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Genozid als letzte Chance des Machterhalts?

Jack Snyder im empirischen Test

Title: Genozid als letzte Chance des Machterhalts?

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 23 Pages , Grade: 1,2

Autor:in: Bachelor Stefanie Herr (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Ein prominenter unter ihnen ist Jack Snyder, der in seinem Buch „From Voting to Violence“
den Zusammenhang zwischen Demokratisierung und nationalistischen Konflikten untersucht. Er
kommt dabei zu dem Ergebnis, dass „democratic consolidation reduces ethnic conflict but [...]
rocky transitions to democracy often give rise to warlike nationalism and violent ethnic conflicts“
(Snyder 2000: 15f). Snyder vertritt die These, dass die Demokratisierung eines Landes zu einer
erhöhten Wahrscheinlichkeit eines gewalttätigen Konflikts führt, indem durch die Ausweitung
politischer Partizipation exkludierende Formen des Nationalismus entfesselt werden.
Nationalistische Konflikte entstehen seiner Meinung nach nicht durch vordemokratische
Rivalitäten zwischen Nationen, sondern werden erst in einer frühen Phase der Demokratisierung
ausgelöst. Ein gewalttätiger Konflikt entsteht laut Snyder dann, wenn sich die herrschende Elite mit
wachsenden Forderungen nach einer Ausweitung politischer Partizipation konfrontiert sieht, und
versucht einen drohenden Machtverlust durch den Rückgriff auf nationalistische Ideen
abzuwenden.
Die Überprüfung dieser These Snyders wird im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Ziel ist es,
die Annahmen Snyders zu beleuchten und sie anschließend einem empirischen Test zu unterziehen.
Als Fallbeispiel soll eines der mörderischsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts, der Genozid in
4
Ruanda, herangezogen werden. Hierzu wird in Kapitel 2 zunächst die Snyder'sche Theorie
dargestellt und erläutert. Anschließend findet sich in Kapitel 3 ein kurzer historischer Abriss des
Genozids, bevor in Kapitel 4 der Fall Ruanda einer genaueren Analyse mit Hilfe der von Snyder
aufgestellten These unterzogen wird. Ging dem Genozid in Ruanda in der Tat eine Bedrohung der
herrschenden Machtelite voraus? Abschließend sollen in Kapitel 5 Stärken und Schwächen der
Snyder'schen Argumentation diskutiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Problemaufriss und Fragestellung

2. „From Voting to Violence“

2.1 Synders' Definition von Nationalismus

2.2 Der kausale Zusammenhang zwischen Nationalismus und Demokratie

2.3 The Marketplace of ideas

2.4 Die Wahrscheinlichkeit eines nationalistischen Konflikts

3. Das Fallbeispiel Ruanda

4. Der Genozid als letzte Chance des Machterhalts?

4.1 Eine bedrohte Elite? Präsident Habyariamana und die akazu

4.2 Ruanda als Paradebeispiel eines Counterrevolutionary Nationalism?

4.3 Der Rolle der Medien in der Vorbereitung und Durchführung des Genozids

5. Schwächen der Snyder'schen These

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Validität der Theorie von Jack Snyder, wonach Demokratisierungsprozesse in instabilen Systemen nationalistische Konflikte begünstigen, da bedrohte Eliten nationalistische Rhetorik als Instrument zum Machterhalt einsetzen. Anhand des Genozids in Ruanda wird geprüft, inwiefern diese These als Erklärungsmodell für den Völkermord fungieren kann und wo ihre theoretischen Grenzen liegen.

  • Zusammenhang zwischen Demokratisierung und Nationalismus
  • Die Rolle der Elite und der Schutz eigener Privilegien
  • Mediale Einflussnahme und der öffentliche Diskurs
  • Empirische Analyse des ruandischen Fallbeispiels
  • Kritische Reflexion der "Elite-Manipulation"-Theorie

Auszug aus dem Buch

4.1 Eine bedrohte Elite? Präsident Habyariamana und die akazu

Dem Genozid in Ruanda gingen in der Tat Demokratisierungsbestrebungen voraus. Bereits 1991 beugte sich der ruandische Präsident Habyarimana internationalem Druck und führte ein Mehrparteiensystem ein. Eine lebhafte Verbände- und Parteienlandschaft entstand, die sich jedoch in erster Linie entlang ethnischer Linien entwickelte (Mann 2005: 440). Zwar existierten auch moderate Parteien, deren Wahlprogramme insbesondere Unterschiede zwischen den verschiedenen sozialen Klassen betonten und sowohl Stimmen der Hutu als auch der Tutsi gewinnen sollte. Für viele Bürger war dies jedoch keine Alternative, weil sie befürchteten, eine moderate Politik würde zwangsläufig Verhandlungen mit den „Feinden“ der RPF bedeuten. Statt dessen waren besonders radikale Hutu-Parteien in der Rekrutierung neuer Mitglieder erfolgreich, unter ihnen die Coalition for Defense of the Republic (CDR), die jegliche Kompromisse zu Gunsten der RPF strikt ablehnten (Mann 2005: 440).

