Vergaberechtliche Situation der elektronischen Vergabe in Hinsicht auf die Verwendung der BIM-Methode


Masterarbeit, 2020

69 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Inhaltsverzeichnis
1.1 Abkürzungsverzeichnis
1.2 Abbildungsverzeichnis
1.3 Tabellenverzeichnis

2 Einleitung
2.1 Forschungsfrage
2.2 Aufbau Thesis
2.3 Ziel der Thesis

3 Allgemein BIM
3.1 Was ist BIM?
3.2 Vorteile von BIM
3.3 Arten von BIM/BIM-Levels
3.4 BIM in Deutschland
3.5 BIM International
3.6 Nachwort zur Bearbeitung der Thesis

4 Das Vergaberecht
4.1 EU-Vergaberechtsreform
4.2 Umsetzung in deutsches Recht
4.3 Grundsätze des Vergaberechts
4.3.1 Transparenzgebot
4.3.2 Wettbewerbsgrundsatz
4.3.3 Gleichbehandlungsgebot 3
4.3.4 Wirtschaftlichkeitsgebot
4.3.5 Losgebot
4.4 Zwischenfazit Vergaberecht

5 BIM und Vergaberecht
5.1 Durchführung der Vergabe
5.2 Ermittlung des Bedarfs/Aufgaben des BIM-Managers
5.3 Festlegung der Vergabeart
5.3.1 Das Gebot der Losteilung
5.4 Erarbeitung der Vergabeunterlagen
5.4.1 Leistungsbestimmungsrecht/Produktneutralität
5.4.2 Software/Open & Closed BIM
5.4.3 Gemeinsame Datenumgebung/CDE
5.5 Bekanntmachung der Ausschreibung
5.6 Angebotsabgabe
5.7 Verwahrung und Öffnung der Angebote
5.8 1. Prüfungsstufe: Formale P rüfu ng/Ange botsa usschl uss
5.9 2. Prüfungsstufe: Eignungskriterien
5.9.1 Teilnahmewettbewerb
5.9.2 Einheitliche Europäische Eigenerklärung
5.10 3. Prüfungsstufe: Angemessenheit der Preise
5.11 4. Prüfungsstufe: Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebots/Zuschlag
5.11.1 BIM Erfahrung als Zuschlagskriterium
5.11.2 Weitere Zuschlagskriterien
5.12 Vergabedokumentation/-vermerk

6 Ende/Zusammenfassung
6.1 Weiterentwicklung des Vergaberechts
6.2 Schlusswort

7 Quellenverzeichnis
7.1 Gesetze
7.2 Urteile
7.3 Literatur

1.1 Abkürzungsverzeichnis

AG Auftraggeber

AIA Auftraggeber-Informations-Anforderungen

AN Auftragnehmer

BAP BIM-Abwicklungsplan/-Ausführungsplan

BIM Building Information Modeling

CDE Common Data Environment

EuGH EuropäischerGerichtshof

FM Facility Management

GWB Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen

Lph Leistungsphase

OLG Oberlandesgericht

TED Te nde rs Electronic Daily

UvGO Unterschwellenvergabeordnung

VgV Vergabeverordnung

VK Vergabekammer

VOB/A Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistung Teil A

1.2 Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Digitalisierungsgrade in verschiedenen Branchen

Abbildung 2: Dezentrale Planung und zentrale Koordination in BIM

Abbildung 3: Informationsverlust durch Brüche im Informationsfluss

Abbildung 4: MacLeamy Kurve - Einfluss und Kosten im Projekt

Abbildung 5: Formen der BIM-Projektabwicklung

Abbildung 6: Reifegradmatrix BIM-Levels

Abbildung 7: BIM-Referenzprozess Stufenplan

Abbildung 8: BIM Arbeitsweise nach Stufenplan

Abbildung 9: BIM e-Vergabe (ideal)

