Die Dalton-Plan Schule und die Jenaplanschule im Vergleich


Seminararbeit, 2007

25 Seiten, Note: 1 A


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Dalton-Plan Schule
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Grundlagen des Dalton-Plans
2.3 Grundprinzipien des Daltonplans

3. Jenaplanschule
3.1. Historische Entwicklung
3.2. Biographie Peter Peterson
3.3. Erziehung, Gesellschaft und Gemeinschaft nach Petersen
3.4. Die pädagogische und kind-anthropologische Grundlegung des Jenaplans
3.6. Praxisbeispiel: Heutige Jenaplanschule in Jena

4. Vergleich der beiden reformpädagogischen Schulkonzepte

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Bildung im internationalen Vergleich“ unter Leitung von Uni.- Prof. Dr. Grimm Gerald bekam ich die Gelegenheit mich mit dem Fachbereich der Reformpädagogik näher auseinander zu setzen. Es wurden im Laufe des Semesters vom Vortragenden wie auch von den Studenten/innen folgende Themen der Reformpädagogik vorgestellt und diskutiert: Begriffspräzisierung der Reformpädagogik; Entwicklung und Verlauf der Reformpädagogik in Mittel-, West-, Süd-, Nord- und Osteuropa; Entwicklung und Verlauf der Reformpädagogik in den USA, Entwicklung und Verlauf der Reformpädagogik in Australien, Afrika und Asien, Reformpädagogische Strömungen in Europa, Schulmodelle der Reformpädagogik, Reformpädagogik in Geschichte und Gegenwart.

Unsere Arbeitsgruppe beschäftigte sich näher mit dem Themenbereich der Progressiven Bildungskonzepte und präsentierte dies auch im Plenum. Mein Beitrag zur Lehrveranstaltung behandelte die Platon- und Garysysteme, sowie den Dalton Plan.

Die grundlegenden Informationen für meine Präsentation sowie auch für diese Seminararbeit entnahm ich aus dem Buch: „Bildungsreformen und Reformbestrebungen in den USA“ (Gesammelte Schriften, Band 10), herausgegeben von Röhrs Hermann, erschienen im Beltz Verlag im Jahr 1996 in Dortmund.

Folgende Seminararbeit stellt den Versuch dar zwei reformpädagogische Konzepte miteinander zu vergleichen. Ich habe mich für die Reformpädagogen Helen Parkhurst mit ihrem Konzept des Daltonplans und für Peter Petersen mit seinem Konzept der Jenaplanschule, entschieden, da mich einerseits die zwei Konzepte persönlich sehr interessieren, andererseits bietet sich durch die Parallelen der Konzepte ein Vergleich an.

Die Seminararbeit ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil werde ich die Dalton-Plan Schule vorstellen. Der zweite Teil behandelt die Jenaplanschule. Im dritten Teil vergleiche ich die beiden Schulkonzepte miteinander.

Einführung Reformpädagogik

Die Reformpädagogik war eine pädagogische Epoche (1900-1933) des Protestes gegen die traditionell bestehende „alte Schule“.

Reformpädagogik ist sehr komplex und vielseitig, daher ist sie schwer zu definieren. Sie ist eine neue Erziehungsweise in der damals und heute das Beziehungsdreieck „Eltern – Lehrer – Schüler“ im Mittelpunkt steht. Reformpädagogik wurde weltweit zum Schlüsselbegriff.

Die Epoche war geprägt durch viele Schulneugründungen und Versuchschulen. Es war eine Zeit des Aufbruchs und somit entstanden viele verschiedene Bewegungen und Konzepte. Um nur einige zu nennen: die Montessori- und Waldorfpädagogik, die Jenaplan–Schulen, die Projektmethode Kilpatricks, die Freinet–Methode und der Daltonplan.

Selbsttätigkeit, Selbstverantwortung, Learning by doing wurden in der Reformpädagogik, als erzieherische Grundbegriffe eingebracht.

Die Reformpädagogik zeichnet sich aus durch:

- Internationalität, sie kennt keine Grenzen.
- Sie ist paido- und antropozentiert (Kind- und Menschkonzentriertheit): Das Kind steht im Mittelpunkt und ist auch Ausgangspunkt der Bewegung „Das Jahrhundert des Kindes“, eingeleitet von Ellen Key mit ihrem Buch. Sie forderte die Berücksichtigung des eigenen Wesens „Kind“.
- Die ganzheitliche Erziehung, „Bildung des ganzen Menschen“. Auf den natürlichen Bewegungsdrang des Kindes soll Rücksicht genommen werden und gehört somit auch zum Unterricht. – Förderung von Herz, Hirn und Hand!
- Methode des Arbeitsunterrichts: Dies ist das Gegenteil zum Lehrerzentrierten Unterricht. Kinder sollen im Unterricht selbständig arbeiten. Dem Frontalunterricht soll entgegengewirkt werden.
- Berücksichtigung der Erkenntnisse der Pädiatrie und der Entwicklungspsychologie. Das beste Beispiel dafür ist Maria Montessori, bevor sie Pädagogin wurde war sie Ärztin. Kinder sollen ihrer Entwicklung angepasst behandelt werden.
- Neudefinition des Verhältnisses zwischen Erzieher, Lehrer und Schüler. Das Du-Wort war keine Seltenheit.

