In dieser Facharbeit geht es um einen der spannendsten und in meinen Augen wichtigsten Aspekte menschlicher Entwicklung – die Sprache. Präziser ausgedrückt geht es in der vorliegenden Arbeit um den Erwerb von Literacy, die ihre Wurzeln in der frühen Kindheit hat.
Literacy‐Erziehung ist in unseren Breitengraden immer noch spärlich gesät, in Nordamerika und Kanada wird sie aber schon seit Beginn der 70er praktiziert. Grund dafür ist die mangelnde Kenntnis über den Umfang von Literacy‐Erziehung und wie leicht sie sich in den Alltag integrieren lässt. Diese Hürde will ich mit meiner Facharbeit nehmen. Mit der vorliegenden Arbeit will ich die Kernelemente der Literacy‐Erziehung aufzeigen und anhand praktischer Beispiele auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen. Es geht mir in erster Linie darum aufzuzeigen, welche Chancen sich hinter einer gelebten
Literacy‐Erziehung verbergen und wie diese mit wenig Aufwand in den pädagogischen Alltag integriert werden können. Dabei kann ich nicht auf alle Teilbereiche von Literacy eingehen und somit stellt diese Arbeit nur einen detaillierten Überblick über die Gesamtheit Literacy dar.
Nachdem ich den Begriff der Literacy‐Erziehung erläutert habe und auf den Erwerb der einzelnen Kompetenzbereiche im Zusammenhang mit Literacy eingegangen bin, möchte ich das Hauptaugenmerk auf die Bedeutung der Bilderbücher für den Erwerb von Literacy‐Kompetenzen legen, anschließend die Raumgestaltung ins Auge fassen und abschließend einige Methoden anbringen, die sich in der Theorie erfolgreich erwiesen haben. So soll ein ganzheitlicher Eindruck über
die Vermittlung von Literacy und den Nutzen den Kindergartenkinder (3‐6 Jahre) daraus ziehen können, entstehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Worte
Literacy-Erziehung: Eine Definition
Gesellschaftliche Relevanz
Der Erwerb von Literacy
Der Sprach- und Schriftspracherwerb
Emergent Literacy
Interesse an Büchern und Schrift
Erzähl- und Ausdrucksfähigkeit
Wortschatzerweiterung
Schriftkenntnisse
Phonologische Bewusstheit
Die besondere Bedeutung der Bilderbücher
Rahmenbedingungen für gute Literacy-Erziehung im Kindergarten
Kooperation mit Eltern
Raumgestaltung
Auswahl von Medien
Die pädagogische Fachkraft
Aktivitäten rund um Erzähl- Schrift und Sprachkultur
Themenwochen
Vernetzung mit örtlichen Einrichtungen
Lesepatenschaften
Papier schöpfen
Bücher selbst gestalten
Lesekisten
Bücherwurm
Geburtstagsgeschichten
Buchvorstellung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit dem Erwerb und der Förderung von Literacy in der frühen Kindheit, mit dem Ziel, praktische Ansätze für den pädagogischen Alltag in Kindertageseinrichtungen aufzuzeigen. Dabei wird untersucht, wie Literacy-Erziehung ohne großen Aufwand integriert werden kann, um Sprach- und Schriftsprachkompetenzen bei Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren zu stärken.
- Bedeutung der dialogischen Bilderbuchbetrachtung
- Integration von Literacy-Förderung in den Kindergartenalltag
- Rolle der Raumgestaltung (der "dritte Erzieher")
- Praktische Methoden und Aktivitäten zur Sprach- und Schriftkultur
- Bedeutung der Haltung der pädagogischen Fachkraft
Auszug aus dem Buch
Die besondere Bedeutung der Bilderbücher
„Vorlesen unterstützt – neben dem sprachlichen Aspekt – zentrale Prozesse der Imagination, der Identifikation, der Empathie, der Antizipation und der sozialen Perspektivübernahme. Geht das Vorlesen mit einem verständigungsorientierten Gespräch zwischen Vorleser/in und Kind einher, wird von einem dialogischen Lesen gesprochen. Beim dialogischen Lesen von Bilderbüchern kommt es zu einer geteilten Aufmerksamkeit von Vorleser/in und Kind, während das gemeinsam betrachtete Buch das Referenzobjekt darstellt. Texte und Bilder eines Bilderbuches bedürfen immer einer Deutung, beim Vorlesegespräch werden Handlungs- und Bedeutungsstrukturen der Geschichte gemeinsam entschlüsselt. Spracherwerbstheoretisch stehen paraverbale Strukturmerkmale, prosodische Elemente und der Erwerb von Wordbedeutungen und semantischen Feldern in Mittelpunkt. Kinder erfahren bereits beim frühen Benennen von Objekten in einer strukturierten, wiederkehrenden Interaktionsroutine (Formate) wichtige Prinzipien der Dialogizität. Es kommt zu einer Verflechtung von alltäglicher und dekontextualisierter Sprache. Die Sprachfördereffekte dieses Ansatzes stellen […] eine signifikante Erweiterung der expressiven und der rezeptiven Sprachfähigkeiten fest, wobei die Effekte langfristig sind.“
Was Dr. Sven Nickel damit beschreibt ist, dass sich die Literacy-Erziehung darauf bezieht, dass sich Hören, Lesen und Schreiben sowie die Fähigkeiten für den Spracherwerb nicht nacheinander entwickeln, sondern in ständiger Wechselseitigkeit reifen und dadurch der Einsatz von Bilderbüchern für diese Art der Förderung wie gemacht ist. In Bilderbüchern werden die Bilder zu Geschichtenerzählern und die Kinder tauchen in diese Geschichten ein mit den Bildern vor Augen und den Worten im Ohr.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitende Worte: Die Autorin begründet das Interesse am Thema Literacy-Erziehung und skizziert den Aufbau der Facharbeit.
