ihnen das renommierte Moskauer Plechanov Institut und die angesehene Tageszeitung Literaturnaja gazeta. Politische Rückendeckung erhielt der Jungunternehmer vom damaligen Vize-Premierminister Leonid Albakin.[80] Vinogradov betrat mit der Gründung der Inkombank absolutes Neuland, dementsprechend harzig verliefen die ersten Monate: „I cannot say that we began to make good money right away. However, we worked 18 hours per day.”[81] Die Anfänge seiner Bank erlebte der frischgebackene Bankier wie im Rausch.[82] In zwei kleinen Zimmern am Rande Moskaus macht er sich daran, die Inkombank zu einem der mächtigsten russischen Finanzinstitute aufzubauen. Vinogradov und seine Mannschaft wussten, wie man zu Geld kam. Dank Kontakten zu einflussreichen Parteiangehörigen sicherten sie sich von der Zentralbank einen Kredit über zehn Millionen Rubel. Ausserdem transferierten das Finanzministerium, die Zollbehörde sowie zahlreiche Aussenhandelsorganisationen hohe Summen auf die Konten der Inkombank, mit dem Auftrag, diese zu verwalten und Transfers vorzunehmen. Die Behörden übersahen dabei völlig den Zeitwert des Geldes. Jeder Transfer verwandelte sich in den Händen der Bank zu einem kurzfristigen zinslosen Kredit.[83] Vinogradov beschrieb später, wie der Rubel tatsächlich rollte: „The thing was that the crazy money was being made on special relations with the government. For example, money was taken from the government to finance some programs. Those programs were not financed or were financed just one tenth of what had to be paid. And the money was invested […].”[84] Am 25. März 1991 wurde die Inkombank in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und mit Kreditgeschäften und Devisenspekulation stieg sie bald zu einer der grössten Privatbanken Russlands auf.[85] Bis zum Jahr 1993 war das Grundkapital der Inkombank auf

140 Millionen US-Dollar angewachsen, ihr Filialnetz umfasste zweiundzwanzig Geschäftsstellen in ganz Russland.[86] Die Inkombank zählte zu den wenigen russischen Finanzinstituten, die Privatunternehmen mit Krediten versorgten. Während die meisten Banken das Risiko scheuten, wollte sich Vinogradov das einträgliche Geschäft nicht entgehen lassen. „Wir irren uns fast nie“, meinte er in einem Interview, „wer in Russland Geschäfte machen will, muss eben das Land kennen.“[87] Als einer der ersten russischen Bankiers wagte Vinogradov den Schritt ins Ausland. 1993 eröffnete er in New York, Frankfurt und auf Zypern Filialen sowie eine Niederlassung in der Schweiz. Der Chef der Inkombank äusserte sich damals selbstbewusst: „In spätestens zehn Jahren werden wir erfolgreich in allen Bankzentren der Welt arbeiten.“[88]

3.2.2. Aleksandr Smolenskij

Geboren am 6. Juli 1954 wuchs Aleksandr Pavlovič Smolenskij zusammen mit seiner Mutter und zwei älteren Schwestern in Moskau auf, seinen Vater bekam er selten zu Gesicht.[89] Als Sohn einer mittellosen österreichischen Jüdin waren seinen Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten schon früh Schranken gesetzt und seine Jugend gestaltete sich als ewiger Kampf ums Überleben. Die Weigerung, sich dem herrschenden System unterzuordnen, vergrösserten seine Probleme zusätzlich. Als er mit sechzehn Jahren dazu angehalten wurde, einen sowjetischen Pass zu bestellen, weigerte er sich, die russische Nationalität anzunehmen. Unter den entsprechenden Vermerk schrieb er „Österreicher“. Smolenskij war spätestens ab diesem Zeitpunkt ein Geächteter der staatlichen Behörden. „After that, I received everything that was due to me”, erinnerte er sich, „the state loves jokes like that.”[90] Den obligatorischen Militärdienst leistete Smolenskij im georgischen Tiflis. Um ein wenig Geld zu verdienen, verkaufte er dort selbst gedruckte Visitenkarten. Papier, Tinte und Druckerpresse wusste er sich bei der Armeezeitung zu beschaffen. Nach dem Militärdienst arbeitete Smolenskij drei Jahre lang in einer Druckerei, später wurde er Verkäufer in einem staatlichen Verlagshaus: „I was an enemy of the people […]. I couldn’t find a decent job.”[91] Um sich und seiner Mutter das Überleben zu sichern, arbeitete er nachts illegal in einer Bäckerei. Seine eigentlichen Geschäfte betrieb Smolenskij aber im Schatten der staatlich kontrollierten Wirtschaft. So nutzte er zum Beispiel seinen Zugang zu den staatlichen Druckerpressen um Bibeln herzustellen, die er auf dem Schwarzmarkt gewinnbringend verkaufte. Im Jahr 1981 wurde Smolenskij wegen „Diebstahl staatlichen Eigentums“ verhaftet und zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Einen Tag später stand er bereits wieder auf freiem Fuss.[92] Trotz des Zusammenstosses mit den sowjetischen Gesetzen fand Smolenskij bald darauf eine Stelle in einem staatlichen Bauunternehmen. In Moskau herrschte damals eine immense Knappheit an Wohnraum. Der Staat vermochte die Nachfrage nicht zu befriedigen, vor allem weil es an Rohstoffen mangelte. Nägel, Sand oder Zement gab es nirgendwo zu kaufen, die Materialien mussten anderweitig beschafft werden, und Smolenskij wusste wie. Oder wie Hoffman es formuliert: „Smolensky was good at getting.“[93] Die organisatorischen Fähigkeiten des jungen „Beschaffers“ blieben nicht unbemerkt. Im Jahr 1987 wurde Smolenskij vom Moskauer Parteikomitee damit beauftragt, eine Kooperative zu gründen. Besonders in der notorisch ineffizienten Bauindustrie war dieses Vorgehen keine Seltenheit.[94] Viele Parteifunktionäre hatten erkannt, dass Personen wie Smolenskij, die stets am Rande der Legalität agierten, besser wirtschafteten als die staatlichen Betriebe. Smolenskij erinnerte sich an den Tag, als er seine Kooperative in einem kleinen, sterilen Büro im Zentrum Moskaus registrieren liess: „Wir erschienen mit dem originellen Namen Moskva. Die Beamtin teilte uns mit, dass der Name bereits vergeben sei. Wir sagten: ‚Dann nehmen wir Moskva-1 ’. Sie erwiderte: ‚ Moskva-1 existiert bereits und auch Moskva-2 gibt es schon.’ ‚Tja’, erwiderten wir, ‚dann nehmen wir Moskva-3.’“[95] Unter dem Namen Moskva-3 startete Smolenskij sein eigenes Unternehmen. Für den damals 33-Jährigen war klar: „On that day, Communism was over for me.“[96] Smolenskij wusste seine Erfahrungen im Bauwesen geschickt zu nutzen: Er verlegte sich auf den Bau von Datschen im Umland der übervölkerten Hauptstadt und verdiente sich damit eine goldene Nase. Da er den staatlichen Banken misstraute, wusste er bald nicht mehr wohin mit den Rubelscheinen. Kurzerhand entschloss er sich, eine eigene Bank zu gründen. Am 14. Februar 1989 wurde die Bank Stoličnyj offiziell registriert.[97] Smolenskij wusste nichts über Bankgeschäfte, Stoličnyj wurde bloss als finanzielle Schaltzentrale für seine Kooperative errichtet: „For several months I had a big desk and all my friends made jokes. On one side of my desk, I was chairman of this cooperative, Moskva-3. And on the other side I was director of a bank.”[98] Was bloss dazu gedacht war, Smolenskijs Vermögen vor staatlichem Zugriff zu schützen, erwies sich bald als rentables Geschäft. Smolenskij löste seine Kooperative Moskva-3 auf und widmete sich fortan der Bank. Anders als Vinogradov erhielt er zunächst keine staatliche Unterstützung in Form billiger Kredite. Dies änderte sich mit dem rasanten Aufstieg der Stoličnyj-Bank. Diesen Aufstieg verdankte Smolenskij vor allem der Zusammenarbeit mit dem „schnellen Geld“, Gewinnen aus riskanten, aber äusserst einträglichen Handelsgeschäften.[99] Eine andere Tätigkeit bot sich in der Spekulation mit harten Devisen. Im Jahr 1992 verzeichnete die Stoličnyj-Bank einen Reingewinn von 2,4 Millionen Rubel. Smolenskij blieb skeptisch. Zu einem Freund meinte er: „We shouldn’t be seduced by this. At any moment, even in our free Russia, they can still come and squash you like a bug.“[100]

