Das nackte Leben - Kommentare zum Werk "Homo Sacer" von Giorgio Agamben


Seminararbeit, 2008

10 Seiten, Note: Keine


Leseprobe

Das Leben

Giorgio Agamben, geboren 1942 in Rom, studierte Jura, nebenbei auch Literatur und Philosophie. 1965 schliesst er sein Studium mit einer Lizenziatsarbeit über das politische Denken Simone Weils ab. In Rom hat er in den 1960er Jahren Umgang mit Elsa Morante, Pier Paolo Pasolini, Ingeborg Bachmann. Den entscheidenden Impuls für die Philosophie gaben ihm zwei Seminare mit Martin Heidegger über Heraklit und Hegel im Sommer 1966 und 1968. 1974 ist er in Paris und unterrichtet als Italienischlektor an der Université de la Haute-Bretagne in Rennes. In Frankreich studiert er Linguistik und mittelalterliche Kultur. Er schliesst Freundschaften mit den Schriftstellern Pierre Klossowski und Italo Calvino. 1974 forscht er an der Bibliothek des Wartburg Instituts in London. 1977 erscheint sein Buch Stanze. La parola e il fantasma nella cultura occidentale. 1978 bis 1986 ist er Herausgeber der italienischen Ausgaben der Schriften von Walter Benjamin.

Von 1986 bis 1993 ist er Directeur de Programme am Collège International de Philosophie de Paris. Nach 1988 ist er Professor für Ästhetik an der Universität von Macerata und seit 1993 Professor für Ästhetik an der Universität von Verona. Von 1994 an erfüllt er regelmässig Gastprofessuren in den USA.

Hauptwerke

- Stanze: La parola e il fantasma nella cultura occidentale, Torino : Giulio Einaudi, 1977, 2. erw. Aufl. 1993 (engl.: Stanzas: Word and Phantasm in Western Culture, 1992; dt.: Stanzen. Das Wort und das Phantasma in der abendländischen Kultur. Zürich/Berlin: diaphanes 2005)
- Infanzia e storia, Torino : Giulio Einaudi, 1979 (dt.: Kindheit und Geschichte : Zerstörung der Erfahrung und Ursprung der Geschichte. Frankfurt am Main 2004)
- Idea della prosa, Milano : Feltrinelli, 1985 (dt.: Die Idee der Prosa. München/Wien 1987; 2. Aufl. Macerata : Quodlibet, 2002; dt.: Frankfurt am Main 2003)
- La comunità che viene, Torino, Giulio Einaudi, 1990 (engl.: The Coming Community, 1993; 2. erw. Aufl. Torino: Bollati Boringhieri, 2001; dt.: Die kommende Gemeinschaft. Berlin 2003)
- (mit Gilles Deleuze) Bartleby, la formula della creazione, Macerata, Quodlibet, 1993 (dt. Bartleby oder die Kontingenz gefolgt von Die absolute Immanenz. Berlin 1998; der Text von Deleuze, dt. Bartleby oder die Formel. Berlin 1994)
- Homo Sacer, Torino: Giulio Einaudi, 1995 (engl.: Homo Sacer. Sovereign Power and Bare Life (1998)(dt.: Homo Sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Frankfurt am Main 2002)
- Mezzi senza fine, Torino: Bollati Boringhieri, 1996 (dt.: Mittel ohne Zweck. Noten zur Politik. Berlin: diaphanes 2001)
- Quel che resta di Auschwitz. L'archivio e il testimone (Homo sacer III), Torino, Bollati Boringhieri, 1998 (dt.: Was von Auschwitz bleibt. Das Archiv und der Zeuge. Frankfurt am Main 2003)
- Il tempo che resta, Torino: Bollati Boringhieri, 2000 (Die Zeit, die bleibt. Ein Kommentar zum Römerbrief. Frankfurt am Main 2006)
- L’aperto, Torino, Bollati Boringhieri, 2002 (Das Offene. Der Mensch und das Tier. Frankfurt am Main 2003)
- Stato di eccezione (Homo sacer II,1), Torino, Bollati Boringhieri, 2003 (dt.: Ausnahmezustand. Frankfurt am Main 2004)
- Profanazioni, Roma: edizioni nottetempo 2005 (Profanierungen. Frankfurt am Main 2005)
- Il Regno e la Gloria. Per una genealogia teologica dell’economia e del governo (Homo sacer II, 2), Vicenza: Neri Pozza, 2007

Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben

In Homo Sacer stellt Giorgio Agamben die These auf, dass die Biopolitik die Menschen auf einen biologischen Nullwert führt und, dass diese das nackte Leben zum Subjekt der Moderne macht. Im römischen Recht wurde das nackte Leben von der Figur des homo sacer verkörpert: Er durfte straflos getötet, nicht aber geopfert werden. Der homo sacer markiert die Grenze zwischen dem nackten und dem rechtlich eingekleideten Leben. Giorgio Agamben bezieht sich explizit auf die Analyse Michel Foucaults, wenn dieser am Schluss von Der Wille zum Wissen den Prozess darstellt, aufgrund dessen die Politik sich in der Moderne in Biopolitik verwandelt und das natürliche Leben in die Kalküle der Staatspolitik einbezogen hat:

„Jahrtausende hindurch ist der Mensch das geblieben, was er für Aristoteles war: ein lebendes Tier, das auch einer politischen Existenz fähig ist. Der moderne Mensch ist ein Tier, in dessen Politik sein Leben als Lebewesen auf dem Spiel steht.“[1]

Entscheidend war nach Michel Foucault in diesem Zusammenhang der Übergang vom „Territorialstaat“ zum „Bevölkerungsstaat“ und damit die wachsende Bedeutung des biologischen Lebens für die souveräne Macht. Der moderne westliche Staat habe damit subjektive Techniken der Individualisierung und objektive Prozeduren der Totalisierung integriert. Michel Foucault spricht von einem politischen double bind, das die gleichzeitige Individualisierung und Totalisierung der modernen Machtstrukturen bildet.

Die Politisierung des nackten Lebens bildet, nach Giorgio Agamben, das entscheidende Ereignis der Moderne und markiert eine radikale Transformation der klassischen politisch-philosophischen Kategorien. Die Griechen kannten für den das Wort Leben zwei Begriffe, die morphologisch und semantisch verschieden waren: zōé meinte die einfache Tatsache des Lebens, bíos dagegen bezeichnete die Form des Lebens. Giorgio Agamben versteht seine Arbeit als eine Untersuchung zwischen dem juridisch-institutionellen Modell und dem biopolitischen Modell der Macht: Warum hat sich die abendländische Politik über eine Ausschliessung des nackten Lebens begründet? Die Struktur der Ausnahme scheint ihm in dieser Perspektive konsubstantiell mit der abendländischen Politik zu sein. Die Politisierung des nackten Lebens ist seiner Auffassung nach die Aufgabe der Metaphysik, in der über den lebenden Menschen entschieden wird. Das fundamentale Kategoriepaar der abendländischen Politik ist jene vom nacktem Leben/politischer Existenz, zōé

[...]


[1] Michel Faucault, Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1977, S. 171.

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Details

Titel
Das nackte Leben - Kommentare zum Werk "Homo Sacer" von Giorgio Agamben
Hochschule
Universität Zürich
Note
Keine
Autor
Jahr
2008
Seiten
10
Katalognummer
V117587
ISBN (eBook)
9783640200207
ISBN (Buch)
9783640205936
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Quellenangaben vollständig in den Fußnoten zitiert
Schlagworte
Giorgio Agamben, Homo Sacer, Michel Foucault, Biopolitik, Justiz, Folter
Arbeit zitieren
Giacomo Francini (Autor), 2008, Das nackte Leben - Kommentare zum Werk "Homo Sacer" von Giorgio Agamben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117587

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