Nach dem 1. Weltkrieg 1918 stand die erste Demokratie auf deutschem Boden von Beginn an auf wackeligen Beinen. Es gab mehrere Putschversuche von Rechtsextremistischen Vereinigungen und eine große Mehrheit für die Parteien, die dem Weimarer Staat kritisch gegenüberstanden. Durch entscheidende rechtliche Erneuerungen im Bereich der sozialen Arbeit gelang es dennoch, die Bezeichnung „Wohlfahrtsstaat“ einzuführen. Aufgrund der im Versailler Vertrag festgelegte Maßnahmen entstand eine massive Geldentwertung. Durch die wirtschaftlichen Maßnahmen kamen massive soziale Verwerfungen auf.
In dieser Hausarbeit wird die Soziale Arbeit in dieser Epoche näher erörtert. Es werden drei Theorien gegenübergestellt und verglichen, um zu konkludieren, welche der Theorien heutzutage noch gelehrt und angewandt werden und welche nicht. Beschränkt wird sich auf drei der Theorien, da es eine Vielzahl an anderen Theoretiker gab, die zur Zeit der Weimarer Republik ihren Theorien entwickelt haben.
Erläutert werden die entwickelten Theorien der sozialen Gerechtigkeit von Alice Salomon und die „Wirtschaftlich-Machung“ von Christian Jasper Klumker sowie die Theorie von Herman Nohl, die geistige Energien zur Behebung der Not. Zuerst werden diese biographisch beleuchtet, danach wird näher auf deren entwickelten Theorien eingegangen. Die Ausarbeitung schließt mit einem Fazit ab.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Professionalisierung der Sozialen Arbeit
2. Wegbereiter der sozialen Arbeit und deren Theorien
2.1. Biographischer Abriss zum Leben von Alice Salomon (1972 -1938)
2.2 Theorie der Wiederherstellung der sozialen Gerechtigkeit
2.3 Biographischer Abriss zum Leben von Christian J. Klumker (1868 - 1942)
2.4 Theorie der Wirtschaftlichmachung
2.5 Biographischer Abriss zum Leben von Herman Nohl (1879 - 1960)
2.6 Geistige Energien zur Behebung der Not erwecken
Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung und der Vergleich dreier zentraler Theorien der Sozialen Arbeit aus der Zeit der Weimarer Republik, um deren Bedeutung und heutige Relevanz kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren.
- Historischer Kontext der Sozialen Arbeit in der Weimarer Republik
- Biographische Analyse bedeutender Wegbereiter (Salomon, Klumker, Nohl)
- Gegenüberstellung und Vergleich der jeweiligen theoretischen Ansätze
- Untersuchung der Transferierbarkeit dieser Ansätze auf das 21. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
2.4 Theorie der Wirtschaftlichmachung
Auch Sprache kann soziale Realitäten beeinflussen, wie uns Christian Klumker in seinen Theorien verdeutlicht. In seiner Theorie stellt er einen Hilfsbedürftigen als Faktor der Wirtschaft da. Ein „Armer“ (Hilfsbedürftiger) soll auf dem Weg gebracht werden, um von der Unwirtschaftlichkeit zur Wirtschaftlichkeit zu gelangen. Die öffentliche und privaten Fürsorge soll laut Klumker zwei Aufgaben erfüllen. Zuerst hat sie die Aufgabe den Hilfsbedürftigen zu helfen, zudem hat sie die wissenschaftliche Aufgabe zu erörtern, warum dieser diese Hilfe benötigt (vlg. Engelke, (2008) S. 209). „Armut und Verarmung sind für Klumker vielfach mit seelischer Not und sittlichen Mangeln verbunden, aber ihr wesentliches Kennzeichen liegt auf wirtschaftlichem Gebiet; der Mangel wirtschaftlicher Güter ist ihr Hauptmerkmal. Die Verarmung erscheint stets als Verlust Wirtschaftlicher Selbstständigkeit, und so muss ihre Untersuchung von den Begriffen der Wirtschaftlichkeit ausgehen“ (Klumker, (1918) S.13).
Wirtschaftlich und Unwirtschaftlich stellt für Klumker eine „Vorgehensweise“ da, wobei durch wenig Aufwendung großer Erfolg erreicht wird. Wenn das Wort wirtschaftlich auf den Lebensstil eines Individuellen verwendet wird, geht dieses zurück auf die individuelle Beschaffenheit und Kompetenzen, solange die Voraussetzung der Beschaffung von wirtschaftlichen Gütern zu tun haben (Vgl. ebd.). „Wirtschaftlich ist dann, wer sich aus eigenen Kräften zu erhalten versteht“ (ebd.) Laut Klumker versteht sich das Wort „unwirtschaftlich“ als wirtschaftlicher Fehlschlag, der zu Verarmung führt und so als das unwirtschaftliche Fragment der Öffentlichkeit besteht (Vgl. ebd.). Diese Deutung der Unwirtschaftlichkeit ist unabdingbar mit der Wirtschaftsordnung verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die schwierige politische und wirtschaftliche Lage der Weimarer Republik ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, drei ausgewählte Theorien der Sozialen Arbeit zu vergleichen.
