«Dans notre société tout homme qui ne pleure pas à l’enterrement de sa mère risque d’être condamné à mort.» Es war Albert Camus selbst, der mit diesem Satz versucht hat, seinen gesamten Roman "L’Etranger" zusammenzufassen. Natürlich gibt dieser recht provokativ formulierte Satz keine Inhaltsübersicht über den gesamten Roman. Deshalb werde ich meine Arbeit über die Vergangenheitstempora in der Übersetzung Französisch–Deutsch am Beispiel ausgewählter Texte aus eben diesem Roman mit einem Résumé desselben beginnen. Im weiteren Verlauf meiner Arbeit werde ich zunächst einen Einblick in die Bereiche der kontrastiven Linguistik und der Übersetzungswissenschaft nach Coseriu geben. In den folgenden Kapiteln möchte ich einen allgemeinen Überblick über den Gebrauch der Vergangenheitstempora in den beiden Sprachen Französisch und Deutsch sowie über den Begriff des Aspektes geben. Nach einem kurzen Sprachvergleich bezüglich der Übersetzung von Tempora der Vergangenheit werde ich im Anschluss zur Analyse der Tempora im Ausgangstext sowie zum Übersetzungsvergleich und dessen Kritik bezüglich der behandelten Textauszüge übergehen. Die "Conclusion" am Schluss meiner Arbeit, die ich in französischer Sprache verfassen werde, soll einen kurzen Überblick über die Ergebnisse meiner Analyse geben.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Résumé des Romans L’Etranger
III. Kontrastive Linguistik und Übersetzungswissenschaft nach Eugenio Coseriu
IV. Der Gebrauch von Vergangenheitstempora im Französischen und im Deutschen
IV.1 Vergangenheitstempora im Französischen
IV.1.1 Das Passé simple
IV.1.2 Das Passé composé
IV.1.3 Das Imparfait
IV.1.4 Das Plus-que-parfait
IV.2 Vergangenheitstempora im Deutschen
IV.2.1 Das Präteritum
IV.2.2 Das Perfekt
IV.2.3 Vergleich des Gebrauchs von Präteritum und Perfekt
IV.2.4 Das Plusquamperfekt
V. Der Aspekt
VI. Sprachvergleich Französisch – Deutsch bezüglich der Übersetzung von Tempora der Vergangenheit
VII. Textauszüge
VIII. Die Tempora in Albert Camus L’Etranger
IX. Die Tempora in den Übersetzungen von Uli Aumüller und Georg Goyert/Hans-Georg Brenner – im Vergleich zum Originaltext von Albert Camus
X. Conclusion
XI. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Übersetzung der französischen Vergangenheitstempora ins Deutsche am Beispiel ausgewählter Textstellen aus Albert Camus' Roman "L’Etranger". Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die spezifische Verwendung der Tempora im Original den Charakter des Erzählers und die Wirkung des Textes beeinflusst und welche Herausforderungen sich daraus für die Übersetzung in die deutsche Sprache ergeben.
- Kontrastive Analyse der französischen und deutschen Vergangenheitstempora.
- Untersuchung des Aspektbegriffs und dessen Bedeutung für den Sprachvergleich.
- Übersetzungsvergleich von Uli Aumüller sowie Georg Goyert und Hans-Georg Brenner.
- Analyse der Wirkung des "Passé composé" als Erzähltempus bei Camus.
- Kritische Bewertung der idiomatischen Wiedergabe durch deutsche Tempusentscheidungen.
Auszug aus dem Buch
VIII. Die Tempora in Albert Camus L’Etranger
Obwohl das Passé composé normalerweise nicht das „natürliche“ Tempus für einen Schriftsteller ist, wenn er eine Erzählung schreibt, ist es Albert Camus gelungen, einen Großteil seines Romans L’Etranger in gerade diesem Tempus zu schreiben. Da in Erzählungen normalerweise das Passé simple verwendet wird, war es nötig, das Passé composé erst noch zu einem Tempus der Erzählung umzuformen, was Camus dadurch gelungen ist, daß er aus dem besprechenden Tempus (Passé composé) und vielen von ihm hinzugefügten Adverbien ein „neues (synthetisches) Erzähltempus“ zusammengesetzt hat. Es ist ihm tatsächlich gelungen, einen ganzen Roman mit dem Passé composé als Haupttempus zu schreiben.
