[...] Diese Arbeit ist in vier Teile gegliedert. Das erscheint uns deshalb angebracht, da die Entwicklungen und Modifizierungen von Eisensteins Theorien aufeinander aufbauen und sich an die verändernden technischen Möglichkeiten anpassen:
Der erste Teil behandelt Eisensteins Montage der (Theater) - Attraktionen, seine
künstlerischen Ursprünge im Proletkult -Theater, die unterschiedlichen Ansätze jener Zeit und den Einfluss ,den sie auf die Entwicklung seiner Attraktionsmontage ausübten.
Im zweiten Teil gehen wir auf den Übergang von der Attraktionsmontage im Theater zur Montage der Attraktionen im Stummfilm ein; außerdem stellen wir die Grundprinzipien der Montage vor sowie die verschiedenen Montagetechniken Eisensteins.
Der dritte Teil behandelt Eisensteins Ansätze zum Umgang mit dem Tonfilm.
Im vierten Teil analysieren wir Eisensteins Überlegungen zum intellektuellen Film, der den Abschluß seiner filmischen Entwicklung bilden sollte.
Während seiner Arbeit am Theater entwickelte Eisenstein seine Montage der Attraktionen, deren basales Grundprinzip, nämlich die Verbindung und Gegenüberstellung von unterschiedlichsten Elementen, er sowohl in seiner Arbeit mit dem Stummfilm als auch mit dem Tonfilm beständig weiterentwickelte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Theater (1917 – 1921)
1.1 Aufgaben des Agit – Theaters
1.2 Die Theaterattraktion
1.3 Montage der Theaterattraktionen
1.4. Morgenländische Einflüsse I : Das Kabuki –Theater
1.5. Rezeptionsprobleme
1.6 Vom Theater zum Film - Trennung vom Prolet –Kult
2. Der Stummfilm (1921 – 1930)
2.1 Grundzüge: Montage und Einstellung
2.2 Typage
2.3 Die Film- Attraktion
2.4 Montage der Film – Attraktionen
2.5 Film – Inhalte
2.6 Morgenländische Einflüsse II : Die Hieroglyphe
2.7 Montageformen
2.7.1 Metrische Montage
2.7.2 Rhythmische Montage
2.7.3 Tonale Montage
2.7.4 Oberton -Montage
3. Der Tonfilm (1931 – 1945)
3.1 Der richtige Umgang mit dem Ton
4. Der intellektuelle Film
4.1 Die intellektuelle Attraktion
4.2 Die intellektuelle Montage
4.3 Die innere Rede
5. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Montagetechnik von Sergej M. Eisenstein, ausgehend von seinen Ursprüngen im Theater bis hin zu seinen theoretischen Konzepten des intellektuellen Films. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit dem dialektischen Unterbau seines Schaffens und wie Eisenstein versuchte, theoretische Konzepte in die filmische Praxis zu integrieren, um eine politische und erzieherische Wirkung auf den Zuschauer zu erzielen.
- Die Entwicklung von der Theater- zur Film-Attraktion
- Der Einfluss fernöstlicher Kulturen auf Eisensteins Montagetheorie
- Systematische Montageformen: Von der metrischen zur Obertonmontage
- Die Herausforderungen und Potenziale des Tonfilms für die filmische Montage
- Die theoretische Konzeption des intellektuellen Films als höchste Abstraktionsform
Auszug aus dem Buch
2.4 Montage der Filmattraktionen
„ Die Inszenierungsmethode ist bei jedem Film dieselbe: Montage der Attraktionen.“ (Eisenstein 1974:227 )
Bei seinen ersten kinematographischen Versuchen übernahm Eisenstein das inhaltliche Grundprinzip der Attraktionsmontage. Die Verknüpfung von verschiedenen Filmteilen bezeichnete er als die „Kunst der Kopplung“. (Eisenstein 1988: 19) Es werden Assoziationsketten aneinandergekoppelt, die für den Zuschauer mit einer konkreten Erscheinung zusammenhängen. Die Montage ist ein Gedanke, der beim Zusammenprall zweier unabhängiger Stücke entsteht.