Sie ist auch heute noch eine geläufige pädagogische Erscheinung und kann dennoch nicht genau definiert werden. Reformpädagogik ist von einer Epoche zur internationalen Sichtweise geworden. Es gibt sie auch heute noch weltweit, an die Neuzeit angepasst und ist geprägt durch starke politische Strömungen.

(vgl. Gudjons 2001, 97-107)

2. Die Dalton-Plan Schule

2.1 Historische Entwicklung

Der Dalton-Plan wurde in jahrelanger Denkarbeit von Helen Parkhurst (1886 – 1973) entwickelt. Benannt wurde der Plan nach seiner Ursprungsstadt Dalton City. Er besitzt als pädagogisches Konzept eine größere innere Konsistenz als die Mehrzahl der verschiedenen Ansätze, dennoch hat auch der Dalton Plan seine besondere Problematik.

Nach Fertigstellung des ersten Konzeptes des Dalton-Plans erhielt Helen Parkhurst von Maria Montessori Anregungen für eine differenzierte Ausgestaltung ihres Plans. Helen Parkhurst beruft sich in ihrer Arbeit auf John Dewey, aber die Anhänger des Daltonismus finden sich nicht in den USA, sondern in England. Ihre Ideen publiziert sie daher vorrangig in der Zeitschrift der New Education Felloship „The New Era“ und nicht im Fachblatt „Progressive Education“ der progressiven Erziehungsbewegung in den USA.

(vgl.: Röhrs 1996, 206)

Der Dalton-Plan entstand aus der tiefsten Unzufriedenheit mit der traditionellen Unterrichtsmethode. Helen Parkhurst kritisiert vor allem den Gleichschritt, in dem sich die Kinder durch die Lerninhalte bewegen mussten, sowie das Fehlen von Selbstständigkeit, Eigenverantwortlichkeit und der Möglichkeit, soziale Kompetenz zu entwickeln.

Der Ausgangspunkt für ihren Plan war die Not der Schulpraxis, besonders der einklassigen Landschule. Das Problem mehrere Jahrgänge gleichzeitig unterrichten zu müssen führt sie zu der Lösung Gegenstandswinkel einzurichten, die so genannten subject corners. Diese Gegenstandswinkel sind mit didaktischen Materialen ausgestattet, welche eine freitätige Arbeitsweise erlauben. Durch dieses Arrangement ist der Lehrer nicht mehr an die frontale Arbeit mit den einzelnen Jahrgängen gebunden, somit kann er sich öfter einzelnen Kindern oder Gruppen zuwenden. Die Individualisierung steht im Vordergrund.

Durch die Problematik der Landschulen erkannte Helen Parkhurst im Jahr 1905 die Fragestellung nach einer Individualisierung der erzieherischen Arbeit. Sie suchte eine didaktisch präzise Antwort auf das konkret empfundene Schulproblem, Maria Montessori konnte ihr mit ihrem Konzept der selbstständigen Erziehung weiterhelfen.

Mit dem Dalton-Plan wurde ein wichtiges Schulkonzept präsentiert, dass nicht nur in den zwanziger und dreißiger Jahren bedeutsam war. Der Dalton-Plan ist nicht bloß ein Kapitel der historischen Erziehungswissenschaft, sondern er ist auch noch heute in den verschiedenen Schulformen anwendbar, weil er Schulschäden zu überwinden versucht. Die überzeugende Umsetzung des Plans erfordert ein hohes Maß didaktischer Reife und Urteilsfähigkeit.

(vgl. Röhrs 1996, 207-209)

Helen Parkhurst geht es um eine grundsätzliche Neugestaltung der Schule.

„Eine Individualisierung des Unterrichts ist die umgreifende Aufgabenstellung, die ein Lernen im individuellen Rhythmus erlaubt, so daß allen Lerntemperamenten und –begabungen Gerechtigkeit widerfahren kann. Soweit der Gedanke der Individualisierung konsequent ausgelegt wird, zieht er eine schwerpunkthafte Berücksichtigung der individuellen Interessen sowie eine Berücksichtigung der Interessenkreise nach sich, so dass die konventionelle Stundentafel überflüssig wird. Daneben wird als notwendige Ergänzung gegenüber der Individualisierung in freitätiger Arbeit die Gruppenaktivität betont.“ (Parkhurst in Röhrs 1996, 209)

Im Zentrum des Dalton-Plans soll die freitätige Arbeit (free work) stehen. In erster Linie machte sich Helen Parkhurst Gedanken über die didaktische Gestaltung der freitätigen Arbeit, deshalb reist sie 1914 zu Maria Montessori nach Rom. Dort studiert sie das Prinzip der Selbstständigkeit aus dem Blickwinkel von Maria Montessori, sie wird ihre Assistentin und begleitet sie nach Kalifornien, um Kurse und Vorträge zu halten. Außerdem wird sie zur Leiterin der Montessori Gesellschaft in den USA ernannt.