Literacy-Erziehung: Eine Definition: Der Begriff Literacy wird von Alphabetisierung abgegrenzt und als umfassender Ansatz für das Vertrautwerden mit Schriftsprache, Medien und Büchern definiert.
Gesellschaftliche Relevanz: Es wird die Notwendigkeit von qualitativer Sprachförderung in Kindergärten als Antwort auf PISA-Ergebnisse und zur Förderung von Schlüsselkompetenzen begründet.
Der Erwerb von Literacy: Dieses Kapitel erläutert die Phasen des Spracherwerbs sowie die Entwicklung von Schriftkenntnissen und phonologischer Bewusstheit in der frühen Kindheit.
Die besondere Bedeutung der Bilderbücher: Es wird dargestellt, warum Bilderbücher ein zentrales Medium zur dialogischen Sprachförderung sind.
Rahmenbedingungen für gute Literacy-Erziehung im Kindergarten: Das Kapitel beleuchtet notwendige Voraussetzungen wie die Kooperation mit Eltern, die Gestaltung des Raumes und die Auswahl von Medien.
Aktivitäten rund um Erzähl- Schrift und Sprachkultur: Es werden konkrete Praxisbeispiele wie Themenwochen, Lesepatenschaften und die Gestaltung eigener Bücher vorgestellt.
Fazit: Die Autorin resümiert, dass Literacy-Erziehung eine Kernkompetenz darstellt, die ohne großen Aufwand, aber mit viel Begeisterung in den Alltag integriert werden sollte.
Schlüsselwörter
Literacy, Literacy-Erziehung, Sprachförderung, Frühkindliche Bildung, Bilderbücher, Dialogisches Lesen, Schriftspracherwerb, Emergent Literacy, Sprachkompetenz, Phonologische Bewusstheit, Sprachkultur, Erzählfähigkeit, Elementarbereich, Kindertagesstätte, Sprachvorbilder
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Konzept der Literacy-Erziehung in Kindertageseinrichtungen und zeigt auf, wie der Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen bereits im frühen Kindesalter spielerisch und effektiv gefördert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bedeutung von Bilderbüchern, der dialogischen Bilderbuchbetrachtung, der kindgerechten Gestaltung von Literacy-Lernumgebungen und der Rolle der pädagogischen Fachkraft als Sprachvorbild.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Kernelemente der Literacy-Erziehung darzulegen und durch praxisnahe Beispiele zu belegen, dass diese Förderung mit wenig Aufwand in den pädagogischen Alltag integrierbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär diskutiert?
Ein zentraler Fokus liegt auf der Methode der dialogischen Bilderbuchbetrachtung, bei der durch gezielte, offene Fragen und den Austausch zwischen Vorleser und Kind die Sprachentwicklung angeregt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung des Spracherwerbs, die Bedeutung von Medien, Rahmenbedingungen wie die Raumgestaltung und die Vorstellung konkreter Aktivitäten wie das Gestalten eigener Bücher oder Themenwochen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Literacy, frühkindliche Bildung, dialogische Bilderbuchbetrachtung, Schriftspracherwerb, Sprachkompetenz und Sprachkultur.
Wie unterscheidet sich die in der Arbeit vorgestellte Literacy-Erziehung von herkömmlichen Sprachprogrammen?
Die Arbeit betont einen ganzheitlichen, dialogischen Ansatz im Alltag statt der Abarbeitung starrer, programmorientierter Sprachförderungs-Skripte.
Warum spielt die Raumgestaltung eine Rolle für die Literacy-Förderung?
In Anlehnung an die Reggiopädagogik wird der Raum als "dritter Erzieher" betrachtet; eine einladende, gut ausgestattete Leseecke animiert Kinder dazu, sich selbstständig mit Büchern und Schrift zu beschäftigen.
Welchen Stellenwert nimmt die Kooperation mit Eltern ein?
Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist essenziell, da beide Lebenswelten für das Kind wichtig sind und Eltern als maßgebliche Vorbilder für ein positives Leseverhalten dienen.
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- Irina Riederle (Author), 2015, Literacy-Erziehung im Kindergarten. Ein Definitionsansatz mit Praxisbeispielen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1175691