1. Die Professionalisierung der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Kontext des gesellschaftlichen Umbruchs nach dem Ersten Weltkrieg und die daraus resultierende Notwendigkeit einer professionalisierten staatlichen Fürsorge.
2. Wegbereiter der sozialen Arbeit und deren Theorien: Dieser Abschnitt widmet sich den theoretischen Grundlagen der Sozialen Arbeit durch die Vorstellung der Biographien und Ansätze von Alice Salomon, Christian J. Klumker und Herman Nohl.
2.1. Biographischer Abriss zum Leben von Alice Salomon (1972 -1938): Es wird das Leben und Wirken von Alice Salomon als Pionierin der Sozialen Arbeit und Vertreterin der Frauenbewegung dargestellt.
2.2 Theorie der Wiederherstellung der sozialen Gerechtigkeit: Dieses Kapitel erläutert Salomons Ansatz, der auf der planmäßigen Förderung der Wohlfahrt durch soziale Diagnose und ein Phasenmodell professionellen Helfens beruht.
2.3 Biographischer Abriss zum Leben von Christian J. Klumker (1868 - 1942): Hier wird der Lebensweg von Christian J. Klumker skizziert, der durch sein Engagement in der Fürsorge und seine akademische Tätigkeit am Lehrstuhl für Fürsorgewesen geprägt war.
2.4 Theorie der Wirtschaftlichmachung: Dieser Teil befasst sich mit Klumkers Theorie, in der die Fürsorge die Aufgabe hat, Hilfsbedürftige durch Anleitung zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit zu befähigen.
2.5 Biographischer Abriss zum Leben von Herman Nohl (1879 - 1960): Das Kapitel behandelt die Biographie von Herman Nohl, sein Wirken als Pädagoge und sein Engagement in der Jugendwohlfahrtsarbeit.
2.6 Geistige Energien zur Behebung der Not erwecken: Hier wird Nohls sozialpädagogischer Ansatz dargelegt, der auf dem pädagogischen Bezug und der Entwicklung der menschlichen Seele zur Mündigkeit basiert.
Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der untersuchten Theorien zusammen und betont den zeitlosen Leitgedanken der „Hilfe zur Selbsthilfe“ für moderne Konzepte wie Autonomie und Empowerment.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Weimarer Republik, Wohlfahrtspflege, Alice Salomon, Christian J. Klumker, Herman Nohl, Professionalisierung, Hilfe zur Selbsthilfe, soziale Gerechtigkeit, Wirtschaftlichmachung, Sozialpädagogik, pädagogischer Bezug, Empowerment, Geschichte der Sozialen Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den Theorien der Sozialen Arbeit während der Weimarer Republik und untersucht deren Auswirkungen auf zeitgenössische Konzepte im 21. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themenfelder sind die Historie der Sozialfürsorge, die Professionalisierung des Berufsfeldes sowie die theoretischen Ansätze der drei Wegbereiter Salomon, Klumker und Nohl.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, drei wesentliche Theorien dieser Epoche gegenüberzustellen, zu vergleichen und zu konkludieren, welche dieser Ansätze heute noch gelehrt und angewandt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, kombiniert mit biographischen Abrissen und der vergleichenden Gegenüberstellung spezifischer theoretischer Konzepte der Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Professionalisierung sowie die detaillierte Darstellung der Biographien und der spezifischen Theorien von Alice Salomon, Christian J. Klumker und Herman Nohl.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören: Soziale Arbeit, Weimarer Republik, Hilfe zur Selbsthilfe, soziale Gerechtigkeit, Wirtschaftlichmachung und Empowerment.
Wie interpretierte Christian J. Klumker die Rolle der Fürsorge?
Klumker verstand die Fürsorge als wissenschaftliches Instrument, das Bedürftige von der Unwirtschaftlichkeit zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit führen sollte, wobei der persönliche Einfluss des Beraters zentral war.
Worin bestand laut Herman Nohl der Kern der Sozialpädagogik?
Nohls Kernkonzept war der „pädagogische Bezug“, eine vertrauensvolle Bindung zwischen Erzieher und Schützling, die dazu dienen sollte, beim Menschen sittliche Geistigkeit zu entwickeln und ihn zur Mündigkeit zu führen.
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- Berend Brouwer (Author), 2021, Die Theorien der Sozialen Arbeit zu Zeiten der Weimarer Republik und deren Auswirkungen auf das 21. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1175662