Frauenliteraturgeschichten kreativ lesen

Erprobung einer kreativen Lesestrategie am Bsp. von Carola Hilmes' "Skandalgeschichten"


Hausarbeit, 2007
14 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung des eigenen Reflexionsprozesses nach der Dreischritt-Methode
2.1 Vorstellung von Lesestrategien, insbesondere des Kreativen Lesens
2.2 Darstellung der inhaltlichen Vorbereitung auf das Lesen (1. Schritt)
2.3 Darstellung der Lesebegleitung (2. Schritt)
2.4 Darstellung der Nachbereitung (3. Schritt)

3. Die Problematik der Bezeichnung „Frauenliteraturgeschichte“
3.1 Eigene Lesebiographie
3.2 Blick in eine traditionelle Literaturgeschichte
2.3 Die Konzeption einer traditionellen Literaturgeschichte im Vergleich zu einer Frauenliteraturgeschichte

4. Schlussreflexion

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Bevor demonstriert werden soll, wie mithilfe der Dreischritt-Methode, die im Kreati- ven Lesen eingesetzt wird, Carola Hilmes’ Einleitung zu den „Skandal-Geschichten“ untersucht wurde, wird kurz aufgezeigt, welche Lesestrategien es gibt und welche zu- vor bevorzugt oder vielleicht auch unterbewusst eingesetzt wurde, ohne zu wissen, dass nach einer bestimmten Strategie vorgegangen wurde.

Mittels einer anschließenden Lesebiographie und der Beschreibung einer traditionellen Literaturgeschichte soll herausgefunden werden, was nach Meinung der Herausgeber dieser Literaturgeschichte und auch vieler Lehrkräfte zum Kanon der deutschen Lite- ratur zählt und außerdem, welche Rolle dabei die Literatur von weiblichen Autoren einnimmt. Ein Vergleich mit einer Frauenliteraturgeschichte folgt im Anschluss.

Im letzten Teil wird sich mit der Fragestellung befasst, warum eine geschlechtsspezifi- sche Literaturgeschichte notwendig sein könnte, warum dies aber auch mit Problemen behaftet ist.

2. Darstellung des eigenen Reflexionsprozesses nach der Dreischritt-Methode

1.1 Vorstellung von Lesestrategien, insbesondere des Kreativen Lesens

Man unterscheidet zwischen reproduktiven und produktiven Lesestrategien. Generell verfolgt man mit einer Strategie ein planmäßiges, systematisches Vorgehen, man liest und selektiert zugleich - meist hinsichtlich einer oder mehrerer Fragestellungen. Aus der Fragestellung ergibt sich dann die Wichtigkeit. Das wichtig Erscheinende wird anschließend oder währenddessen zusammengetragen.

Zu den reproduktiven Lesetechniken zählt die Technik des traditionellen Lesens, bei der gelesen und markiert, dann ein zweites Mal gelesen und exzerpiert wird. Auch das rationelle Lesen gehört zu dieser Kategorie. Hier verschafft man sich zunächst ei- nen groben Überblick, stellt vorab einige Fragen an den Text und beginnt zu lesen, danach beantwortet man den Fragenkatalog und prüft seine Ergebnisse.

Zu den produktiven Lesetechniken zählt zum Beispiel das Sokratische Lesen. Hierbei wird man selbst aktiv, stellt die typischen W-Fragen (Wer? Was? Warum? ...), liest den Text unter besonderer Berücksichtigung vorab gestellter Fragen und hält die Antworten (beispielsweise in einem Schaubild) fest.

Eine weitere produktive Lesetechnik ist das Kreative Lesen, die im Folgenden mit der „Dreischritt-Methode“ angewandt wird. Der erste Schritt ist die Lesevorbereitung, die beispielsweise durch Freewriting oder durch Erstellung einer grafischen Darstellung (Cluster) vorgenommen wird. Im Proseminar wurde als Vorbereitung zum Beispiel mit dem Titel „Frauen lesen anders“ gearbeitet. Auch die Erstellung einer Lesebio- grafie kann Impulse für das anschließende Lesen geben. Der zweite Schritt ist die Le- sebegleitung: Während des Lesens versucht man, gute Ideen zu sammeln, den Text zum Beispiel mit einer Mindmap verständlicher aufzubereiten oder mittels eines Ex- zerptes zusammenzufassen. Der dritte Schritt - die Nachbereitung - kann in Form ei- ner literarischen Kleinform geschehen, beispielsweise in Form eines Elfchens. Dessen Kürze zwingt den Leser zu einer Gedankenkonsequenz, um dann als Ziel zu errei- chen, die Quintessenz eines Textes zu erfassen.

1.2 Darstellung der inhaltlichen Vorbereitung auf das Lesen (1. Schritt)

Der erste Schritt beim Kreativen Lesen ist die Lesevorbereitung. Am Text „Skandal- Geschichten. Aspekte einer Frauenliteraturgeschichte“ von Carola Hilmes kann man vorbereitend schon sehr viel erarbeiten, ohne den Text überhaupt gelesen zu haben. Man kann seine Lesevorbereitung beispielsweise mit einer Titelarbeit beginnen.

