Satirische Kritik über den König in Reinhart Fuchs. Besonderheiten des tyrannischen Löwenkönigs Vrevel


Hausarbeit, 2021

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung der Hierarchie der Tiergesellschaft
2.1. Anthropomorphismus
2.1.1. Der Löwe Vrevel
2.1.2. Der Bär Brun
2.1.3. Der Elefant und das Kamel von Thuschalan

3. Parallelen zum Mittelalter
3.1. Einordnung in die Geschichte

4. Der König als kritische Figur

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur

1. Einleitung

In der Tierfabel Reinhart Fuchs treffen viele Waldtiere wie Fuchs, Wolf, Bär und Meise aber auch exotische Tiere wie Elefant, Kamel und Löwe aufeinander und bilden eine soziale Gesellschaft. Der Autor Heinrich de Glîchezare beabsichtige jedoch nicht eine Fabel zur reinen Unterhaltung zu schreiben, denn bei genauerer Betrachtung fallen uns bei den jeweiligen Tieren menschliche Eigenschaften auf, die ihre Parallelen zur damaligen Zeit ziehen. Vor allem der Löwe, König der Tiere, fällt durch den Autor gemachte Änderungen gegenüber anderen Fassungen deutlich auf.

Zur Lebenszeit des Autors war die soziale Gesellschaft noch sehr streng geordnet. Meistens war der Stand schon bei der Geburt gegeben ohne Möglichkeit aus diesem Muster auszubrechen. Dass diese Ordnung nicht ideal war, wird im Reinhart Fuchs skizziert. Nicht nur die Gefahren und Nachteile der feudalen, monarchischen Gesellschaft werden verdeutlicht - Reinhart gilt im Ausgang sogar als Zerstörer der Monarchie. Doch im realen Leben sich gegen diese Ordnung aufzubäumen, war eine gefährliche Handlung. Der Adel war nicht bereit die herrschende Stellung aufzugeben und setzte dies, wenn nötig, auch mit Gewalt durch. Das einzige Mittel ein klares Bild der Gesellschaft abzubilden und scharfe Kritik zu üben, war die Schriftstellerei. In literarischen Werken nutzen viele Autoren Metaphern und andere stilistische Mittel, um ihre Meinung kundzutun.

Inhaltlich geht es bei dieser Arbeit nur um den letzten Teil des Reinhart Fuchs. Die Erzählung dreht sich um den Hoftag des Löwen, beginnend mit der Zerstörung der Ameisenburg, weswegen der Ameisenherr sich aus Rache in den Kopf des Löwen einnistet und ihn krank macht. Dies hat Reinhart mitbekommen und nutzt dies später zu seinem Vorteil. Mehrere Klagen wie die des Isengrin und des Hahnes Scantecler erreichen mittlerweile den kranken König, der, eher wegen seines schlechten Gewissens, einen Hoftag einberuft. Reinhart Fuchs, der für die Taten an Isengrin Scantecler verantwortlich ist, wird dreimal vorgeladen und erscheint auch erst mit der letzten Ladung zum Gerichtshof. Sofort schmeichelt er sich beim Löwen ein und gibt sich als Arzt aus. Der Löwenkönig geht auf Reinhart ein und lässt sich von ihm heilen. Dabei verordnet ihm Reinhart Fell von seinen Untertanen und sogar Hühnersuppe aus der Frau von Scantecler. Doch der Löwenkönig handelt hier nur aus eigenem Interesse und lässt seine Gefolgsleute opfern, während im Finale selber durch den Giftmord durch Reinhart sterben muss. Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist die mittelalterliche Ständegesellschaft im

Reinhart Fuchs mit dem Fokus auf den Löwen Vrevel. Im Hinblick der Arbeit wurde die Frage gestellt, ob der Reinhart Fuchs unter dem Deckmantel einer Tierfabel eine gezielte Kritik gegen den zu Lebzeiten des Autors herrschende König war. Zudem erweitert sich bei Bejahung die Frage, mit der Eingrenzung um welche konkrete Person die Kritik abzielte.

Im Folgenden werden im nächsten Kapitel die Strukturen und die hierarchische Ordnung der Tiergesellschaft verdeutlicht. Abgeschlossen wird das Kapitel indem der Adel, also der herrschende Teil, näher beleuchtet und beschrieben wird. Im darauffolgenden Kapitel werden Parallelen zur mittelalterlichen Gesellschaft hervorgehoben und das Geschehen in die damalige Zeit historisch und räumlich eingeordnet. Nachfolgend wird der Charakter des Löwen Vrevel detailliert betrachtet. Untersucht werden die Eigenschaften und das vermittelte Bild des Königs und welche Absicht hinter den Änderungen gegenüber anderen Fassungen steckt. Abschließend wird demonstriert inwiefern der Autor mithilfe der Tierfabel Kritik an dieser Gesellschaft geübt hat und welches Ziel er mit Reinhart Fuchs verfolgt hat. Das letzte Kapitel bildet das Fazit der vorliegenden Arbeit.