3.2.3. Michail Chodorkovskij

Michail Borisovič Chodorkovskij wurde am 26. Juni 1963 in Moskau geboren. Er war das einzige Kind einer jüdischen Arbeiterfamilie, die in bescheidenen, aber finanziell gesicherten Verhältnissen lebte. Eine Ausbildung als Chemie-Technologe schloss Chodorkovskij im Jahr 1986 mit Bestnoten ab. Als er eine Stelle in einem führenden Rüstungsbetrieb antreten wollte, wurde er abgewiesen. „Aus Sicherheitsgründen“, wie es hiess – Chodorkovskij war Jude.[101] „Dabei waren wir zu Hause gar nicht religiös, schon gar nicht politisch subversiv“[102], verteidigte er sich später. Chodorkovskij war aktives Mitglied des Komsomol, dessen Karriereleiter er 1987 bis zum Stellvertretenden Instituts-Sekretär emporstieg. Der Komsomol litt seit dem Beginn der Perestrojka an gravierendem Mitgliederschwund.[103] Um zu überleben, wandte er sich dem „kapitalistischen Experiment“ zu und begann, kleine Unternehmen zu fördern und finanziell zu unterstützen. Unter seiner Obhut entstanden Cafés, Discos, Bars, Reisebüros, Druckhäuser und andere kleine Unternehmen. Den Gewinn aus diesen Geschäften durften die Betreiber behalten.[104] In anderen Worten: „The Komsomol became a Communist Party business school.“[105] Michail Chodorkovskij begann seine unternehmerische Karriere unter der Ägide des Komsomol mit der Gründung eines Jugendcafés. Diesen Eintritt in die Geschäftswelt beschrieb er später als „ziemlich typisch für einen Menschen meiner Generation, der nach der Möglichkeit suchte, Geld zu verdienen.“[106] Als sich das Café als Flop erwies, gründete Chodorkovskij gemeinsam mit ein paar Mitstreitern ein „Zentrum der wissenschaftlich-technischen Kreativität der Jugend“ (Centr naučno-techničeskogo tvorčestva molodeži, NTTM). Offizielle Aufgabe dieser 1987 initiierten Zentren war es, wissenschaftliche Forschung zu betreiben. In Wirklichkeit entwickelte sich daraus ein rechtliches Schlupfloch, welches den jungen Komsomolzen erlaubte, auf legale Art und Weise Geld zu verdienen. „Das Gesetz [über die Gründung von NTTMs, Anm. d. A.] legte eine brauchbare legale Basis um mit dem Geldverdienen zu beginnen“[107], erinnerte sich Chodorkovskij. In Verbindung mit seiner Arbeit beim NTTM begann er ein Zweitstudium am Moskauer Plechanov Institut für Volkswirtschaft, das er 1988 abschloss.[108]

Chodorkovskij und sein Team fanden einen genialen Weg, um aus Nichts ein Vermögen zu machen. Das sowjetische Finanzsystem kannte zwei Arten von Geld. Die eine bestand aus einfachem Bargeld – Banknoten und Münzen. Die Fabrikdirektoren hatten strenge Auflagen, wie sie ihr Bargeld einsetzen durften, meistens wurden damit die Löhne bezahlt. Neben dem „normalen“ Geld existierten so genannte „Transferrubel“ (beznaličnye); eine Art virtuelle Währung, welche der Staat für die Unterstützung der Industrie herausgab. Den Fabriken wurde erlaubt, mit den Transferrubeln die Leistungen anderer Betriebe zu bezahlen, nicht aber, sie in harte Währung umzuwandeln. Die meisten Fabrikdirektoren sassen auf einem Berg von nutzlosen Transferrubeln, während Bargeld eine Mangelware war.[109] Der De-facto-Wert eines virtuellen Rubels erreichte in den späten achtziger Jahren gerade mal den Zehntel eines realen Rubels.[110] Chodorkovskij machte sich diesen Umstand geschickt zu Nutze. Sein „Zentrum“ bot den Fabriken „technische Beratung“ an, die es sich in Transferrubeln bezahlen liess. Anders als die sowjetischen Betriebe genoss der Komsomol – und somit Chodorkovskij – das Privileg, die beiden Währungen zu konvertieren. Einen Teil des gewonnenen Bargeldes erhielten die Fabrikdirektoren, den Rest konnten die jungen Unternehmer in den eigenen Sack stecken.[111] Innerhalb von zwei Jahren baute Chodorkovskij so ein veritables Unternehmen auf, unter dessen Dach – gemäss eigener Aussage – zeitweilig 5'000 Personen arbeiteten.[112] Aus dem ersten „Zentrum der wissenschaftlich-technischen Kreativität der Jugend“ war eine grosse Anzahl neuer NTTMs an verschiedenen Orten entstanden. Später wandelte Chodorkovskij diese in Kooperativen um, die er 1987 unter dem Namen Menatep (Mežotraslevye naučno-techničeskie programmy) zusammenfasste.[113] Immer auf der Suche nach neuen Geschäftsmöglichkeiten stieg Chodorkovskij in den Import-Export-Handel ein. Mit Dollars, die er zuvor bei Exportfirmen gegen Transferrubel getauscht hatte, kaufte er im Ausland billige Computer, importierte sie und verkaufte sie zu einem mehrfachen Preis an sowjetische Betriebe. Bezahlen liess er sich die Computer in Transferrubeln, die er später wieder in Bargeld oder Dollars umwandelte. Um diese Geldmaschine zu finanzieren, stieg Chodorkovskij ins Bankgeschäft ein.[114] Im Dezember 1988 wurde die Bank Menatep offiziell registriert. Unterstützung erhielten die Bankgründer von führenden Kräften der staatlichen Žilsocbank und der Gosbank.[115] Selbst Chodorkovskij zeigte sich später überrascht, wie reibungslos die Sache abgelaufen war: „Wir trafen auf praktisch keine Widerstände von Seiten der staatlichen Organe – eine seltene Konstellation der Umstände.“[116] Hoffman kommentiert: „Rare indeed, but not for a favorite son of the system.“[117] Dank Chodorkovskijs Beziehungen erhielt die Bank Menatep fortlaufend billige Kredite von der Gosbank und war autorisiert, staatliche Gelder zu verwalten. Bald spielte der Handel mit Computern und Transferrubeln nur noch eine sekundäre Rolle: „The main thing was credits“, erinnerte sich Chodorkovskij, „basically we took money from the state, gave it to state enterprises, and then took money from state enterprises and returned it to the state.”[118] Als Gorbatschow 1990 eine Gruppe von Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern in den Kreml einlud, war Chodorkovskij mit von der Partie. Wenig später wurden er und sein Geschäftspartner Leonid Nevzlin zu wirtschaftlichen Beratern des russischen Premierministers ernannt.[119] Politisch hervorragend vernetzt und mit einer gewinnbringenden Bank im Hintergrund besass Michail Chodorkovskij eine ausgezeichnete Ausgangslage für die Privatisierungen der 1990er Jahre.