Abbildung 10: Struktur und Aufbau des neuen Vergaberechts

Abbildung 11: AIA-BAP Konstellationen

Abbildung 12: BIM Vergabeprozess Planung

Abbildung 13: BIM Vergabeprozess Ausführung

Abbildung 14: Managementstruktur eines BIM-Projekts

Abbildung 15: Frühzeitige Risikominimierung im Projekt

1.3 Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 0,1:1:10:100 Regel

Tabelle 2 Aufstellung der EU-Richtlinien und Schwellenwerte

Tabelle 3 Aufstellung Verfahrensarten EU/DE

Tabelle 4 Vergabearten von Dienstleistungen unterhalb des Schwellenwerts

2 Einleitung

Die Produktivität in der Baubranche stagniert. Produktivitätszuwächse in anderen Branchen, haben jene in der Baubranche um ein Vielfaches überholt, Tendenz steigend. Eine Verbesserung der Auftragsabwicklung würde sich merklich auf die deutsche Wirtschaftsleistung auswirken. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Baubranche die größte Einzelbranche mit 4,8 % des BIP in Deutschland ausmacht. Das Bauvolumen, sowie die Beschäftigtenzahlen in der Baubranche nehmen zu, doch die Produktivitätsentwicklung ist im Vergleich zu anderen Branchen unterdurchschnittlich.1 Die Zunahme der Produktivität hängt sehr eng mit der Innovationsbereitschaft und dem Digitalisierungsgrad einer Branche zusammen. Seit einigen Jahren will die Baubranche in Deutschland mit einer Digitalisierungsmethode mit dem Namen „Building Information Modeling“ (BIM) die Produktivität wieder anheben.2

Fehlende Kooperation und Projekttransparenz der Projektbeteiligten führen zu Kosten- und Terminüberschreitungen. Für Auftraggeber und -nehmer ist BIM ein Risikominimierungs- und Prozessoptimierungsinstrument, welches methodenbedingt eine Kooperation beider Parteien fordert und dadurch Transparenz schafft.3

In Deutschland gilt seit mehreren Jahrzehnten der Ansatz der baubegleitenden Planung. Die Vorteile wie Just-In-Time, Kapazitätsauslastung und Bauzeitverkürzungen liegen auf der Hand. Jedoch überwiegen vor allem bei größeren Bauprojekten die Nachteile der baubegleitenden Planung.4 Die Ausschreibung von Baumaßnahmen auf Basis einer noch nicht abgeschlossenen Planung führt zu Qualitätsminderungen und Nachträgen, welche mit fortschreitender Bauzeit effektiv teurer und komplizierter in den Bauablauf zu integrieren sind. Bei einer nicht abgeschlossenen Planung gibt es eine erhöhte Tendenz zu Änderungen als Folge der ungenauen und fehlenden Formulierungen des Bauherrn.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Digitalisierungsgrade in verschiedenen Branchen

Ein frühzeitiges Risikomanagement und entsprechende Vorsorgemaßnahmen sind durch „politisch motivierte Baukostenschätzungen“ und die Vergabe an den günstigsten und nicht an den “wirtschaftlichsten” Bieter schwierig umzusetzen.6 7

Mit BIM wird ein „BIM-Modell“ erstellt, welches nach und nach mit Informationen angereichert wird. Diese Informationen sind für die gesamte Lebensdauer des Gebäudes verfügbar und können in jeder Phase weiter benutzt werden. Im Informationszeitalter ist diese Herangehensweise in den am schnellsten wachsenden Branchen bereits zu sehen. Mit der BIM-Methode schließt man in der Baubranche an diesen Digitalisierungsgedanken an. Die Vergabe von Planungs- und Ausführungsleistungen ist der Beginn dieser Wertschöpfungskette. Alles was in dieser Phase ausgeschrieben wird, hat unmittelbare Auswirkung auf die Projektvorbereitung bis hin zum Facility­Management, also auf den gesamten Gebäudelebenszyklus. Hier müssen Entscheidungen mit Bedacht und Weitsicht gefällt werden.

2.1 Forschungsfrage

Ist es möglich mit der jetzigen Form des Vergaberechts eine BIM-Ausschreibung in Deutschland durchzuführen?