2. Darstellung der Hierarchie der Tiergesellschaft

Die Erzählstruktur der Tierfabel Reinhart Fuchs von Heinrich der Glîchezare lässt sich in drei Teile eingliedern; diese Arbeit beschäftigt sich mit dem dritten Teil beginnend mit der Zerstörung der Ameisenburg vom Löwenkönig Vrevel. Kurz danach läutet Vrevel den Hoftag ein, wobei der Autor eine Aufzählung gebraucht, um alle Tiere, die dort erscheinen, vorzustellen. Dort kreiert Heinrich ein allumfassendes Bild der Gesellschaft und deren Ordnung. An der Spitze regiert der Löwenkönig Vrevel und an seiner Seite findet man den Bären Brun. Weitere große Tiere wie der Hirsch Randolt, der Leopard und der Elefant scharen sich um den König und gehören zu den engsten Ratgebern. Jedes Tier hat einen festen Rang, dabei haben die größeren Tiere höhere Ränge und die kleinen Tiere niedrigere. Zu erkennen ist eine feudale Gesellschaft, die hierarchisch angeordnet ist. Insbesondere beim Löwen und dem Bären ist klar zu erkennen, dass die physische Überlegenheit ein wichtiges Merkmal für einen hohen Stand ist. Dies ist allein durch die Geburt gegeben und kann im späteren Verlauf des Lebens nicht mehr geändert werden. Des Weiteren ist besonders auffällig, dass die höheren Ränge nur von Tieren besetzt sind, die die einzigen ihrer Art sind. Familien und Gruppen, wie bei den Wölfen und Hühnern kommen auch vor, doch gehören nicht zum Hof des Löwen. Dementsprechend liegt der Gesellschaft eine Pyramidenstruktur zugrunde.

2.1. Anthropomorphismus

Wie üblich bei einer Fabel wurden den Tieren menschliche Charaktereigenschaften zugeschrieben, um sich leichter mit ihnen identifizieren und ein distanziertes Ebenbild der Realität widerspiegeln zu können. Diese Technik wird als Anthropomorphismus bezeichnet.1 Im Folgenden werden der Charakter und die Position des Löwen, Bären, Elefanten und Kamels bündig zusammengefasst.

2.1.1. Der Löwe Vrevel

Beginnend mit dem König der Tiere bemerkt man schon am Namen eine der vielen Änderungen Heinrichs bezüglich vieler Geschehnisse, Figuren und Eigenschaften des Tierepos. Anders als die Vor- und Nachgänger des Autors nennt er den Löwen Vrevel statt Nobel. Laut des Wörterbuchs bedeutet vrevel Mut, Kühnheit, Unerschrockenheit, Übermut und Hochmut, aber auch Gewalt(tätigkeit), Frechheit, Bosheit, Vergehen und Buße.2 Mit dieser Änderung setzt Heinrich ein eindeutiges Zeichen ganz im Gegensatz zu König Nobel und schreibt König Vrevel damit vorsätzlich negative Attribute zu und macht ihn daraufhin zum “lächerlich-würdelose[n] wie tyrannisch-willkürliche[n]” König.3

Seine Gewaltbereitschaft gemischt mit Zorn zeigt der Löwenkönig auch bemerkenswert in vielen Textstellen der Dichtung wie bei der Zerstörung der Ameisenburg: sinen zorn er vaste ane in rach, / die bvrk er an den grvnt brach.4 Seine Herrschaft ist also durch Gewalt geprägt.5 Am Ende der Fabel stirbt er durch Reinharts Heimtücke an einen Gifttod, der nur die Folge seines egoistischen Verhaltens ist, als er beispielsweise seine Untertanen der Reihe nach opfert, um seiner Gesundheit zu dienen. Ein weiteres Detail zeigt sich in der Interaktion mit dem Hahn, der über seine verstorbene Frau klagt:

Scantecler hvb groze clage, er sprach: ,kvnik, vernim, was ich dir sage: dv scholt wizzen gewerliche, dir hoenet Reinhart din riche,

[...]


1 Vgl. Kompatscher-Gufler, Gabriela, Reingard Spannring, und Karin Schachinger. Human-animal Studies: Eine Einführung Für Studierende Und Lehrende. Münster: Waxmann, 2017. S.36.

2 vrevel, in: Hennig, Beate: Kleines mittelhochdeutsches Wörterbuch. In Zusammenarbeit mit Christa Hepfer und unter redaktioneller Mitwirkung von Wolfgang Bachofer. 6., durchgesehene Aufl. Berlin / Boston 2014, S. 423.

3 Künftig zitiert nach: Ruh, Kurt. Höfische Epik Des Deutschen Mittelalters. Berlin: Schmidt, 1980. S. 23.

4 Künftig zitiert nach: Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005. Hier: V. 1263-1264.

5 Vgl. Hufnagel, Nadine. Verwandtschaft Im "Reinhart Fuchs": Semantik Und Funktion Von Verwandtschaft Im Mittelhochdeutschen Tierepos. Frankfurt am Main: Peter Lang Edition, 2016. S. 157

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Details

Titel
Satirische Kritik über den König in Reinhart Fuchs. Besonderheiten des tyrannischen Löwenkönigs Vrevel
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1176169
ISBN (eBook)
9783346596918
ISBN (Buch)
9783346596925
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reinhart Fuchs, Tierfabel, Fabel, Löwe, König, Vrevel, Mediävistik, Mittelalter, Literatur, Kritik, Ständegesellschaft, Mittelhochdeutsch
Arbeit zitieren
Christina Anacker (Autor:in), 2021, Satirische Kritik über den König in Reinhart Fuchs. Besonderheiten des tyrannischen Löwenkönigs Vrevel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1176169

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