Nach Darstellung der fachwissenschaftlichen Erkenntnisse, die dem Unterricht zugrunde liegen, soll nun der Schüler bzw. eine Beziehung des Schülers zu dem gestellten Thema hergestellt werden.
Der Lehrplan für die sechs - stufige Realschule verlangt bereits in der 5. und 6. Jahrgangsstufe, die Freude am Lesen literarischer Texte zu verstärken. Speziell die Beschäftigung mit Gedichten bietet dazu verschiedene Möglichkeiten, z.B. sollen Schüler ein Gefühl für Gehalt, Sprachkraft und Klanggestalt erhalten. In der siebten Klasse soll dieses Interesse an Literatur, u.a. Gedichten, weiter fortgesetzt werden. Im gestaltenden Lesen und Vortragen entwickeln sie ihre Fähigkeiten weiter. Es geht dabei nicht nur um die formale Gedächtnisschulung beim Auswendiglernen eines Gedichts, sondern Hauptziel sollte sein, dass der Schüler als Erwachsener einen Grundstock "verinnerlichter" Gedichte beherrscht. Die Erfahrung zeigt, dass Erwachsene oft nach einer Phase des inneren Abstandes von Gedichten in den unruhigen Jugendjahren, später wieder einen gereifteren Bezug zu den in der Schule gelernten Gedichten bekommen (z.B. "Der Panther") und diese dann in einer vertieften Dimension der Welterfahrung, Sinnsuche, Sprachschönheit und Sprachgewalt empfinden. Somit kann Gedichtbehandlung als Teil des Literaturunterrichts ein Stück Lebenshilfe sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Sachanalyse
1.1 Der Autor
1.2 Ein Gedicht – was ist das?
1.3 Kreativ-produktiver Umgang mit Literatur (Gedichten)
2. Didaktische Analyse
2.1 Lehrplanbezug / Bildungsgehalt
2.2 Begründung der Schwerpunktsetzung
3. Methodische Analyse
4. Bemerkungen zur Klasse
5. Unterrichtsverlaufsplan
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit dokumentiert einen Lehrversuch im Fach Deutsch für die 7. Jahrgangsstufe, dessen zentrales Ziel die Vermittlung und Interpretation des Gedichts "Herbsttag" von Rainer Maria Rilke unter Einbeziehung kreativ-produktiver Methoden ist.
- Vertiefung des Textverständnisses durch handlungsorientierte Verfahren.
- Einführung in die Gedichtanalyse und den bewussten Umgang mit Sprache.
- Förderung der Freude am Lesen und der emotionalen Zugänglichkeit zu Lyrik.
- Erprobung der Cluster-Technik und der Elfchen-Methode im Unterricht.
- Reflexion über die didaktische Einbettung moderner Literaturvermittlung.
Auszug aus dem Buch
1.1 Der Autor
Der österreichische Dichter Rainer Maria Rilke wurde am 04.12.1875 in Prag geboren und verstarb am 29.12.1926 in Territet (Genfer See). Er verbrachte eine eher freudlose Jugend in einer österreichischen Militärschule. Ein Aufenthalt in Rußland führte ihn mit dem großen russischen Dichter Leo Tolstoi zusammen. Die Weite der Landschaft und die schlichte Gläubigkeit des russischen Volkes ließen ihn zum religiösen Menschen reifen. Später brachte ihn sein Wanderleben nach Paris, wo er jahrelang der Freund und Privatsekretär des großen französischen Bildhauers Auguste Rodin war. Zuletzt lebte er im Wallis in der Schweiz.
Epochengeschichtlich ist Rilke in die Zeit der Neuromantiker einzuordnen (um 1900), welche das Geheimnisvolle, Gefühlsbetonte und "Hintergründige" in der Dichtung darstellten (Gegensatz zum Naturalismus). Die bedeutendsten Vertreter sind Rilke, George, Hofmannsthal und Stefan Zweig.
Im Mittelpunkt von Rilkes Werk steht die Geistwerdung in der Seele. Sie breitet sich empfindungsreich über alles Außerpersönliche, auch Transzendente (Gott, Tod) aus und schafft sich so einen beseelten Kosmos, den "Weltinnenraum". Diese Stimmung kommt auch in dem für den Lehrversuch ausgewählten Gedicht "Herbsttag" (1906) zum Ausdruck, z.B. wendet er sich hier namentlich an Gott, den Schöpfer. Er überträgt die Jahreszeit Herbst auf das Menschenleben, d.h. der Herbst symbolisiert die Vergänglichkeit bzw. das Nahen des (Lebens-) Winters und einer wachsenden Unruhe vor der kommenden Einsamkeit, was ein Grundbefinden des menschlichen Daseins impliziert bzw. charakterisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sachanalyse: Dieses Kapitel bietet einen biografischen Abriss über Rainer Maria Rilke sowie eine grundlegende theoretische Einordnung der Gedichtanalyse und kreativer Literaturvermittlung.
2. Didaktische Analyse: Hier wird der Lehrplanbezug dargelegt und begründet, warum der kreative Umgang mit Lyrik in der 7. Klasse ein wichtiges pädagogisches Instrument darstellt.
3. Methodische Analyse: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen in der Unterrichtsstunde, insbesondere den Einsatz von auditiven Impulsen und der Cluster-Technik.
4. Bemerkungen zur Klasse: Eine kurze Analyse der Klassenzusammensetzung und des bisherigen Lernverhaltens der Klasse 7b.
5. Unterrichtsverlaufsplan: Eine tabellarische Übersicht, die den zeitlichen und methodischen Ablauf der Unterrichtseinheit strukturiert darstellt.
Schlüsselwörter
Rainer Maria Rilke, Herbsttag, Lyrik, Literaturunterricht, kreatives Schreiben, Cluster-Technik, Elfchen, Didaktik, Gedichtanalyse, Deutschunterricht, Realschule, Sprachgestaltung, Textinterpretation, Vergänglichkeit, Handlungsorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschreibt einen konkreten Unterrichtsversuch in einer 7. Realschulklasse zum Gedicht "Herbsttag" von Rainer Maria Rilke.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentrale Themen sind die Biografie Rilkes, die fachdidaktische Begründung von kreativen Methoden im Literaturunterricht und die praktische Durchführung einer Lyrikstunde.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Schülern einen handlungsorientierten Zugang zur Lyrik zu verschaffen und die Freude am interpretierenden Lesen zu fördern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf didaktische Analysen, textanalytische Verfahren sowie handlungs- und produktionsorientierte Unterrichtsmethoden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sach- und didaktische Analyse sowie die detaillierte methodische Planung und Durchführung der Unterrichtseinheit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Rilkes Lyrik, methodische Vielfalt, Kreativität, handlungsorientierter Deutschunterricht und die Gedichtanalyse.
Welche Rolle spielt die Cluster-Technik im Unterrichtsmodell?
Die Cluster-Technik dient dazu, Schreibblockaden bei den Schülern abzubauen und ihre Assoziationsfähigkeit sowie Fantasie zum Thema Herbst anzuregen.
Warum wird die "Elfchen"-Methode für den kreativen Teil eingesetzt?
Sie ermöglicht den Schülern einen strukturierten, aber dennoch freien Zugang zum Verfassen eigener Gedichte, indem sie den Wortschatz durch vorgegebene Zeilenbegrenzungen schärft.
- Quote paper
- Kerstin Heyne (Author), 2002, Unterrichtseinheit: Herbstlyrik - am Beispiel von 'Herbsttag' von Rainer Maria Rilke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117570