Mit Hilfe eines Praxisbeispiels der Klientin P. wird die multiperspektivische Fallarbeit im Sozialpsychiatrische Dienst erklärt. Zunächst erfolgt eine Aufklärung darüber, was der Sozialpsychiatrische Dienst ist und was seine Aufgaben sind. Dann wird das Fallbeispiel kurz erläutert.
Aus dem Fallbeispiel resultieren nun die theoriegeleitete Fallanalyse, die systemischen Fallhypothesen und die Generierung kurz-, mittel- und langfristiger Interventionen . Es wird also erklärt, wie in der Sozialen Arbeit im Sozialpsychiatrische Dienst gehandelt wird.
Zum Schluss erfolgt der Reflexionsprozess unter Einbeziehung der ethischen Prinzipien der Sozialen Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Praxisfeld Sozialpsychiatrischer Dienst
1.1 Theoriegeleitete Fallanalyse
2. Systemische Fallhypothesen
2.1 Fallhypothesen und Theoriebezug
2.2 Soziale Prognose
3. Generierung kurz-, mittel- und langfristiger Interventionen
4. Reflexionsprozess unter Einbeziehung der ethischen Prinzipien der Sozialen Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine multiperspektivische Fallanalyse im Kontext des Sozialpsychiatrischen Dienstes durchzuführen, um auf Basis systemischer Theorien und ethischer Prinzipien bedarfsgerechte Interventionsstrategien für eine Klientin mit schizo-affektiver Psychose zu entwickeln.
- Anwendung des Case Management Modells in der psychiatrischen Versorgung
- Theoretische Fundierung durch Lebensweltorientierung und Konstruktivismus
- Systemische Fallhypothesenbildung und Prognoseerstellung
- Reflexion sozialpädagogischen Handelns anhand ethischer Prinzipien (DBSH)
- Entwicklung stufenweiser Interventionsangebote
Auszug aus dem Buch
2. Systemische Fallhypothesen
„Es gibt nichts praktischeres als eine gute Theorie“, dieses Zitat stammt von dem Sozialpsychologen Kurt Lewin. Damit ist gemeint, dass uns Theorien den Rahmen für ein erfolgreiches praktisches Handeln bieten und jenes Handeln eben nicht nur zufällig erfolgreich ist (vgl. Klaus 2015: 21). Demnach helfen uns die Theorien der Sozialen Arbeit dabei unser Klientel und seine Umwelt ganzheitlich zu betrachten. In der (systemischen) Fallarbeit wird mit Hypothesen gearbeitet, um die Theorien auf das praktische Handeln zu beziehen (vgl. Granzow 2018: 1).
Hypothesen beschreiben vorläufige Annahmen, die im Verlauf der Beratung ständig überprüft werden müssen. In der systemischen Theorie wird die Nützlichkeit einer Hypothese in den Vordergrund gestellt. Gemessen wird diese zum einen an der Ordnungsfunktion, zu anderen aber auch an der Anregungsfunktion einer Hypothese (vgl. Schlippe 2012: 204). Eine Hypothese versteht sich als eine Leitidee und besitzt eine ordnende und strukturierende Funktion, da sie erste Prozesse des Verstehens und Deutens erkennbar machen soll (vgl. Granzow 2018: 6). In einem Beratungssetting treffen viele Informationen auf den/die Berater*In ein, sodass Hypothesen ebenfalls dazu dienen sollen bedeutsame Informationen zusammenzufassen (vgl. Schlippe 2012: 2014). Schlippe spricht auch von der Anregungsfunktion einer Hypothese, d.h. sie bietet dem/der Berater*In die Möglichkeit neue Perspektiven in die Fallarbeit mit einzubeziehen und diese zu überprüfen. Aber auch das Klientel kann durch Hypothesen festgefahrene Gedanken aus einem anderen Blickwinkel betrachten. (vgl. Schlippe 2012: 204). Es geht im gesamten Fallverlauf also nicht darum nur die eine richtige Hypothese zu bilden, denn eine Vielfalt von Hypothesen eröffnet auch eine Vielfalt von neuen Perspektiven auf den Fall (vgl. Schlippe 2012: 204f.). Allerdings muss beachtet werden, dass eine systemische Hypothese sich von einer nicht-systemischen Hypothese unterscheidet: Systemische Hypothesen setzen mehrere Komponenten eines Systems in Bezug zueinander.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Praxisfeld Sozialpsychiatrischer Dienst: Dieses Kapitel erläutert den gesetzlichen Auftrag sowie die Zielsetzung des Sozialpsychiatrischen Dienstes und stellt die Lebenssituation der Klientin unter Einbeziehung diagnostischer Kriterien dar.