Vorab kann man das Wort „Skandal“ in verschiedenen Quellen nachschlagen. Im Word-Thesaurus stehen als Synonyme hierzu: „Lärm, Anstoß, Ärgernis, Schande, Unehre und Schmach“. Im Internet findet man bei der Wikipedia-Enzyklopädie einen kleinen Aufsatz zum Thema Skandal. Im Zuge dieser Hausarbeit wird das Wichtigste in einem Schaubild mit W-Fragen zusammengefasst und die Technik des Sokrati- schen Lesens angewandt, obwohl diese zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt ist. Im Zentrum steht das Wort Skandal und viele Äste zweigen hiervon ab. An einem Zweig steht eine Kurzdefinition: Das Wort Skandal ist aus dem Französischen bzw. Griechischen entlehnt worden, und ein Skandal wird durch ein vorsätzliches oder un- beabsichtigtes Fehlverhalten ausgelöst. Durch ein Bekanntwerden in der Öffentlich- keit wird dieses Verhalten erst zum Skandal. Auf die Frage „Wer?“ kann man ant- worten, dass in der Regel Menschen in einen Skandal verwickelt sind, die einen ge- wissen Bekanntheitsgrad innehaben – also Personen, die im Rampenlicht stehen. Auch wenn sich jemand, der im Mittelpunkt eines Skandals gestanden hat, später als unschuldig erweist, wird er später dennoch weiterhin mit diesem Skandal in Verbin- dung gebracht. „Was?“ einen Skandal auslösen kann, sind immer Handlungen, die gegen etablierte Wertvorstellungen verstoßen. Dabei kann eine Handlung zum einen Zeitpunkt zu einem Skandal erklärt werden, zu einem späteren Zeitpunkt würde sich niemand daran stören. Somit sind zugleich immer Rückschlüsse auf die Werte und Normen einer Gesellschaft möglich. „Womit?“ wird ein Skandal zum Skandal ge- macht? Das kann beispielsweise durch eine breit angelegte Mundpropaganda oder auch durch die Medien geschehen. Auf die Frage nach dem „Warum?“, also dem Motiv, sind verschiedene Antworten möglich. Jemand möchte einen Rivalen in Ver- ruf bringen und macht eine Handlung dessen öffentlich, die als skandalös empfunden werden könnte. Voraussetzung ist, dass der Skandalisierer überzeugend wirkt und dass die Gesellschaft sich überhaupt von diesem Skandal beeinflussen lässt. Ein Skandal kann aber auch vom Skandalisierten selbst ausgehen, wenn er auf sich und seine Handlung aufmerksam machen will, denn ein Skandal steigert immer auch den Bekanntheitsgrad des Skandalisierten. „Wo?“ es zu Skandalen kommt, ist verschie- den, alle Bereiche in Politik, Wirtschaft, „Highsociety“ oder auch im kleinen Dorf sind denkbar. Die Folgen eines Skandals sind oft schwerwiegend, es kann eine Lauf- bahn zerstört, aber auch beflügelt werden.

Man kann die Titelarbeit allerdings auch anders angehen, indem man die Lügen und Wahrheiten des Titels formuliert. Lügen zu formulieren bedeutet, dass man Anto- nyme suchen muss. Für „Skandalgeschichten“ habe ich zum Beispiel die Lügen „Eh- renhafte, Friedliche, Lautlose, Hochgeachtete, Unspektakuläre, Unbachtete oder An- erkannte Geschichten“ formuliert. Für „-geschichten“ könnte man vielleicht auch „-wahrheiten“ sagen, wenn man Geschichte als etwas Erfundenes versteht. Ein Anto- nym für „Frauenliteraturgeschichte“ wäre zum Beispiel „Männerliteraturge- schichte“. Als nächstes versucht man die Wahrheiten des Titels zu formulieren. Man könnte sagen: „Es geht um Frauen, die schreiben und rezipieren“, „Es geht um (Frauen-) Literaturgeschichte“, „Frauenliteraturgeschichte beinhaltet Geschichten mit skandalösem Inhalt“ oder „Frauenliteratur wird von der Leserschaft als skanda- lös empfunden“.

Anschließend folgt eine Auseinandersetzung mit Problemen und Fragestellungen, welche die Titelaussage mit sich bringt. Auf was bezieht sich das Skandalöse denn eigentlich - auf den Inhalt, auf die Reaktion der Leser, auf die Tatsache, dass Frauen schreiben und auf welche Weise sie dies tun? Weshalb heißt es bei Carola Hilmes ausgerechnet „Frauenliteraturgeschichte“? Haben Männer in der Literaturgeschichte nicht auch Skandale ausgelöst? Der Titel wurde wohl mit Absicht so gewählt, gerade weil er so viel Interpretationsspielraum bietet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Frauenliteraturgeschichten kreativ lesen
Untertitel
Erprobung einer kreativen Lesestrategie am Bsp. von Carola Hilmes' "Skandalgeschichten"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V117737
ISBN (eBook)
9783640212705
ISBN (Buch)
9783640212750
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenliteraturgeschichten
Arbeit zitieren
Lena Heinrich (Autor), 2007, Frauenliteraturgeschichten kreativ lesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117737

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