Neben der Einführung eines Mehrparteiensystems führte auch die, kurz vor dem Genozid vollendete, Unterzeichnung eines international geförderten Friedensabkommens zu weiteren Demokratisierungsbestrebungen. Der Friedensvertrag von Arusha sah neben der Bildung einer Übergangsregierung eine Machtteilung zwischen Hutu und Tutsi vor (Paris 2004: 70). Er repräsentierte somit einen direkten Angriff auf die herrschende Machtelite.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Problemaufriss und Fragestellung: Das Kapitel führt in die Theorie des demokratischen Friedens ein und stellt Jack Snyders These vor, dass Demokratisierungsprozesse in jungen Staaten nationalistische Gewalt provozieren können.

2. „From Voting to Violence“: Hier werden Snyders theoretische Grundlagen, insbesondere seine Definition von Nationalismus und die Rolle des "Marketplace of ideas", detailliert erläutert.

3. Das Fallbeispiel Ruanda: Dieses Kapitel bietet einen historischen Abriss der soziopolitischen Situation in Ruanda und der Ereignisse, die zum Ausbruch des Genozids 1994 führten.

4. Der Genozid als letzte Chance des Machterhalts?: Die Snyder'sche Theorie wird hier auf den ruandischen Fall angewandt, wobei die Rolle der Eliten, der Medien und der politischen Strukturen im Fokus stehen.

5. Schwächen der Snyder'schen These: Eine kritische Auseinandersetzung, die aufzeigt, dass Snyders Modell die Rolle der Massen und historisch gewachsene Ressentiments teilweise vernachlässigt.

6. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Snyders These zwar wichtige Erklärungsansätze liefert, der ruandische Völkermord jedoch ein komplexeres Zusammenspiel aus Elitenstrategien und gesellschaftlichen Faktoren darstellt.

Schlüsselwörter

Demokratisierung, Nationalismus, Ruanda, Genozid, Elitenmanipulation, Habyarimana, akazu, politische Partizipation, Medienpropaganda, ethnische Konflikte, Transition, Machtpolitik, Minderheitenschutz, Demokratische Konsolidierung, Konfliktanfälligkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert kritisch die Theorie von Jack Snyder über den Zusammenhang von Demokratisierung und nationalistischen Konflikten am Beispiel des Genozids in Ruanda.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Elitenmanipulation, die Rolle der Medien bei der Ausbreitung nationalistischer Ideologien sowie die Bedeutung institutioneller Strukturen in Transitionsländern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die empirische Überprüfung von Snyders Hypothese, dass eine drohende Demokratisierung Eliten dazu verleitet, nationalistische Feindbilder zu instrumentalisieren, um ihren eigenen Machterhalt zu sichern.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Fallstudienanalyse, die theoretische Konzepte Snyders mit empirischen historischen Daten aus Ruanda abgleicht.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Neben der theoretischen Herleitung werden die Bedrohungssituation der Habyarimana-Elite, die mediale Mobilisierung durch Radio-Sender und die strukturelle Anfälligkeit Ruandas für exkludierenden Nationalismus analysiert.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Charakteristika sind: Demokratisierung, Elitenstrategien, nationalistische Propaganda, Genozid-Ursachen und Transition-Probleme.

Wie bewertet die Autorin die Theorie von Jack Snyder?

Die Autorin erkennt Snyders Ansatz als wertvolles Erklärungsmodell an, konstatiert jedoch, dass es die soziopsychologische Dimension und die aktive Rolle der breiten Bevölkerung bei der Gewaltanwendung unterschätzt.

Welche Rolle spielten die Medien in Ruanda laut der Analyse?

Die Analyse zeigt, dass Medien wie das RTML zwar als Instrument zur Verbreitung von Propaganda genutzt wurden, ihre tatsächliche steuernde Wirkung jedoch von anderen Forschern wie Scott Straus im Vergleich zur persönlichen Mobilisierung vor Ort teilweise als überbewertet eingestuft wird.

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Details

Title
Genozid als letzte Chance des Machterhalts?
Subtitle
Jack Snyder im empirischen Test
College
University of Frankfurt (Main)  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Der innere Frieden der Demokratie: Theorie, Empirie und Kritik
Grade
1,2
Author
Bachelor Stefanie Herr (Author)
Publication Year
2008
Pages
23
Catalog Number
V117714
ISBN (eBook)
9783640200795
ISBN (Book)
9783640206292
Language
German
Tags
Genozid Chance Machterhalts Frieden Demokratie Theorie Empirie Kritik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor Stefanie Herr (Author), 2008, Genozid als letzte Chance des Machterhalts?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117714
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