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Inwiefern entfaltet der Roman "Wir" von Evgenij Samjatin ein totalitäres System nach Hannah Arendt und in welchen Formen äußert sich in diesem fiktiven Raum Widerstand?

Titel: Inwiefern entfaltet der Roman "Wir" von Evgenij Samjatin ein totalitäres System nach Hannah Arendt und in welchen Formen äußert sich in diesem fiktiven Raum Widerstand?

Hausarbeit , 2017 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Antonia Skiba (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einer Analyse des dystopischen Romans „Wir“, verfasst von Evgenij Samjatin im Jahre 1920, anhand theoretischer Erläuterungen über die politologischen und philosophischen Begriffe des Totalitarismus, der Ideologie und des zivilen Ungehorsam von Hannah Arendt und ihrer Verknüpfung mit Konzepten über Freiheit, Mut und Widerstand. Hierbei handelt es sich um einen Versuch, dystopische Fiktion und politisches Denken zu verbinden. Die Zeiten des Nationalsozialismus oder des Stalinismus sind beispielhaft dafür, auf welche erschreckende Weise sich dystopische Fiktion realisieren und wie nah sie an politische Wirklichkeit kommen kann. Der Roman fokussiert sich auf die erzählende Figur D-503 und seine individuelle Perspektive auf den Staat, in dem er lebt. An ihm werden die Wirkungen totalitärer Mechanismen deutlich. Welche Merkmale lassen sich demnach im Roman wiederfinden, die Hannah Arendt mithilfe ihres politischen Denkens in totalitären Staaten erkannte?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Die Rolle des Staates und der Ausdruck staatlichen Terrors

2.2 Ideologie und Propaganda als machtpolitische Instrumente

2.3 Uniformität und Konformität

2.4 Der Freiheitsbegriff

2.5 Individualität bedeutet Pluralität

2.6 Ziviler Ungehorsam und Widerstand

3. Schlussteil

4. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den dystopischen Roman „Wir“ von Evgenij Samjatin anhand der totalitarismustheoretischen Konzepte von Hannah Arendt. Ziel ist es, die Mechanismen staatlicher Repression, Ideologie und Propaganda im Roman zu analysieren und aufzuzeigen, inwiefern sich darin Formen von Widerstand entfalten können.

  • Analyse totalitärer Herrschaftsstrukturen im Roman „Wir“
  • Die Rolle von Terror, Überwachung und staatlicher Manipulation
  • Konflikt zwischen individueller Freiheit und staatlich erzwungener Konformität
  • Bedeutung von Selbstreflexion und Gewissen als Keimzellen für Widerstand

Auszug aus dem Buch

2.1 Die Rolle des Staates und der Ausdruck staatlichen Terrors

Dystopien wiesen einen „antiindividualistisch[en]“ (Saage 1990: 17) sowie einen repressiven Charakter (vgl. Saage 1990: 19) auf. Der dystopische Staat stelle dabei eine „innen- und außenpolitische Repressionsinstanz“ (Saage 1990: 19) dar und ersetze demokratische Ansätze durch eine Rationalisierung von Herrschaft – der Staat stehe dem Individuum nun gegenüber, somit entsteht ein Antagonismus mit einem Ungleichgewicht an Macht und Ressourcen. Er nimmt somit eine besondere Rolle ein und beeinflusst alles, was innerhalb seiner Grenzen geschieht.

Arendt beschrieb Terror als ein Instrument des Staates oder als Gesetz (vgl. Arendt 1991: 711), mit dessen Hilfe sich ein totalitäres System von innen heraus legitimiere. Ein vorher politisch freier Raum werde durch das „eiserne[m] Band“ (Arendt 1991: 727) des Terrors abgeschnürt und umreiße somit das vollständige sozial-private Leben jedes Individuums. Terror gelte als Mittel zur Beherrschung der Bevölkerung und Durchsetzung eines autoritären Willen, welches sich in einem Zwang äußere und zu Angst, Abschreckung, Disziplinierung und Konformität führe (Arendt 1993: 43).

Er könne sich in Formen von Gesetzen manifestieren und auf diese Weise totale Herrschaft stabilisieren (vgl. Arendt 1991: 711), doch wenn „Stabilität“ und „begrenzte Gültigkeit“ als Eigenschaften von Gesetzlichkeit wegfielen, entstehe daraus „Gesetzlosigkeit“ und keine „Anarchie, da die Ordnung mit dem Instrument der Zwangsorganisation aufrechterhalten werden kann“ (Arendt 1986: 140f.). Die Kontrolle einer unterdrückten Bevölkerung, das Schüren von Angst, Misstrauen durch Gewalt und die erzwungene Anpassung bilden hierbei Resultate des staatlichen Terrors.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Widerstand als politische Pflicht ein und verknüpft das Zitat von Bertolt Brecht mit der Analyse von Hannah Arendts Totalitarismusbegriff im Kontext von Samjatins „Wir“.

2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in sechs Kapitel, die von staatlichem Terror über die Rolle von Ideologie und Propaganda bis hin zu Begriffen wie Freiheit, Individualität und Widerstand reichen.