1.1 Theoriegeleitete Fallanalyse: Hier werden theoretische Ansätze wie die Lebensweltorientierung, Motivational Interviewing und der Konstruktivismus genutzt, um den Fall der Klientin fachlich einzuordnen.
2. Systemische Fallhypothesen: Dieses Kapitel begründet die Bedeutung von Hypothesen in der Fallarbeit und führt konkrete Arbeitshypothesen sowie Gegenhypothesen für den Fall ein.
2.1 Fallhypothesen und Theoriebezug: Die aufgestellten Hypothesen werden hier detailliert durch Fachwissen, insbesondere zur Lebensbewältigung und Krankheitsverläufen, theoretisch fundiert.
2.2 Soziale Prognose: Basierend auf dem aktuellen Stand werden mögliche Verläufe bei ausbleibender oder erfolgreicher Unterstützung durch den Sozialpsychiatrischen Dienst skizziert.
3. Generierung kurz-, mittel- und langfristiger Interventionen: Es werden konkrete sozialpädagogische Interventionsschritte abgeleitet, die sich am Phasenverlauf der Erkrankung sowie an individuellen und systemischen Bedarfen orientieren.
4. Reflexionsprozess unter Einbeziehung der ethischen Prinzipien der Sozialen Arbeit: Das abschließende Kapitel reflektiert das professionelle Handeln der Sozialarbeit vor dem Hintergrund ethischer Werte wie Menschenwürde, Selbstbestimmung und sozialer Gerechtigkeit.
Schlüsselwörter
Sozialpsychiatrischer Dienst, Fallarbeit, Schizo-affektive Psychose, Systemische Hypothesen, Case Management, Lebensweltorientierung, Konstruktivismus, Motivational Interviewing, Ethische Prinzipien, Soziale Prognose, Krankheitseinsicht, Intervention, Sozialarbeit, Psychiatrie, Beratungskompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der professionellen Fallarbeit im Sozialpsychiatrischen Dienst und analysiert den spezifischen Fall einer Klientin mit schizo-affektiver Störung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die systemische Fallanalyse, die Entwicklung von Interventionsstrategien im Case Management und die ethische Reflexion sozialarbeiterischen Handelns.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist die Erstellung einer multiperspektivischen Fallarbeit, die Theorie und Praxis verbindet, um die Klientin in ihrer Lebensbewältigung und Teilhabe zu unterstützen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin nutzt systemische Beratungsmethoden, die Lebensweltorientierung nach Thiersch, das Modell des Case Managements sowie die Technik des Motivational Interviewing.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fallanalyse, die Bildung von Hypothesen, die Prognoseerstellung sowie die Ableitung und Begründung kurz- bis langfristiger Interventionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sozialpsychiatrischer Dienst, Systemische Fallarbeit, Case Management und Ethik in der Sozialen Arbeit.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Interventionsarten?
Die Arbeit differenziert zwischen Eingriffen (im Sinne von Machtausübung, z.B. Zwangseinweisung) und Angeboten, bei denen die Klientin selbstbestimmt über die Annahme entscheiden kann.
Welche Rolle spielt die ethische Reflexion im letzten Kapitel?
Die Reflexion dient der kritischen Überprüfung des eigenen Handelns im Kontext der Menschenrechte und professioneller Standards des DBSH, um eine ganzheitliche und gerechte Fallbearbeitung sicherzustellen.
- Quote paper
- Ramona Brüe (Author), 2019, Multiperspektivische Fallarbeit im Praxisfeld "Sozialpsychiatrischer Dienst", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1176619