Wie kann das Vergaberecht in dieser Hinsicht verbessert werden?

2.2 Aufbau Thesis

Die Thesis ist wie folgt aufgebaut:

Das Kapitel 3 Allgemein BIM befasst sich mit allgemeinen BIM-Themen und soll eine kurze theoretische Einführung in die BIM-Methodik geben.

Das Kapitel 4 befasst sich mit dem generellen Aufbau des Vergaberechts in Hinsicht auf die Planung und Ausführung von Bauprojekten.

Das Kapitel 5, welches den Hauptteil der Arbeit darstellt, beschäftigt sich mit der Anwendung von BIM mit dem Vergaberecht.

Das Kapitel 6 Ende/Zusammenfassung fasst die Ergebnisse und Erkenntnisse der Arbeit kurz zusammen.

2.3 Ziel der Thesis

Das Ziel der Thesis ist es für das deutsche Vergaberecht, im Einklang mit den europäischen Richtlinien, einen Weg zu finden, um die Einführung und Verwendung von BIM zu erleichtern und effizient zu gestalten.

3 Allgemein BIM

3.1 Was ist BIM?

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat Ende 2015 den „Stufenplan Digitales Planen und Bauen“ verfasst. Hierin wird die Einführung der BIM- Arbeitsmethode beschrieben. Die Definition von BIM wird dort, wie folgt gewählt:

„Building Information Modeling bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden.“8

BIM bietet Planern sowie Bauausführenden auf AN Seite, sowie dem AG als Ausschreibendem eine enorme Leistungs-/Effizienzsteigerung. Man bedient sich der computergestützten Berechnung, bspw. von Termin- und Bauablaufplänen, Kollisionsprüfung, Kapazitätsauslastung und Visualisierungstechniken. Im Zentrum der Arbeitsweise BIM steht das Building-Information-Model. Als Sinnbild des BIM wird oft ein 3D-Modelliertes Bauwerk genannt. Die BIM-Arbeitsweise muss aber nicht immer mit einem 3D-Modell verknüpft sein. Allein eine kollaborierte Datenumgebung, welche reich an Informationen und Verknüpfungen ist, kann schon als BIM-Arbeitsmethode gewertet werden. In diesem Fall spricht man aber auch von einem Informations-Modell (IM). Ein IM passt, z.B. gut auf Bauprojekte, wo außer einem Geländemodell und einem Schnitt durch den Aufbau keine weiteren Pläne und Visualisierungen des Bauprojektes benötigt werden, wie es etwa im Straßenbau der Fall ist. Die Anwendung eines IMs wäre auch in frühen Leistungsphasen und/oder in der Bedarfsplanung denkbar, wo nur Informationen, und keine visuellen Daten, zur Verfügung stehen. Es geht in beiden genannten Fällen um den effizienten Zugriff, die Verwendung und Speicherung von Daten.9 10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Dezentrale Planung und zentrale Koordination in BIM

Allgemein wird von den „Dimensionen“ eines Building-Information-Models gesprochen. Hierbei stellen die drei Raumkoordinaten die dritte Dimension dar, also ein 3D-Modell. Erweiternd wird die vierte Dimension der Terminplanung und die fünfte Dimension den Kosten zugeteilt. Es gibt darüber hinaus auch 6- und 7D-Modelle, wobei es hier keine einheitliche Definition der weiteren Dimensionen unter Experten gibt.

Am Ende der Bauzeit entsteht ein „as-built“ Modell. Es ist die Revisionsplanung des BIM aus der Bauausführung, auch „Build-as-to-be-built“-Modell. Hierin sind alle Informationen des gesamten Gebäudes gespeichert. Es eignet sich hervorragend zur Verwendung im Facility Management (FM), was anhand eines Beispiels verdeutlicht werden soll. Das System, z.B. Honeywell, meldet eine defekte Glühbirne in Stock X, Raum X, Stelle Z. Die Modellnummer, sowie Montageanleitung sind im System gespeichert. Zudem wird im Inventar/Lager nach der passenden Lampe gesucht, wenn keine vorhanden ist, kann eine Bestellung ausgelöst werden, oder bei größeren Aufträgen kann eine automatische Ausschreibung generiert und verschickt werden.