3.2.4. Vladimir Gusinskij

Vladimir Aleksandrovič Gusinskij wurde am 6. Oktober 1952 in Moskau geboren.[120] Ähnlich wie Smolenskij lernte er schon früh, sich im Leben durchzuschlagen: „I am a product of the street. I was born in the street and learned to defend myself in the street.“[121] Gusinskijs Familie war jüdisch. Sein Grossvater wurde während der Stalin’schen Säuberungen erschossen, seine Grossmutter verbrachte acht Jahre in einem Arbeitslager.[122] Ein Studium als Physikingenieur wurde Gusinskij verwehrt, weil er Jude war. Stattdessen schrieb er sich am Moskauer Gubkin Institut für Petrochemie ein, widmete sich jedoch mehr den Schwarzmarktgeschäften als seinem Studium, das er schliesslich abbrach. 1975 bewarb er sich erfolgreich um einen Studienplatz am Staatlichen Institut für Theaterkunst (Gosudarstvennyj institut teatral'nogo iskusstva, GITIS). Gusinskij gelang es schnell, sich in der Szene einen Namen zu machen; der Direktor des Instituts erinnerte sich: „He had a lot of acquaintances. He was different because of his communicativeness and networks.“[123] Trotzdem gelang es Gusinskij nie, sich im Theatergeschäft durchzusetzen. Sein rebellischer Geist und seine jüdische Herkunft liessen ihn an vielen Orten abblitzen. Nach Beendigung des Studiums im Jahr 1980 bereiste Gusinskij mit seinem ersten Theaterstück weite Teile der Sowjetunion. 1985 fand er eine Anstellung beim Komsomol als Organisator öffentlicher Grossveranstaltungen wie Konzerten oder Sportanlässen. Noch im selben Jahr überwarf er sich aber mit den staatlichen Autoritäten und musste seinen Posten räumen.

Den Beginn der Perestrojka erlebte Vladimir Gusinskij auf dem Fahrersitz eines inoffiziellen Taxis. In der Nähe eines Strassenbahndepots traf ihn Ende 1986 der Blitz der Erkenntnis: „I turned around and suddenly I saw a vein of gold. What was it? A huge wooden reel, two meters tall, wound with copper cable – copper cable that was used for the transformer of the streetcar.”[124] Gusinskij tauschte die Kupferrollen gegen ein paar Flaschen Vodka und fabrizierte daraus Kupferarmbänder.[125] Die notwendige Ausrüstung fand er in einer stillgelegten Fabrik am Stadtrand von Moskau. Das Armband-Geschäft entwickelte sich zu einer wahren Goldgrube. Im Jahr 1987 gründete Gusinskij mit Metall die erste Kooperative in der Region Moskau. Sie produzierte Frauenbekleidung und baute Garagen.[126] In dieser Zeit lernte Gusinskij Jurij Lužkov[127] kennen, den späteren Bürgermeister von Moskau. Mit Lužkovs Unterstützung stieg Gusinskij in den boomenden Moskauer Immobilienmarkt ein. Der mächtige Bürokrat und der junge Unternehmer ergänzten sich auf ideale Weise: Lužkov übertrug Gusinskij die Rechte an alten renovationsbedürftigen Immobilien, Gusinskij restaurierte sie und gab die Hälfte oder auch Dreiviertel der Gebäude der Stadt Moskau zurück. Den Rest verkaufte er mit hohem Gewinn. Im Oktober 1989 gründete Gusinskij die Most-Bank, um sein ständig wachsendes Baugeschäft zu finanzieren. 1990 reorganisierte er seine Unternehmen in der Gruppa Most, deren Zentrum die Most-Bank wurde.[128] Gusinskij hatte erkannt, dass den neuen Geschäftsbanken eine goldene Zukunft bevorstand, wenn sie nur die richtigen Kontakte besassen. Er überredete seinen alten Freund Lužkov, ihm die Verwaltung der Moskauer Stadtkasse zu überlassen. Fortan flossen Milliarden von Rubel über die Konten der Most-Bank, die bald zu einer der mächtigsten Banken Russlands aufstieg.[129] Gusinskij errichtete sein Hauptquartier im selben luxuriösen Gebäude, von dem aus Lužkov die russische Hauptstadt kontrollierte, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Weissen Haus. Seine Geldautomaten schmückten die Gänge des Regierungsgebäudes und die politische Elite des Landes benutze die Kreditkarten seiner Bank. Gusinskij gehörte zu den „real masters of Moscow“[130].