1918 beendete sie diese Tätigkeit, da es unüberwindliche Differenzen mit Maria Montessori gab. Ab diesen Zeitpunkt wandte sie sich wieder ganz ihrem „Laboratory Plan“ zu, den sie als Unterrichtsform für die Sekundarstufe weiterentwickelte.

Die Verbreitung des Dalton-Plans in Europa, Asien, Australien und Südafrika wurde unterstützt von zwei englischen Montessori-Pädagoginnen Annie Saunderson und Belle Rennie. Die beiden lernten 1920 den Dalton-Plan kennen und erkannten seine Bedeutung als Konzept für die Sekundarschule. Der Dalton-Plan war bis zum Tod von Helen Parkhursts auf allen Kontinenten fast in Vergessenheit geraten, bis er Ende der 80iger Jahre in den Niederlanden eine Renaissance erfuhr. Bis heute sind ca. 120 Schulen „daltonisiert“.

(vgl. Skiera 2003, 277-278)

2.2 Grundlagen des Dalton-Plans

Die Parkhurst Methode wurde erst durch das Selbstständigkeitsprinzip von Montessori zu einem pädagogischen Konzept gemacht. Die selbstständige Lernarbeit wird durch ein didaktisch vorgestaltetes und somit individuell stimulierendes Material gesichert.

Der Dalton-Plan hat zum vorrangigen Ziel die Verwandlung der Schule von einem strengen Lernort zu einem motivierenden Lebensraum des Lernens in direkter Auseinandersetzung mit den Dingen.

Unter dem Begriff der Selbstständigkeit wird die Entwicklung von Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, kompetenter Selbsteinschätzung und Selbstvertrauen zusammengefasst. Diese Persönlichkeitsmerkmale bilden wiederum die Basis für den umfassenden Bereich der Eigenverantwortlichkeit. Diese entsteht dadurch, dass den Schülern ein gewisses Pensum vorgegeben wird, das sie sich zur Erarbeitung selbst einteilen müssen (dürfen). Diese Einteilung hängt von den unterschiedlichen entwicklungsbedingten Fähigkeiten zur Planung und Organisation ab. (vgl. Röhrs 1996, 209-210)

Helen Parkhurst formuliert die Ziele des pädagogischen Prozesses im Dalton-Plan wie folgt:

„Es weckt in dem Kind einen Geist des Selbstvertrauens und der Initiative; dadurch beginnt sofort die Charakterbildung. Das ist Lebenserfahrung für das kleine Kind. Es lernt seiner eigenen Lebenserfahrung entsprechend zusammen mit seinen Mitschülern, die alle das gleiche Abenteuer suchen. Es formt während seines Schullebens die gleichen Beziehungsarten aus, die es später im Geschäfts- oder Berufsleben antreffen wird. Es lernt, indem es versucht (He is learning by trying)”. (Parkhurst in Röhrs 1996, S.210)

Die Grundlage für das Lernen stellen die Lebenserfahrungen und das learning by trying dar.

Die Schule wird zu einem Lebensraum pädagogischer Prägung. Der Erfolg des Konzeptes gründet vor allem in der Selbstverantwortung des Kindes für seine gewählte Arbeit. Die Kinder verfügen frei über ihre Arbeitszeit.

Die freitätige Arbeit wird durch schriftliche Arbeitsbeschreibungen (assignments) gesichert. Diese Arbeitshefte enthalten Hilfen zur selbstständigen Erarbeitung eines Fachgebietes. Der Lehrer hat nur eine beratende Funktion für den Schüler. Es gibt minimum, medium und maximum assigments, die auf die differenzierte Leistung der Schüler/innen abgestimmt sind. Die Dauer und der Erfolg der selbständigen Erarbeitung von Themenbereichen sind abhängig von der didaktischen Qualität eines Arbeitsheftes.(vgl. Röhrs 1996, 211-212)

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Dalton-Plan Schule und die Jenaplanschule im Vergleich
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Institut für Historische und Systematische Pädagogik)
Veranstaltung
Reformpädagogik im internationalen Vergleich
Note
1 A
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V117611
ISBN (eBook)
9783640200276
ISBN (Buch)
9783640205974
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dalton-Plan, Schule, Jenaplanschule, Vergleich, Reformpädagogik
Arbeit zitieren
Silvia Traby (Autor), 2007, Die Dalton-Plan Schule und die Jenaplanschule im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117611

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