3.2 Vorteile von BIM

BIM bietet eine Produktivitätssteigerung in den einzelnen Arbeitsschritten und Leistungsphasen durch Anwendung der Digitalisierung, durch Synergieeffekte und Reduzierung von Informationsverlusten, sowie die Vermeidung von verschwenderischen Arbeiten nach dem Lean-Prinzip im gesamten Gebäudelebenszyklus. Es handelt sich um eine Form der Prozessoptimierung, in der Informationen in ausreichender Form in Hinsicht auf die nächsten Schritte, z.B. nach HOAI Leistungsphasen, nahtlos, weiterverwendet werden können. Idealerweise gehen keine Informationen verloren und das Modell wird im Laufe der Zeit mit mehr verknüpften Informationen und Detailtiefe angereichert. Je mehr Schnittstellen und Projektfirmen beteiligt werden, desto mehr Informationsbrüche gibt es im Laufe des Projekts (siehe Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Informationsverlust durch Brüche im Informationsfluss11

Um den Gedanken von BIM in der Planung umsetzen zu können bedient man sich dem „Frontloading“. Es wird im Vergleich zum traditionellen Vorgehen, bspw. nach HOAI, mehr Aufwand in die früheren Leistungsphasen gesteckt um die Kosten von Änderungen, welche mit der Zeit zunehmen (siehe Abbildung 4) zu reduzieren. Zudem soll die Bauausführung reibungsloser ablaufen. Die Nachteile einer baubegleitenden Planung werden also in der BIM-Methode vermieden. In Großbritannien spricht man von „Design-Freeze“. Die Idee dahinter ist, dass das Projekt nach der Planung „eingefroren“ werden kann, um zu einem späteren Zeitpunkt mit den Bauarbeiten zu beginnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: MacLeamy Kurve – Einfluss und Kosten im Projek

Das Verhältnis von Planungs- zu Bauausführungskosten kann man in der 1:10:100 bzw. 0,1:1:10:100 Regel erkennen. Diese beschreibt, dass die Planungskosten ein Zehntel der Baukosten betragen (siehe Tabelle 1).12 13 Diese Aussage ist jedoch umstritten. Es wird stattdessen auch von einer 1:20:60 Regel14 gesprochen. Es soll hier lediglich deutlich gemacht werden, welche Kosten in den Bau und in die Erhaltung des Gebäudes fließen. Gegenüber den Planungskosten bieten die anderen Kostenpositionen erhebliches Einsparpotenzial. Gepaart mit dem Gedanken der MacLeamy Kurve, lässt sich sagen, dass Entscheidungen über das FM, welche frühzeitig getroffen werden, sich später im Betrieb des Gebäudes um ein Vielfaches auszahlen. Hier bleibt dem AG überlassen, wie und wann er die FM-Leistung gestaltet. Effizienter wäre es diese Leistungen frühzeitig in die Planung zu integrieren. So sollen durch den detaillierten Planungsprozess, der der Ausführung vorausgeht, am Ende Kosten und Zeit eingespart und die Qualität gesteigert werden.

Tabelle 1 0,1:1:10:100 Regel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Arten von BIM/BIM-Levels

Man unterscheidet verschiedene „BIM-Formen“, nämlich „Open and Closed BIM“ und „Little and Big BIM“ (siehe Abbildung 5). Open und closed BIM beschreiben, wie welche Software für das Projekt benutzt wird, während litte und big BIM beschreiben, ob die BIM-Methodik interdisziplinär angewandt wird oder nicht.