3.2.5. Boris Berezovskij

Boris Abramovič Berezovskij ist mit Abstand der älteste der acht Oligarchen. Er wurde kurz nach dem 2. Weltkrieg, am 23. Januar 1946, geboren. Sein Vater, ein Jude, arbeitete als Bauingenieur in Moskau, seine Mutter war Krankenschwester. Berezovskij schien als Kind nicht unter seiner jüdischen Abkunft gelitten zu haben, nach eigener Aussage verlebte er „a very happy Soviet childhood.“[131] Berezovskij genoss eine ausgezeichnete Ausbildung: 1967 beendete er die Fakultät für Elektronik und Rechentechnik am Moskauer holztechnischen Institut und trat in die Moskauer Staatsuniversität (MGU) ein, wo er Mathematik studierte und 1973 habilitierte.[132] Im Jahr 1969 begann er eine wissenschaftliche Karriere am prestigeträchtigen Institut für Steuerungsprobleme (Institut problem upravlenija AN SSSR). Hier versammelte sich die Elite der sowjetischen Forschung und beschäftigte sich mit Problemen im Raketen- und Flugzeugbau sowie in der Industrieproduktion. Innerhalb des sowjetischen Staates war das Institut ein Hort der offenen Diskussion und eine beständige Quelle neuer Ideen. Die Mathematiker arbeiteten unter anderem während Jahren an Modellen der freien Marktwirtschaft, was erlaubt war, weil es sich nur um Modelle handelte.[133] Boris Berezovskij war kein brillanter Wissenschaftler. Was ihn auszeichnete, waren seine grenzenlose Energie und ein Durchsetzungswille, der ihm Tür und Tor öffnete. Ein ehemaliger Mitarbeiter erinnerte sich: „He [Berezovskij, Anm. d. A.] was in one place one minute, and in another the next. He had a million phone calls. A million places where he was late to arrive. Another million places where he promised to arrive but never went.“[134] Bald bekam Berezovskij ein eigenes Laboratorium. In seiner Funktion als Abteilungsleiter war er verantwortlich für die praktische Anwendung der Forschungsergebnisse. Ab 1973 arbeitete er eng mit der Automobilfabrik AvtoVAZ[135] in Togliatti zusammen; das Laboratorium unterstützte den Betrieb beim Aufbau einer automatischen Projektierung und übernahm deren Unterhalt und Programmierung.[136]

Mit dem Beginn der Perestrojka eröffnete sich für Berezovskij ein neues Betätigungsfeld. Er begann, die Arbeit seines Laboratoriums finanziell zu nutzen: „We simply used the knowledge that I had gained professionally, from the institute, and the work we had done at the institute, and started to sell that work.“[137] Wie Chodorkovskij gründete Berezovskij ein NTTM und vertrieb erfolgreich eine Managementsoftware an sowjetische Staatsbetriebe: „[I] absolutely vulgarly lobbied our project. […] We convinced them that it was a good product, and we sold tens of thousands of copies of this software. And those were the first millions of rubles that we earned, and a million rubles at that time was a whole lot.”[138] Einer der Hauptabnehmer der Software war das Automobilwerk Avtovaz. Im Mai 1989 gründete Boris Berezovskij die Kooperative LogoVAZ[139], um selber in den Autohandel einzusteigen: „I understood one important thing. At that time, an enormous number of people wanted to buy cars. It didn’t matter if they lacked clothes. But if only there would be a car !”[140] Als Mitbegründer und Teilhaber an Logovaz fungierte Vladimir Kadannikov, Direktor von Avtovaz.[141] In einem gewagten Manöver importierte Berezovskij

846 Fiat Autos aus Italien und verkaufte sie in Moskau: „[W]e earned more or less $3 million. At that time, this was colossal money. That was the first real business that I had done except for software.”[142] Nach dem Fiat-Coup begann Berezovskij ein eigenes Händlernetz aufzubauen. Logovaz kaufte zehntausende von Autos auf Kommission bei Avtovaz und verkaufte sie in ganz Russland. Der Trick bestand darin, dass Berezovskij die Hyperinflation der neunziger Jahre mit einberechnete. Da der Wert des Rubels gegenüber dem Dollar zwischenzeitlich fast um das Zehnfache sank, musste er real nur noch einen Bruchteil seiner Schulden zurückbezahlen.[143] Berezovskij verdiente sich eine goldene Nase, während das riesige Automobilwerk an der Wolga vor die Hunde ging. 1992 gründete Berezovskij die Ob"edinennyj Bank. Das Herz seines zukünftigen Imperiums blieb aber Logovaz mit seinen engen Verbindungen zu Avtovaz. Berezovskijs Händlernetz monopolisierte praktisch deren Vertrieb und erreichte damit im Autohandel mit 45'000 verkauften Autos pro Jahr russlandweit einen Marktanteil von 10%.[144]

3.2.6. Vladimir Potanin

Der kometenhafte Aufstieg Potanins unterscheidet sich grundsätzlich von denjenigen der anderen Oligarchen. Potanin stammt nicht aus bescheidenen Verhältnissen, er musste sich auch nie als Strassendealer durchschlagen, „Potanin was a Soviet blue-blood. [...] He went straight from a promising Soviet career to a $300m bank.“[145] Vladimir Olegovič Potanin wurde am

3. Januar 1961 in Moskau geboren. Seine Kindheit verbrachte er grösstenteils ausserhalb der Sowjetunion. Dies verdankte er der Karriere seines Vaters, der zeitweise Vorsitzender der sowjetischen Handelsvertretung in Indonesien und später in Neuseeland war.[146] Die vielen Auslandaufenthalte haben Potanin nachhaltig geprägt. „Natürlich hat mir dies geholfen“, erklärte er später. „Ich traf mit Ausländern zusammen und lauschte den Gesprächen meines Vaters. Daraus lernte ich sehr viel. Und deshalb war ich auch mehr oder weniger vorbereitet, als in unserem Land der Kapitalismus Einzug hielt.“[147] Vladimir Potanin folgte den Fussstapfen seines Vaters und begann ein Studium an der ökonomischen Fakultät des Moskauer Instituts für internationale Beziehungen (Moskovskij gosudarstvennyj institut meždunarodnych otnošenij, MGIMO). Im Jahr 1983 trat Vladimir Potanin in den Staatsdienst ein, wo er bis 1990 im Aussenhandel tätig war. 1989 wurde ihm ein begehrter Posten im Ausland angeboten, doch Potanin lehnte ab.[148] Er hatte die Zeichen der neuen Zeit erkannt und beschlossen, sein Glück auf eigene Faust zu versuchen. Im März 1990 schuf er die Kooperative Interros, die sich auf den Import-Export Handel spezialisierte.[149] Wie die anderen Oligarchen erkannte Potanin, dass die Zukunft den Banken gehörte, und so gründete er 1992 das Finanzunternehmen MFK (Meždunarodnaja finansovaja kompanija). Die Bildung von MFK erfolgte auf der Grundlage der Internationalen Bank für wirtschaftliche Zusammenarbeit (Meždunarodnyj bank ėkonomičeskogo sotrudničestva, MBĖS). Die staatliche Institution war durch den Zusammenbruch der Sowjetunion in akute Finanzprobleme geraten und stand kurz vor dem Konkurs. Um die Gläubiger der Bank – allesamt sowjetische Staatsbetriebe – vor dem drohenden Kollaps zu retten, wurden die 300 Millionen Dollar schweren Einlagen der MBĖS auf die Konten der MFK transferiert.[150] Potanin hatte seine Beziehungen im Aussenhandelsministerium in bares Geld verwandelt. Praktisch über Nacht stieg die MFK in die höchste Liga der russischen Banken auf. Wenig später schuf Potanin mit der ONĖKSIMbank[151] (Ob"edinennyj ėksportno-importnyj bank) das Herzstück seines zukünftigen Firmenimperiums.[152]

