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Hartmann von Aues Iwein - "Aventiure" und Doppelwegstruktur

Titel: Hartmann von Aues Iwein - "Aventiure" und Doppelwegstruktur

Seminararbeit , 2008 , 12 Seiten

Autor:in: Carolina Franzen (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Hartmann von Aues Artusroman "Iwein" (um 1200) ist Gegenstand der hiesigen Analyse. Das Augenmerk der Arbeit liegt insbesondere auf dessen Doppelwegstruktur. Zudem werden die textimmanenten semantischen Spannungen zum Begriff der "aventiure" aufgedeckt und erläutert. Da soll noch einer sagen, Literatur könne die Wirklichkeit nicht ändern – wenn schon
ein einfacher Britischer Kleinkönig, der kaum mehr vollbrachte, als im frühen 6.
Jahrhundert gegen die Sachsen zu kämpfen, heute noch der wohl bekannteste und
vorbildlichste Herrscher aller Zeiten ist. Denn jedes Kind kennt die sagenumwobene
Welt des König Artus (allein durch Disneys Zeichentrickerzählung über die
Entdeckung und Erziehung des zukünftigen König Artus: Die Hexe und der
Zauberer1). Bekannt wurde Artus erst und vor allem durch Geoffrey von Mormouths2
Historia regum Britanniae 600 Jahre nach seinem Tod (um 1138). In dieser erscheint
der Kleinkönig nun plötzlich als „Figur von der epochalen Bedeutung Karls des
Großen“3. Die Krönung mit fünfzehn Jahren und ein von Feen geschmiedetes
Schwert, mit dem er Länder um die Nordsee und Gallien unterwirft, ist hier bereits
Teil der Erzählung. Verbreitet wurde sie vermutlich über mündliche Tradierungen und
vor allem Maistre Waces französischen Roman de Brut (1155), der volkssprachlichen
Adaption von Geoffreys Chronik, in dem zum ersten Mal auch die Ritter der
Tafelrunde eine Rolle spielen. Dies scheinen auch die Qellen zu sein, aus denen
dann der französische Dichter Chrestien de Troyes (um 1140 – um 1190) schöpfte
und die mittelalterlichen Artusromane kreierte, die durch Hartmann von Aue für den
deutschen Sprachraum fruchtbar gemacht wurden.5/6 Der erste dieser Art heißt – in
Hartmanns Fassung – Erec7(um 1180), dessen häufig als Nachfolger und
Gegenstück8 bezeichneter Roman Iwein9 (um 1200) Gegenstand der hiesigen
Analyse sein soll. Augenmerk möchte ich insbesondere auf dessen
Doppelwegstruktur legen, wodurch ich auch die sich daraus ergebenden
semantischen Spannungen zum Begriff der aventiure klären werde.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Zur Provenienz

II. Doppelwegstruktur und aventiure

II.1 Allgemeine Erläuterung zur Doppelwegstruktur

II.2 aventiure

II. 3. Der erste Weg

II. 4. Der zweite Weg

II.5. Vorbild und Abwehr des Bestehenden

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Doppelwegstruktur im Roman „Iwein“ von Hartmann von Aue und setzt diese in Bezug zum zentralen Begriff der „aventiure“, um die Entwicklung des Helden hin zu einer wahren Identität und einem gerechten Herrschertum aufzuzeigen.

  • Analyse der Doppelwegstruktur als narrative Grundkonstante des Artusromans.
  • Untersuchung der Definition von „aventiure“ und deren Fehlinterpretation durch Kalogrenant.
  • Kontrastierung des ersten und zweiten Weges von Iwein im Hinblick auf Schuld und Rehabilitation.
  • Bewertung der höfischen Gesellschaftsformen und des Minneideals im Werk.
  • Interpretation der Identitätsfindung Iweins durch die Begleitung des Löwen.

Auszug aus dem Buch

II. 3. Der erste Weg

Iwein zieht nach der Erzählung Kalogrenants umgehend aus, um dessen nichtbestandene aventiure zu meistern. Diese besteht darin, eine verwunschene Quelle mit einem daneben hängenden Becken zu finden und mit Wasser daraus verbotenerweise einen Stein zu begießen, was wiederum zunächst ein überirdisches Gewitter verursacht. Im Anschluss daran muss der Herr der Quelle (der durch das Begießen herausgefordert wurde) besiegt werden. Iwein gelingt diese aventiure. Und noch mehr: Mit Hilfe der Eloquenz und Geschicklichkeit Lunetes, der Zofe der Landesherrin, stößt seine entbrannte Liebe zu dieser Landesherrin nicht auf Abwehr und Laudine wird seine Frau (erfolgreiche Minne). Als der Artushofstab anrückt, kann sich Iwein als Sieger im Kampf und in der Liebe, sowie als frisch gebackener Landesherr präsentieren und verkörpert damit das ideale Rittertum bereits weit über Kalogrenants Begriff hinaus.