Es gibt viele BIM Softwareanbieter, deren Softwarelösungen sich in der Umsetzung im Wesentlichen gleichen. Jeder Softwareanbieter bietet zudem ein proprietäres Dateiformat, in dem das Projekt gespeichert wird. Die Problematik hierbei ist, dass diese Formate untereinander nicht oder nur einschränkt austauschbar sind. Diese Formate werden jedoch stetig weiterentwickelt. Um im Moment einen nahtlosen Datenaustausch zu gewährleisten, sollten alle Projektbeteiligte in einem Format und mit einer Softwarelösung (closed BIM) arbeiten.15

Um dem Problem des Datenaustauschs Abhilfe zu schaffen, wurde mit den Industry Foundation Classes ein Dateiform entwickelt, das IFC (.ifc), welches in der DIN EN ISO 16739 verankert ist. Dieses Format ist ausbaufähig, da die Speicherung und der Austausch von Information nicht zu 100 % gegeben sind. Trotzdem bieten viele Softwarelösungen die Speicherung in IFC an. Das IFC kann als ersten guten Lösungsansatz für einen reibungsfreien Datenaustausch betrachtet werden, welcher in Zukunft noch weiter optimiert werden sollte. Neben IFC haben sich auch andere Formate entwickelt, darunter das „Open BIM Collaboration Format“.16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Formen der BIM-Projektabwicklung

Wird BIM nur in einer Fachdisziplin, bspw. Statik, TGA, angewandt, dann spricht man von little BIM. Wird zwischen verschiedenen Fachplanern und Gewerken kollaboriert und zusammen mit den BIM Lösungen gearbeitet, spricht man von big BIM.

Eine ganzheitliche Betrachtung der beiden Kategorien ergibt den Reifegrad der BIM- Nutzung oder auch das BIM-Level des Projektes (siehe Abbildung 6). Den größten Nutzen hat BIM, wenn es in der Ausprägung „big and open“ angewandt wird.17 18

3.4 BIM in Deutschland

Der Stufenplan Digitales Planen und Bauen schreibt die Nutzung von BIM für große öffentliche Infrastrukturprojekte des BMVI ab ca. 100 Mio. € Bauvolumen vor.19 Dieses schreibt ein BIM-Level 2 (im Stufenplan Leistungsniveau 1 genannt), ähnlich wie in Großbritannien, verpflichtend ab 2020, vor. Für Projekte vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) gibt es keine Vorschrift, sondern lediglich Ratgeber für die BIM-Anwendung, wie etwa den „BIM-Leitfaden für Deutschland“.20 21

Der Stand der BIM-Implementierung wird in BIM-Levels gemessen (siehe Abbildung 6). Diese Abbildung zeigt auch grob, was das BIM-Level 2 vorschreibt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Reifegradmatrix BIM-Levels

Es heißt im Stufenplan, dass keine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen erforderlich sei, um das Leistungsniveau 1 umsetzen zu können.22 Diese These soll in dieser Arbeit untersucht werden.

Die wesentlichen Kriterien im Stufenplan des BMVIs für das Leistungsniveau 1 sind:

- 3D fachmodellbasierte Arbeitsweise
- Verwendung neutraler Austauschformate
- Nutzung einer gemeinsamen Datenumgebung

Die essenziellen Arbeits-/Ablaufmethoden hierin, worauf später ab Kapitel 5 eingegangen wird, sind:

- BIM-Referenzprozess
- Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA)
- BIM-Abwicklungsplan (BAP)

Auf der alten Arbeitsweise aufbauend, hat das BMVI den BIM-Referenzprozess erstellt. Hierin finden sich die einzelnen Leistungsphasen nach HOAI, die Datenübergabepunkte (zwischen AG und AN) und einzelne Zwischenschritte in den Leistungsphasen. Um deutlich zu machen, dass die Anwendung von BIM nur sinnvoll und wirtschaftlich ist, wenn es ganzheitlich verwendet wird, ist der BIM-Referenzprozess als Gebäudelebenszyklus entworfen worden. Wichtig für die vorliegende Arbeit sind die Bereiche „Vergabe der Planung“, hier in der Lph 0, und die „Vergabe der Ausführung“, hier ab der Lph 5.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: BIM-Referenzprozess Stufenplan23

