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Macht und Deliberation. Analyse der Thesen von Mansbridge et al. (2010) zur Rolle und Funktion von Macht innerhalb der Deliberation

Titel: Macht und Deliberation. Analyse der Thesen von Mansbridge et al. (2010) zur Rolle und Funktion von Macht innerhalb der Deliberation

Essay , 2021 , 11 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Ben-Amon Kosbab (Autor:in)

Politik - Sonstige Themen zur Internationalen Politik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Macht und Machtasymmetrien bestimmen das politische Geschehen in unseren modernen Demokratien. Fälle wie die Maskenaffäre in der CDU und CSU machen deutlich, dass Macht im politischen Prozess immer wieder zum eigenen Vorteil genutzt und missbraucht wird. In der Politikwissenschaft wird die Deliberation als vielversprechender Ansatz zur Verhinderung von Machtmissbrauch und zur Beseitigung von Machtasymmetrien diskutiert. Es ist daher wichtig zu verstehen, welche Rolle Macht innerhalb der Deliberation spielt und wie diese sich auf den Deliberationsprozess auswirkt. Mansbridge et al. (2010) setzen sich mit eben dieser Thematik auseinander. Laut ihnen ist die Anwesenheit von Macht im Deliberationsprozess legitim. Sie argumentieren, dass Macht im Deliberationsprozess wichtige Funktionen einnimmt und beispielsweise zur Strukturierung des deliberativen Diskurses beiträgt. In diesem Essay gehe ich der Frage nach, ob die Argumentation von Mansbridge et al. (2010) hinsichtlich der Rolle von Macht im Deliberationsprozess schlüssig ist. Indem ich die einzelnen Thesen von Mansbridge et al. (2010) zur Rolle und Funktionsweise von Macht im Deliberationsprozess diskutiere, zeige ich auf, dass diese die Rolle von Macht nicht korrekt darstellen und wichtige Aspekte ignorieren. Mansbridge et al. (2010) unterschätzen vor allem die Wirkung der in unserer Gesellschaft existierenden Machtasymmetrien auf die Deliberation. Die Machtasymmetrien in Kombination mit dem institutionellen Design der Deliberation führen dazu, dass die Funktionen, die Mansbrige et al. (2010) Macht in der Deliberation zuschreiben, den Deliberationsprozess verzerren und Machtasymmetrien vergrößern würden.
Zunächst werde ich den Deliberationsbegriff von Mansbridge et al. (2010) näher erläutern. Anschließend werde ich die Argumentation von Mansbridge et al. (2010) darstellen, um diese dann kritisch zu diskutieren. Dabei gehe ich so vor, dass ich jedes Argument erläutere und dann im Anschluss diskutiere.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deliberation

3. Argumentationsstruktur

4. Der Machtbegriff im Kontext der Deliberation

4.1 Macht und Ungleichheit

5. Macht als Mittel zur Strukturierung des deliberativen Diskurses

5.1 Moderator oder Diktator?

6. Macht als Mittel gegen Machtmissbrauch

6.1 Zahn um Zahn, Auge um Auge?

7. Konklusion

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die Thesen von Mansbridge et al. (2010) hinsichtlich der Rolle von Macht im Deliberationsprozess. Das primäre Ziel besteht darin zu prüfen, ob die Argumentation für die Legitimität von Macht und Coercive Power schlüssig ist, wobei der Autor argumentiert, dass diese Ansätze gesellschaftliche Machtasymmetrien unterschätzen und den deliberativen Prozess verzerren.

  • Macht und Machtasymmetrien in der deliberativen Demokratie
  • Die Rolle von Coercive Power zur Strukturierung von Diskursen
  • Einfluss nicht-politischer Machtressourcen wie Bildung und Zeit
  • Kritik an der Moderatorenrolle als Instrument der Machtausübung
  • Risiken der Defection Chain bei der Reaktion auf Machtmissbrauch

Auszug aus dem Buch

Moderator oder Diktator? (5.1)

Meiner Auffassung nach führt die Implementation eines Moderators dazu, dass der Deliberationsprozess verfälscht wird und dass die Interessen marginalisierter Gruppen nicht ausreichend beachtet werden.

Humphreys et al. (2006) vergleichen die Ergebnisse von Deliberationsprozessen mit und ohne Moderator. Dabei zeigt sich, dass sich die Ergebnisse der Gruppen maßgeblich unterscheiden und dass diejenigen, die in einen Deliberationsprozess mit Moderator involviert waren, dazu tendieren, die Meinungen des Moderators zu übernehmen oder zumindest die Distanz ihrer eigenen Meinung zur Meinung des Moderators zu reduzieren. Spada und Veland (2010) betonen, dass Moderatoren von politischen Eliten dafür genutzt werden können, den Deliberationsprozess nach ihrem Interesse zu gestalten. Wie ich bereits in meiner vorherigen Argumentation dargelegt habe, ist die Deliberation ein Prozess der Entscheidungsfindung, der die politische Sphäre nicht von anderen Sphären trennen kann, womit sich gesellschaftliche Machtasymmetrien direkt auf den politischen Prozess auswirken können. Der Moderator gleich in diesem System einem Alleinherrscher, denn er ist in der Lage zu bestimmen, welcher Akteur wann und wie reden darf. In einem politischen System, das wie die Deliberation maßgeblich auf dem Diskurs und dem Austausch von Argumenten beruht, besitzt der Moderator also die ultimative Machtressource.

