In der vorliegenden Arbeit wird das Florentiner Baptisterium San Giovanni unter besonderer Berücksichtigung der liturgischen Anlage und ihres Gebrauchs, der Statik des Gebäudes und seiner stilgeschichtlichen Einordnung betrachtet. Einführend wird die Baugeschichte zusammen mit einer allgemeinen Baubeschreibung dargestellt. Den ersten Schwerpunkt dieser Arbeit stellt dann der Themenkreis zum Ort und Ritus der christlichen Taufe im Florentiner Baptisterium dar, da das Baptisterium zwecks dieser Aufgabe erbaut wurde. Hierzu gehört eine genauere Betrachtung des mittelalterlichen Taufbeckens. Weil dieses 1577 entfernt wurde, dient ein Vergleich mit dem Pisaner Baptisterium der umfassenderen Betrachtung. Die dortige Anlage wurde nach dem Vorbild des Florentiner Bassins entworfen. Der Themenkreis um die Taufe soll durch die Erläuterung des im mittelalterlichen Pisa und Florenz üblichen Taufritus zum Abschluss gebracht werden.
Im Gegensatz zum Taufbecken findet die Deckenkonstruktion von San Giovanni im Italien der Entstehungszeit des Baptisteriums keinen Vergleich . Aus diesem Grund befasst sich ein weiterer Abschnitt der Arbeit mit dem Aufbau der Kuppel und dem damit zusammenhängenden statischen System des Gebäudes.
Im letzten Abschnitt dieser Arbeit soll es schließlich um das Baptisterium als einem Bau der Protorenaissance gehen. Es wird beschrieben werden, in wie fern an Innen- und Außenfassade Antikenrezeptionen auszumachen sind und in welchen Punkten San Giovanni sich von einem antiken Bau unterscheidet. Hier dient das Pantheon in Rom als Vergleichsbau. Der florentinische Geschichtsschreiber Giovanni Villani (um 1280-1348) war der erste, der die Gliederung der Innenfassade des Baptisteriums mit dem Pantheon verglich. Seitdem haben sich verschiedene Historiker mit dieser These beschäftigt und sie immer wieder bestätigt. Die wesentlichen Parallelen und Unterschiede sollen hier kurz vorgestellt werden. Für die Außenfassade gibt es kein solch eindeutiges Vorbild, jedoch wird ihr Aufbau maßgeblich von der Gliederung des Innern bestimmt. Im Vordergrund wird daher stehen, die Parallelen zwischen der Gliederung der Innen- und Außenfassade aufzuzeigen und wie diese mit dem statischen System zusammenhängt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Baugeschichte und allgemeine Baubeschreibung
3 Die liturgische Anlage und ihr Gebrauch
3.1 Das Florentiner Taufbecken
3.2 Das Pisaner Taufbecken
3.3 Der Pisaner und der Florentiner Taufritus
4 Die Deckenkonstruktion und das statische System
5 Stilgeschichtliche Einordnung des Baptisteriums
5.1 Antikenrezeption
5.1.1 Die Innenfassade
5.1.2 Die Außenfassade
5.2 Nicht-Antike Elemente
6 Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Florentiner Baptisterium San Giovanni unter Berücksichtigung seiner liturgischen Funktion, der statischen Konstruktion sowie seiner stilgeschichtlichen Verortung innerhalb der Protorenaissance, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen byzantinischen Einflüssen und der Rezeption klassisch-antiker Vorbilder wie dem Pantheon analysiert wird.
- Baugeschichte und bauliche Entwicklung des Baptisteriums
- Vergleich des rituellen Gebrauchs und der Ausstattung von Taufbecken in Florenz und Pisa
- Analyse der Kuppelkonstruktion und des zugrunde liegenden statischen Systems
- Untersuchung der Fassadengliederung und ihrer Bezüge zur Antikenrezeption
- Synthese von byzantinischen, römischen und romanischen Bautraditionen
Auszug aus dem Buch
Die Deckenkonstruktion und das statische System
Das Florentiner Baptisterium zeigt eine Kuppelkonstruktion, wie sie im Italien zur Zeit der Entstehung des Baptisteriums sonst nirgends zu finden ist30. Stattdessen diente dem Baumeister die byzantinische Spätantike als Vorbild. Er verwendete das dort geläufige Prinzip der „aktiven Resistenz“. Hierbei befindet sich im Innern der Mauern ein Gerüst, das den Schub der Kuppel bis in die Fundamente ableitet (siehe Abb. 8). Die Wände sind diesem Gerüst lediglich vorgeblendet und fangen31 – mit Ausnahme der Kapellenseite des Baptisteriums32 – keinen Schub auf. Der Kuppelschub wird daher bereits in der Entstehungszone auf bestimmte Stellen konzentriert33: in San Giovanni sind dies zum einen die acht Eckpfeiler, zum anderen ein reguläres Transversalskelett, das sich zwischen den Eckpfeilern aufbaut. Um dieses Skelett sind die Wände gelegt, wodurch eine Zweischaligkeit der Mauern entsteht. Gleichzeitig werden äußere und innere Wand von diesem statischen Gerüst miteinander verbunden. Es entstehen Zwischenwände, die den Freiraum zwischen vorderer und hinterer Wand in einzelne kleine Zimmer unterteilen. Die Verstrebungen zwischen den Wänden sind durchbrochen, sodass ein Umgang entsteht, in dem das statische System sichtbar wird34.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenfelder Baugeschichte, Taufpraxis, Statik und stilistische Einordnung des Baptisteriums ein und erläutert die methodische Vorgehensweise durch den Vergleich mit dem Pantheon und dem Pisaner Taufbecken.