3.2.7. Michail Fridman

Michail Maratovič Fridman wurde am 21. April 1964 in der westukrainischen Stadt L'vov geboren. Seine einfache Herkunft hat er nie verhehlt.[153] Seine Eltern waren Juden und arbeiteten als Ingenieure in einer sowjetischen Fabrik. Nach Abschluss der Grundschule verliess Fridman die ukrainische Provinz und bewarb sich 1981 am Moskauer Physikalisch-Technischen Institut (Moskovskij fiziko-techničeskij institut, MFTI). Die Zulassungsprüfung bestand er mit „hervorragend“, doch sein jüdischer Pass wurde ihm zum Verhängnis. Auch beim zweiten Versuch, ein Jahr später, wurde er abgewiesen. Um dem Militärdienst zu entgehen, trat Michail Fridman in das wenig bekannte Moskauer Institut für Stahl und Aluminium (Moskovskij institut stali i splavov, MISIS) ein.[154] Während des Studiums beschäftigte er sich nicht nur mit Buntmetallen. Um sein Sackgeld ein wenig aufzubessern, betrieb Fridman illegal Geschäfte mit Theaterbilletten. Er selber stand aber nie nächtelang Schlange vor den Theaterkassen, er verkaufte auch keine Tickets auf dem Schwarzmarkt. Fridman war der Koordinator. Er entwickelte eine eigene Organisationsstruktur mit mehreren Hierarchiestufen, und einmal pro Woche traf er sich mit seinen Stellvertretern. Zwischenzeitlich arbeiteten bis zu hundertundfünfzig Studenten für sein „Unternehmen“.[155] Insgesamt verlebte Fridman eine angenehme Studienzeit: „My life was very carefree, just as life for everyone in the Soviet Union. Materially, of course, people did not live very well, but no one had to worry about anything. The main thing, what was really intense, was friends, spiritual interests, books.”[156] Nach Beendigung des Studiums drohte Fridman 1986 eine Versetzung in die russische Provinz Rjazan'. Dank den Gewinnen aus dem Billett-Geschäft hatte er bei den zuständigen Beamten jedoch so viel Einfluss gewonnen, dass er das Unheil abwenden konnte: „For two years I supplied them with various foods, consumer goods, all sorts of things“[157], erinnerte sich Fridman. Sein neuer Bestimmungsort war Ėlektrostal', eine Stahlmine sechzig Kilometer ausserhalb Moskaus. Tagsüber arbeitete Fridman als Ingenieur in der Mine, den Abend und die Nacht widmete er seinen Geschäften in der Hauptstadt: „Eigentlich lebte ich in Moskau. Jeden Morgen fuhr ich zur Arbeit: zweieinhalb Stunden hin und zweieinhalb Stunden zurück. Um halb sechs stand ich auf, widmete den ganzen Tag der Buntmetallindustrie und um acht Uhr abends fuhr ich nach Hause zurück, um mich in die Geschäfte zu stürzen: telefonieren, Leute treffen, Dinge vorbereiten, Sachen zusammentragen. Ich schlief damals so wenig, dass meine Sehkraft nachliess… Wo ich wohnte? Zuerst hielt ich mich lange im Studentenwohnheim auf. Danach übernachtete ich ein halbes Jahr lang auf dem Klappbett in der Küche eines Freundes.“[158] Zusammen mit ehemaligen Mitstudenten gründete Michail Fridman 1987 eine Kooperative namens Kur'er. Ihre Tätigkeit reichte vom Handel mit Immobilien über den Vertrieb von sibirischen Wollschals bis hin zur Zucht weisser Labormäuse und einem Fensterreinigungs-Service.[159] 1988 verliess Fridman Ėlektrostal' und startete eine Reihe neuer Projekte. Mit der Handelskooperative Al'fa-Ėko spezialisierte er sich auf den Kauf und Verkauf von Tee, Zucker, Zigaretten und Parfüm, später stieg er ins Import-Export-Geschäft mit Computern und schliesslich mit Erdöl und Erdölprodukten ein.[160] Mit den Gewinnen aus der Handelskooperative gründete Fridman im Januar 1990 die Al'fa-Bank. Obwohl dick im Geschäft, fehlten ihm die Kontakte für den endgültigen Durchbruch. Er war ein Meister im Umgarnen von Apparatschiks[161], doch als Jude aus der ukrainischen Provinz war ihm der Zugang zu den Moskauer Regierungskreisen versperrt. Fridman löste das Problem auf seine Weise, indem er einen der jungen Reformer aus der Regierung Gajdars zu seinem Partner machte: Petr Aven. Avens Verbindungen in die Politik und Fridmans Kontakt-Netz aus der Zeit der ersten Kooperativen eröffneten der neu gegründeten Finanz-Industrie-Gruppe Al'fa-Grupp hervorragende Perspektiven.

[...]


[1] Iggulden, Conn. Emperor: The death of kings. London 2004, S. 1.

[2] Eine Liste der von den Oligarchen kontrollierten Unternehmen ist im Anhang, auf S. 116 dieser Arbeit, abgedruckt.

[3] Nezavisimaja gazeta, 13.10.1993, S. 1 (siehe dazu Schröder, Jelzin und die „Oligarchen“, S. 5, Fn. 1).

[4] Kryštanovskaja, Finansovaja oligarchija (1996). Der Begriff „Oligarchie“ stammt ursprünglich aus dem Griechischen (Oligarchia). Er bezeichnet nach Aristoteles eine „Zerrform der Aristokratie, eine Herrschaft zum Nutzen der Reichen“ (Schneider, Putin und die Oligarchen, S. 7, Fn. 1). In der marxistisch-leninistischen Terminologie ist der Begriff „Finanzoligarchie“ von Lenin geprägt. Siehe dazu seine Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ aus dem Jahr 1916 (Lenin, Wladimir Iljitsch. Werke, Bd. 22. (Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED). Berlin 1960, S.191-309).

[5] Pleines, Wirtschaftseliten und Politik, S. 14.

[6] Hoffman und Schröder stützen diese Auswahl (Hoffman, The oligarchs, S. 328; Schröder, Jelzin und die „Oligarchen“: Materialien, S. 45, Tab. 12). Siehe auch Muchin, Biznes-ėlita, S. 10f. Welchen Grad an Einfluss die Oligarchen wirklich besassen und ob man beim politischen Regierungssystem Russlands in den neunziger Jahren überhaupt von einer „Oligarchie“ sprechen kann, wird andernorts untersucht (siehe dazu S. 4, Fn. 15 dieser Arbeit).

[7] Vgl. den gegensätzlichen Ansatz von Kryštanovskaja und White, die von einer „gesichtslosen Oligarchie“ ausgehen (Kryštanovskaja/White, The rise, S. 296).

[8] In dieser Arbeit wird untersucht, wie sich die Oligarchen öffentlich zu ihrer Rolle äusserten. Selbstverständlich können hinter den Äusserungen taktische Überlegungen gestanden haben.

[9] Der Untersuchungszeitraum beginnt somit bei der Wahl Michail Gorbatschows zum Generalsekretär der KPdSU und endet mit dem Rücktritt Jelzins am 31. Dezember 1999.

[10] Die gemeinsamen öffentlichen Erklärungen der Oligarchen sind im Anhang, auf S. 117 dieser Arbeit, abgedruckt.

[11] Ausnahmen sind entsprechend gekennzeichnet.