2.1 Die Rolle des Staates und der Ausdruck staatlichen Terrors: Es wird untersucht, wie der „Eine Staat“ durch Angst, Überwachung, Folterinstrumente wie die „Gasglocke“ und chirurgische Eingriffe totale Kontrolle ausübt.

2.2 Ideologie und Propaganda als machtpolitische Instrumente: Dieses Kapitel analysiert, wie durch die „Staatliche Zeitung“ und die „Musikfabrik“ Realität manipuliert und jede Form von Abweichung als „Krankheit“ diskreditiert wird.

2.3 Uniformität und Konformität: Hier wird der Verlust des Individuums in der Masse thematisiert, wobei das „Wir“ als Mittel der Entpersönlichung und künstlichen Harmonie fungiert.

2.4 Der Freiheitsbegriff: Das Kapitel kontrastiert die staatliche Definition von Freiheit als „Unvernunft“ mit der subjektiven Freiheit des Individuums, die jenseits staatlicher Kontrolle entsteht.

2.5 Individualität bedeutet Pluralität: Hier wird dargelegt, dass das Erwachen eines individuellen Gewissens und Selbstreflexion notwendige Voraussetzungen für Widerstand gegen ein totalitäres System sind.

2.6 Ziviler Ungehorsam und Widerstand: Die abschließende Analyse des Hauptteils befasst sich mit der Politisierung des Individuums und der Zerbrechlichkeit organisierten Widerstands im Angesicht staatlicher Gewalt.

3. Schlussteil: Der Schlussteil fasst zusammen, dass Totalitarismus zwar Räume für Widerstand schaffen kann, diese jedoch durch Repression und Terror massiv bedroht sind und Widerstand ständige Anstrengung erfordert.

4. Literaturverzeichnis: Hier sind die verwendeten wissenschaftlichen Quellen von Hannah Arendt, Richard Saage und Evgenij Samjatin aufgeführt.

Schlüsselwörter

Totalitarismus, Hannah Arendt, Evgenij Samjatin, Wir, Dystopie, staatlicher Terror, Ideologie, Propaganda, Konformität, individuelles Gewissen, ziviler Ungehorsam, Widerstand, Freiheit, Pluralität, Überwachung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel von totalitären Herrschaftsmechanismen und dem Potenzial für Widerstand im dystopischen Roman „Wir“ von Evgenij Samjatin auf Basis der politischen Theorie von Hannah Arendt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören staatlicher Terror, der Einsatz von Ideologie und Propaganda, die Zerstörung des Individuums zugunsten von Konformität sowie die philosophische Bedeutung von Freiheit und Gewissen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Untersuchung der Frage, inwiefern der „Eine Staat“ im Roman ein totalitäres System nach Arendt darstellt und in welcher Form sich innerhalb dieses fiktiven Raums Widerstand äußert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, bei der politologische und philosophische Konzepte von Hannah Arendt auf die dystopische Fiktion von Samjatin angewendet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in sechs Analysekapitel, die den Bogen von den staatlichen Kontrollorganen und der ideologischen Indoktrination bis hin zur psychologischen Transformation des Protagonisten und dessen letztlichem Scheitern spannen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Totalitarismus, Widerstand, Konformität, Individualität, Ideologie, Überwachung und das Spannungsfeld zwischen Freiheit und staatlichem Zwang.

Wie wirkt sich die „Musikfabrik“ auf das System im Roman aus?

Sie dient als Instrument der staatlichen Propaganda, indem sie durch rhythmische Klänge Gruppendynamik erzeugt und so kritische Gedanken oder individuelle Selbstreflexion beim Einzelnen unterdrückt.

Welche Rolle spielt die Figur D-503 für die Argumentation der Autorin?

D-503 dient als Fallbeispiel für die totale Vereinnahmung eines Individuums; sein innerer Kampf zwischen dem „Wir“-Gefühl und der erwachenden „Seele“ macht die Destabilisierung durch Freiheit und Individualität erst sichtbar.

Warum endet die Arbeit mit einem Hinweis auf die Fragilität des Widerstands?

Die Autorin betont durch das Schicksal der Figur I-330 und die Gehirnoperation des Protagonisten, dass Widerstand in totalitären Systemen zwar möglich ist, aber durch den Einsatz staatlicher Gewalt und Demoralisierung jederzeit zerschlagen werden kann.

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Details

Titel
Inwiefern entfaltet der Roman "Wir" von Evgenij Samjatin ein totalitäres System nach Hannah Arendt und in welchen Formen äußert sich in diesem fiktiven Raum Widerstand?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Antonia Skiba (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V1176190
ISBN (PDF)
9783346597335
ISBN (Buch)
9783346597342
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwiefern roman evgenij samjatin system hannah arendt formen raum widerstand versuch verbindung fiktion denken
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Antonia Skiba (Autor:in), 2017, Inwiefern entfaltet der Roman "Wir" von Evgenij Samjatin ein totalitäres System nach Hannah Arendt und in welchen Formen äußert sich in diesem fiktiven Raum Widerstand?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1176190
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Leseprobe aus  18  Seiten
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