Allerdings muß beachtet werden, daß nicht der ganze Roman im Passé composé geschrieben ist. Betrachtet man beispielsweise den Anfang des Romans, den ich auch für meine Analyse der Tempora gewählt habe (vgl. hierzu Kapitel VII), so fällt auf, daß hier nicht das Passé composé, sondern das Présent verwendet worden ist. Ein Grund hierfür findet sich darin, daß sich der Leser die Rede des Erzählers als eine Art Selbstgespräch vorstellen kann, oder auch als ein nicht geschriebenes Tagebuch. Die Erzählung im Passé composé erfolgt vom Standpunkt der subjektiven Gegenwart des Erzählers, der einen Blick zurück auf die Vergangenheit wirft.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und des methodischen Vorgehens zur Analyse der Vergangenheitstempora.
II. Résumé des Romans L’Etranger: Kurze inhaltliche Zusammenfassung der Romanhandlung von Albert Camus.
III. Kontrastive Linguistik und Übersetzungswissenschaft nach Eugenio Coseriu: Theoretische Grundlagen zur Übersetzung und kontrastiven Linguistik.
IV. Der Gebrauch von Vergangenheitstempora im Französischen und im Deutschen: Detaillierte Darstellung der Tempusformen beider Sprachen.
V. Der Aspekt: Definition und Bedeutung der Aspektkategorie im Sprachvergleich.
VI. Sprachvergleich Französisch – Deutsch bezüglich der Übersetzung von Tempora der Vergangenheit: Analyse der kontextuellen und intendierten Unterschiede bei der Tempuswahl.
VII. Textauszüge: Gegenüberstellung der Originalpassagen mit zwei unterschiedlichen deutschen Übersetzungen.
VIII. Die Tempora in Albert Camus L’Etranger: Spezifische Untersuchung der Tempuswahl von Camus im Roman.
IX. Die Tempora in den Übersetzungen von Uli Aumüller und Georg Goyert/Hans-Georg Brenner – im Vergleich zum Originaltext von Albert Camus: Kritischer Vergleich der Übersetzungsstrategien hinsichtlich der Tempuswahl.
X. Conclusion: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Reflexion über die Möglichkeiten der Übersetzung.
XI. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Vergangenheitstempora, Übersetzungswissenschaft, Albert Camus, L’Etranger, Passé composé, Passé simple, Präteritum, Perfekt, Kontrastive Linguistik, Aspekt, Sprachvergleich, Übersetzungskritik, Tempus, Erzähltempus, Ideomatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der kontrastiven Analyse der Vergangenheitstempora im Französischen und Deutschen sowie deren praktischer Umsetzung in Übersetzungen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Tempussysteme beider Sprachen, die Bedeutung des Aspekts und die spezifische Übersetzungstechnik bei literarischen Texten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die translatorischen Herausforderungen bei der Übertragung der Vergangenheitstempora aus dem Roman "L’Etranger" zu bewerten und die Angemessenheit unterschiedlicher Übersetzungsansätze zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin nutzt den kontrastiven Sprachvergleich sowie eine vergleichende Analyse von zwei spezifischen deutschen Übersetzungen anhand von ausgewählten Textauszügen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Tempus und Aspekt, den Sprachvergleich zwischen Französisch und Deutsch sowie eine praktische Analyse der Übersetzungen von Aumüller und Goyert/Brenner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Vergangenheitstempora, Übersetzungswissenschaft, Sprachvergleich, Aspekt und die spezifische Anwendung im Roman von Albert Camus.
Warum verwendet Camus im Roman bevorzugt das "Passé composé"?
Die Arbeit argumentiert, dass Camus das Passé composé wählt, um Meursaults Isolation und die Distanz des Ich-Erzählers zu seinem Leben zu unterstreichen, anstatt das übliche "Passé simple" der Literaturtradition zu nutzen.
Warum kritisieren die Übersetzer das "Passé composé" teilweise im Deutschen?
Die Übersetzer Goyert und Brenner bevorzugen das Präteritum, da sie das Perfekt in der deutschen Schriftsprache als weniger geeignet ansehen, den erzählerischen Fluss aufrechtzuerhalten.
- Arbeit zitieren
- Dr. phil. Birgit Lonnemann (Autor:in), 1998, Vergangenheitstempora in der Übersetzung Französisch - Deutsch am Beispiel ausgewählter Texte aus Albert Camus "L'Etranger", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117666