[12] Schröder, Jelzin und die „Oligarchen“, S. 26-29. Über die allgemeine Einstellung der russischen Wirtschaftselite – ohne Fokussierung auf die Oligarchen – existiert eine umfangreiche Literatur. Siehe Bunin, Biznesmeny Rossii (1994); Čirikova, Lidery rossijskogo predprinimatel'stva (1997); Yurchak, Russian neoliberal (2003); Zarubina, Ėtika predprinimatel'stva v russkoj kul'ture (2003); Zarubina, Biznes v zerkale russkoj kul'tury (2004).

[13] Kryštanovskaja, Finansovaja oligarchija (1996).

[14] Pleines, Wirtschaftseliten und Politik, S. 15.

[15] Schröder, Jelzin und die „Oligarchen” (1998); Pleines, Der politische Einfluss von Wirtschaftseliten in Russland: Die Öl- und Gasindustrie (2002); Pleines, Der politische Einfluss von Wirtschaftseliten in Russland: Die Banken (2003); Pleines, Wirtschaftseliten und Politik im Russland der Jelzin-Ära (2003); Harter et al. (Hg.), Geschäfte mit der Macht (2003).

[16] Goldman, The piratization, S. 38.

[17] Der Fokus wird in diesem Kapitel auf diejenigen Grossunternehmer gelegt, die im Verlaufe der Industrialisierung zu Wohlstand und Macht gelangten. Zur Geschichte des russischen Unternehmertums vor Peter dem Grossen siehe u.a. Heller, Russische Wirtschafts- und Sozialgeschichte (1987).

[18] Petrov, Formen, S. 31.

[19] Ebd.

[20] Im Zuge der Kirchenreformen des 17. Jahrhunderts kam es zu einer Abspaltung der Altgläubigen von der Moskauer Patriarchatskirche. Die Altgläubigen verstehen sich als Bewahrer der ursprünglichen russisch-orthodoxen Tradition. Sie waren in ihrer Geschichte immer wieder Repressalien ausgesetzt.

[21] Heller, Industrielles Unternehmertum, S. 13; Kahan, Russian economic history, S. 16.

[22] Petrov, Formen, S. 34f.

[23] Zum Begriff siehe Ruckman, The Moscow business elite, S. 155; oder Owen, Capitalism and politics, S. 175.

[24] Ruckman, The Moscow business elite, S. 19; Rieber, Merchants, S. 286.

[25] Ruckman, The Moscow business elite, S. 53.

[26] Pavel Rjabušinskij, in: Utro Rossii, 04.04.1912, zit. Petrov, Formen, S. 48.

[27] Die folgenden Ausführungen über die Putilov-Werke stützen sich auf Grant, Big business.

[28] Petrov, Formen, S. 46. Zu Aleksej Putilov siehe auch Grant, Big business, S. 93-112.

[29] Petrov, Formen, S. 43.

[30] Haumann, Kapitalismus, S. 37.

[31] Ebd., S. 38. Zu den Syndikaten siehe auch Gatrell, The tsarist economy, S. 177-184, zur Konzentration im Bankensektor siehe ebd., S. 212f. Zu den Moskauer Banken siehe Rieber, Merchants, S. 113f.

[32] Rieber, Merchants, S. 332, resp. S. 365. Kursiv im Original.

[33] Wattendorf, Licht, S. 106.

[34] Zarubina, Biznes, S. 142. Die Gestalt des Kaufmannes wird bereits in früherer Literatur – zum Beispiel bei Gogol' – heftig parodiert, seine Betrügereien stehen dort jedoch im Schatten der noch heimtückischeren Činovniki (Beamten). Über die aussergewöhnliche Bedeutung der Literatur im zaristischen Russland siehe Zarubina, Biznes, S. 52; oder Zarubina, Rossijskij predprinimatel'.

[35] Aleksandr Nikolaevič Ostrovskij (1823-1886): Russischer Dramaturg, Vertreter des Realismus.

[36] Ostrovskij, Svoi ljudi. Deutscher Titel der Stücks: „Es bleibt ja in der Familie“.

[37] Ebd. Deutsche Übersetzung aus: Ostrowskij, Alexander. Ausgewählte Theaterstü>

[38] Ostrovskij, V čužom piru pochmel'e. Deutscher Titel der Stücks: „Der bittere Rest beim fremden Fest“. Für eine ausführliche Darstellung des Kaufmanns in der russischen Komödie des 19. Jahrhunderts siehe Zarubina, Biznes, S. 141-158.

[39] Aleksandr Geršenkron, zit. Ruckman, The Moscow business elite, S. 8.

[40] Goldman, The piratization, S. 38.

[41] Die russische Intelligenzija und der Adel hatten sich höheren moralischen Zielen verschrieben und dienten auf ihre Weise dem Wohl des Volkes. Für die egoistische Geschäftstüchtigkeit der Unternehmer zeigten sie kein Verständnis (Zarubina, Biznes, S. 54-56). Die Frage nach der Wertschöpfung der Kaufleute kommt auch in Tolstois Anna Karenina zur Sprache (Tolstoi, Anna Karenina, S. 700-703).

[42] Marina Cvetaeva, zit. Petrov, Formen, S. 47. Siehe dazu auch Zarubina, Ėtika predprinimatel'stva.

[43] Ruckman, The Moscow business elite, S. 9.

[44] Ebd., S. 11. Kursiv im Original.

[45] Ruckman, The Moscow business elite, S. 10f.

[46] Die Lobbyarbeit der Unternehmen – so die Argumentation – bewirke eine Umverteilung der staatlichen Mittel zu Gunsten der Industrie und zu Lasten der Landwirtschaft. Siehe dazu auch Tolstoi, Anna Karenina, S. 580f.

[47] Ruckman, The Moscow business elite, S. 11.

[48] Petr Dmitrevič Boborykin (1836-1921): russischer Novellist, Dramaturg und Kritiker.

[49] Boborykin, Kitaj-gorod. Auf Deutsch: „Chinesenstadt“.

[50] Für weitere Ausführungen siehe Zarubina, Biznes, S. 73-78; oder Ruckman, The Moscow business elite, S. 12f.

[51] Ruckman, The Moscow business elite, S. 69f.

[52] Ebd., S. 67.

[53] Die Tugenden, welche sich die Unternehmer selbst zuschrieben, wurden von der Öffentlichkeit nicht immer als Tugenden empfunden. Arbeit per se galt wenig erstrebenswert und Sparsamkeit wurde in vielen Fällen schlicht als Geiz verstanden (Ruckman, The Moscow business elite, S. 71).

[54] Siehe dazu auch Zarubina, Biznes, S. 94; oder Ruckman, The Moscow business elite, S. 72.

[55] Owen, Capitalism and politics, S. 145.

[56] Petrov, Formen, S. 50. Siehe auch http://all-moscow.ru/culture/museum/tretyak/tretyak.ru.html (Stand: 13.03.2006).

[57] Michail Fridman, zit. Freeland, Sale, S. 111.

[58] Der folgende Abschnitt stützt sich, sofern nicht anders angegeben, auf Goehrke, Persönlichkeit, S. 49-52. Für weitergehende Informationen zu diesem Thema siehe Simon/Simon, Verfall; oder (in kürzerer Fassung) Hildermeier, Die Sowjetunion, S. 92-99. Zur Person Michail Gorbatschows siehe Ruge, Michail Gorbatschow (1990).