Er hat sich jedoch nur scheinbar um Ruhm und Ehre verdient gemacht, denn zunächst einmal hat Iwein nur bewiesen, dass er all sein neues Hab und Gut erreichen konnte. Jedoch zeigt sich im Anschluss daran, dass er dies nicht eben redlich halten kann, versäumt er doch den von Laudine gesetzten Termin. D.h. er bricht sein gelübede (V.3056), nach genau einem Jahr zu ihr zurückzukehren und hält somit der Minne nicht Wort. (Anstelle dessen tollt er sich am Artushof in Ritterkämpfen aus.) Es soll hier nicht darum gehen darüber zu streiten, ob nun beispielsweise wie nach Ruh allein seine Treulosigkeit und sein Terminversäumnis Iweins Schuld ausmachen, oder ob, wie Wapnewski meint, seine eigentliche Schuld die unnötige Tötung von Laudienes Ehemann (er hätte ihn auch einfach nur im Kampf besiegen können) ist.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Zur Provenienz: Dieses Kapitel skizziert die literarische Herkunft des Artusstoffs von den Ursprüngen bei Geoffrey von Monmouth bis zur Adaption durch Hartmann von Aue.

II. Doppelwegstruktur und aventiure: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Doppelwegstruktur sowie der zentrale Begriff der aventiure als Handlungsantrieb eingeführt.

II.1 Allgemeine Erläuterung zur Doppelwegstruktur: Dieses Kapitel definiert die Aufteilung der Ritterbiografie in zwei Phasen und begründet die Notwendigkeit der aventiure für die Identitätsbildung.

II.2 aventiure: Der Abschnitt analysiert die Definition von aventiure durch die Figur Kalogrenant und hinterfragt diese kritisch als mögliche Falschdarstellung durch den Erzähler.

II. 3. Der erste Weg: Hier wird Iweins anfänglicher Erfolg an der Quelle und bei der Eroberung der Minne beschrieben, gefolgt von seinem Scheitern durch das Versäumen seines Versprechens gegenüber Laudine.

II. 4. Der zweite Weg: Dieses Kapitel behandelt die Phase der Entfremdung, des Identitätsverlusts und die langsame, durch Taten wie die Löwenrettung untermauerte Rehabilitation des Helden.

II.5. Vorbild und Abwehr des Bestehenden: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Ambivalenz des höfischen Ideals und der Kritik an den gesellschaftlichen Normen im Iwein-Roman.

Schlüsselwörter

Iwein, Hartmann von Aue, Doppelwegstruktur, Aventiure, Artusroman, Minne, Identitätsverlust, Rittertum, Laudine, Kalogrenant, Höfische Gesellschaft, Rehabilitation, Literaturwissenschaft, Mittelalterliche Epik, Schuld.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die erzählerische Struktur des Romans "Iwein" von Hartmann von Aue, insbesondere das Konzept des "Doppelwegs" und dessen Bedeutung für die Entwicklung des Protagonisten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der ritterlichen aventiure, dem Minnebegriff, der Konstruktion von Heldenidentität und der kritischen Auseinandersetzung mit höfischen Verhaltensnormen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Iwein erst durch den zweiten Weg und die damit verbundenen "richtigen" aventiuren eine wahre, ideale Heldenidentität erlangt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textimmanente Interpretationen mit einschlägiger Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Epik kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Begriffs aventiure, die Analyse von Iweins erstem, gescheiterten Weg und seinem zweiten, zur Läuterung führenden Weg.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Doppelwegstruktur, aventiure, Identitätsfindung, Minne, Schuld, Sühne und die spezifische Interpretation der Hartmannschen Vorlage.

Warum wird die Definition von aventiure durch Kalogrenant in der Arbeit kritisiert?

Die Arbeit argumentiert, dass Kalogrenants Verständnis von aventiure als bloßer Kampfeslust zu kurz greift und als bewusste Fehlinterpretation des Erzählers dient, um Iweins Fehler auf dem ersten Weg zu verdeutlichen.

Welche Rolle spielt die Löwenfigur für Iweins Entwicklung?

Die Rettung des Löwen markiert einen Wendepunkt, der Iwein zu einer Basisidentität zurückführt und die Entwicklung hin zu einem gerechten Herrscher einleitet, bis er schließlich die Löwenritter-Identität voll integriert.

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Details

Titel
Hartmann von Aues Iwein - "Aventiure" und Doppelwegstruktur
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Deutsche und Niederländische Philologie)
Veranstaltung
Hartmann von Aue "Iwein"
Autor
Carolina Franzen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V117655
ISBN (eBook)
9783640200429
ISBN (Buch)
9783640206063
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hartmann Aues Iwein Aventiure Doppelwegstruktur Hartmann Iwein
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Carolina Franzen (Autor:in), 2008, Hartmann von Aues Iwein - "Aventiure" und Doppelwegstruktur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117655
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Leseprobe aus  12  Seiten
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