2 Baugeschichte und allgemeine Baubeschreibung: Das Kapitel skizziert die komplexe, teils durch Grabungen und Urkunden schwer datierbare Baugeschichte des Baptisteriums, von den langobardischen Ursprüngen bis hin zu den Veränderungen des 16. Jahrhunderts.
3 Die liturgische Anlage und ihr Gebrauch: Hier werden das ehemalige Florentiner Taufbecken und das Pisaner Vergleichsstück analysiert, um die rituellen Anforderungen an den Ort der Taufe und deren liturgische Durchführung zu beleuchten.
4 Die Deckenkonstruktion und das statische System: Dieser Abschnitt erläutert die innovative Anwendung des byzantinischen Prinzips der „aktiven Resistenz“ und die zweischalige Mauerkonstruktion, welche die Lasten der Kuppel stabilisiert.
5 Stilgeschichtliche Einordnung des Baptisteriums: Das Kapitel untersucht die bewusste Rezeption klassisch-antiker Prinzipien, insbesondere des Pantheons, in Kombination mit romanischen und byzantinischen Elementen in der Innen- und Außenfassade.
6 Schluss: Die Arbeit resümiert, dass San Giovanni als herausragende Synthese verschiedener Bautraditionen zu verstehen ist, die weit über rein protorenaissancistische Ansätze hinausreicht.
Schlüsselwörter
Florentiner Baptisterium, San Giovanni, Protorenaissance, Architekturgeschichte, Taufbecken, Liturgie, Statik, Kuppelkonstruktion, Antikenrezeption, Pantheon, byzantinische Einflüsse, Inkrustationsfassade, Bauskelett, Mittelalterliche Architektur, Taufritus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Florentiner Baptisterium San Giovanni als bedeutendem Bauwerk, wobei der Fokus auf dessen architektonischer Struktur, liturgischer Funktion und stilistischer Einordnung liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Baugeschichte, die Gestaltung und Nutzung der Taufbecken, die statische Deckenkonstruktion sowie die stilgeschichtliche Verknüpfung von antiken, byzantinischen und romanischen Elementen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die bauliche und funktionale Komplexität von San Giovanni aufzuzeigen und insbesondere die Synthese verschiedener Bautraditionen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt kunsthistorische Analysemethoden wie den Baubefund, den vergleichenden Stilvergleich und die Analyse architektonischer Skizzen und Quellen, um das Gebäude in seinen historischen Kontext einzuordnen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des rituellen Gebrauchs durch Taufbecken, die technische Analyse des statischen Systems sowie die detaillierte stilistische Untersuchung der Fassaden im Vergleich zum Pantheon.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Protorenaissance, Baptisterium, Kuppelkonstruktion, Antikenrezeption, Taufbecken und byzantinische Tradition sind die prägenden Begriffe dieser Arbeit.
Warum wurde das Pisaner Taufbecken als Vergleich herangezogen?
Da das originale Florentiner Taufbecken 1577 zerstört wurde, dient das Pisaner Becken, das nach dem florentinischen Vorbild entworfen wurde, als entscheidendes Zeugnis für die ursprüngliche Anlage.
Welche Rolle spielte das Pantheon in Rom für den Bau von San Giovanni?
Das Pantheon diente als primäres architektonisches Leitbild für die Gliederung der Innenfassade, wobei der Architekt von San Giovanni die dortige waagerechte Gliederung konsequent adaptierte.
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- Katharina Fee Volling (Author), 2008, Das Florentiner Baptisterium San Giovanni, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117692