[59] Mehr dazu siehe Ruge, Michail Gorbatschow, S. 239-273.

[60] Für eine ausführliche Diskussion des „Gesetzes über individuelle Arbeit” siehe Jones/Moskoff, Ko-ops, S. 3-5.

[61] Hoffman, The oligarchs, S. 38f.

[62] Zur wirtschaftlichen Tätigkeit des Komsomol siehe S. 18 dieser Arbeit.

[63] Jones/Moskoff, Ko-ops, S. 16. Trotz der neuen Freiheiten blieben die meisten Kooperativen vom Staat abhängig. Noch im Jahr 1989 waren achtzig Prozent aller Kooperativen einem staatlichen Betrieb angegliedert, über den sie Kredite beziehen und Rohstoffe erwerben konnten. Oft verkauften sie ihre Endprodukte wieder an den Staat. Viele Kooperativen entstanden sogar direkt aus einem unprofitablen Staatsbetrieb (ebd., S. 40).

[64] Stanislav Šatalin: Geboren 1934, Ökonom und Reformer in Gorbatschows Beraterteam, Mitglied des Präsidialrates der UdSSR von März bis Dezember 1990.

[65] Simon/Simon, Verfall, S. 116.

[66] Goehrke, Persönlichkeit, S. 50.

[67] Siehe dazu Sutela, The Russian market economy, S. 48-52.

[68] Steinbeck, A Russian journal, S. 136.

[69] Die Schätzungen stammen aus Gustafson, Capitalism, S. 114f. und McCarthy, The resurgence, S. 178.

[70] Vladimir Jakovlev, zit. Copetas, Bear hunting, S. 13.

[71] Alena Ledeneva, die sich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt hat, definiert den Begriff folgendermassen: „ Blat is the use of personal networks and informal contacts to obtain goods and services in short supply and to find a way around formal procedures.“ (Ledeneva, Russia’s economy of favours, S. 1. Kursiv im Original).

[72] Für den Zusammenhang zwischen blat und Korruption siehe Ledeneva, Russia’s economy of favours, S. 39-47.

[73] Goldman, The piratization, S. 43; Simis, USSR, S. 176.

[74] Simis, USSR, S. 210.

[75] Anders Åslund, zit. Hoffman, The oligarchs, S. 40.

[76] Zur Funktion des Komsomol während der Perestrojka siehe S. 18 dieser Arbeit.

[77] Eigendorf/Schut, Die Macher, S. 18.

[78] Vladimir Vinogradov, zit. Corwin, The decline and fall of Vladimir Vinogradov. Übersetzung des Autors.

[79] Vladimir Vinogradov, zit. Johnson, A fistful of rubles, S. 37.

[80] Ippolito, Banking sector, S. 20. Siehe dazu auch Johnson, A fistful of rubles, S. 37.

[81] Vladimir Vinogradov, zit. Johnson, A fistful of rubles, S. 38.

[82] Siehe dazu Položevec, Ochota.

[83] Pleines, Korruption und Kriminalität, S. 12.

[84] Vladimir Vinogradov, zit. Hoffman, The oligarchs, S. 232.

[85] Goldman, The piratization, S. 121.

[86] Eigendorf/Schut, Die Macher, S. 19f.

[87] Vladimir Vinogradov, zit. ebd., S. 21.

[88] Vladimir Vinogradov, zit. ebd., S. 20.

[89] Das ganze Kapitel stützt sich, sofern nicht anders angegeben, auf Hoffman, The oligarchs, S. 31-53.

[90] Aleksandr Smolenskij, zit. ebd., S. 33.

[91] Aleksandr Smolenskij, zit. ebd., S. 34.

[92] Goldman, The Russian oligarchs, S. 219.

[93] Hoffman, The oligarchs, S. 36.

[94] Siehe dazu Jones/Moskoff, Ko-ops, S. 22.

[95] Interview mit Aleksandr Smolenskij, in: MežRegional'nyj Centr Delovogo Sotrudničestva, 21.05.2001, unter: http://www.mcds.ru/default.asp?Mode=Review&ID_L0=1&ID_L1=1&ID_L2=10&ID_L3=356&ID=&ID_Review=29824 (Stand: 01.12.2005). Übersetzung des Autors.

[96] Aleksandr Smolenskij, zit. Hoffman, The oligarchs, S. 43.

[97] Goldman, The Russian oligarchs, S. 126.

[98] Aleksandr Smolenskij, zit. Hoffman, The oligarchs, S. 45. Siehe auch das Interview mit Aleksandr Smolenskij, in: MežRegional'nyj Centr Delovogo Sotrudničestva, 21.05.2001, unter: http://www.mcds.ru/default.asp?Mode= Review&ID_L0=1&ID_L1=1&ID_L2=10&ID_L3=356&ID=&ID_Review=29824 (Stand: 01.12.2005).

[99] Zum Begriff „schnelles Geld“ („ fast money “) siehe Hoffman, The oligarchs, S. 48.

[100] Aleksandr Smolenskij, zit. ebd., S. 53.

[101] Follath, Der Zar, S. 102; Michail Chodorkovskij – Biografija.

[102] Michail Chodorkovskij, zit. Follath, Der Zar, S. 102.

[103] Der Auslöser für diese Entwicklung waren Gorbatschows Reformen. Glasnost' hatte den kommunistischen Jugendverband seines Monopols beraubt, indem sie den Jugendlichen neue Möglichkeiten eröffnete, sich zusammenzuschliessen. Neuartige Organisationen wie Klubs, Rockbands und andere Gruppierungen formierten sich ausserhalb der staatlichen Reichweite (Solnick, Stealing the state, S. 113).

[104] Hoffman, The oligarchs, S. 103f. Für eine ausführlichere Darstellung zur Neuausrichtung des Komsomol siehe Solnick, Stealing the state, S. 60-124.

[105] Hoffman, The oligarchs, S. 104.

[106] Michail Chodorkovskij, zit. Bunin, Biznesmeny, S. 170. Übersetzung des Autors.

[107] Michail Chodorkovskij, zit. ebd. Übersetzung des Autors.

[108] Erler, Der Fall, S. 303; Pribylovskij, Chodorkovskij.

[109] Hoffman, The oligarchs, S. 109.

[110] Ebd.

[111] Korotov et. al., Mikhail Khodorkovsky, S. 4.

[112] Bunin, Biznesmeny, S. 170.

[113] Pribylovskij, Chodorkovskij.

[114] Chodorkovskij zog dabei Konsequenzen aus einer Erfahrung, die er wenige Jahre zuvor in einer staatlichen Bank gemachte hatte. Sein Gesuch um einen Kredit war damals mit den Worten „wenn ihr bloss eine Bank wäret“ abgewiesen worden (Bunin, Biznesmeny, S. 171).

[115] Korotov et. al., Mikhail Khodorkovsky, S. 5; Hoffman, The oligarchs, S. 119.