Gruppen, die über besonders viele Machtressourcen verfügen (finanzielle Ressourcen, rhetorische Fähigkeiten, Bildung) können diese somit ausnutzen, um durch den Moderator mehr Kontrolle über den Deliberationsprozess zu erlangen. Park (2012) zeigt beispielsweise auf, dass Moderatoren die Deliberation vor allem beeinflussen können, weil ihnen Expertise zugesprochen wird. Selbst wenn der Moderator betont, dass er über weniger Expertise als die anderen Akteure der Deliberation verfügt, wird ihm trotzdem mehr Expertise zugesprochen. Betont der Moderator zudem, dass er mehr Wissen besitzt, als die anderen Gesprächsteilnehmer, so kann er noch effizienter seine Meinung durchsetzen (Park, 2012). Da Expertise auf Bildung beruht, zeigt dies wiederum auf, wie nicht-politische Machtressourcen im Zuge der Deliberation den politischen Prozess beeinflussen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zur Thematik und kritische Einordnung der Machtproblematik innerhalb deliberativer Prozesse.

2. Deliberation: Darstellung des Deliberationsverständnisses und der verschiedenen Verhandlungsformen nach Mansbridge et al.

3. Argumentationsstruktur: Skizzierung der drei Kernaspekte der kritischen Untersuchung der Machtfunktionen.

4. Der Machtbegriff im Kontext der Deliberation: Analyse und Definition von Macht und Coercive Power durch Mansbridge et al.

4.1 Macht und Ungleichheit: Kritische Auseinandersetzung mit der ungleichen Verteilung von Machtressourcen wie Bildung und Zeit.

5. Macht als Mittel zur Strukturierung des deliberativen Diskurses: Diskussion der Rolle von Moderatoren bei der Strukturierung deliberativer Prozesse.

5.1 Moderator oder Diktator?: Kritische Hinterfragung der neutralen Position des Moderators und dessen Manipulationspotenzial.

6. Macht als Mittel gegen Machtmissbrauch: Untersuchung der Argumentation, dass Coercive Power zur Wiederherstellung der Machtbalance genutzt werden kann.

6.1 Zahn um Zahn, Auge um Auge?: Problematisierung der Defection Chain und der Schwierigkeit einer neutralen Machtbalance.

7. Konklusion: Fazit zur Ablehnung der Deliberation als politisches Entscheidungsinstrument unter gegebenen Machtasymmetrien.

Schlüsselwörter

Deliberation, Machtasymmetrien, Machtmissbrauch, Coercive Power, Deliberationsprozess, politische Partizipation, Moderator, Entscheidungsfindung, Machtressourcen, Bildung, Zeit, politische Ungleichheit, Meta-Deliberation, Defection Chain, Tit-for-Tat-Strategie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch die These, dass Macht im Kontext deliberativer Demokratie ein notwendiges und legitimes Instrument sein kann, um Prozesse zu strukturieren oder Machtmissbrauch zu verhindern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind Machtasymmetrien, die Rolle von Moderatoren in Entscheidungsprozessen, die ungleiche Verteilung von Ressourcen wie Zeit und Bildung sowie die Risiken von Sanktionsmechanismen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, ob die Argumentation von Mansbridge et al. (2010) bezüglich der Rolle von Macht im Deliberationsprozess schlüssig ist oder ob sie wichtige gesellschaftliche Machtasymmetrien ignoriert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Argumentationsanalyse und kritische Literaturdiskussion, um die Thesen von Mansbridge et al. theoretisch zu prüfen und mit ergänzenden Konzepten (z.B. von Olson oder Axelrod) zu kontrastieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der Machtbegriff, die Rolle des Moderators als potenzielle Machtressource sowie die Problematik von Coercive Power als Abwehrreaktion detailliert diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Deliberation, Machtasymmetrien, Coercive Power, Moderator, politische Entscheidungsprozesse und gesellschaftliche Ungleichheit.

Warum wird die Rolle des Moderators in der Deliberation kritisch gesehen?

Der Autor argumentiert, dass der Moderator aufgrund seiner Machtbefugnisse nicht neutral agieren kann und somit Gefahr läuft, den Prozess zu verzerren und die Interessen privilegierter Gruppen zu fördern.

Was bedeutet der Begriff „Defection Chain“ in diesem Kontext?

Die „Defection Chain“ beschreibt die Gefahr, dass der wechselseitige Einsatz von Sanktionen (Coercive Power) aufgrund von Fehlinterpretationen der Akteure in einer Eskalationsspirale endet.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Macht und Deliberation. Analyse der Thesen von Mansbridge et al. (2010) zur Rolle und Funktion von Macht innerhalb der Deliberation
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,3
Autor
Ben-Amon Kosbab (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
11
Katalognummer
V1175910
ISBN (PDF)
9783346595539
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Macht Deliberation Bürgerbeteiligung Direkte Demokratie Partizipation
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ben-Amon Kosbab (Autor:in), 2021, Macht und Deliberation. Analyse der Thesen von Mansbridge et al. (2010) zur Rolle und Funktion von Macht innerhalb der Deliberation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1175910
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Leseprobe aus  11  Seiten
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