Zur Untersuchung der Vergabe müssen die Schritte ab der Lph 0 und 5 nach Stufenplan genauer aufgeschlüsselt werden (siehe Abbildung 8). Im ersten Schritt entwickelt der AG die AIAs. Diese lassen sich mit einem Standardausschreibungstext vergleichen, welcher mit BIM Anforderungen angereichert wurde. Auftraggeber-Informations­Anforderungen sollen nach und nach in Katalogen erstellt werden und mit Daten angereichert werden, um die Erstellung von Ausschreibungen seitens des AGs zu vereinfachen.23

Nach der Ausschreibung, bzw. zusammen mit der Ausschreibung, beginnen die Kompetenzabfragen. Der BIM-Abwicklungsplan des AN ist im Stufenplan eine Antwort auf die AIAs.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: BIM Arbeitsweise nach Stufenplan

3.5 BIM International

International wird in einigen Ländern, seit mehreren Jahren, von den jeweiligen Regierungen, die Anwendung von BIM vorgeschrieben. Die Initiative ging hierbei immer von den Regierungen und deren Bauämtern und Bauministerien aus, da diese erkannt haben, dass nur die zentrale Vorgabe einer flächendeckenden und ganzheitlichen Verwendung von BIM tatsächlich zu positiven Ergebnissen führt.

Großbritannien hat es sich mit dem „Action Plan 2011“ zum Ziel gesetzt BIM Level 2 flächendeckend in allen öffentlichen Bauprojekten umzusetzen. Eine der ursprünglichen Ziele aus diesem Papier waren die Senkung der Kosten von Bauprojekten um 20 % sowie der Emissionen von Treibhausgasen um 50 %.24 Nach und nach sind viele Standards und Normen u.a. von der BIM Task Group erstellt worden, um die Umsetzung des Action Plans zu ermöglichen.

Der Action Plan und der Stufenplan des BMVI basieren beide auf der ISO 19650 (siehe Abbildung 7). Dieser Standard wurde als Erstes von den Briten entwickelt (BS British Standard 1192-2007), woraus mehrere Teile der PAS 1192 entstanden sind. Die DIN EN ISO 19650, welche dem Stufenplan zugrunde liegt, baut nämlich auf der BS 1192-2007 sowie auf die PAS 1192 Teile 2 bis 7 auf. Die PAS (Publicly Available Specification) ist vergleichbar mit DIN-Spezifikationen (DIN-SPEC), welche meistens nach ein paar Jahren in „richtige“ DIN-Normen umgewandelt werden.25 In den Begrifflichkeiten sieht man diese Ähnlichkeit in den Begriffen, wie Employers Information Requirements (EIR) (dt. Auftraggeber-Informations-Anforderungen, AIA) und BIM Execution Plan (BEP) (dt. BIM- Abwicklungs- oder Ausführungsplan, BAP). In Großbritannien laufen die meisten BIM- Projekte unter dem selective tendering auch two-stage tendering ab, welches mit der beschränkten Vergabe oder dem nicht offenen Verfahren vergleichbar ist, ab. Dieses Verfahren hat auch der Stufenplan für die Mehrzahl der Projekte in Deutschland vorgeschlagen. Hierauf wird in späteren Kapiteln näher eingegangen.26

Als weiteres Land, welches führend in der Einführung und Anwendung von BIM in der nationalen Baubranchen ist, kann Singapur genannt werden. Hier werden seit 2004 die Bauanträge für öffentliche Bauprojekte über e-Vergabe (e-submission) elektronisch abgewickelt. Mittlerweile werden hierüber komplette BIM Modelle eingereicht. Um die verschiedenen Fachmodellen zusammenzuführen und um hieraus ein Koordinationsmodell (Gesamtmodell) zu erstellen braucht es einen BIM- Gesamtkoordinator. Dieser kümmert sich um die nahtlose Verbindung der Fachmodelle und bereitet das Koordinationsmodell für die Abgabe vor (siehe Abbildung 9). In Singapur hat die Praxis gezeigt, dass das IFC als Dateiformat noch nicht ausgereift ist. Hier wird eine Mischung aus open und closed BIM praktiziert. Bei Abgabe des Angebotes wird das BIM-Modell als IFC-Datei und in einem weiteren Dateiformat, bspw. als rvt- Datei, abgegeben. Dies hat damit zu tun, dass proprietäre Dateiformate, wie .rvt, wesentlich informationsreicher sind. Die Zukunft wird zeigen wie sich IFC weiterentwickelt.27 28