[116] Michail Chodorkovskij, zit. Bunin, Biznesmeny, S. 171. Übersetzung des Autors.

[117] Hoffman, The oligarchs, S. 119.

[118] Michail Chodorkovskij, zit. ebd., S. 124.

[119] Freeland, Sale, S. 117.

[120] Das ganze Kapitel stützt sich, sofern nicht anders angegeben, auf Hoffman, The oligarchs, S. 150-174.

[121] Vladimir Gusinskij, zit. ebd., S. 152.

[122] Interview mit Vladimir Gusinskij, in: ABC, 20.02.2001, unter: http://flb.ru/info/181.html (Stand: 11.12.2005).

[123] Hoffman, The oligarchs, S. 154.

[124] Vladimir Gusinskij, zit. ebd., S. 151.

[125] Freeland, Sale, S. 140.

[126] Pogosova, Politik i biznesmen; Goldman, The piratization, S. 129.

[127] Jurij Lužkov: 1936 in Moskau geboren, KP-Mitglied 1968-1991, absolvierte das Moskauer Gubkin Institut für Petrochemie, machte später Karriere im Staatsdienst. 1987-1990 Stellvertretender Vorsitzender des Exekutivkomitees des Moskauer Stadtsowjets, u.a. verantwortlich für die Registrierung von Kooperativen. Ab Juni 1992 Bürgermeister der Stadt Moskau (Schröder, Jelzin und die „Oligarchen“: Materialien, S. 26, Fn. 103).

[128] Schröder, Jelzin und die „Oligarchen“: Materialien, S. 15.

[129] Siehe dazu Brady, Kapitalizm, S. 100-103.

[130] Hoffman, The oligarchs, S. 164. Der Begriff stammt aus einem Zeitungsartikel, in dem die Mafia ähnlichen Zustände in der russischen Hauptstadt angeprangert wurden (Literaturnaja gazeta, 10.6.1992, S.11).

[131] Boris Berezovskij, zit. Hoffman, The oligarchs, S. 130.

[132] Siehe http://www.peoples.ru/state/politics/berezowski (Stand: 09.12.2005).

[133] Hoffman, The oligarchs, S. 131.

[134] Ebd., S. 132.

[135] Im Folgenden: Avtovaz.

[136] Schröder, Jelzin und die „Oligarchen“: Materialien, S. 23, Fn. 89. Das gigantische Automobilwerk an der Wolga wurde Ende der sechziger Jahre erbaut und bestand nicht nur aus einer Fabrik, sondern einer ganzen Stadt, die 150'000 Arbeiter und ihre Familien beherbergte. Das Fabrikgebäude selbst hatte einen Umfang von vierzehn Kilometern, die drei Montagebänder besassen eine Kapazität von 660'000 Autos pro Jahr (Zahlen unter http://www.avtomarket.ru/scripts/info/tech/?brand=5 (Stand: 09.12.2005)).

[137] Boris Berezovskij, zit. Hoffman, The oligarchs, S. 140.

[138] Boris Berezovskij, zit. ebd.

[139] Im Folgenden: Logovaz.

[140] Boris Berezovskij, zit. Hoffman, The oligarchs, S. 137. Kursiv im Original.

[141] Dieser Umstand erwies sich für das neue Unternehmen als ausgesprochen lukrativ. Kadannikov bereicherte Logovaz – und damit sich selbst – auf Kosten von Avtovaz. Diese Art von Interessenkonflikt war gang und gäbe und barg praktisch keine Risiken, da der Staat für die Verluste der grossen Industriewerke aufkam. Siehe dazu Hoffman, The oligarchs, S. 144; oder Freeland, Sale, S. 129.

[142] Boris Berezovskij, zit. Hoffman, The oligarchs, S. 145. Den Handel finanzierte Kadannikov mit einem Kredit über fünf Millionen Dollar.

[143] Ebd., S. 148.

[144] Klebnikov, The rise of an oligarch; Schröder, Jelzin und die „Oligarchen“: Materialien, S. 24.

[145] Freeland, Sale, S. 121.

[146] Schröder, Jelzin und die „Oligarchen“: Materialien, S. 12, Fn. 43. Seine frühste Kindheit verbrachte Potanin in Jemen und in der Türkei (Hoffman, The oligarchs, S. 303).

[147] Fernsehinterview mit Vladimir Potanin, in: BBC „HARDTalk“, 14.07.1999, Inhalt unter: http://www.interros.ru/clippings/foreign/2.html (Stand: 20.10.2005). Übersetzung des Autors.

[148] Freeland, Sale, S. 122.

[149] Siehe http://www.interros.ru/about/history/ (Stand: 10.12.2005).

[150] Hoffman, The oligarchs, S. 305; Freeland, Sale, S. 124.

[151] Im Folgenden: Onėksimbank.

[152] Auch in diesem Fall konnte sich Potanin auf seine politischen Kontakte verlassen. Die Tageszeitung Kommersant" veröffentlichte am 16. November 1995 einen Brief des damaligen Finanzministers Boris Fedorov an den Vorsitzenden der Zentralbank Viktor Gerašenko, in dem Fedorov um die schnelle Abwicklung der Lizenzvergabe an die Onėksim-Bank bat (Coulloudon, The divided Russian elite, S. 73f.).

[153] Siehe Interview mit Michail Fridman, in: Moskovskie Novosti, 12.09.2000, unter: http://www.nns.ru/interv/int2180.html (Stand: 10.12.2005).

[154] Schröder, Jelzin und die „Oligarchen“: Materialien, S. 21, Fn. 82.

[155] Freeland, Sale, S. 108f. Siehe dazu auch das Interview mit Michail Fridman, in: Moskovskie Novosti, 12.09.2000, unter: http://www.nns.ru/interv/int2180.html (Stand: 10.12.2005).

[156] Michail Fridman, zit. Freeland, Sale, S. 108.

[157] Michail Fridman, zit. ebd., S. 109.

[158] Interview mit Michail Fridman, in: Moskovskie Novosti, 12.09.2000, unter: http://www.nns.ru/interv/int2180.html (Stand: 10.12.2005). Übersetzung des Autors.

[159] Freeland, Sale, S. 110; Goldman, The piratization, S. 143.

[160] Schröder, Jelzin und die „Oligarchen“: Materialien, S. 21; Freeland, Sale, S. 111. Siehe dazu auch The „evolving oligarch“.

[161] Siehe Freeland, Sale, S. 111.

Ende der Leseprobe aus 123 Seiten

Details

Titel
Vom Raubritter zum politischen Unternehmer? - Selbstverständnis und Selbstdarstellung der russischen Oligarchen in den 1990er Jahren
Hochschule
Universität Zürich
Note
5,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
123
Katalognummer
V117560
ISBN (eBook)
9783640200115
ISBN (Buch)
9783640205844
Dateigröße
1041 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Raubritter, Unternehmer, Selbstverständnis, Selbstdarstellung, Oligarchen, Jahren
Arbeit zitieren
lic. phil. Stefan Dörig (Autor), 2006, Vom Raubritter zum politischen Unternehmer? - Selbstverständnis und Selbstdarstellung der russischen Oligarchen in den 1990er Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117560

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