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Bildkonzeption und Wahrheitsanspruch in Oliver Stones Film "JFK"

Title: Bildkonzeption und Wahrheitsanspruch in Oliver Stones Film "JFK"

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 25 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nicole Mühlhausen (Author)

Film Science
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Summary Excerpt Details

Die Objektivität der Photographie verleiht ihr eine Überzeugungsmacht,
die allen anderen Bildwerken fehlt.[...] Das ästhetische Wirkungsvermögen
der Photografie liegt in der Enthüllung des Wirklichen.
1
Wenn es keine zuverlässigen Wege zur Wahrheit der Vergangenheit
gibt, wenn Fotografien und Filme keine Spiegel mit Gedächtnissen,
sondern eher, wie Baudrillard meint, Spiegelkabinette sind,
dann läge unsere beste Antwort auf diese Krise der Repräsentation
darin, [...]: [s]o viele Seiten dieser Spiegel wie möglich in Anschlag
zu bringen, um die Verführungskraft von Lügen zu enthüllen.2
Das hier von Bazin postulierte Vertrauen in die Fähigkeit der Kamera, objektive
Wahrheiten von Menschen, Objekten und Ereignissen sichtbar zu
machen, begründet er mit dem strengen Determinismus des fotografischen
Verfahrens. Mit der Entwicklung der Fotografie in der Mitte des 19.
Jahrhunderts entsteht ein Bild von der äußeren Wirklichkeit zum ersten
Mal automatisch, befreit von den subjektiven „Verfälschungen“ durch den
darstellenden Künstler. Diese Wirkungsmächtigkeit schrieb Bazin jedoch
nicht nur der Fotografie, sondern gleichermaßen dem Film zu, da diesem
Medium ebenso ein determiniertes, fotografisches Verfahren zugrunde
liegt. Darüber hinaus vermag es der Film, die Dinge in der Zeit und ihrer
damit verbundenen Veränderung zu zeigen, während das Foto nur die
Fähigkeit hat, das Darstellungsobjekt in einem bestimmten Augenblick vor
seinem zeitlichen Verfall zu konservieren.
Doch dieses Vertrauen in die Objektivität und die wahrheitsenthüllende
Kraft der Fotografie und der Filmbilder ist in den vergangenen dreißig
Jahren stark erschüttert worden. Der scheinbar unstillbare Hunger der
Menschen nach Bildern hat zu einer massenhaften Verbreitung von Bildern
und zu einer fortlaufenden Innovation der Bildmedien geführt. Es
kann nicht mehr geleugnet werden: Wir leben in einer von Bildern dominierten Welt. Insbesondere die Feuilletons reagieren mit zunehmen-der
Skepsis und Missbilligung auf diese übermächtige Bildpräsenz, die von
ihnen als apokalyptische Bilderflut oder sogar als Bilderhölle tituliert wird.
In den wissenschaftlichen Diskursen findet vornehmlich eine Auseinandersetzung
mit den elektronischen Fernsehbildern und den digitalen Bildern
statt. Ihre äußerste Zuspitzung erreichte diese wissenschaftliche
Bilddebatte durch die populär gewordene „Simulationstheorie“ von Jean
Baudrillard.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse der Bildkonzeption von „JFK“

2.1 Inhalt und Struktur des Films

2.2 Die Indexikalität der Bilder

2.3 Die Ikonizität der Bilder

2.4. Die Montagetechnik

3. Analyse des Wahrheitsanspruchs und der Wirkungsintention von „JFK“

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bildkonzeption von Oliver Stones Film „JFK“ und hinterfragt dessen Wahrheitsanspruch sowie seine Wirkung auf den Zuschauer. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der Film durch die gezielte Montage von dokumentarischen und fiktiven Elementen eine eigene historische Wirklichkeit konstruiert und welche gesellschaftliche Funktion dieses Dokudrama ausübt.

  • Analyse der filmischen Bildkonzeption und ihrer Überzeugungskraft
  • Untersuchung der Rolle von Indexikalität und Ikonizität in der Filmgestaltung
  • Diskussion des filmischen Montagestils im Vergleich zur Theorie Sergej Eisensteins
  • Einordnung von „JFK“ als Dokudrama im Gegensatz zum klassischen Dokumentarfilm
  • Kritische Reflexion über die Manipulierbarkeit historischer Ereignisse durch moderne Medientechniken

Auszug aus dem Buch

Die Ikonizität der Bilder

Trotz der relativ hohen Anzahl von dokumentarischen Bildern, die als Index funktionieren, dominieren in „JFK“ die ikonischen Bilder. Stone stimmt in diesem Film geradezu ein Hohelied auf das Sehen an, dem Empfindungssinn, dem der Mensch am meisten vertraut. Getreu der Devise: „Wir glauben, was wir sehen“, versucht Stone so viele Fakten und Theorien über das Kennedy-Attentat wie möglich visuell umzusetzen. Dem Rezipienten wird damit kaum Raum für eigene Reflexionen gegeben, da er mit einer wahren Flut von Bildern unterschiedlichster Qualität konfrontiert wird, die zudem teilweise in atemberaubender Schnittfolge miteinander montiert sind. Durch dieses Konzept entwickelt „JFK“ eine Bildmächtigkeit, die maßgeblich zur Überzeugungskraft des Films beiträgt. Stone bedient sich hierzu unterschiedlicher Techniken.