„Was kennzeichnet die Montage und folglich auch ihren Embryo, die Einstellung? Ein Zusammenprall. Der Konflikt zweier nebeneinander stehender Abschnitte. Konflikt. Zusammenprall.“(Eisenstein 1988:81) Dies bezeichnete Eisenstein als dramatisches Prinzip.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in Eisensteins dialektischen Unterbau und die Zielsetzung der Arbeit, die Entwicklung seiner Montagetheorien vom Theater zum intellektuellen Film zu beleuchten.
1. Das Theater (1917 – 1921): Analyse der frühen Theaterarbeit, insbesondere des Proletkult-Theaters, und die Entstehung der "Montage der Attraktionen" unter dem Einfluss von Meyerhold.
2. Der Stummfilm (1921 – 1930): Untersuchung der Übertragung theaterwissenschaftlicher Konzepte auf den Film, inklusive der Entwicklung spezifischer Montageformen und der Bedeutung der Typage.
3. Der Tonfilm (1931 – 1945): Diskussion der filmtheoretischen Herausforderungen durch den Ton und Eisensteins Plädoyer für eine kontrapunktische Verwendung von Ton und Bild.
4. Der intellektuelle Film: Erörterung des Versuchs, abstrakte politische Ideen durch die "intellektuelle Montage" direkt auf die Leinwand zu bringen.
5. Abschließende Betrachtung: Kritische Reflexion über das Scheitern von Eisensteins Ziel, den Zuschauer durch hochgradig abstrakte Filme direkt politisch zu formen, bei gleichzeitiger Würdigung seiner filmtheoretischen Pionierarbeit.
Schlüsselwörter
Sergej M. Eisenstein, Montage der Attraktionen, Filmtheorie, Dialektik, Stummfilm, Tonfilm, Intellektueller Film, Biomechanik, Typage, Obertonmontage, Agit-Theater, Filmästhetik, Kino, Assoziation, Dramatisches Prinzip.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretische und praktische Entwicklung der Montagetechniken des Regisseurs Sergej M. Eisenstein von seiner frühen Theaterarbeit bis zu seinem späten Wirken beim intellektuellen Film.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der "Attraktionsmontage", der Einfluss japanischer und chinesischer Kultur auf Eisensteins Denken, die Dialektik in der Montage sowie der Umgang mit dem aufkommenden Tonfilm.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Ursprung und die Modifizierung von Eisensteins Theorien aufzuzeigen und zu untersuchen, wie er versuchte, Film als politisches Erziehungsinstrument zu nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmtheoretische Analyse, die Eisensteins eigene Schriften und Aufzeichnungen mit dem historisch-kontextuellen Rahmen der russischen Revolution und der Avantgarde-Kultur verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert den Übergang vom Theater zum Film, die verschiedenen Stufen der Montage (metrisch, rhythmisch, tonal, Oberton) und die theoretischen Konzepte hinter dem Ton- und intellektuellen Film.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Montagetechnik, dialektischer Unterbau, Agit-Prop, intellektuelle Montage und Filmtheorie charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die "Obertonmontage" von der "orthodoxen Montage"?
Während die orthodoxe Montage auf der Verknüpfung von Abschnitten nach ihrem überwiegenden Hauptmerkmal basiert, bildet die Obertonmontage ein zweites Bezugssystem, das mit Sekundärschwingungen und Assoziationsprozessen beim Zuschauer arbeitet.
Warum sah Eisenstein den Tonfilm nicht als reinen Rückschritt?
Obwohl er Gefahren in der naiven Dopplung von Ton und Bild sah, erkannte er ein ungeheures Potenzial in der kontrapunktischen Nutzung des Tons, um komplexe gedankliche Aufgaben zu lösen.
- Arbeit zitieren
- Magister Artium Harald Marburger (Autor:in), 2000, Von der Montage der Attraktionen zum intellektuellen Film - Sergej M. Eisenstein: Dialektiker des Films, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11760