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: BIM e-Vergabe (ideal)

Wichtige Treiber dieser Entwicklung in Singapur sind die Building and Construction Authority (BCA) und das Public Utilities Board (PUB), beides staatliche Institutionen. Die BCA hat 2010 bereits eine BIM -Roadmap erstellt. Diese sah vor, dass 80 % der öffentlichen Aufträge in Singapur ab dem Jahr 2015 mit BIM ausgeführt werden. Dadurch erhoffte man sich einen Produktivitätszuwachs von bis zu 25 % bis 2020.

[...]


1 vgl. Borrmann et al. 2018, Planen und Bauen, S. 7.

2 vgl. Borrmann et al. 2018, Planen und Bauen, S. 5.

3 vgl. Bauindustrie e.V. 2018, Partnerschaftsmodelle, S. 5.

4 vgl. Schölzel 2013, Optimierungsanalysen, S. 39.

5 z.B. in Form von Eventualpositionen

6 Borrmann et al. 2018, Planen und Bauen, S. 8.

7 vgl. Bauindustrie e.V. 2018, Partnerschaftsmodelle, S. 6. Das Ziel der Thesis ist es für das deutsche Vergaberecht, im Einklang mit den europäischen Richtlinien, einen Weg zu finden, um die Einführung und Verwendung von BIM zu erleichtern und e ffizie n t zu gestalten.

8 BMVI 2015b, Stufenplan, S. 4.

9 vgl. Rösel et al. 2020, AVA-Handbuch, S. 13.

10 BBSR und BBR 2016, BIM-Leitfaden, S. 21.

11 Borrmann et al. 2018, Planen und Bauen, S. 10.

12 BBSR und BBR 2016, BIM-Leitfaden, S. 33.

13 vgl. Indhira Devi und Chitra 2013, Cost of Quality, S. 47.

14 vgl. BBSR und BBR 2016, BIM-Leitfaden, S. 23.

15 vgl. Borrmann et al. 2018, Planen und Bauen, S. 21.

16 vgl.AHO e.V. (Hg.) 2019, Leistungen BIM, S. 6.

17 Borrmann et al. 2018, Planen und Bauen, S. 21.

18 vgl. Rösel et al. 2020, AVA-Handbuch, S. 104.

19 vgl. BMVI 2015a, Reformkommission, S. 16.

20 vgl. BBSR und BBR 2016, BIM-Leitfaden, S. 3.

21 Borrmann et al. 2018, Planen und Bauen, S. 23.

22 vgl. BMVI 2015b, Stufenplan, S. 5.

23 BMVI 2015b, Stufenplan, S. 11.

24 vgl. Cabinet Office 2011, Government, 20 ff.

25 vgl. Borrmann et al. 2018, Planen und Bauen, S. 42.

26 vgl. Ernst & Sohn (Hrsg.) 2015, Höhlengleichnis, S. 29.

27 vgl. Borrmann et al. 2018, Planen und Bauen, S. 41.

28 Kaneta et al. 2016, Overview of BIM, S. 4.

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Vergaberechtliche Situation der elektronischen Vergabe in Hinsicht auf die Verwendung der BIM-Methode
Hochschule
HBC Hochschule Biberach. University of Applied Sciences
Veranstaltung
Bau- und Vergaberecht
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
69
Katalognummer
V1175854
ISBN (Buch)
9783346596185
Sprache
Deutsch
Schlagworte
BIM, Building Information Modelling, Vergaberecht, Bauvergabe
Arbeit zitieren
M.Eng. LL.M. Thomas Bolduan (Autor:in), 2020, Vergaberechtliche Situation der elektronischen Vergabe in Hinsicht auf die Verwendung der BIM-Methode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1175854

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