Bei der Präsentation der Augenzeugenberichte verwendet er beispielsweise ein verschachteltes System von Rückblenden. Zunächst wird Garrison gezeigt, wie er die protokollierten Augenzeugenberichte der Warren-Kommission liest. Die Aussage des betreffenden Augenzeugen wird in dieser Einstellung vorerst nur akustisch als voice-over präsentiert. Dann erfolgt der Schnitt zur ersten Rückblende, in der der jeweilige Augenzeuge bei seiner Vernehmung durch die Warren-Kommission zu sehen ist. Nun wird in dieser Rückblende in eine weitere Rückblende vom Tag des Mordanschlags geschnitten, die als Schwarz-Weiß-Aufnahme von den vorangegangenen Farbeinstellungen abgesetzt ist. In dieser zweiten Rückblende versetzt Stone den Rezipienten in die privilegierte Position, die vom vernommenen Zeugen gemachten Beobachtungen am Attentatstag selbst „mit eigenen Augen“ sehen zu können. Diese Visualisierung der in der Realität nur schriftlich oder akustisch rezipierbaren Augenzeugenberichte verleiht der Aussage eine höhere Glaubhaftigkeit und Überzeugungskraft. Selbst für die Aussage eines Zeugen, der den Parkplatz auf dem besagten Grashügel beobachtet hatte,: „I’m unable to describe.“, findet Stone Bilder.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Bildevidenz und Bildskepsis ein und stellt den Film „JFK“ als kontroverses Werk vor, das durch seine Montage historische Mythen und Wahrheitsansprüche hinterfragt.

2. Analyse der Bildkonzeption von „JFK“: Dieses Kapitel untersucht detailliert die filmischen Mittel wie Indexikalität, Ikonizität und den Montagestil, durch die Stone die visuelle Überzeugungskraft seines Films konstruiert.

2.1 Inhalt und Struktur des Films: Hier wird die dreiteilige narrative Struktur des Films erläutert, die den Zuschauer durch die Perspektive von Jim Garrison durch das Kennedy-Attentat führt.

2.2 Die Indexikalität der Bilder: Dieses Kapitel analysiert, wie die Vermischung von dokumentarischem und inszeniertem Material den ontologischen Status der Bilder verwischt und so die Wahrnehmung des Zuschauers manipuliert.

2.3 Die Ikonizität der Bilder: Hier wird dargelegt, wie durch visuelle Techniken wie Rückblenden und nachgestellte Szenen eine hohe emotionale Glaubhaftigkeit erzeugt wird, die den Zuschauer in die Geschichte hineinzieht.

2.4. Die Montagetechnik: Dieses Kapitel zeigt die Parallelen zwischen Stones rasantem Schnittrhythmus und Sergej Eisensteins Montage-Theorie auf, die darauf abzielt, beim Rezipienten gezielte ideologische Reaktionen hervorzurufen.

3. Analyse des Wahrheitsanspruchs und der Wirkungsintention von „JFK“: Abschließend wird diskutiert, warum Stones Werk als Dokudrama und nicht als klassischer Dokumentarfilm zu verstehen ist und wie er damit zur aktiven Wahrheitssuche beim Zuschauer anregt.

Schlüsselwörter

JFK, Oliver Stone, Bildkonzeption, Wahrheitsanspruch, Verschwörungstheorie, Dokumentarfilm, Dokudrama, Montagetechnik, Indexikalität, Ikonizität, Bildskepsis, Bildevidenz, Postmoderne, Filmrezeption, Geschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die filmische Bildsprache und den Wahrheitsanspruch von Oliver Stones Film „JFK“ im Kontext von Bildevidenz und medialer Manipulation.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der Bildkonzeption, der Montagetechnik, der Unterscheidung zwischen dokumentarischem und fiktivem Bildmaterial sowie der Genre-Einordnung als Dokudrama.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es soll ergründet werden, mit welchen visuellen Strategien der Film eine hohe Überzeugungskraft entwickelt und inwieweit er den Anspruch einer objektiven Geschichtsschreibung erfüllt oder hinterfragt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine filmanalytische Untersuchung, kombiniert mit bildtheoretischen Ansätzen und dem Vergleich zu filmtheoretischen Diskursen wie denen von Bazin, Baudrillard und Eisenstein.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung des Montagestils, der Indexikalität und Ikonizität des Bildmaterials sowie eine Analyse der Wirkungsabsicht im Hinblick auf den postmodernen Wahrheitsbegriff.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben dem zentralen Filmtitel „JFK“ sind Begriffe wie Bildkonzeption, Dokudrama, Montagetechnik, Verschwörungstheorie und Medienmanipulation entscheidend.

Warum wird der Zapruder-Film im Kontext der Beweisführung so hervorgehoben?

Der Zapruder-Film bildet das Herzstück von Stones Verschwörungsthese; durch gezielte Vergrößerungen und Montage suggeriert Stone eine Evidenz, die im Film als Beweis für das Attentat dient.

Welche Rolle spielt die Genre-Wahl des „Dokudramas“ für die Bewertung des Films?

Die Autorin argumentiert, dass die Kritik an „JFK“ oft verfehlt ist, weil sie den Film an Maßstäben dokumentarischer Objektivität misst, obwohl er als Dokudrama gezielt dramatische und emotionale Mittel zur Anregung der Wahrheitssuche einsetzt.

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Details

Title
Bildkonzeption und Wahrheitsanspruch in Oliver Stones Film "JFK"
College
Free University of Berlin  (Theater-/Filmwissenschaft)
Course
Hauptseminar
Grade
1,3
Author
Nicole Mühlhausen (Author)
Publication Year
2005
Pages
25
Catalog Number
V117593
ISBN (eBook)
9783640200221
ISBN (Book)
9783640205950
Language
German
Tags
Bildkonzeption Wahrheitsanspruch Oliver Stones Film Hauptseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Mühlhausen (Author), 2005, Bildkonzeption und Wahrheitsanspruch in Oliver Stones Film "JFK", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117593
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